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jyr 159. Montag, dm 16. Juli 1883.

Fuldaer Ieitung.

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Im November 1594 trat Taffo, von seinen Freunden begleitet, die Reise nach Rom an und wurde vom Papste, den Kardinalen und anderen hochgestellten Personen sehr freundlich ausgenommen. Mehrere Wochen wurden von Besuchen in Anspruch genommen, und schon wollte man den Tag der feierlichen Krönung feststellen, als der Arzt des Dichters erklärte, Taffo muffe jetzt jede Aufregung vermeiden und ganz ruhig in einem abgelegenen Theile der Stadt, wo eine gute Luft sei, leben und die Arbeiten ruhen lassen; wenn seine Ge­sundheit geschont werde, würde er int nächsten Frühlinge im Stande sein, die Krolie zu empfangen.

Der Papst und die Fürsten Roms boten ihm ihre Paläste und Gärten an, aber Taffo schlug alle Anerbietungen aus und wählte das Kloster St. Onosrio am Abhange des Janiculus. Dort hoffte er einen ruhigen Frieden genießen und sich zugleich des Gebets und der religiösen Uebungen erfreuen zu können.

Eine kurze Zeit hatte es den Anschein, als sollte das alte, freudige Leben wieder erwachen, denn denn der Quell feiner Dichtkunst sprudelte so frisch, wie in seiner Jugend.

Seine hochgestellten Freunde und Gönner besuch­ten ihn und sprachen ihm Muth ein.

Häufig ging er in den Garten und setzte sich in den Schatten der mächtigen Eiche die später den Namen Tasso's erhalten hat.

So zog Taffo denn ohne den Trost der Ver­gebung mit seinem Freunde nach Mantua, wo er mit den größten Ehreir und Auszeichnungen aus­genommen wurde.

Die fiebenjährige Einkerkerung und abscheuliche Behandlung war leider nicht spurlos an seinem Geiste vorübergegangen. Unflat, unruhig, melan­cholisch und mißtrauisch war er von jeher gewesen, aber jetzt kamen auch Zeiten, wo er sich in der Thal wie ein Wahnsinniger geberdete, und die Zer­rüttung an Körper und Geist machten immer größere Fortschritte.

Befand er sich wohl, so arbeitete er mit dem größten Eifer und schuf ausgezeichnete, die Be­wunderung auf sich ziehende Gedichte. Das be­freite Jerusalem, welches fitzt in der ganzen Welt, aber in mangelnder Form bekannt war, arbeitete er gänzlich um, um alles Fehlerhafte und das Lob auf das Haus Este zu entfernen.

Zwei Jahre blieb er in Mantua, bis ihn end­lich die Sehnsucht ergriff, wieder einmal nach Rom zu gehen.

Hier hatte während seiner Abwesenheit der Kar­dinal Hippolyth Aldobrandini den päpstlichen Stuhl bestiegen. Kardinal Anzio, sein Neffe war Feuer und Flamme für ihn und er ruhte nicht, bis er den Papst dafür gewonnen hatte, daß der miß­handelte Dichter öffentlich auf dem Kapitol ge­krönt wurde.

Note angeht, so ist sie nichts anderes, als eine zweite Aus gäbe derjenigen Note, welche die Regierung selbst provozirt hatte, indem sie den h. Stuhl ersuchte, seine Desiderata über die Freiheit des Seelsorgamtes und ,der Erziehung des Klerus zu formuliren.

* (Der Kaiser) hat seine auf Sonntag Vor­mittag angesetzt gewesene Abreise von der Mainau nach Gastein um einen Tag verschoben und wird derselbe nun erst heute Vormittag nach Gastein reisen.

• (Der deutich-spanische Handelsver­trag) ist nur auf 4 Jahre abgeschlossen und läuft am 30. Juni 1887 ab. Die wichtigsten Punkte sind aus dem veröffentlichten Notenwechsel bekannt. Der Korkzoll ist von 30 auf 10 Mark herabgesetzt, ferner sind die Zölle für Südfrüchte, Wein, Olivenöl herabgesetzt. Spanien hat seine Zölle für.Spiritus, Eisen, Eisenbahnschienen gebunden.

(Oesterreich - Ungarn.

• Nyiregyhaza, 13. Juli. (Tisza-Esz- larer Prozeß.» Die heutige Verhandlung be­gann mit der Vernehmung der UniversitätSpro« fessoren MihalkovicS und Scheuthauer, welche sich beide im Sinne der Vertheidiger gegen die An­nahme der Abschlachtung und des Leichenschmug­gels äußern.

Wegen eines etwaigen Blutstrahls bei Durch- schneidung des Halses verhört, geben sie verschie­dene Antworten. MihalkovicS erklärt, daß ein Blnlstrah! nc-hwendiz erfolgen muffe, Scheuthuaer stellt eine Verblutung ohne Spritzstrahl bei der Durchsämeidüng als möglich hin, wenn die Kehl­ader unverletzt bliebe.

Dr. Traitler beharrt trotz der Gutachten der Universitätsexperten bei seinen früher zu Pro- tokoll gegebenen Aussagen, gibt aber zu, daß er vorher noch keine Wasserleiche sezirt habe.

— 14. Juli. Doktor Ladislaus Horvath, der dritte jener Aerzte, welche der ersten Leichenschau- und Obduktion beiwohnten, hält bei seiner Ver­nehmung an dem Inhalt des Obduktionsprotokollö fest. Obgleich er viele Wasserleichen sezirt, hat er doch niemals eine Wasserleiche von solchem Aus- sehen gesunden. Dienstag findet die Lokalbesich- tigung in Eszlar statt.

richtige Haltung, sie war auch nothwendig. Von allen Seiten angegriffen und umringt, hat der Vatikan in allen Verhandlungen mit Preußen niemals seine edlen und ruhigen Traditionen ausgegeben, welche der schönste Titel seines Ruhmes sind. Seine Noten, deren unausbleibliche Fortsetzung die letzte war, athmen ohne Ausnahme den­selben Geist des Friedens, sie zeichnen sich durch dieselbe Freimüthigkeit aus und machen auf den Geist den Ein­druck der Ruhe und der Klarheit, in welcher man das Zeichen eines hohen Verständnisses und einer unpartei­lichen Logik erblickt.

Wenn man in der Thal die Geschichte der letzten Ver­handlungen überblickt, so sieht man ohne Mühe, wie sehr der Vatikan zu der Abfassung der Note vom 21. Juni nicht nur berechtigt, sondern Pich verpflichtet war.

Der Hauptgedanke aller dieser Verhandlungen ist, wie man weiß, die Nothwendigkeit der organischen Revision der Maigesetze. Nachdem man eine beträchtliche Zeit auf lange Vorbesprechungen verwendet hatte, trat der Kardinal- Staatssekretär durch die bekannte Note mitten in die Debatte ein, indem er mit sicherer Hand den Gang der Verhandlungen bezeichnete, die nur nach einem und dern- selbem Grundsätze, dem der Gleichzeitigkeit und Gegen­seitigkeit der Konzessionen, sich abwickeln sollten.

Man hat diese Methode ganz richtig die Politik des pari passu genannt. Als dann die preußische Regierung, vor diese Forderungen gestellt, den Vatikan ersuchte, seine desiderada in den zwei Fundamentalpunkten, nämlich der Freiheit des seelsorglichen Amtes und der Erziehung des Klerus im Einzelnen zu formuliren, beeilte sich der h. Stuhl in klarer und bündiger Weise den Umkreis seiner bescheidenen aber unabweisbaren Wünsche anzugeben.

Was sich nun ereignete, setzte selbst die weniger zum Optimismus Geneigten in Eifftaunen. Es kam bekanntlich die Note vom 5. Mai, in welcher die Regierung, statt auf di« Erläuterungsnote der Kurie zu antworten, das Ter­min der Verhandlungen verleßke, die vorgängige Erfüllung der Anzeigepflicht forderte und selbst zu dem Mittel der Drohungen griff. Wir wollen diese Vorgänge nicht quali- fiziren, wir signalisiren sie.

Das ist noch nicht Alles. Als der Vatikan in einer neuen Note bat, die Verhandlungen in den Grenzen des Terrains zu halten, auf welchem die Regierung die De­batte angenommen und in gewisser Weise angeboten hatte, da empfing der h. Stuhl nicht einmal eine Antwort, und ohne eine Mittheilung empfangen zu haben, befand er sich plötzlich einem neuen Kirchengesetze gegenüber.

Gegenüber dieser freien Gepflogenheit der preußischen Diplomatie erhebt der Vatikan keine Rekriminationen; er zollt dem Guten und Gerechten, was das neue Gesetz ent­hält, seine Anerkennung; aber er ist erstaunt darüber, daß die Regierung, ohne ihn in Kenntniß zu setzen, dieses Zwieschcnspiel aufführt, und zwar mit einer wirklich er­staunlichen Zwanglosigkeit.

Soviel hinsichtlich der Form. Was den Inhalt der

Torquato Taffo.

Ein Dichterleben.

In Milhrl» |tr*eabt*.

(Fortsetzung und Schluß.)

Alfons las den Bericht nicht ohne Staunen und Zorn, denn er hatte das gerade Gegentheil er­mattet und gewünscht, aber da er sein fürstliches Wort verpfändet, so durste er nicht mehr zurück.

Am 6. Juli schrieb er an den Prior des Spi­tals, Taffo sei freizulassen.

Prinz Vincenz von Mantua, Tasso's intimer Freund, eilte mit dem Briefe zum Spital, und der Pttor öffnete ihm sofort die Thür zu dem Gefangenen.

„Du kommst, mich zu befreien," rief Taffi^ „ich sehe es an Deinen leuchtenden Blicken."

„Ja, Du bist frei," antwortete Prinz Vincenz und flog dem Freunde in die Arme.

Taffo steckte eilig seine Manuskripte zu sich, dann verließen die beiden Freunde Arm in Ann das Gesängniß und eilten an den Hof. Hier wollte der Befreite seinen Dank barbringen, aber der Herzog weigerte sich, ihn zu sehen und verbot ihm, sich jemals wieder an dem Hofe von Ferrara zu leigen.

Seine Unversöhnlichkeit ging so weit, daß er Noch zwei Jahre später nicht erlauben wollte, daß Taffo im Geleite seines neuen Herrn zu einer Hochzeitsfeierlichkeit an den Hof kam.

Deutsches Reich.

Fulda, 16. Juli.

* (Aus Rom) wird ein Artikel des .Jour­nal de Rome' vom gestrigen Tage telegraphisch gemeldet, welcher besagt, eine Antwort von Seiten Preußens erwarte der Vatikan nun nicht mehr, doch könnten die Unterhandlungen, welche selbst während Herrn v. Schlözers demnächstiger Ab­wesenheit durchaus nicht vollständig zu ruhen brauchten, auf der Grundlage neuer gegenseitiger Konzessionen wieder ausgenommen werden. Deutsch­land fürchte viel mehr, als es zugestehe, die Wirr­sale, welche ein Bruch mit der Kirche nach sich ziehen würde. Der heilige Stuhl sei bereit, alle möglichen Konzessionen zu bewilligen, man solle ihm nur annehmbare Garantien bieten. Das .Journal de Rome' glaubt heute mehr als jemals an eine friedliche Lösung. — v. Schlözer hatte gestern eine Unterredung mit dem Kardinal-Staats- stkretär Jacobini.

— Aus Rom wird der .Germania' gemeldet: „Die letzte Note des Herrn Kardinal-Staatssekre­tärs Jacobini war von den Kardinälen, welche die Kommission für die außergewöhnlichen kirch­lichen Angelegenheiten bilden, einstimmig be­schlossen worden. Das Gerede über eine Dissonanz ist ganz und gar unbegründet."

• (Unter der Überschrift: Die letzte Rote und dic ^Nordd. Allg. Ztg.') schreibt der .Moniteur de Rome':

Wenn wir unsererseits von der letzten Note des Vati­kans an die preußische Regierung sprechen, so haben wir nicht die Absicht, auf die unqualifizirbarcn Angriffe zu ant­worten, deren Gegenstand sie gewesen ist. Die Kirche be­wegt sich in einer zu hohen Sphäre, um durch diese Rekriminationen erreichbar zu sein; sie hat die Kraft und das Recht, sie unberücksichtigt zu laffen: guarda e paesa. Diese mehr oder minder aufrichtigen Drohungen und Ge­waltausbrüche, welche sie entfeffelt hat, werden fast ein Zeichen sein, daß sie durch einen ganzen diplomatischen San einen Strich gemacht hat. Aber wenn sie uns auch hl laffen, weil wir ihren Werth kennen, handelt es sich doch darum, die öffentliche Meinung aufzuklären, indem wir ihr die Beweisstücke des Prozeffes vorlegen.

Die letzte Note des Vatikan an die preußische Regie­rung ist nicht nur ein Beweis für eine untadelhafte und