x 163. Ar-lt-g, dm 20. Juli 1883.
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K, Abonnementsbillets für das ganze Staatseisenbahnnetz.
Im Düsseldorfer Ortsverbande des Listklubs ven- tilirt man seit einiger Zeit die Frage, ob es nicht möglich sei, Eisenbahn-Abonnements einzurichten, welche auf allen Staatsbahnen zu jeder Zeit und für jede Strecke Geltung haben. In einer der Sitzungen wurden folgende Ansichten ausgesprochen:
Reisende, welche häufig oder täglich die Eisenbahnen benutzen müssen, haben einen erheblichen Vortheil, wenn sie während der 3-, 6-, 9- oder 12 - monatlichen Abonnementszeit nur ein einziges Mal am Schalter zu thun haben und für Hin- und Rückfahrt jeden beliebigen Zug, jede Bahnstrecke benutzen können. Die Eisenbahn-Verwaltung spart Arbeit und Zeit, wenn fie ebenfalls mir einmal mit dem Reisenden zu verkehren hat. Werden die Abonnements häufiger, dann spart sie Beanite und braucht weniger Billets, fie erhält den Betrag für die ganze Abonnementsdauer auf einmal im Voraus; sie macht durch die erleichterte Art des Reisens dasselbe allgemeiner und schafft sich dadurch neue Einnahinen, während auf der andern Seite sich Handel und Wandel im ganzen Bereiche des Eisenbahnnetzes neu beleben.
In Belgien ist diese Frage bereits gelöst, denn dort gibt es Abonnements für Theilstrecken und für den ganzen Staat. Mau darf :r«: r/kcht glauben, daß es einen Unterschied inache, ob man eine kleine oder eine große Strecke frequentire, ob man beständig zwischen Düsseldorf und Köln oder zwischen Köln und Berlin oder endlich kreuz ober quer fahre. Die Eisenbahnverwaltung hat stch auf den Standpunkt zu stellen, daß der Abonnnent fortwährend aus Tour sei, und hiervon denjenigen Theil der Zeit abzuziehen, welchen der Abonnent nicht auf den Schienen zubringt. Sie kann das natürlich nicht genau feststellen, aber es gibt gewisse Anhaltspunkte, welche ihr Material zu einer Wahrscheinlichkeitsrechnung liefern. Der menschliche Organismus erlaubt kein immerwährenden Fahren, die Kraft reicht dazu nicht aus und noch weniger ist die Lust dazu vorhanden. Außer-
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Irrest auch Du?
Aus hinterlassenen Handschriften eines Unbc' kannten mitgetheilt von
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(Fortsetzung.)
4.
Leo von Terski war ein Pole, nicht der Gesinnung nach, aber von Abstammung. Er war frühzeitig verwaist; sein Vater war in den Freiheitskämpfen um das gedemüthigte Polenland gefallen, die Mutter hatte er nie gekannt. Von der Partei seiner Nation vergessen, hatte er mit eignen Kräften es möglich gemacht, feine Studien bis zur Universität abzuschließen. In Ingolstadt, wo er nebst mir sich der deutschen Literatur zuwandte, hatte ich ihn kennen gelernt und liebgewonnen. Er war ein grabet Charakter, ohne Falsch unb treu wie Golb. Drum war ich ihm gerne be- frtunbet.
Nach etlichen Semestern verließ Terski Jngol- stadt und mich, um einstweilen der damaligen Sitte unbemittelter Studiosen gemäß den Hauslehrer zu machen? Auf Thorgau, einem umfangreichen herrschaftlichen Gute des Herrn v. Thorgau, das unweit unseres Schlosses lag, hatte er das gewünschte Ziel gefunden, indem ihm der Gutsherr die Erziehung des Heranwachsenden Junkers anvertraute. Daß er dort im Hause angesehen war und gern gelitten, hatte er nicht blos seinen vor
dem brauchen auch alle Reisende ohne Ausnahme Zeit zum Essen, Trinken und Ruhen. Mit diesen und andern Dingen wird ein gewisses Quantum von Zeit außerhalb der Bahn zugebracht. Die Geschäftsreisenden sind an die Orte gebunden, wo ihre Kunden wohnen; dort niüssen sie aussteigen, Halbe, ganze und mehrere Tage daselbst verweilen, ehe sie wieder die Eisenbahn benützen können. Ein fernerer Theil der Zeit wird von Sonn-, Feier-, Hitz-, Sturm- und Krankheistagen absorbirt, an denen ebenfalls nicht gehren wird. Wenn man nicht ein einzelnes JnwWium, sondern den Durchschnitt der NichtreisesÜinden in Betracht zieht, dann läßt sich annähernd die Reisedauer für eine Abonnementszeit von 3, 6, 9 und 12 Monate herausfinden, und darnach kann der Preis des Billetes festgesetzt werden.
Es liegt kein Grund vor, einen solchen Plan abenteuerlich zu finden und vor demselben zurück- zuschrecken, denn erstens ist derselbe in Belgien schon erprobt und zweitens sind die deutsche Reichspost und der Weltpost-Verein in analoger Weise bereits mit Aufhebung der Entfernungen vorgegangen. Hier gelten die Preise allerdings für jede einzelne Sendung, aber wie es keinen Unterschied in der Einnahme der Post macht, ob sie alle Tage im Jahre einen Brief oder an einem Tage 365 befördert, so ist es auch für die Eisenbahn gleichgültig, ob ein Passagier & 1? Tages täglich eine Stunde fährt ober in einem Tage 12 Stunben. Sie hat nur aunähernb bie wirkliche Fahrzeit herauszufinden und, wie bereits gesagt, darnach die Abonne- mentSpreise zu stellen.
Je billiger sie das zu thun im Stande ist, desto mehr Abonnenten wird sie sich sichern. Es kommt dabei in Betracht, daß bie Bahnen dadurch einen weit größern Frachtverkehr haben werden, besonders, wenn Sekundärbahnen in genügender Zahl hergestellt und die bis jetzt noch wenig ausgebeuteten Gegenden durch die Geschäftsreisenden in den Verkehr gezogen werden.
Wir halten die Anschauungen des Listklubs nicht allein für durchaus richtig, sondern sehen in der Ausführung derselben auch einen nicht unbe
züglichen Gemüths- und Charaktereigenschaften zu danken; es fiel auch die Vergangenheit seiner Familie in die Wagschale, da nämlich der Thorgau selber Pole war. Aber er gehörte zu den Wenigen, die nach der mißglückten ersten Insurrektion ihre politische Sache für verloren hielten. Von einflußreicher Seite begünstigt gelang ihm und seiner Familie bie Flucht aus russischem Gebiet, unb nachbem er seinen polnischen Namen von Stanitschews abgelegt, kaufte er Thorgau unb führte fortan ben Namen seiner Besitzung. Wir hatten allezeit mit ihm gute Nachbarschaft gehalten.
Dort also war mein lieber Comilione Leo vor ber Hand gut aufgehoben. Denn wenn auch Herr von Thorgau ben unnützen unb unruhigen Bestrebungen seiner Lanbsleute abholb war, hegte er bennoch für bie einzelnen Söhne des geknechteten Vaterlandes in feinem Herzen die edelsten Sympathien. Gegen seinen neuen Hauslehrer aber umsomehr, als auch dieser, wie einst Thorgau selber, in reichem Maße den Undank unb bie Theilnahmlosigkeit ber polnischen Aristokratie genugsam erfahren hatte. —
An allen Eröffnungen Leo's bei seinem Besuch war mir nichts bemerkenswerth als ber Umstanb, daß er ganz im Gegensatz zu seinem sonstigen Verhalten die beiläufig kaum erwähnenswerthe Geldangelegenheit mit einem mystischen Dunkel umgab. Wir hatten früher nie ein Geheimniß voreinander. Was konnte ihn zu dieser Zuriick-
deutendeu Fortschritt für die Hebung der Volk s wirthschaft. Jeder, welcher die Erörterung und Durchführung so wichtiger und weitreichender Fragen liebt, sollte nichts zögern, dieselben in seinen Kreisen zur Besprechung zu bringen und ihre Verwirklichung zu fördern. Der Listklub hat sich durch die Anregung dieser Idee ein unschätzbares Verdienst erworben und wieder einmal thatsächlich bewiesen, daß er bie vollen Sympathien und die Unterstützung aller an ber volkswirthschastlichen - Wohlfahrt bes Staates interessirten Kreise in vollem Maße verdient.
Deutsches Reich.
Fulda, 20. Juli.
In einem an bie Abresse ber .Kölner Zeitung' gerichteter Arttkel, konstatirt bie ,Nordd. Allgemeine Zeitung', baß bem Staat bie Waffen gegen bie römische Hierarchie nicht fehlen werben, selbst nach Preisgebung der Anzeigepflicht, bie nur eine Anstaubs- und Ehrensache sei. Außer einem durchaus ungerechten Angriff gegen ben Fürstbischof von Breslau ist insbesondere der Schlußpassus bemerkenswerth, welcher lautet: „Wenn die römische Kurie für die katholischen Preußen nicht so viel Interesse hatte, um ihre Noch in der Seelsorge zu beseitigen, wie sie aus der nicht gewollten, aber that« sächlichen Strafbarkeit des Sakramentespendens und Messelesens sich ergab, so liegt es nicht in den Traditionen des preußischen König- thums, in diesem Maße gleichgültig gegen die religiösen Bedürfnisse seiner Untertanen zu fein. Die königliche Regierung hat lange Zeit gehofft, im Eiuver« ständniß mit der Kurie jenen aus den Mai- gefetzen indirekt sich ergebenden Uebelständen abhelfen zu können; nachdem sie sich aber überzeugt hat, daß auch die jüngste, durch das päpstliche Schreiben vom 30. Januar eröffnete Phase ber Verhanblungen dieses Einverständniß in absehbarer Zeit nicht erhoffen ließ, hat sie nicht länger anstehen wollen, eine Konzession, die sie schon jetzt ohne Gefahr für die staatliche Autori
haltung bewegen? Daß die Sache wichtig war, ober baß er fie wenigstens für wichtig hielt und danach behandelte, war aus der Verlegenheit seines Auftretens zu erkennen. Doch war groß Nachdenken darüber meine Sache nicht, Hütt' ja auch nichts bezweckt. — — — —
5.
Nicht möchte ich des Weiteren euch umständlich schildern, wie mit mir selbst unzufrieden ich gedrückten Sinne» oftmals zur Kapelle ging, um mich aufzuraffen zu einem bestimmten Entschluß.
Abermals kniete ich an einem herzerfrischenden Morgen des Maimonats vor bem Marienbilde. Und was mein Inneres unstät und trübe gefangen hielt, ward licht unb klar von jenem Gnabenblick, ber mich von heiliger Stätte traf.
Dort hab' ich mich ber Herrlichen geweiht, der Mutter meines Herrn! Sie, bie schon im Morgenschimmer meiner Kindheit mir ben schwanken Pfad erhellte, erschien stets meinem Geist so hehr, so übermächtig wunderbar, daß demuthvolle Scheu mich adhielt, ihr zu nahen. Jetzt, wo mein armes, rathbedürftig Herz aufs Neue zu ihr floh, da Alles, was ihr tröstend Mutterwort verheißen, in seiner ganzen Fülle vor mir lag, jetzt weilte ich kindlich, vertrauensvoll ergeben, ihr zu Füßen.
Hoffen wollte ich ja den Frieden eines ganzen Lebens, das ihr, der Heiligsten, allein gehörte.
Dann bat ich noch, falls jemals sie entdecke,