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M fß^ Dienstag, den 24. Juli 1883.

Fuldaer Ieilung.

Die,Fulda<r Ätttung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementsprets ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg-, mtt der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne ««- Blumen^ in Fulda 1 Mk. 70 Pfg-, auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Fulda, 24. Juli.

Hs (Die .Nordd. Allg. Ztg.') leistet sich in ihrer neuesten Nummer wieder einmal eine jener phrasenhaften inhaltsarmen offiziösen Kundgebungen, aus denen der in diesen Dingen durch die Erfahrung Gewitzigte nichts weniger als positive Schlüsse auf die Absichten der Re­gierung zieht, die aber immer wieder auf's Neue beweisen, daß die Hintermänner derNordd/ nicht nach Prinzipien und großen Gesichtspunkten, sondern lediglich nach „handels­politischen" Rücksichten die Politik zu lenken bestrebt sind. Die neueste Erscheinung lautet wie folgt: „Die National- liberale Korrespondenz" schildert in einer ihrer letzten Nummern die bedauerlichen Parteiverhältnisse des Landes. Wenn die Schilderung auch Uebertreibungen enthält, so wollen wollen wir ihr doch im Ganzen nicht widersprechen. Wer um das Maß des Unerfreulichen in unseren beste­henden Zuständen handelt es sich gar nicht, sondern um die Frage, wer sie herbeigeführt hat. Die Liberalen sagen: der Reichskanzler, weil er sich und seine Einwir­kung auf die Reichspolitik nicht zur Disposition der früh­eren großen nationalliberalen Partei gestellt hat; wir dagegen sind der Meinung, daß die Schuld an dm Libe­ralm liegt, weil sie die Politik der Reichsregierung nicht nur nicht unterstützt, sondern dm Kampf, dm dieselbe im Bunde mit ihnen gegen das Gentium führte, auszubeuten versucht haben, um die Hülfsbedürstigkeit der Regierung zu Erpressungen zu benutzen. Der damit von den Libe­ralen erhobene Anspruch war um so unberechtigter, als sie niemals eine Majorität an sich besaßen, nicht einmal im Bunde mit dem Fortschritt, noch wmiger aber, seit die Fortschrittspartei ihrerseits den anfangs gerade von ihr mit Lebhaftigkeit geführten Kulturkampf aufgab, um Wahlbündnisse mit dem Centrum auf der Basis der ge­meinsamen Feindschaft gegen di» Regierung einzugehen. Der Auffaffung der .Nationalliberalen Korrespondenz' liegt der Gedanke zu Grunde, daß die Regierung trotz des Ab­falls ihrer Bundesgenossen und trotz jeder Mißhandlung, die ihr von liberaler Seite widerfahren kann, sich im Kampfe gegen das Ccntrum nicht irre machen lassen darf, denselben vielmehr um jeden Preis fortsetzen muh, damit andere Fraktionen für ihre taftischm Bestrebungen die Möglichkeit behalten, der fechtenden Regierung durch Be- drohungm im Rücken und in der Flanke Zugeständnisse Äbzudrütken."

try (Die .Frankfurter Zeitung',) die na­mentlich während der letzten kirchenpolitischen Streitphasen oft genug ihre loyale Gesinnung in konfessioneller Hinsicht betheuerte und sich gelegent­lich auch jetzt noch den Anschein gibt, als sei das demokratische Programm das Ideal der Religions- . und Gewissensfreiheit, läßt in ihrer Sonntags-

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Irrest auch Du?

Aus hinterlassenen Handschriften eines Unbe­kannten mitgetheilt von

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Der forschende Blick, den die Maid auf den jugendlichen Lehrer ihres Bruders richtete, schien in seinen Zügen etwas zu suchen, — da begeg­neten sich unwillkürlich unsere Augen, und wie über einem Verbrechen ertappt suchte Leokadia, kirschroth bis an die Ohrläppchen, ihre Verlegen­heit lächelnd zu verbergen. —

In der Mitte des violett ausgeschlagenen Zim­mers, durch dessen weitgeöffnete Fensterflügel vom Parke her der Duft der Linden und Kastanien erquickend hereinzog, stand frei das mit allen Er- forderniffen der Bequemlichkeit ausgestattete Bett- chen. Aus den schivanweißen Kiffen lächelte uns von goldigen Locken umrahmt ein Engelsgesicht entgegen. Schnell hatte Fräulein Leokadia das Köpfchen der Kleinen etwas höher gelegt und durch einen innigen Kuß auf die zarte Kinderstirne den wohlthuenden Beifall der streichelnden Händchen Veronika's geerntet; an der Seite des gutmüthig lächelnden Vaters trat ich dem kleinen Kranken­lager nahe.

„So grüß Gott Veronika," — wollte ich just sagen, als ich mich über das vergnügt dreinschauende Kindesantlitz beugte, doch bevor ich's noch aus-

nuninier wieder einmal erkennen, wie wir uns die Verwirklichung unseres Rechts, die katho­lischen Kultushandlungen unangetastet zu sehen, unter einer Volkspartei nach ihrem Muster vorzustellen haben. Das genannte Blatt erlaubt sich, die Mittheilung von der Feier des 25 jähr­igen Gedenktages der wunderbaren Muttergottes- Erscheinungen zu Lourdes (in Frankreich) mit höhnischen, für das katholische Gefühl empörenden Nebenbemerkungen zu begleiten. In dem betreffen­den Referat, das den Stempel jüdischer Unver — frorenheit an der Stirn trägt, heißt es, daß Bernedette Sousbonous (die mit den Erschein­ungen begnadet gewesene Jungfrau) der Welt „eine neue Gnadenmutter" geschenkt habe; der Berichterstatter spricht sodann bei der Erwähnung der Rede eines Bischofs gegen die systematische Entchristlichung der Schulen mit hämischer Ge- nugthuung die Erwartung aus, daß das republi­kanische Regime der Erziehung von Visio­närinnen in den Klosterschulen ein Ende machen werde und läßt zum Schluß noch einige bissige Bemerkungen gegen die Opferwilligkeit der Wall­fahrer mit unterlaufen. Von unferm Stand­punkte über die Gleichberechtigung der Konfessio­nen aus geben wir der .Frankfurter Zeitung' die Lektion, daß es, gelinde ausgedrückt, taktlos ist, kirchlichfeierliche Gebräuche Andersgläubiger zu verspotten; wir können es sehr wohl begreifen, wenn bei äußerlichen Kundgebungen des katholischen Glaubenslebens, wie es eben auch die Mutter- gottes-Verehrungen zu Lourdes sind, nichtkatho- lische Beobachter kühl die Achsel zucken, weil sie in unverschuldeter Unkenntniß der Bedeutung sol­cher Vorgänge fremb gegenüberstehen; wer sich aber, wie das in Betracht kommende demokratische Organ, für berufen hält, andern Parteien den Sittenfpiegel der GewissenSbeeinträchtigung vorzu­halten, sollte sich klüglich hüten, in die Sphäre jener Schimpfer und Lästerer herabzusteigen, und Dinge, welche dem kindlichgläubigen Sinn jedes Katholiken ein Gegenstand höchster Verehrung sind, in ihrem blinden Religion-Hasse schmähen und be­geifern.

sprach, kam von den Lippen der Kleinen der naive Ausruf:

„Dein Knopf ist auf!"

Der urplötzliche Ausbruch schallenden Gelächters verwandelte auch meine anfängliche Bestürzung in Lachen, dem sich die Uebrigen in erneuter Lustig­keit anschlossen.

Thorgau fand zuerst das Wort und erklärte mir unter Liebkosungen seines Töchterchens die Ur­sache des köstlichen Jntermezzo's.

Veronika wurde von ihrer besorglichen Schwe­ster in peinlicher Ordnung gehalten. Insbesondere hatte man dem lebhaften Kinde eingeschärft, sorg­sam auf fein Jäckchen Acht zu geben, denn die regsamen Finger pflegten in unbewachten Augen­blicken gerne ihre Geschicklichkeit in der Lösung der ganzen Reihe der glänzenden Knöpfchen zu er­proben ; schließlich hatten die vereinten Ermahnungen von Wärterin und Schwester dem kleinen Unhold eingeleuchtet. Sie ließ sich's nun auch damit nicht genügen, sondern leerte beharrlich den ganzen Reich- thum ihrer kindlichen Aufmerksamkeit über Jeden aus, bei dem sie — einen unbenützten Knopf zu entdecken glaubte.

Dre Zierathsknöpfe am faltigen Aufschlag mei­nes Oberrocks waren drum auch der erste Gegen­stand ihrer Rüge, die sie jedesmal in dem reizend- komischen Kindesdialekt mit dem Satz eröffnete:

„Dein Knopf ist auf!"

Mir blieb, wollte ich anders mich mit dem

Wir erwähnen aber dieses erneuten Ausbruchs religiöser Intoleranz von Seiten jenes Partei­blattes noch deshalb, um wiederum darauf hinzuweifen, wie berechtigt jene Warnungen einzelner katholischer Führer vor der Unter­stützung unseres sozialen Programms durch die Gesinnungsgenossen der in der .Frankfurter Zeitung' vertretenen Richtung sind. Die positiv christlichen Parteien sind nicht nur stark genug, sondern auch selbstständig genug, um die nöthigen sozialen Reformen auf gesetzlichem Wege zu verwirklichen; besonders aber sei diese Haltung der .Franks. Ztg.' jenen katholischen Blättern be­merklich gemacht, die in entschuldbarem Eifer bei ihrem Eintreten für die Lösung des kirchenpoliti­schen Konflikts nicht selten über den Beifall der erwähnten Zeitung befriedigend quittirt haben. Wir haben zur Genüge erkannt, daß ihre Unterstützung nicht der gerechten Sache, sondern der oppo­sitionellen Haltung gilt, daß sich aber, wo es auf die Verunglimpfung der katholischen Kirche ankommt, die Preßjuden in Deutschland und Frank­reich freudig den Bruderkuß geben.

* (Zur Frage der Aufbesserung der Beamtengeyälter) schreiben die ,Berl. Pol. Nachr.':

Durch den 1882 eingebrachten Entwurf eines Ver- wendungsgefetzes, sowie in der Thronrede, mittelst deren die letzte Session des Landtages eröffnet wurde, ist von der Staatsregierung die Durchführung einer allgemeiner Besoldung«Verbesserung der Staatsbeamten für nothwendig «klärt und demzufolge in den Rahmen derjenigen Maß­nahmen ausgenommen worden, welche zur Feststellung des Bedarfs für die endgiltige Regulirung der Besteuerung im Reich demnächst die Gesetzgebung Preußens beschäftigen sollen. Es liegt in der Natur der Sache, daß angesichts dieses gesetzgeberischen Plattes die vorgängige Verbesserung ganzer Kategorien von Beamten aus den nämlichen Grün­den, welche die abgesonderte Erledigung der Pensionsfrage der Volksschullehrer mit Rücksicht auf das geplant« Schuldotationsgesetz ausschließen, alsdann unthunlich er­scheint, wenn eine finanzielle Verbesserung der Betheiligten lediglich aus allgemeinen Gründen erwünscht ist. Mit die­sem Grundsätze steht die Thatsache nicht im Widerspruche, daß im Bereiche der Eisenbahnverwaltung durch den Etat von 1883-84 eine Erhöhung des Rormalgchalts ver­schiedener Kategorien von Beamten herbeigeführt worden ist. Denn diese Erhöhung ist nur da eingetreten, wo in Sieblrng öer yamtlie auf freundschaftlichen Fuß stellen, nichts weiter übrig, als zum Schein meine unschuldigen Rockknöpfe zu einem Gebrauch von sehr zweiselhaftein Nutzen zu bestimmen. Erst als mich dieser Scheingehorsam in den Augen der kleinen Standesdame wieder hoffähig gemacht hatte, legte sie freundlich lächelnd ihr Palschyändchen, in meine dai gebotene Rechte, nicht ohne daß dieser zweite glücklichere Versuch meiner Einführung von meiner Umgebung mit Dem erneuten Hervorbrechen einer stürmischen Heiterkeit begleitet wurde. —

Wenige Minuten später saßen wir in traulichem Beisammensein um Den verlocken!) besetzten Tisch im großen Wohnzimmer, in zwanglos fröhlicher Unterhaltung begriffen.

Terskt beteiligte sich fast gar nid) t an unferm Gespräch. Ich ließ es mir daher umsoweniger nehmen, mit meiner stets widerspruchslustigen und wortgewandten Tischnachbarin sreimüthig zu unter­handeln. Und als ich sie nach kurzem Geplänkel in wohlgesetzter Rede geschlagen hatte, lösten sich die Mienen meiner schonen Gegnerin schließlich in ein dankbares Lächeln auf, indem sie sagte: „Ihn müßt Euch gut zu verteidigen, Herr Alfons, ich sehe, daß Ihr gegen mich wohl Recht behalten müßt."

„Das wollet keineswegs so auffassen, Fräulein Leokadia," gab ich etwas verlegen zur Antwort, „als vergäße ich bei unserem Gespräch, daß mir die Ehre zu Theil wird, mit einer liebenswürdigen Dame zu streiten. —" (Forts, folgt.)