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172. Dienstag, den 31. Juli 1883.

MM 1® Inlung.

eu Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne Ml» Blumen' in Fulda 1 Ml. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Fulda, 31. Juli.

lqj (Kirchenpolitisches.) Die ,Post' er­greift die Partei der .Germania' gegen den pro­testantischen .Reichsboten', welcher auf die Be­merkungen des ersteren Blattes über die Er­nennung des Dr. Baur zum General-Superin­tendenten der Rheinlands in heftigen Ausfällen den genugsam bekannten Standpunkt Baur's ver­tritt. Der .Reichsbote' apostrophirt dabei ganz nach Art der Garribaldianischen Revolverblätter Se. Heiligkeit den Papst als „italienischen Mann." Me .Post' erklärt dem gegenüber: „Ohne Zwei­fel ist diese Sprache recht energisch, aber auf die Gefahr hin,' daß der Reichsbote uns wieder der „Katholikenfreundlichkeit" beschuldigt, was ja an und für sich nichts Schlimmes wäre und auch nur geschieht, um uns bei unfern evangelischen Lesern zu verdächtigen, müssen wir doch bemerken, daß die Sprache sich durch nichts von derjenigen unterscheidet, welche die allerwüthendften „Kultur- pauker" in der größten Hitze des Kulturkampfes geführt haben. Wir selbst haben natürlich solche Ausdrücke, wie den von dem „italienischen Mann" nie gebraucht, da man aus diesem Wege jeden Ausgleich, jede Verständigung, jede Versöhnung und jeden Frieden unmöglich macht." Bravo!

* Kissingen, 29. Juli. (Der Reichs­kanzler Fürst Bismarck) ist, von der Frau Fürstin Bismarck, dem Grafen Wilhelm Bismarck und Dr. Schwenninger begleitet, gestern Abend 9 Uhr 45 Min. hier eingetroffen und von dem zahlreich versammelten Publikum freudigst mit Hochrufen begrüßt worden.

Oesterreich - Ungarn.

* Wien, 29. Juni. (Kathol. Wachsam­keit.) Bischof Rudigier von Linz hat dem Landeshauptmann angezeigt, daß er die Religions- srüfungskommission für Lehrer auflöse, da ihm die Durchführungsverordnung zur Schulgesetznovelle nicht entspreche.

• Nyiregyhaza, 30. Juli. (Tisza-Esz-

' ■ • ......' 12

Irrest auch Du?

Aus hinterlassenen Handschriften eines Unbe­kannten mitgetheilt von

$«81 Feige.

ES war der erste Jrrthum meines Lebens, es ist der einzige geblieben. Kind, deine Zunge ist dem Gebot des heiligen Schutzengels unterthan gewesen! — Wie ein Schleier war es von meinen Augen genommen, als Leokadia Leo's Namen nannte.

Jeder Zug seines Gesichtes hätte es mir sagen müffen, welches Band zwischen ihm und Leokadia geknüpft war, und grade in der Zurückhaltung, mit der sich Beide in meiner Anwesenheit mas- kittsn, sah ich jetzt nach Leokadia's scheuem Ge- ständniß den sprechendsten Beweis ihres Einver­nehmens. z

Zwar erschien mir Leo's Verhalten immer noch in räthselhaftem Lichte, doch gönnte ich ihm das erworbene Glück von Herzen.

Es dünkte mir fast süß, jetzt jeder anderen Zu- neigung Leokadia's zu entsagen, da ich mich durch «n so reiches Maß geschwisterlicher Freundschaft entschädigt sah.

„Fast sollte ich meinen, Ihr könntet Euch nicht freuen," schmollte Leokadia mit erkünstelter Ver­drießlichkeit, „ich habe Euch ja noch die Haupt­fachs zu erzählen; Leo hat heute sein Probestück gebracht."

larer Prozeß.) Unter großer Spannung nimmt Eötvös als Vertheidiger von Scharf, Buxbaum und Wollner das lWort. Er widerlegt einige Ausführungen des Privatklägers und äußert sich über den rituellen Mord. -- Der Privatankläger Szalay erklärt, daß er morgen repliziren wird. Morgen wird der Prozeß abgeschlossen und der Tag der Urtheilsverkündigung mitgetheilt.

— 30. Juli. Die Komitatsbeamten betrauten in einer gestern abgehaltenen Konferenz den Ober­fiskal Szikszay mit der Aufgabe, wegen der Aeußerung des Vertheidigers Heumann, daß die Administrationsbehörde sich mit der Werbimg falscher Zeugen befaßte, die Verleumdungsklage gegen Heumann anzustrengen.

Frankreich.

* Paris, 27. Juli. (Der Municipal- rath) von Marseille hat das kaiserliche Schloß als Geschenk der Exkaiserin unter der Bedingung angenommen, daß die Stadt der Exkaiserin alle Prozeßkosten zurückerstatte.

A England.

* London, 30. Juli. (Palästinakanal.) In London wird eine Summe von 10,000 Psd. Sterl. aufgebracht zur Bestreitung der Kosten für die Vorarbeiten zu einem Palästinakanal. Es ist nämlich im Plane, den großen Hohlweg des Jordans als schiffbaren Seeweg zwischen dem Rothen- und Mittelmeere zu benutzen.

* (Das Juli-Heft der .Dublin Review') bringt einen Aufsatz aus der Feder des katholischen Naturforschers St. George Mivart über „katholische Politik", welcher folgenden Inhalt hat: In den Reihen der englischen Katholiken hat sich im Jahre 1882 das Bestreben kundgegeben, eine liberale und eine konservative Partei zu bilden. Der Ver­fasser obiger Abhandlung tritt den Bestrebungen solcher Art entgegen. Er erinnert an die That- sache, daß die englischen Katholiken ihrer über­wiegenden Mehrzahl nach bis in die Mitte dieses Jährhunderts der liberalen Partei angehörten. Ausgiebigen Schutz konnten sie zwar auch von dieser nicht erlangen \ aber in ihrer Gesellschaft

Ich suchte mit aller mir zu Gebote stehenden Beredsamkeit einen Glückwunsch zusammen, den meine schöne Freundin mit unverstellter Rührung aufnahm, und bat sie demnächst um nähere Auf­klärung hinsichtlich des „Probestückes."

„Von der Ursache dazu hat eigentlich der Vater schon geplaudert," begann Leokadia mit einem An­flug echt weiblicher Selbstzufriedenheit, „Ihr erin­nert Euch noch ', als er meine Vorliebe für Er­zählungen und Skizzen, die den Geist der Tages- schriftstellerei wiederspiegeln, erwähnte."

„Aha, dis Stachelbeeren," lachte ich in mich hinein.

„Leo sträubte sich, nachdem wir uns erklärt hatten," — ein glühender Schein ergoß sich über die lieblichen Züge — „meine Bitte zu erfüllen und sich auf novellistischem Gebiets zu versuchen, unter dem Vorwande, daß er nie eine leise Wahr­nehmung von solchem Talente an sich gemacht habe. Erst meine wiederholten Wünsche bewogen ihn zu dem schnellen Entschluß, den er innerhalb der vergangenen vier Wochen ausführte. Ich machte von der Vollendung seiner Arbeit die Er- laubniß abhängig, sich dem Vater zu offenbaren," fügte sie leise hinzu.

„O Eigensinn, Dein Name ist Weib," rief ich mit komischem Pathos aus.

„Ich habe heute," fuhr Leokadia mit einem strafenden Blicks auf mich fort, „von Leo's Hand das fertige Manuskript erhalten, er muß sich also

befanden sie sich immer noch weit besser, als bei den Tories, welche die alten Strafgesetze gegen die Katholiken zähe aufrecht hielten. Die politi­schen Parteien der Konservativen und Liberalen besitzen auch heute noch in England eine andere Bedeutung als auf dem Festlande. Während die Kulturkampfgesetze in Preußen mit ein Werk des falschen Liberalismus sind, verdanken die englischen Katholiken ihre Religionsfreiheit gerade den Libe­ralen. Ein Blick in die Abstimmnngslisten der beiden Häuser läßt erkennen, wie die Konservativen, namentlich d'Jsraeli und sein Lordkanzler Cairns, sich den Forderungen der Katholiken mit Bezug auf Schulen, katholische Militär- und Flotten- Geistliche, Gesängniß-Kapläne stets widersetzten. Unter solchen Verhältnissen müßte die Bildung einer katholisch-konservativen und einer katholisch­liberalen Partei als ein Unglück betrachtet werden. Was die englischen Katholiken als solche fordern müffen, Freiheit der Religion, das besitzen sie. Übertragung der Religion auf das politische Ge­biet würde naturgemäß eine protestantische Oppo­sition in der nämlichen Richtung begründen. Das gerade aber wäre ein heilloses Unglück und würde die seit 50 Jahren erstickten, alt-protestantischen Leidenschaften aufs Neue anfachen. Pflicht der englischen Katholiken ist, Alles zu vermeiden, was diese Hervorrufen würde. Auf dem politischen Gebiete ist für eine „katholische Partei" kein Raum, weil hier gleiches Recht für Alle gilt, und die Katholiken sich außerdem in der Minderheit be­finden. Eine Spaltung der Letzteren in konser­vative und liberale Katholiken könnte die Inter­essen der Kirche, die für alle politischen Systeme, sofern sie nicht antichristlich sind, Raum gewährt, nur empfindlich schädigen.

Italien.

*■ Rom, 29. Juli. (Das Erdbeben in Ischia) ist in seinen Folgen noch verheerender als im Jähre 1881. Besonders schwer betroffen wur­den außer Casamicciola, Forio und Lacco Ameno, woselbst viele Hauser eingestürzt und zahlreiche Personen unter dm Trümmern begraben sind, überzeugt haben, daß man ein Schriftsteller fein kann, wenn man es will; um es zu lesen, brachte ich es hierher, da — — Warum fpieltet Ihr denn auf meine Liebe an, wenn Ihr vorgebt, von Leo nichts zu misten?" unterbrach sie sich plötzlich, während ich erleichtert aufathmete, der nahen Ge­fahr entronnen zu sein und einstweilen die ant­wort schuldig blieb.

Ich wollte Leokadia's Schriftstellergunst in's Scherzhafte ziehen, als sie mir aufs Neue zuvorkam.

„Nun dürft Ihr nicht glauben, Herr Alfons, daß ich etwa Leo zu dem eitlen Schritt bewegen möchte sich drucken zu laffen," —

Ich fühlte die Schamröthe in meinem Gesicht aufsteigen —

was er schrieb, um meinen Wunsch zu er­füllen, bleibt mein kleines Heiligthum. — “

Sie schien noch mehr sagen zu wollen, brach jedoch ab; vielleicht fühlte sie, ein Unrecht gegen Leo begangen zu haben.

„Und darf auch nicht der vertraute Freund das Erzeugniß der jungen Muse genießen ?" fragte ich, nm mich wieder etwas in Ansehen zu setzen.

„Wenn Ihr spottet, müßt ich Euch eigentlich zur Strafe warten lasten," schulmeisterte mich die Lose, „doch will ich Euch die Einsicht schon gnädig gestatten."

Sie legte das offene Manuskript in meine Hand.

Wirklich Leo's Schriftzüge. Ich las einige Zei­len der grade aufgeschlagenen Seite —