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Mittwoch, den 25. Juli
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tilung
Irrest auch Du?
Aus hinterlassenen Handschriften eines Unbekannten mitgetheilt von
feil feilt.
„Wenn Ihr diese Anspielungen nicht augenblicklich unterlaßt," unterbrach mich Leokadia mit einer reizenden Schmollmiene, „so steck ich's auf, Euch noch eine Frage vorzulegen, über deren Beantwortung ich mit Herrn von Terski nicht einig Corden bin." Ein flüchtiger Blick streifte den
didaten, der zum Ergötzen Thorgau's seine Unruhe nur schwer zu verbergen vermochte. Es klang halb wie eine Bitte, als er auf Leokadia's Anregung antwortete:
„Alfons wird in diesem Falle Eurer Meinung, mein Fräulein, wahrscheinlich nicht widersprechen. Dürste ich darum weniger Recht haben?"
„So laßt mich wissen, worüber der Streit/ warf ich ein, da es mir schien, als wolle Leokadia meines Freundes wegen zurückhaltend sein.
„Ich will's sagen," nahm Herr v. Thorgau in jovialem Tone das Wort. „Leokadia ist seit längerer Zeit beflissen, für die deutschen Schriftsteller eine Lanze zu brechen."
Dieser Beistand ist durchaus nicht zu unterschätzen, schaltete ich in Gedanken ein.
„Im Allgemeinen habt Ihr ja ihre Ansichten schon gehört und glänzend zurückgewiesen —"
„O, bitte —" unterbrach ich hastig.
empfohlen werden kann. Dasselbe ist betitelt Panem, non circenses! (Brod, nicht Spiele!) Es hatte sich nämlich hier, wie in anderen Städten, ein „Verein für Körperpflege" gebildet, der es sich zur Aufgabe machte, unsere Schuljugend körperlich zu kräftigen. Dieses soll erreicht werden durch Anlage großer öffentlicher Spielplätze, auf denen die liebe Jugend an schulfreien Tagen unter Aufsicht spielen soll. Tas Schriftchen bekämpft nun diese Idee in wirklich ausgezeichneter Weise. Abgesehen davon, daß Spiele unter Dressur keine Spiele mehr sind und den Kindern auch bald mißfallen werden, hat die Kohlenstadt Essen genug schöne und geräumige Plätze, auf denen die Jugend sich tummeln kann und sich auch wirklich aus Leibeskräften tummelt. Dieser „Verein für Körperpflege" ist aber, wie der ,Wests. Merk.' schreibt, von einer Seite ausgegangen, die von der Lage unserer Kinder aus den so zahlreichen Arbeiterfamilien nicht das Mindeste versteht. Elemente, die mit dem Volke in enge Berührung kommen, wie Volksschullehrer, Aerzte und besonders katholische Geistliche, sind in demselben nicht zu finden. Will man die Jugend körperlich heben, vielen Kindern ein blühendes Aussehen, welches ihnen mangelt, verschaffen, dann verwende man Geld statt auf kostspielige öffentliche Plätze, ans die Beschaffung von Brod und Kleidung für arme Kinder. Es sind hier trotz der blühenden und augenblicklich gute Geschäfte machenden Industrie eine Menge Familien, die am Hungertuche nagen. SMe allein kräftigen den.Körper Nicht. Es muß vor Allem auch ausreichende Nahrung und anständige, gesunde Kleidung geboten werden. Der „Verein für Körperpflege", eine liberale Gründung, wird wohl hier, wie in Düsseldorf, Fiasko machen.
u2j Hamburg, 23. Juli. (Verurtheilung.) Der Redakteur Harberts von der sozialdemokratischen .Hamburger Reform' wurde am 19. d. M. wegen Gotteslästerung mit drei Monaten G e s ä n g ni h bedacht. Er halte sich in einer verbissener Kritik Über die religiösen Vorträge dreier protestantischer Pastoren Luft gemacht und diesel-
Letztere, „Ihr stellt um den hohen Preis Eurer Anerkennung keine leichte Aufgabe, und ich möchte wohl Derjenige sein, der es verstände, sie zu lösen."
Leo kam mir bei diesen Worten auffallend unzufrieden vor — vermuthlich aus Veroruß, daß er nicht Recht behielt, und der Tochter seines Protektors nicht offen widersprechen wollte, —; Leokadia selbst antwortete schalkhaft.
„Ist denn ein Versuch so schwer?
Ich verneinte; darüber nahm nun aufs Reue Thorgau am Gespräche Theil und ich entwickelte, da Leo. sich in beharrlichem Schweigen gefiel, vor drei aufmerksamen Zuhörern in die Länge und Breite meine Ansichten über die Erfordernisse einer gefälligen Erzählung. —
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Nachsinnend schritt ich neben Leo in der erfrischenden Abendlust dem Schlosse 5«. Seine Begleitung hatte ich nach herzlichem Abschied von den Thorgau's gern angenommen.
Schweigsam wie wir selber war Alles um uns her Die Grille nur zirpte laut vernehmbar ihr einförmiges Abendlied. In den Kronen der Linden regten sich flüsternd die Blättchen zum Nachtgebet. Fern entwand sich den Wiesen dichter weißer Dampf, gleich als ob aus den kleinen Händen tausend unsichtbarer Elfen Dankopfer aufftiegen für die Segensfülle des entwichenen Tages.
„Ich beneide Dich fast um die angenehmen Stunden, die Dir aus Thorgau geboten sind,"
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nothwendiger, sie muß erst recht sein in der viel schwierigeren und wichtigeren absteigenden Periode. Ohne sie würde, was wir in 12jährigem schwerem Ringen, trotz Feinde rinsgum, erkämpft haben: Achtung und Gewicht — verloren gehen; das Ende ohne Ehre, ein die heilige Sache, für welche wir Alle in den Kampf gerufen sind, äußerst schädigendes sein. In Einigkeit aber treu aus- harrend, nicht wankend im Vertrauen auf den endlichen Sieg der gerechten Sache, und so würdig der Gnade von Oben, wird unter dem Banner für Wahrheit, Recht und Freiheit vielleicht auch von uns noch der „Friede mit Ehre" erftritten werden können".
Ein beherzigenswerthes Wort, für jene zaghaften Seelen, die sich von der gegnerischen Presse so leicht einreben lassen, daß es nach der Beendigung des Kulturkampfes um die Existenz des Een- trums geschehen sei.
* (Aus der Diözese Gulin) berichten liberale Blätter, der Herr Bischof von Enlm habe an sämmtliche im Auslande befindliche junge Geistliche, in der Zahl von gegen 70, die nach den Maigesetzen geweiht worden seien, die Aufforderung erlassen, in die Heimath zurückzukehren, wo sie alsbald Anstellung als Vikare zu gewärtigen haben. In dieser Form ist die Meldung ganz sicher unrichtig. Die Zahl der jungen Geistlichen beträgt allerdings die angegebene Ziffer, allein nur ein geringer Theil derselben kann auf Grund des neuen Juligesetzes ohne Weiteres angestellt werden. Die meisten bedürfen oes Dispenses von den. mai- gesetzlich vorgeschriebenen Nachweise der Vorbildung und so lange diese Frage nicht geregelt ist, empfiehlt es sich, die jungen Geistlichen in den Stellungen zu belassen, welche sie außerhalb ihrer Diözese einnehmen.
Berlin, 24. Juli.
* (Die Taufe) des zweiten Sohnes des Prinzen Wilhelm wird im August stattfinden.
• Essen, 23. Juli. (Ein Wort zur rechten Zeit.) Hier erschien vor einigen Tagen aus der Feder eines protestantischen Lehrers ein Schriftchen, welches Beachtung verdient und wirklich sehr
„— ihre LiebllngSkarte will sie aber zuletzt ans- fpielen, das ist nämlich die deutsche Literatur."
Mein Interesse begann sich ztk erhöhen.
„Leokadia stellt sich das Gebiet der schöngetstt- gen Literatur ungefähr vor wie einen großen Obst- garten. Die lyrischen Gedichte sind die Zwetschgen — viele sind unreif, die großen Aepfel bedeuten das Epos — sie sind schwer zu verdauen, und angettehm geschriebene Unterhaltungsschriften sind wie gute Stachelbeeren, — schwer zu züchten. Doch bevorzugt sie diese letzteren Früchte grabe am meisten. Euch jungen Literaten theilt sie bie Rollen auSgebilbeter Gärtner zu, von betten sie unter allen Umständen wohlschmeckende Stachelbeeren verlangt; das heißt also, sie flicht nur demjenigen den Kranz, der ihr einen gelungenen Roman, ober eine Novelle, ober ähnliche Stachelbeeren präsentirt."
Selbst Leokabia, bie bei ben letzten Worten ihres Vaters glühroth geworben war, stimmte in bas von Thorgau intonirte Lachen mit ein, während dasselbe für mich eine willkommene Gelegenheit war, meine Befangenheit zu verbecken. Hatten mir boch Thorgau's Schlußworte einen kleinen Stich in's Herz gegeben, beim baß mir dabei zur Stelle meine Geschichte „Meinharb's Frühlingslied" einfiel, wirb nicht verwunbern, ebensowenig , daß ich im Stillen bie Säumigfeit des Buchhändlers verwünschte.
„Fräulein Leokadia," wandte tch rntch an dte
Deutsches Reich.
Fulda, 25. Juli.
* (Unter dem Signum „Friede mit Ehren") bringt der .Westfäl. Merkur' eine vorzügliche Beleuchtung unserer Centrumspartei, in welcher es u. A. heißt:
„Ich will kurz darauf Hinweisen, daß die Cent - rumspartei eine durchaus selbstständige politische Partei mit eigenem, festem Programm ist, wonach sie, das Gute, Bewährte erhaltend, und insbesondere auf sozialem und wirthschastlichem Gbiete neu belebend, wahrhaft konservativ, die bürgerliche Freiheit und die verfassungsmäßigen Rechte vertheidigend, wahrhaft liberal sich verhält. Auf dieses Programm sind die Centrums-Abgeordneten gewählt. Sie haben es treu gehalten und werden es halten. Ein Verlassen desselben würde das Band zwischen Wählern und Gewählten zerreißen, wäre das Ende der Partei. Die zwölf Jahre gemeinsamen Kampfes haben alle Mitglieder auch immer fester um dieses Programm geschaart und manche Meinungsverschiedenheiten ausgeglichen; zumal diese Wavderiahre io lehrreich waren, für "die Einen darüber, was „nicht konservativ", für die Anderen, was „nicht liberal" ist."
Der Artikel schließt, nachdem er in gelungener Weise die Aufgabe der Centrumsfraktion den staats- und kirchenfeindlichen Parteien gegenüber klar gestellt hat, mit den Worten:
„Liegen die Dinge aber so, dann ist klar gegeben, was der Centrumspartei, ihrer Vertreter und ihrer Presse höchste Pflicht ist. Ich fasse es zusammen in das eine Wort: Einigkett. Die Einigkeit hat die Partei und ihre Organe groß und stark gemacht in den auffteigenben Stadien be« Kulturkampfes; diese Emigkeit ist noch viel
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