' J£ (61. Mittwoch, den 18. Juli (883.
Jfulbarr ® Zeilmig.
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Deutsches Reich.
Fulda, 18. Juli.
* Der gestrige .Reichs-Anzeiger' enthält das am 11.Juli 1883 von Sr.Ma- jestät demKaiser unterzeichnete kirchenpolitische Gesetz. Dasselbe tritt am 31. Juli in Kraft.
• (Herrv.Schlözer) hatte gestern,wie einTele- gramm der .Germania' aus Rom meldet, eine Audienz beim h. Vater, um vor Antritt seines Urlaubes Abschied zu nehmen. Nach einem Telegramm der .Frkf.Ztg.' wird Herrv.Schlözer am Donnerstag seinen Somnierurlaub antreten. Es versteht sich oon selbst, daß diese ganz innerhalb der regelmäßigen Ordnung bleibenden Ferien für die Gestaltung der Beziehungen zwischen Rom und Berlin ohne Bedeutung sind. In dieser Hinsicht ist nur das eine Faktum maßgebend, daß die letzten Roten des Vatikan- bisher unbeantwortet geblieben sind.. Aus dieser Thatsache scheint zu folgen, daß die preußische Regierung die schriftlichen Verhandlungen über die weitere Revision der Maigesetze nicht sofort weiterführen zu sollen glaubt, sondern erst die durch die Ausführung des neuen Gesetzes zu schaffende Situation sich Herstellen laffen will. Bei der Beurtheilung dieses Entschluffes wäre es vom Ingresse, bestimmt zu wiffen, ob Herr v. Schlözer nach Eingang Role vom 21. Juni noch mündliche Verhandlungen über die bann berührten Fragen gepflogen hat. Unser römischer Korrespondent hat dahin berichtet; es ist zwar von gegnerischer Seite widersprochen worden, aber nicht in einer überzeugenden Weise. Die Angaben mehrerer nichtkatholischer Blätter, daß erst Berichte de» Herrn v. Sa-lözer aus der Zeit nach dem 21. Juni den groben Artikel der ,Nordd.' veranlaßt hätten, würde als eine Bestätigung der Mittheilung unseres Gewährsmannes zu deuten sein. Wir legen jedoch auf diese Einzelheiten nicht mehr Werth, als sie verdienen. Die weltgeschichtliche Angelegenheit des kirchenpolitischen Ausgleiches, um welche es sich handelt, wird von so großen und gewaltigen Faktoren bestimmt, daß die gelegentli-
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uy Irrest auch Du? *)
Aus hinterlassenen Handschriften eines Unbekannten mitgetheilt von
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Hoch ragte das Thürmlein der Kapelle in den blauen Raum hinein.
Sie stand von Alters her wie eine Warte auf sanft erhabenem Plateau unweit des Schlaffes. Ein Wiesenpfad in doppelter Reihe mit Lmden und Kastanien umsäumt, wies dem gebetsbedürftigen Fremdling den Weg zu ihr.
Ich kannte wohl noch einen anderen Zugang, vom kleinen Holz jenseits des Abhangs, wo blühweiße Birken mich Morgen» ost mit Thau beschütteten, falls ich sie nur unversehens berührte. Denn die Schelme wußten, daß ich gewöhnlich nach Abfertigung meines Morgengebets in der Kapelle traumverloren den kleinen Wald aufsuchle und wich gerne entfernt vom rechten Wege hielt. Die Birken, — ja, das waren mir allesammt neckische Gesellen, garnicht so ernsthaft wie die Eichen, die doch auch noch jung waren, aber so gravitätisch dastanden, als wollten sie die schlechten Späße die übermürhigen Birken mit Beachtung strafen und weine Gedanken nicht unterbrechen, die — doch halt/ die verrath ich nicht, sondern sag' euch lieber von dem Kirchlein, was ich einst aus dem Munde
*) Nachdruck verboten.
chen „incidenta“, wie der Verlauf der Dinge in den letzten Jahren ja hinreichend bewiesen hat, trotz des großen Geräusches, mit dem sie wohl aufzutreten pflegen, nur eine untergeordnete Bedeutung und höchstens eine etwas verzögernde Wirkung beanspruchen können.
* (Zur letzten päpstlichen Rote.) Auch der Moniteur de Rome' bezeichnet die Nachricht allzu eifriger regierungsfreundlicher Korrespondenten, daß einige Kardinäle sich gegen die Absendung der letzten Note des Vatikans an die preußische Regierung erklärt hätten, als unbegründet.
* (Die internationale Thierausstellung in Hamburg) hat mit einem Defezit von 100,000 bis 150,000 Mark abgeschloffen, welches durch den 340,000 Mark betragenden Garantiefonds gedeckt ist.
* Kassel, 16. Juli. (Die konservative Versammlung in Hofgeismar,) in welcher am Sonntag der Abgeordnete Strosser auf Veranlassung des dortigen konservativen Vereins den schon früher angekündigten Vortrag gehalten, war zahlreich besucht, und mit lebhaftem Interesse folgte man den Ausführungen des Redners. Derselbe gab seiner Genugkhuung darüber Ausdruck, daß Heffen jetzt so wackere konservative Vertreter entsende und sagte, daß er sich vorgenommen habe, alle Parteien unserer paria- memarischen Körperschaften dem geistigen Auge des Zuhörers vorzuführen, und tgre Zöittfumuu streng zu charakterisiren. Den Sozialdemokraten, der am weitesten links stehenden Partei, wendete er sich zuerst zu und bezeichnete sie nach ausführlicher Schilderung ihrer unheilvollen Bestrebungen als für den Staat am gefährlichsten. Diese Agitation müsse daher nach Kräften eingedämmt werden und der Staatsregierung durch die Gesetzgebung die Mittel dazu an die Hand gegeben werden. Die Vorfrucht der Sozialdemokratie sei die Fortschrittspartei, denn diese wolle auch von der christlichen Grundlage des Staates Nichtwissen, und wenn man erst auf der abschüssigen Bahn angelangt sei, so komme man schnell zur des Vikars gehört, der Woche um Woche dort für uns vo:n Schloß die heilige Handlung feierte.
Es ist garnicht so lange her gewesen, denn alle Leute in der Umgegend haben'« gewußt, weil sie den Eustach Werner gut kannten, der in frühester Jugend in Lähmung verfallen war, so daß beide Beine ihm nichts taugten.
Es war ein Jammer mit dem lieben Jungen. Er war fromm erzogen und hat sich nie beklagt, ob er auch schon in seinem siebenten Jahre noch in einem Wägelchen gezogen werden mußte zur Kapelle hinauf. Dort war er gern.
Die Kmdsmagd führt ihn an einem Maitag, wie gewöhnlich, Nachmittags zu dem Heiligthum. Oben angekommen thut sie ohne Erlaubniß der Eltern einen Gang zwei Stunden weit zum Ohm ins Dorf. Eustach kauerte, aus dem Gefährt gehoben, auf feinen welken Beinchen am Eingang der Kapelle mit gefallenen Händen. Lautlos betete er, wie's seine Mutter ihn gelehrt, und eine heilige Stille lagerte über dem Tempel, den Gottes Nähe erfüllte. Er stand unter dem Patronat der lieben Gottesmutter, deren Bild auf dem einzigen Altäre, weitgerühmter Gegenstand der Verehrung war. Das schaut der kleine Eustach mit inbrünstigem Bitten an, und plötzlich erfüllt der Gedanke, daß er ob seiner Gebrechlichkeit ein Werkzeug bleiben muß in der Hand der Leute, die ihm wohlwollen, und daß er aus eigener Kraft nichts vermag, was seiner Umgebung nutz wäre, sein Herz mit einer
Sozialdemokratie. Eugen Richter ging Herr Straffer stark zu Leibe, indem er ihn als den eigentlichen Führer des Fortsschritts behandelte und seine furchtbare Rcdelust, welche nur in der ewigen Verneinung Satisfaktion fände, geißelte. Seine Begabung erkannte er an, glaubte aber, er hätte besseren Gebrauch davon machen können, wenn er im Staatsdienst geblieben wäre. Er erscheine übrigens nur als der Abklatsch jener Liberalen, welche sich immer des Mottos bedient hätten: „In Preußen sollen die Hohen- zolleru regieren", natürlich nur um nicht Bismarck schalten zu laffen. Das mit dem Fortschritt verbundene Judenthum sei diesem besonders sympathisch, da ihm von der Sette aus die Mittel zu den Wahlen und die Unterstützung der Judenblätter zu Theil würde. Gegen Adel und Geistlichkeit wüthe man, welche sich um das Vaterland sehr verdient machten. Der Adel habe in der Armee stets Großes geleistet und die Geistlichkeit opfere sich für die leidende Menschheit. Sie treibe nicht den Wucher wie das Judenthum, letzteres werde aber dafür von dem Fortschritt gehätschelt. Auch Schulze-Delitzsch, dessen Verdienste auf dem Gebiete des Societäiswesens er nur thetl- weise anerkennt, und Virchow werden von dem Redner sehr bekämpft. Den Nationallivera- len hielt derselbe ein gehöriges Sündenregister vor, namentlich für die Mißgriffe im Kulturkampf macht er sie verantwortlich, und der wirthschast- Uch« hM Nni»-« lafte wie ein Fluch auf ihnen. Die Haltung in allen politischen uue anderen Fragen decke sich mit ihrem kirchlichen Standpunkt, der ein protestantenvereinlich - kulturkämpferischer sei. Die Partei wäre Gottlob von 180 auf 67 Abg. zusammengeschmolzen und Herr v. Bennigsen habe sich Angesichts dieser für die Partei so traurigen Thatsache von der Tribüne der Weltgeschichte zurückgezogen. Die Freikonservativen kamen natürlich auch nicht gut weg, denn der Redner sprach ihnen alles konservative Wesen gänzlich ab und meinte, ein Theil der Partei könne sich getrost nationalliberal nennen. Konservativ wären diese Leute nur, wenn es zu den
Ueberfülle tiefer Wehmuth. Hat mich die liebe Gottesmutter nicht so lieb, wie ich sie habe? Sie muß mir helfen!" Er denkt'« und rutscht nach alter Gewohnheit auf die Hände gestützt, die steinernen Fliesen entlang, vor den Altar der heiligen Jungftau, und sieht sie, mit dem göttlichen Kindlein im Arm, und denkt der Liebe und Barmher- zigkeit Mariens, die ihm so oft gepriesen worden, und ein Vertrauen senkt sich in das Innerste des unentweihten Kinderherzens, da» riesengroß den Rathschluß göttlicher Weisheit bezwingt. Nun hält'» ihn nicht länger, im Flüsterton zu beten, zwei Helle Tropfen entstürzen den Augen des Knaben, den Augen, die feine bittenden Geberdm zum Thron der Spenderin der Barmherzigkeit lenken, und in Andachtsgluth vergessen entringt sich ferner fchmerzdurchwogten Brust der gellende Ausruf: „HeiligeMaria, Mutter der Barmherzig- teil, gib mir meiueGesundheit wieder!" *) Erschrocken vor dem Laut der eigenen Stimme will er zusammensinken, neigt sich vorwärts thränenden Angesichts , mit herabgelaffenen Händen den gewohnten Stützpunkt suchend — doch — heilige Muttergottes! — er erreicht den Boden nicht! Ohne Stütze kniet er in aufgerichteter Haltung vor dem Gnadenbilde. der noch vor wenigen Minuten die Last des Oberkörpers den Händen anvertraut! Vor Freuden - fJauern überwältigt lehnt er beide Hände auf ben
*) Tic Legende ist verbürgt. Anin. d. Vers.