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Sonnabend, den 21. Juli
1833.
Fuldser Ieitung.
Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.
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Deutsches Reich.
Fulda, 21. Juli.
• (Ein sehr schlimmes Mißverständniß.) Der bereits im Auszuge initgetheilte Artikel des .Moniteur de Rome' „Un malentendu“ hat folgenden Wortlaut:
Ein sehr schlimmes Mißverständniß hat in den letzten Tagen die Diskussion beherrscht, welche fich in Betreff der letzten Note des Vatikans an die preußische Regierung entspannen hat. Aber bei dem lebhaften Verlangen nach Eintracht und Frieden möchten wir dasselbe zerstreuen und über die wahren Intentionen und die natürliche Haltung des hl., Stuhles in einer der brennendsten Fragen, welche die Welt interessiren, Licht verbreiten.
Von verschiedenen Seiten des politischen Horizontes hörten wir gegen den Vatikan den Vorwurf erheben, daß er den religiösen Konflikt in Preußen als eine Macht- und Herrschaftsfrage behandele. Die Geduld, sowie die sanfte und edle Resignation des Papstthums erscheinen unserer Zeit als so seltsame Dinge, daß man in der ruhigen und friedlichen Haltung der Kirche die Hartnäckigkeit einer Macht erblicken wollte, welche in dem Gefühle, ihr Prestige wachse und ihr Ruhm leuchte in die Ferne, nur deshalb so fest in ihren Forderungen sei, um eine der stärksten Regierungen unserer Zeit desto tiefer zu demüthigen. Nicht die höchsten Interessen der Seelen, sondern politische Motive und Gedanken an Rache oder egoistische Triumphe sollten dem römischen Hofe diese Haltung diktiren, deren kraftvolle und selbstbewußte Würde man willig anerkannte.
Diese Interpretation der Thätigkeit des hl. Stuhles ist so falsch, dieser Vorwurf so gehässig, daß wir uns veranlaßt fühlen, ihm das formellste Dementi entgegenzusetzen. Nein, es kann nicht gesagt iverden, daß unter diesem friedfertigen Papste, dessen erstes Bestreben darauf hivausiief, Europa zu lehren, die religiösen und' sozialen Jntereffen über alle politischen Angelegenheiten zu stelle», die Kirche fich in der Leitung der Seelen von den gewöhnlichsten und unlöblichsten Motiven leiten lasse.
Wenn die Kirche noch Widerstand leistet, so rührt das daher, daß die Garantien, welche man ihr bietet, nicht ausreichen zu der vollen Anwendung der heilbringenden Hilfsquellen dieses göttlichen Werkes. Wenn die Anklagen unserer Gegner begründet wären, würde das Papstthum mit den Regierungen in ungleicher Weise, je nach dem fie mächtig oder stark sind, verhandeln. Nie hat die Geschichte eine solche ungerechte Unterscheidung gesehen. Der h. Stuhl hat stets dieselben Verhaltungsgrundsätze gehabt, er hat in seinen Verhandlungen mit den Kabineten Proben derselben Loyalität gegeben, ohne sich um ihre augenblickliche Macht zu kümmern. Mag er sich mit der Schweiz oder mit Oesterreich verständigen, mit dem Großherzogthum
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Irrest auch Du?
Aus hinterlassenen Handschriften eines Unbekannten mitgetheilt von
Paal feigr.
6.
„Jawohl, seid uns nochmals auf's Herzlichste willkommen, lieber Wesilar," wiederholte der Herr von Thorgau, kräftig meine Hand schüttelnd, indem er mich in das große Familienzinuner geleitete; „hättet Ihr bisher nicht so hartnäckig unsere Gastfreundschaft verschmäht, würde ich's nicht nöthig haben, Euch noch zu betheuern, welch' eine Freude uns Euer lieber Besuch macht."
„Das braucht's ohnehin nicht, lieber Herr Nachbar," beeilte ich mich, den fteundschaftlichen Erguß des Gutsherrn zu erwidern, „hier freu' ich mich nicht weniger, denn Ihr selber; was jedoch Euern Vorwurf anbelangt, als ob ich gleichgiltig Euer gastlich Haus gemieden, so wollet nicht vergesien, daß ich ja erst seit einigen Wochen „procul ne- gotiis“ daheim der Muße pflege. Nun freut's mich doppelt, bei Euch zu sein, zumal das Geschick schon seit einigen Jahren unfern Verkehr getrennt hat."
„Leider," setzte Thorgau hinzu; „seit dem Tode meiner theuern Kastmira vernahin ich nur von Euch, daß Euere Studien Euch aus unserer Nähe entführt. Drum wollen wir in Erinnerung früherer glücklicher Zeiten dm Augenblick unseres Wiedersehens genießen. Erlaubt, daß ich der Hausmagd
Baden oder mit dem russischen Riesenreiche, überall kommt dasselbe Verfahren in Anwendung, weil stets dieselben ewigen und unwandelbaren Grundsätze angewendet werden. Wenn er je versucht sein könnte, sich durch den äußeren Anschein verführen zu lassen, so würde das sicher diesem starken Preußen gegenüber der Fall sein, dessen Freundschaft als eine Vergünstigung gesucht wird.
Fürst Bismarck muß das begreifen, denn er ist ein Staatsmann in höherem Sinne des Wortes. Er weiß nach dem liebenswürdigen und wahren Ausspruch eines Ministers, daß „man die Kirche nehmen muß, nicht wie man sie zu haben wünscht, sondern so wie sie ist." Parteimenschen haben dieses Genie durch einen engen und sterilen Doktrinarismus zu vergiften getrachtet; sie bemühten sich, dasselbe zu verurtheilen, seine Kräfte auf die Fortsetzung des Kulturkampfes zu verwenden, dessen Pathen und Urheber sie waren; aber der Reichskanzler hat zu viel Unabhängigkeit des Charakters, er erkennt die Zukunft mit einem zu sicheren Auge, um sich durch diese Politiker mit schlechtem Blick und beschränktem Gesichtskreise aufhalten zu lassen.
Als bei dem Ende des revolutionären Choas, wo es sich darum handelte, die Gesellschaft auf ihren natürlichen Grundlagen wiederherzustellen, Napoleon I. sich anschickte, dem ermüdeten Frankreich die Altäre zurückzugeben, da spotteten voltairianische Philosophen und suchten dem edlen und muthigen Vorhaben des Staatsmannes Hindernisse in den Weg zu legen. Mit einer souverainen Handbewegung und mit einer Stimme, in der die Autorität zum Ausdruck kam, sagte damals Bonaparte: „Die Kirche ist die größte Institution der Welt; man muß sie zur Verbündeten und nicht zur Feindin haben."
Die Geschichte hat ihm Recht gegeben. Das Konkordat ist das unvergleichliche Meisterwerk dieses Universalgenies gewesen. Die Sonne von Austerlitz hat seine Stirne mit einem Strahle unsterblichen Ruhmes beleuchtet; das Verwaltungssystem, das er Frankreich hinterließ, ist ein un- avweisbarers Zeugniß seines bervunderungswürdigen Organisationstalentes, aber der schönste Beweis seines Edel- muthes, welcher in der Geschichte als wunderbarstes Monument seiner hohen Intelligenz bleiben wird, das ist sicher das Konkordat, welches er mit der Kirche geschlossen hat trotz der Spötter, deren Werke und Namen man heute vergessen hat.
* (Handelsvertrag mit Spanien.) Die ,Nordd. Allg. Ztg/ veröffentlicht in ihrer gestrigen Abendnummer den Wortlaut des deutsch-spanischen Handelsvertrages, der augenblicklich dem spanischen Senat vorliegt.
* (Oberpräsidium von Westfalen.) Der ,Kreuz-Zeitung' wird die Richtigkeit der Meldung bestätigt, daß der Regierungspräsident in Düffel
schelle, gleich soll sie meine Tochter benachrichtigen, damit wir gemeinsam einen Imbiß nehmen. Dann sollt Ihr auch meinen Knaben sehen, den Euer vortrefflicher Freund von Terski in Zucht hat. Ich melde Euch vorher: Gottes Segen ist mit Leoka- dia und Georg gewesen.
Nur die kleine Veronika — Ihr wißt, fie blieb nach dem Tode der Mutter so schwach zurück, daß wir um Sorge für ihr Leben waren. Nach der Taufe zwar hat sie sich erholt, doch ist auch heute ihr Zustand noch beklagenswerth. Sie hat ihr zweites Lebensjahr geraume Zeit hinter sich und kann doch nur zeitweise das Bettchen verlaffen. Und so bleich sieht sie aus! — nun, wir gehen später schon hinüber, sobald wir ausgeplaudert haben. Sie sieht Fremde gar gern. Zu bemitleiden ist sie fast nicht; denn ihrer eigenen Schwäche ist sie ja unkundig, dabei heiter und geduldig. Ihr Pflegeengel ist die Leokadia."
„Was bin ich?" fragte eine klangvolle Mädchen- stimme von der soeben sich öffnenden Thüre her, doch stockte sie überrascht, da ich mich schnell erhob und an Thorgau'S Hand der Eintretenden einen Schritt entgegenging.
„Was Du bist, weiß unser Gast schon," rief Thorgau lachend aus, den unsere gegenseitige Verlegenheit augenscheinlich erlustigte, denn auch ich war durch das plötzliche Erscheinen der Jungfrau sichtlich betroffen. Vielleicht auch durch die Erscheinung selbst, das mußt ich nicht.
dorf, Herr v. Hagemeister, zum Ober-Präsidenten von Westfalen ausersehen fei.
* Danzig, 20. Juli. (Feuersbrunst.) Verflossene Nacht um 1 Uhr sind die Anlagen der Schiffswerft- und Kesselfchmiede-Gesell- schaft mit 30 Maschinen fast total niedergebrannt. Die Vorstadt Strohdeich entging durch die Windrichtung der Gefahr. Die Feuerwehr war fast machtlos. Von der kaiserlichen Werft aus konnte man nicht helfen, da diese selbst in Gefahr war. Die Entstehung des Feuers ist unbekannt. Versichert ist der Schaden bei dem „Phönix."
Oesterreich - Ungarn.
* Wien, 19.Juli. (Präkonisation zweier Bischöfe.) Demnächst werden die beiden in Ueber- einstimmung mit der päpstlichen Kurie von Sr. Majestät ernannten neuen Kirchenfürsten, nämlich der Bischof Dr. Zorn von Parenzo als Fürsterzbischof von G ö r z und der Prager Weihbischof, Dr. Prucha, als Bischof von Budweis in dem zu Rom stattfindenden Konsistorium präkonisirt werden.
* Frohsdorf, 20. Juli. (Graf Cham- bord) hatte eine schlechte Nacht. Sein Zustand hat sich überhaupt seit gestern verschlimmert und man ist in seiner Umgebung wieder sehr pessimistisch geworden.
• Nyiregyhaza, 20.Juli. (Tisza-Eszla- rer Prozeß.) Andreas Hataloyszky und Julie Vamosi, welche zu Gunsten der Angeklagten ausgesagt, sie hätten Esther noch Nachmittags am 1. April 1882 gesehen, widerrufen heute ihre Aussagen. Es wird deshalb gegen Beide ein Meineids-Prozeß angestrengt. ^Königreich der Niederlande.
* (De r König und die Königin von Belgien) find gestern Vormittag 11 Uhr in Spa eingetroffen und begrüßten das holländische Königspaar, welches etwa eine Stunde später anlangte.
Schweiz.
• (Schnee in den'Alpen.) Aus dem Berner Oberland wird der ,Schw. Grenzpost' in Basel
„Ei, Herr Alfons," begann Leokadia erröthend, indem sie mir nach polnischem Brauch die Fingerspitzen ihrer Rechten mit einer zierlichen Verbeugung hinreichte, Ihr erweist uns eine Ehre, indem Ihr Euch der alten Freundschaft noch erinnert."
„Pauny Thorgau,"' erwiderte ich, mich, wie einst, im Zeremoniell ihrer Nationalität versuchend, „die Ehre ist bei mir, da Ihr mir durch Euern freundlichen Empfang beweist, daß die guten Beziehungen, die uns stüher vereinten, durch unsere unfreiwillige Trennung nicht erkaltet sind."
„Das dürst Ihr nicht besorgen, Herr Alfons," war ihre Antwort, bei der sie meinen Vornamen vernehmbar etwas betonte. Jetzt erst ward ich den Verstoß gewahr, den ich gegen die herkömmliche Etiquette verschuldet hatte. Da die Tochter des Hauses dem Umgangston in polnischen Familienzirkeln entsprechend mich unter Anwendung des Vornamens begrüßt hatte, war ich ihr gegenüber zu dergleichen Förmlichkeit verpflichtet. Ich suchte mich schnell zu taffen, doch war meine Verwirrung dem Blick des lebhaften Mädchens nicht entgangen.
„Also macht's euch bequem und schwätzet nach alter Art," fiel Thorgau ein, „ich werde inzwischen Herrn Terski und Georg rufen."
Mit dem den Polen in so hohem Grade eigenen gesellschaftlichen Takt unterließ er nicht, sich auch für die momentane Entfernung kurz zu verabschieden und war hinaus. (Forts, folgt.)