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Montag, den 23. Juli

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Irrest auch Du?

AuS hinterlassenen Handschriften eines Unbe­kannten mitgetheilt von

fleal Zeige.

Ich stand einen Augenblick unschlüssig vor der kleinen Fee, der es bewußt oder unbewußt gelun­gen war, mich zu ihrem unverhohlenen Bewunderer ' zu machen.

Lichtblondes Haar von der feinen Stirne glatt zurückgestrichen fiel in zwei reichen Flechten über den Nacken herab. Hinter den sanft gehobenen Wimpern ließen niich zwei dunkelblaue Augen den räthselhaften Zauber einer unentweihten Mädchen­seel« ahnen. Der in vollkommenster Formenrein­heit dem griechischen Profil sich nähernde Schnitt der Rase deutete in Gemeinschaft mit den schmalen, rosigen Lippen des kleinen Mundes einen gewissen Grad von Energie an, wie er geistig begabten Frauen oft eigen ist, doch wurde dieser Eindruck vortheilhaft gemildert durch die blendende Zartheit der Züge, die angehaucht von der wunderbaren Frische eines JncarnatS auf mtch einen bestricken­den Reiz auSübt-n. Und über der jungfräulichen Gestalt schien jenes unerklärliche Etwas zu schwe­ben, das auch fernste Anregung der empfänglichen Sinne im Banne hält.

Als nun Leokadia niich nochmals mit einein an» muthigen Wink zum Sitzen einlud, that sie dies mit so viel natürlicher Vertraulichkeit, daß ich

§883.

Deutsches Reich.

Fulda, 23. Juli.

* (Katholischer Feldprobst.) Wie die ,Vosf. Ztg/ „hört", soll die Wiederbesetzung der Stelle eines katholischen Feldprobstes der Armee bevorstehen. Das wäre dann wieder eine Maß­regel, die mehr im staatlichen als im kirchlichen Interesse läge. Hoffen wir jedoch, daß dieselbe ehestens in Erfüllung geht. Die „Gründe", die s. Z. behufs Beseitigung des Armeebischofs Nams- zanowski führten, waren weder schwerwiegende noch solche, die unserem Staate zur Ehre gereichten.

* (Aus Rom) läßt sich die ,Köln. Ztg/ von ihrem'„Posthörnchen" folgenden Herzenserguß über­mitteln, zu dem jeder Kommentar übeiflüssig ist: „Wen Leo XIII. sich veranlaßt gefühlt hat, ausdrück­lich die Verantwortung für die Hetzartikel der klerikalen Preffe ab zu lehn en, so bezieht sich diese gewiß ernst ge­meinte und wohlbegründete Hündewaschung nicht auf die römische schwarze Preffe allein. Leo's Gesinnung steht so hoch über dem galligen und unchristlichen Gebaren der Kaplanspresse von hüben und drüben, wie sein neulicher Erlaß im ,Osservatore Romano' über den Auslaffungen von .Germania' und Moniteur de Rome' über denselben Punkt, und es hieße dem Papst, mit dem unser hiesiger Gesandter immer sehr gern und mit aufrichtiger Genug- thuung persönlich verkehrt, großes Unrecht thun, wenn man seine Denkweise und Absichten aus der genannten Preffe errathen zu können glaubt. Daß nur und allein der .Oflervatore Romano' eine ähnliche Rolle hier spielt, wie die »Rordd. Allgem. Ztg.' bei uns, erklärt heute auch das ; .Journal de Rome', das sich freiwillig denjenigen klerikalen Blättern anreiht, die, laut iener VerMontiickiung, „je nach ihrem Verdienst sich des mehr oder minder ausgesprochenen Wohlwollens des h. Stuhles erfreuen, indem sie in aller Freiheit die päpstliche Politik deuten, in weiser oder ver­wegener Art, je nachdem sie gut ober schlecht redigirt werden". Das genannte Communique des Papstes im ,Offervatore', sagt das .Journal de Rome', habe den Zweck gehabt, die Beziehungen zwischen der Kirche und Deutsch­land wieder einzurenken; die Verhandlungen würden weiter geführt werden und ließen auf ein endgültiges Ueberein- kommen hoffen. Dieselbe klerikale Zeitung, die im Ganzen einen versöhnlichen Ton anschlägt und zum Ziele häufiger Angriffe der Berliner .Germania' geworden ist, sagt dem Berliner Blatte: „Die .Germania' würde wohl die Au­torität unseres Blattes wieder in Frage gestellt haben, wenn wir für die uns aus Berlin zugehenden Ansinnen ein gelehrigeres Ohr gehabt hätten. Wir halten es indessen für den Beruf der katholischen Presst, die Jntereffen der

D« flhubait Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ai sgenommen. Vlerreljaorucher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg-, mtt belletristischen Wochenbeilage ,Sterne Mtd Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg-, auswärts 1 M. <5 Pfg.

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Kirche zu vertreten, nicht die irgend einer politischen Partei oder gewisser politischer Persönlichkeiten. Sie hat den Zweck, den Frieden zu predigen und nicht die Zwietracht, die Gegner zu belehren, nicht sie zu beschimpfen, die Schwierigkeiten wegzuräunren, nicht sie zu vermehren." Das klingt wenig ultramontan, aber dasür um so christ­licher."

* (Neueste liberale Kulturkampfshetze­reien.) In der .Köln. Ztg/ macht sich ein Spalten langer Artikel aus Rom breit, von einem „gelegentlichen Berichterstatter," welcher den be- neidenswerthen Lesern des „Weltblattes" die haar­sträubende Mähr von der Vergiftung des Kardinals Franchi durch die Jesuiten wieder auftischt! Es gibt Verleumdungen, die Entrüstung erregen; aber wenn die Wuth der Lüge sich so­weit überschlägt, daß die täppische Dummheit die Bosheit überragt, dann löst sich ihre Wirkung in Gelächter auf. Wir haben nichts anderes zu thun, als diese Ausgeburt kulturkämpferischen Wahn­witzes niedriger zu hängen. Zugleich drücken wir der „preußischen Kirchenpolitik" unser Beileid aus; der Mann, welcher „gelegentlich" die Giftmischer des Vatikans wieder einmal entlarvt, gestattet sich näm- • lich die Hoffnung, durch die Produkte seines sonder­baren Gehirns die preußische Kirchenpolitik etwas beeinflussen zu können. Ob die preußische Kirchen­politik zu Falk'schen Zeiten einer solchen Zu- muthung würdig war, wollen wir dahingestellt sein lassen; in den letzen Jahren war sie trotz aller Fehler und Sünden doch nicht gerade so, daß solche Leute ihr Arm und Geleit anbieten dürfen. — Wir wollen den Schluß der Korre­spondenz der .Köln. Ztg/, welcher die Jesuitophobie der Gegenwart illustrirt. zur Erheiterung unserer Leser wörtlich abdrucken:

Es fragt sich also für eine jede Regierung, mit wem sie eigentlich im Vatikan zu thun, wer dort das letzte Wort zu sprechen hat, der Papst oder die Jesuiten. Die Aussichten werden in dieser Beziehung immer bedenklicher. Die Väter Jesu, welche im Jahre 1870 ihre besten Streit­kräfte nach Fiesole geflüchtet hatten, treffen seit einigen Monaten ernste Vorkehrungen, um wieder nach Rom über­zusiedeln. Im März hat ihr hochbetagter General sich selbst aufgemacht, um das hiesige Terrain zu rekognos- ziren; sein Generalsekretär Armellini ist bereits in dem Palaste des jesuitenfreundlichen Marchese Vitelleschi eta- meiner Befangenheit bald den Abschied gab und mit Leichtigkeit den Ton wiederfand, der lange, Jahre hindurch unter uns, den Jllgendgespieien, geherrscht hatte.

„Fräulein Leokadia, ist mir auch die Zett, wah- rend der wir uns nicht wiedersahen, recht schnell verstrichen, so muß ich doch bekennen, daß Ihr unterdessell Euch äußerlich nicht wenig verändert habt." Ich war glücklich an der Versuchung vor­übergekommen, irgend eine abgeschmackte Phrase hinzuzufügen.

„Auch Ihr, Herr Alfons," lenkte meine schöne Gesellschafterin ein, „seid nicht müßig gewesen, Euch recht stattlich zu entwickeln. Habt wohl gar schon den Doktortitel und ich bin so dreist, gar nicht darauf zu achten," fuhr sie schelmisch fort.

Ich verneinte mit Lachen ihre Vermuthung, und bald waren wir mit gegenseitigen Fragen nach Bekannten aus früherer Zeit, mit heitern Erinner­ungen an die kleinen Streiche, die wir uns ge­spielt, im fröhlichen Geplauder begriffen, das erst ein Ende fand, als Thorgau, Terski und Leo- kadia's jüngerer Bruder Georg in das Zimmer eintraten.

„Ich hab' Dein Bild im Traum gefehlt," rief unter der ungetheilten Heiterkeit feiner Umgebung mein Freund Leo aus, der es zuweilen liebte, mit endlosen, passenden und unpassender, Citaten seine Vorliebe für deutsche Dichter zu brknnden.

Ich überging diese lyrische Ausschmückung des

blirt, in dem sich auch die curia jesuitica d. h. der aus den verschiedenen Provinzialen bestehende Genetalstab der Gesellschaft niederlaffen wird. Es wird nicht lange dauern und die Jesuiten werden wieder wie vor 1870 im Besitze der wichtigsten Beichtstühle sein. Was j^das bedeutet, braucht nicht gesagt zu werden.

* (Das definitive Resultat der Kieler Reichstagswahl) liegt noch nicht vor. Laut einem „Wolff"'scheu Telegramme von heute Mittag waren bis dahin abgegeben für Profeffor Hänel 7816, für Graf Reventlow-Preetz 2432 und für Schneider Heinzel 6509 Stimmen. Aus circa 40 Landbezirken ist das Wahlergebniß noch nicht be­kannt. Eine Stichwahl zwischen dem fortschrittlichen und dem sozialdemokratischen Kandidaten ist dem- nach ^wahrscheinlich.

* Hildesheim, 20. Juli. (Installation des Domkapitels.) Nachdem vorgestern die Eidesleistung des neu ernannten Domkapitels zu Hildesheim stattgefunden hatte, wurde dasselbe gestern Morgen durch den Herrn Bischof feierlich installirt.

___ ^Oesterreich - Ungarn.

‘ * Nyiregyhaza. 21. Juli. (Tisza-Esz- larer Prozeß.) Der Staatsanwalt über­reichte eine an ihn gerichtete Zuschrift des Ober­gespans, in welcher dieser mittheilt, daß er laut erhaltener Instruktion gegen Jeden, der den Ge­richtshof, den Ankläger, die Vertheidiger bedrohen sollte, ohne Rückstcht der Person vorgehen werde. Die Zuschrift wurde verlesen und zu den Akten genommen. Die darauf folgenden Zeugenverhöre beziehen sich auf die Dadaer Leiche; die meisten Aussagen gehen dahin, die Leiche habe frisch aus­gesehen, habe schöne Nägel und große Zähne ge- habt, wdurch die Identität der Leiche mit der der Esther Solymossy ausgesch lassen wäre. Die anderen Zeugenaussagen sind nicht von Belang. Die Beweisaufnahme wird Montag ge­schlossen werden. Dienstag wird der Staatsan­walt die Schlußrede halten, Mittwoch und Don­nerstag werden die Vertheidiger sprechen. Sams­tag wird die Urtheilspudlikation erwartet.

Wiedersehens, ohne daß darum unsere Begrüßung an Herzlichkeit verlor. Nach der gastpflichtmäßigen Bewunderung des Junkers Georg hörte ich gerne die freundliche Aufforderung Thorgau's, der klei­nen Veronika einen Besuch zu machen, die unter der Obhut einer eigenen Dienerin sich in einem besonderen Zimmer befand, das sie nur verließ, um bei günstigem Wetter in dem herrlich einge­richteten Gutsgarten spazieren gefahren zu werden. Leokadia hatte sich eifrig erhoben. Die wenigen Schritte, welche wir gemeinsam machten, um zum Krankenzimmer am entgegengesetzten Ende des Hausgangs zu gelangen, genügten mir dennoch, um die Wahrnehmung zu machen, daß die Toch­ter des Hauses nicht ohne Neugier ihr Auge auf Terski ruhen ließ, der an meiner linken Sette nn Gespräch hinschritt; an der Hand des redseligen Georg ging Thorgau voran, während Leokadia uns zur Rechten blieb. Leo hatte bei seinem Ein­tritt mit weit mehr freundlichem Entgegenkommen das Fräulein von Thorgau begrüßt, als dies sonst in gleichen Verhältnissen unter den etwas cerc- moniösen polnischen Adligen zu geschehen pflegte, und ebenso zutraulich und zwanglos war Seitens Leokadia's der Empfang gewesen. Ich war unbe­denklich geneigt, diesen familiären xon, ber übrigens mich selbst, einen Gegner aller überflüssigen Förm­lichkeiten, durchaus sympathisch berührte,^dem aus- gezeichnet taktvollen Hausgebrauch der ^Horgaus zuzuschreiben. (Fortsetzung folgt.)