rtlung
Du .Fuldaer 8‘iung* erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pfg., — mit der bellüristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.
Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Ein Schlag in die Luft.
In der gestrigen Nuinmer des hiesigen ,Kreisblattes' segelt unter der Flagge „Aus dem Leserkreise" zur Abwechselung wieder einmal ein sehr ungeschickter und darum auch gründlich mißglückter Versuch, der .Fuldaer Zeitung' „eins anzuhängen." Das langathmige Opus, welches von einer schlecht verhehlten Animosität zeugt und zur Erregung des Appetits aufregungsbedürftiger Leser sogar eine „pikante Sauce" serviren zu müssen glaubt, ist im Grunde genommen trotz der angewandten kleinen Schrift den Platz nicht werth, auf dem es „bescheiden" sich spreizt. Denn, um sofort auf die Sache selbst zu kommen, befindet sich der X* Herr zunächst in seiner Spürerei nach dem Verfasser unseres Artikels „Ist der Verdienst schlechter geworden?" ganz entschieden auf dem Holzwege. Der Verfasser jenes Artikels, dem X mehrfach gute Lehren geben zu dürfen glaubt, dem er die Erfahrung tn Lehrer- Verhältnissen abspricht, ist kein Anderer als der e hem aligeElem entarte hrer, heutige Sch rift- steller Wilhelm Herchenbach in Düsseldorf. Der „Herr Verfasser" hat demnach nicht blos 4 Wochen, sondern viele lange Jahre hindurch vor Cd. 30 Jahren unter weit ungünstigere n V e r h ä l t n i s s e n als heute (Herchenbach zählt jetzt 65 Jahre) persönlich erfahren, wieviel Arbeit ein ehemaliger Lehrer halte. Als früherer Fach- wann und bei dem Umstande, daß ar lang- Jahr- Mitglied der städtischen Schulkommission in Düsseldorf war (Herchenbach ist seit 13 Jahren Stadtrath zu Düsseldorf und ein dort von allen Parteien geschätzter Volksmann in des Wortes bester Bedeutung), ist grade Herr Herchenbach weit mehr als Andere befähigt, objektiv das Verhältniß der Arbeit des heutigen zu der des früheren Elementarlehrers zu beurtheilen. Dasselbe gilt auch von den Gehalisverhältnissen, deren kompetente Beurtheilung man nach dem Gesagten dem Verfasser jenes Artikels gewiß nicht wird ab» sprechen können. Thatsächlich beziehen heute in Düsseldorf mehrere sog. Unterlehrer (wie man dort die an den unteren Elementarklasien angestellten Lehrer im Gegensätze zu den sog. „Oberlehrern" allgemein bezeichnet) 600 Thaler Gehalt.
Wenn also der Verfasser des verunglimpften Artikels als früherer Elementarlehrer gerade das Beispiel des Elementarlehrers anzog, so beabsichtigte er gewiß nichts weniger, als einen Angriff auf den Lehrerstand, im Gegentheil wollte er aus eigener Erfahrung beweisen, wie bescheiden, wie dürftig ehemals im Vergleich zu heute die Einkünfte waren, um wie viel besser heute manche Stände gegen früher gestellt sind. Diese Erwägung sollte doch für den rehrerstand, wenn er auch noch keineswegs seiner sozialen Stellung entsprechend honorirt wird, nur tröstlich sein, sie ist geeignet, ihn vor allzu großer Unzufriedenheit zu bewahren.
Nachdem die Persönlichkeit und der frühere Stand des Verfassers in der Einleitung klar gestellt worden, erledigen sich die sonderbaren Vorwürfe und Lamentationen des X-Herrn eigentlich ganz von selbst. Da auch aus dem „bescheidenen" Ar- tikrlchcn nur zu klar die „famose" Nebenabsicht hervorleuchtet, die Centrumspartei undderenhie- siges Organ in den Augen der Herren Lehrer unseres Bezirkes zu nnßkreditiren, so gestatten wir uns, in Kürze noch das Eine und Andere etwas näher bei Licht zu besehen.
Daß unser oft genannter Artikel n i ch t in der Absicht geschrieben war, den ganzen Lehrerstand des überflüssigen Luxus anzuklagen, liegt nach dem Ausgeführten klar auf der Hand. Herr Herchen
bach suchte eben nur die allgemeine relative Zunahme des Einkommens an einem ihm naheliegenden Beispiel nachzuweisen. Wir kommen aber nun zu dein generellen Angriff des Herrn X, der in folgender unqualifizirbarer Weise seine Stellung zuin Centrunr kennzeichnet: „Der Kulturkampf hat seit Jahren schon gezeigt und beweist es noch bei jeder Wahl, daß aus dem Laienstand die bewährtesten und uneigennützigsten Kämpfer für das Centrum die Elementarlehrer sind. Trotzdem — oder ist es vielleicht der Dank für treue Hilfe — behandelt keine Partei den Lehrerstand in einer so unwürdigen Weise wie das Centrum, was bereits kürzlich in der Nr. 27 des hier erscheinenden Schulblattes beleuchtet worden ist."
Für diese nichtswürdige Behauptung ist Freund X den Beweis einfach schuldig geblieben, oder soll etwa der Hinweis auf den Abg. Dr. Reichensperger dazu dienen, der jüngst im Abgeordnetenhause eine aus dem Schooße des Lehrerstandes hervorgegangene, unbescheidene, anmaßende, sich überhebende Richtung, gewissermaßen eineKlique, mit verdientem Spott geißelte? Herr Reichensperger hat dabei nicht an die Klasse von Lehrern gedacht, wie wirsiegottlob in unserer Stadt und unsermKreise haben und hoffentlich auch fernerhin behalten werden, an die fleißigen, christlich gläubigen, pflichtgetreuen Lehrer, welche ihre ganze Kraft daran setzen, ein strebsames, gesittetes und gläubiges tzN'schlechl yerunzuvltven, svnvern uu jene liberalisirenben, von Eigendünkel und Hochmuth aufgeblähten, des ehrsamen Standes unwürdigen Elemente, welche, trotzdem das Falk'sche Schulregiment ein Ende genommen hat, im Sinne ihres Meisters und vielleicht noch über seine Intention hinaus auf eigene Faust weiterwirthschaften wollen und sowohl in der Lust am Streit und Hader, wie in der Mißachtung der religiösen Aukrorität und in der Pflege einer oft nicht einmal verstandenen ungläubigen Richtung der Jugend das denkbar schlechteste Beispiel geben.
Was nun die spezielle Stellung der.Fuldaer Zeitung' zur Elementarlehrer-Frage angeht, so glauben wir das schwache Gedächtniß des Herrn X etwas auffrischen zu müssen. Dle.Ful- daerZeitung' ist seit dem .Januar mehrfach ganz energisch für die Interessen des Lehrerstandes eingetreten sogar im direkten Widerspruch und Gegensatz zum ,Fwdaer Kreisblatt', durch dessen Mund der X-Herr zu uns redet.
Am 3. März brachte die .Fuld. Ztg.' unter dem Redaklions-Stern einen Leitartikel: „Die Pensionirung derElementar- lehrerin Preußen", in welchem an einzelnen sehr drastischen Beispielen das dringende Bedürfniß einer endlichen Regelung und Verbesserung der Pensionsverhältnisse nachgewiesen und die sonderbare Aufichiedungspraxis der Regierung lebhäft getadelt wurde. Wenn wir dem Herrn X einzelne Stellen aus den beiden damaligen Artikeln vor Augen führen wollten, so würde ihm die Schamröthe in's Gesicht steigen, daß er uns trotzdem einer Schmälerung des Ansehens und Interesses des Lehrerstandes geziehen.
Damals war es grade das heute mit dem X-Artikel verzierte .Krersblatt', welches in einem jener bekannten si-Produkle aus der offiziösen Waschküche die PensionsVerhältnisse (worüber der Herr X sich sonderbarer Weise in eben demselben Blatte jetzt beklagt) möglichst rosig darzustellen versuchte und trotz der seit 1879 bereits 4mal erfolgten Aufforderung des Abgeordnetenhauses die Vorlage eines Pensionsgesetzes für verfrüht und unnöthig erklärte. Damals
traten wir in sehr deutlicher und gründlicher Weise dem offiziösen Waschzettel entgegen und vertheidigten die Interessen des Lehrerstandes wäriner, als es an gewisser Stelle lieb sein mochte, ja es wurde sogar gleich nachher, offenbar hierdurch veranlaßt, eine Notiz im,Krsbl.' veröffentlicht, welche nachzuweisen versuchte, daß die Pensionsverhältnisse in unserem Bezirke relativ günstige seien.
So ist die .Fuldaer Zeitung' feit dem 1. Jan. für den Lehrerstand eingetreten, sie hat auch nicht einmal ein Wort geäußert, welches als eine Verunglimpfung desselben aufgefaßt werden könnte.
Nun noch eine mehr nebensächliche Bemerkung: Herr X scheint uns zuzumuthen, den Leitartikeln stets nur die Verhältnisse der „Vaterstadt der .Fuldaer Zeitung' " zu Grunde zu legen. Wir können leider seinen Rath nicht befolgen, denn der weitaus größte Theil der Leitartikel rc. der .Fuldaer Zeitung' wandert in der .Rhein» isch-Hessischen Korrespondenz' (für katholische Redaktionen) durch ganz Deutschland, und wenn Zeitungen, wie u. A. die .Essener Volkszeitung', der .Rheinische Merkur', die .Bonner Volkszeitung', die .Dürener Zeitung', der .Clevische Volkfreund', die.Mayener Volkszeitung', die .Koblenzer Volkszeitung', die .Ermländische Zeitung', der .Nassauer Bote', die .Osnabrücker Volkszeitung', die .Amberger Volkszeitung', der ^teu>**öv. V.. ----,an...
der Dirgenheimer ,Jpf', der schwäbische .Volksfreund' solchen Artikeln Aufnahme gewähren, so kann es uns wahrlich gleichgültig sein, ob ein x-beliebiger HerrX. an ihnen etwas auszusetzen hat.
Wir haben uns auch nicht gegen diese Nörgelei und Haarspalterei, sondern gegen die an die Adresse der katholischen Lehrer unseres Kreises gerichtete Denunziation wehren zu müssen geglaubt.
Uebrigens sollte man doch nach dieser abermaligen Erfahrung in Zukunft Zeit, Druckerschwärze und Papier zu derartigen un- glücklichen Angriffen auf die .Fuldaer Zeitung' sparen und statt dessen lieber auf eigenem Acker den eigenen Kohl bauen.__
Das neue kirchenpolitische Gesetz, welches am 17. Juli in der „Gesetz-Sammlung" und im .Staats-Anzeiger' publizirt wurde und demnach 14 Tage später, am 31. Juli, in Kraft tritt, hat folgenden Wortlaut: (Wir halten eine Wiederholung des Wortlauts für angezeigt.)
Gesetz, betreffend Abänderungen der kirchenpol,tischen Gesetze. Vom 11. Juli 1883.
Wk Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen k. verordnen mit Zustimmung der beiden Häuser des Landtages Unserer Monarchie für den Umfang derselben was folgt:
Artikel 1.
Die Verpflichtung der geistlichen Oberen zur Benennung des Kandidaten für ein geistliches Amt, sowie das Einspruchsrecht des Staates werden aufgehoben:
1) für die Uebertragung von Seelsorge-Aemtern, deren Inhaber unbedingt abberufen werden dürfen,
2) für die Anordnung einer Hilfsleistung oder einer Stellvertretung in einem geistlichen Amte, sofern letztere nicht in der Bestellung des Verwesers eines Pfarramts (Administrators, Provisor^ ^.) besteht.
Die Zuständigkeit des königlichen Gerichtshofes für kirchliche Angelegenheiten zur Entscheidung auf Berufungen aeqen die Einspruchs-Erklärung des Oberpräsidenten bei
1) Uebertragung eines geistlichen Amts ($ 16 des Ge setzes vom 11. Mai 1873, Gesetz-Samml. S. 191), 2) Anstellung als Lehrer oder zur Wahrnehmung der
Disziplin bei kirchlichen Anstalten, welche der Vorbildung der Geistlichen dienen ($ 12 des Gesetzes vom 11. Mai 1873),