Einzelbild herunterladen
 

M 168

Donnerstag, den 26. Juli

1883.

Fuldaer Ieitung.

Die »ftuitoa t 8«vung erscheint täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Bierreljährtrcher «bonnemeMSprei» ohne BnnAerlohn und Bestellgeld. 1 M. 50 belletristischen Wochenbeilage ,Sterne Mt> Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pfg-, auswärts 1 R. 75Pfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren »mim 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wederholungen entsprechender Rabatt.

Pfg., — mit der

' Wir eröffnen mit dem 1. August ein Abonnement für 2 Monate zum Preise von 1 Mark ohne Bestellgeld. Bon heute ab neu hinzutretende Abonnen­ten erhalten die Nummern bis zum 1. August gratis.

Deutsches Reich.

Fulda, 26. Juli.

• (Die Trauer der Erzdiözese Köln) bespricht die .Triersche Landeszeitung' in ihrer gestrigen Ausgabe mit folgenden ergreifenden aber wahren Worten:

„Von Deutschland ist einst jene unglückselige Spaltung ausgegangen, welche nun schon ungefähr vier Jahrhunderte unserer heiligen Kirche das größte und bitterste Leid aufgelegt hat; Deutsch­land hat aber auch in vollstem Maße die schweren Folgen jenes großen, nie genug zu beklagenden Abfalls von der Kirche zu tragen gehabt. Oder vermöchten wohl alle Verdrehungen der Geschichte es zu leugnen, daß das erste Jahrhundert der Glaubensspaltung zugleich auch das erste des Ver­falles deutscher Macht und Herrlichkeit ist, und daß das traurigste mit Blut und Thränen ge­schriebene Blatt der deutschen Geschichte, jener jammervolle Krieg, welcher unser Vaterland drei­ßig Jahre lang in so schrecklicher Weise verwüstete, - nicht sich vorfände, wenn nicht getebe -in Jahr­hundert vorher der Keim gelegt worden wäre, der in so verhängnißvoller Weise sich entwickelte? Wenngleich unser deutsches Vaterland äußerlich wieder dasteht als ein einiges Reich, geschaffen durch den blutigen Heldentodt so vieler Braven, worunter nicht am Wenigsten Katholiken, so sehen wir es leider im Innern noch gespalten und zer- zissen. Zahllose Kräfte, welche es in den Kampf führen könnte gegen Unglauben und Verderbtheit, werben absorbirt durch Gesetze, welche nur dem Sozialismus und der Anarchie dienlich sind, durch Gesetze, welche Alles eher kräftigen und erhalten, als die Einigkeit Deutschlands. Daß in Deutsch-

8

Irrest auch Dir?

Aus hinterlassenen Handschriften eines Unbe­kannten mitgetheilt von

5«ul leige.

„Nun weiß ich wirklich nicht, wo ich die Er­klärung für Deinen Unmuth hernehmen soll," gab ich resignirt zur Antwort, in der Hoffnung, der peinliä^n Situation ein Ende zu machen.

„Vielleicht findest Du sie in den Einzelheiten des heutigen Tages," erwiderte Leo mit etwas markirter Stimme.

„Du sprichst undeutlich," fuhr ich fort, indem ich ihn verwundert anschaute, „ich gab mir Mühe, Dich für die Theilnahme an unserer Geselligkeit zu gewinnen, Du aber konntest Dich von den Ein- fiüffen einer krankhaften Stimmung so wenig be- freien, daß —"

„Ich gebe mich eher dem Einfluß meiner Stim­mung hin, als ich mich so, wie Du, geschmeidig in Weiberlaunen füge," unterbrach mich Leo spitzig.

„Wenn Du mit diesen Worten eine Zurecht­weisung beabsichtigst," antwortete ich nicht ohne merkbare Gereiztheit, „so ist dieselbe an die un­richtige Adresie gerichtet, weil Du damit zugibst, daß „Weiberlaunen" auf Deine Stimmung wir­ken. Soweit übrigens dieser Ausdruck die An­sichten der Tochter des Herrn von Thorgau treffen M, bist Du die Begründung dafür schuldig.

land jetzt noch Thränen geweint werden, die der Kirchenspaltung vor 400 Jahren zu danken, konnte man bemerken, als in einem Orte der Diözese Trier das hl. Sakrament der Firmung ertheilt wurde. Ein Krieger von 1870/71, dessen Orden bewies, daß er nicht der Feigste in der Schlacht gewesen, sondern für die Einigkeit Deutschlands sein junges Blut gerne vergossen hatte, wurde durch die Ansprache des hochwürdigsten Herrn Bischofs so tief gerührt, daß er weinend die Worte aussprach:

„Sind solche Hirten denn Deutschland gefähr­lich? Sind es nicht gerade diese Priester, welche die Vaterlandsliebe und den Gehorsam gegen die Obrigkeit, sowohl weltliche als geistliche, in uns befestigen? — Warum", so fuhr der Herr im Kreise braver Ackersleute fort, „hat man unfern geliebten Oberhirten, der doch nur solchen Gesetzen den Gehorsam verweigert hat, die gegen die Rechte seiner Kirche gerichtet waren, die nach kaum zehn­jährigem Bestehen von ihren eigenen Vätern und Machern als ungerecht verworfen werden, noch nicht wieder zurückgerufen, auf daß er die Heran­wachsende Jugend stärke durch das hl. Sakrament der Firmung im Kampfe gegen die böse Welt? Warum bleibt uns Erdiözesanen das verweigert, was uns zukommt von Rechtswegen?"

Wie wahr ist es doch, was der hochwürdigste Herr Bischof in seiner Ansprache den Firmlingen gegenüber u. A. äußerte: „Ihr seid gesalbt mit dem hl. Ehrysam, auf daß Ihr unverbrüchlich fest haktet am Glauben, wie in den ersten Jayr- hunderten die Christen — Jünglinge und schwache Jungfrauen — es bis in den Tod gethan; auf daß Ihr bekämpfet eure eigenen Leidenschaften, damit ihr werdet wahre Kinder der katholischen Kirche und treue Bürger des Staates . . . Ihr habt von uns nunmehr Alles empfangen, was wir, als Abgesandter Christi und seiner hl. Kirche euch zu geben vermögen, haltet das uns gegebene Versprechen, und wir haben alsdann einstens am Throne Gottes die Freude mit euren Eltern, zum Richter sprechen zu können: „Herr, von Denen, die Du uns anvertraut, ist Keines verloren gegangen!"

Wenn Du gegen die Dame eine Abneigung hast, brauchst Du mich dieselbe nicht entgelten zu lasten."

Leo zuckte zusammen. Wir waren stehen ge­blieben. Aus seinen Augen blitzte das Feuer einer leidenschaftlichen Erregtheit.

„Ich könnte Dir mehr sagen," preßte er endlich mit einer Stimme hervor, der man den Zwang, ruhig zu erscheinen, anmerkte, „wenn ich mich nicht erinnerte, daß ich Verpflichtungen gegen Dich habe."

Jetzt wallte auch mein Blut siedend in mir auf.

„Straft Dich für diesen Vorwurf nicht Dein eigenes Gewissen?" rief ich heftig aus. „Du suchst Streit mit mir und nimmst zum Vorwand Dei­ner Großmuth einen Freundschaftsdienst, den ich längst vergessen, und bedenkst nicht die Beleidigung, die in Deinen Worten liegt?"

Bei den letzten Worten hatte sich Leo bereits umgewandt und stürmte ohne Gruß und ohne Ab­schiedszeichen den Weg entlang dem Gute Thor­gau zu. —

Ich verweilte noch einen Augenblick unschlüssig auf der Stelle, an der das Band der Zuneigung zwischen zwei Freunden so jäh zerriffen worden war.

Das Gefühl des Schmerzes über unsere un­christliche Trennung wurde zunächst noch zurückge­drängt durch den Unwillen über das rücksichtslose Vorgehen Leo's; zeittveilig kam mir wieder der Gedanke, als sei grade er zu bemitleiden, und als stamme seine räthselhafte Handlungsweise aus einem Gemüthseffekt, für den mir die Erklärung mangelte.

Solche Worte sind wahrlich nur dienlich, un­lautere Elemente aus dem Staatsverbande zu vertreiben, bezw. zu beffern. Solche Männer sind wahrlich nicht staatsfeindlich gesinnt. Woher könn­ten wohl beflere Stützen des Thrones genommen werden?"

Auch wir wünschen mit den geprüften Diöze­sanen : möge es bald in Gottes heiligem Wil­len liegen, der ältesten und ruhmreichsten Diözese Deutschlands einen Oberhirten zu geben!

inj (Zu dem freimaurerischen Märchen von der Vergiftung des Kardinals Franchi), dessen wir vor einigen Tagen er­wähnten, haben nicht blos die katholischen Zei­tungen ihren Standpunkt treffend gekennzeichnet, sondern auch die protestantische .Kreuzzeitung' be­stätigte vorgestern in einer ausführlichen Sach­darstellung, daß die ,Kölnische Zeitung' mit ihrem mysteriösen Bericht einfach eine längst widerlegte Tendenzgeschichte aufgewärmt habe. Wem es bis­her etwa noch zweifelhaft sein konnte, ob nicht die .Kölnische Zeitung' etwa selbst durch einen Neuig­keitsjäger von Rom aus büpirt sei, ber wird von diesem Zweifel gründlich geheilt, wenn er das zornige Fußstampfen wahrnimmt, mit welchem die ,Köln. Ztg.' in einem gestrigen Artikel das ge­nannte protestantische Blatt einzuschüchtern ver­sucht. Wir würden von dem kleinen Wuthaus­bruch der hinreichend bekannten kölnischen „Märchen­tante" nicht Notiz nehmen, wenn es bei dieser Ge­legenheit nicht angebracht erschiene, darauf hin­zuweifen, mit welcher Dummheit und Gehässig­keit dieselbe wieder einmal die .Germania' als deutschfeindliches Organ denunzirt. Nachdem die .Kölnische' ob der Wahrheitsliebe der .Kreuzztg.' sich mehrmals wuthgrollend geräuspert hat, sagt sie: „Das ist also einmal wieder ein ganzer Liebesdienst, den das Blatt der protestantischen Bibelpastoren der polnisch-katholischen Schwester erweist." Wenn also die Lüge von den giftmischenden Jesuiten nicht zieht, muß das Polenthum herhalten. Vielleicht macht die Kölnische Klio während der Hundstage noch ähnliche Ent­deckungsreisen mit demselben Erfolg. —

__________

Den Sommertagen gleicht unser Jugendleben.

Wie Sommerfäden, die des Windes Hauch spur­los in unsichtbare Regionen weht, sind unsere Enischlüffe.

Alphons, wie schnell sind deine Vorsätze vergeffen! Kennst du die Kapelle nicht mehr und das wun­derbare Gnadenbild, vor dein dein Herz sich der heiligen Jungfrau angetobie?

Wahr ist's, ich ging in der letzten Zeit nur selten hinein.

Um so öfter ging ich am Fuße des Kapellen­hügels entlang dem stattlichen Herrensitz zu; dort fand ich einen stets liebenswürdigen Wirth, vor­trefflichen Wein und — Leokadia.

Was mich sirenenhaft in ihre Nähe zog, das fragt mich nicht. Ich weiß es nicht. Waren es die frommen, unschuldhellen Vergißmeinicht-Augen, durch die der Adel ihrer Seele einen Sonnenblick auf mein wankelrnüthiges Herz geworfen, war es ihr anmuthvolles Wesen, so kindttch-würdevoll, wie es kalte Plastik niemals auszuprägen vermag, war es der Klang ihrer Stimme, der mich ent­zückt haben würde, hätt ich auch nie die Sprechende gekannt, — ich weiß es nicht. Ost hab ich stundenlang am grünumrankten Gartentisch vor ihr geseffeu und von vergangener Zeit, von der Kunst und vom Leben fröhlichen Sinnes mit ihr geplaudert, und wenn ich schied, war's mir, als