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M 158.

Sonnabend, den 14. Juli

Fuldm ® Intung.

1888.

Sie Jrulbaet Äettuna* erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 NI. 50 Pfg., — «tt der belletristischen Wochenbeiloge ,@tet#e Mit Blume«' in Fulda 1 SDK. 70 Pfg., auswärts 1 SR. 75 Pf^

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O Die Anklage von Tisza-Eszlar nnd das „Jndenthnm."

Seit einigen Wochen spielt sich vor einem Ge­richtshöfe im Ungarlande ein Sensations-Prozeß ab, der schon seit geraumer Zeit viel Staub auf­wirbelte und die Geißer hüben und drüben hart aufeinander platzen ließ. Der Prozeß von Tisza- chlar ist ein Ereigniß geworden, auf welches das ganze geblldete Europa, und vor Allem, außer Oesterreich-Ungarn selbst, Deutschland mit einer ge­wissen Spannung hinblickt.

Das große Interesse, welches dieser Monstrepro- zeß vor dem Dreirichter-Kollegium in Nyiregyhaza allenchalben erweckt, liegt lediglich in der Bedeu­tung des Falles für die allgemeine Judenfrage, die nun einmal wieder in schnelleren Fluß gerathen ist. Ganz abgesehen von den täglich einlaufenden Berichten über den Prozeßfall und abgesehen von den subjektiven Ansichten über die Schuld oder Nichtschuld der Angeklagten wollen wir versuchen, die ganze Frage einmal ganz objektiv und von einem höheren und allgemeineren Gesichtspunkte zu betrachten.

Worunl dreht sich die ganze Verhandlung? Ist es denn wirklich wahr, was vor einigen Tagen die .Franks. Ztg.' behauptete, daß das gesammte Judenthum auf der Anklagebank sitzt? Unserer Meinung nach würde an und für sich selbst die bestimmt erwiesene Thatsache, daß in einem Winkel von Ungarn verblendete abergläu­bische Juden ein Christenmädchen zu rituellen Zwecken hingeschlachtet haben, das Judenthum als solches nicht treffen können. Wir sagen: an und für sich. Denn zunächst ist soviel sicher, daß in der Bibel den Juden der Genuß von Blut oder gar von Menschenblut nicht geboten ist, im Gegentheil ist der Blutgenuß den Juden sogar verboten. Sollte es nun wirklich wahr sein, daß eine kabbalistische Geheimlehre das Opfer einer unschuldigen christlichen Jungfrau gutheißt, so ist dies doch, wie selbst Rohling und Genossen, die in dieser Frage die gründlich­sten Studien gemacht hatten, zugeben, eben nur eine der großen Maffe der Juden unbekannte, von ihnen nicht angenommene Geheimlehre, mit anderen Worten ein jüdischer Aberglaube.

Oder sollte Jemand im Ernste glauben können, solche rituelle Menschenopfer kämen auch sonstwie in den heutigen Kulturstaaten vor? Abgesehen da­von, daß es heutzutage nicht so leicht ist, einen Menschen auf Nimmerwiedersehen verschwinden zu laffen, und daß außer dem Tisza-Eszlarer Falle nicht einmal ein einziger Verdachtsfall aus der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit vor­liegt, sind auch aus früheren Zeiten nur einige wenige solcher Skandalprozesse bekannt, die wir natürlich auf ihre reelle Grundlage nicht untersuchen können. Wir halten die heutigen Juden, die unter uns leben und mit denen wir verkehren, nicht für Anhänger einer solchen Geheimlehre und finden daher ihre Entrüstung über die dem „Juden­thum" als solchem hierüber gemachten Vorwürfe sehr erklärlich. Ein Israelit, der streng und aus Ueberzeugimg den Forderungen seiner Religion nachkommt, ist in dieser Religionsübung für uns stets ein Gegenstand der Achtung gewesen, denn, wie mau weiß, sind die Anforderungen des jüdi­schen Kultus und der jüdischen Gebräuche sehr weitgehend und mit manchen persönlichen und leib­lichen Opfern verknüpft. Ein sehr großer Theil der heutigen Juden zählt sich aber zu den Frei­gläubigen, die von den strengen Uebungen und Gesetzen nichts mehr wissen wollen und daher mehr der Raxe und ihren vielen Eigenthümlichkeiten, als der Konfession nach Juden sind.

Diese aufgeklärten, freigläubigen Juden, die doch gewiß mit einer schwarzen Geheimlehre nichts zu schaffen haben, sind es aber in erster Linie, welche in dem großen Mordprozeß in Ungarn einen Ent­scheidungskampf für oder gegen das „Judenthum" erblicken wollen. Sie erklären in der ihrer Feder und ihrem Geldbeutel zur Verfügung stehenden Großpreffe die Anklage für ein absurdes Hirnge­spinst infernalischen Judenhasses und überschütten das ganze christliche Ungarvolk und Alle, die nicht an die Unschuld der Tisza-Eszlarer Juden glauben wollen, mit Gehässigkeiten und Schmähungen.

Sie haben einen ganzen Apparat der Berichter­stattung eingerichtet, der, wie es bereits unleug­bar feststeht, die Welt mit lückenhaften, entstellten, tendentiöfen und mitunter sogar geradezu ver­logenen Nachrichten über den Gang des Prozesses versehen soll, sie haben ganze Ströme von Geld nach Ungarn zusammenfließen laffen, um den An­geklagten zu helfen, um die Vertheidigung zum Aeußersten zu treiben und um auch die Macht des Geldes über die Ehrlichkeit imb Wahrhaftig­keit der Menschen zu erproben.

Wir haben uns lange gegen die Annahme ge­sträubt, aber seit den letzten Verhandlungen ist es auch dem Blödesten klar geworden, daß den Zeu­gen mit klingender Münze „in's Gewissen" geredet worden ist, sei es bei der Voruntersuchung, sei es vor der Hauptverhandlung Welche,: "erbost erst das sonderbare Gebühren der in dem Prozeß beschäftigten Staatsanwälte auftorrmer läßt, wol­len wir bloß angedeutet haben. Zu alledem kommt noch die ganze Affaire der Ausftndung der Dadaer Leiche, die man, ohne dem Richterspruch zuvorzukommen, jetzt schon als die schwächste Po­sition der Angeklagten und ihrer Schutzherren bezeichnen darf.

Nun fragen wir: Weßhalb hat das „Juden­thum" in dieser Weise mit dem kleinen Häuflein in Eszlar gemeinschaftliche Sache gemacht, sich mit ihnen gradezu identifizirt? Es wäre besser gewesen, man hätte energisch gegen die Unterstellung, als ob die jüdische Religion das Menschenopfer billige, protestirt, im Uebrigen aber in Nyiregyhaza der Gerechtigkeit freien Lauf gelassen und die Anklage als das aufgefaßt, was sie ist und sein soll, als eine Anklage gegen einen blutigen Akt des Aberglaubens und der religiösen Verirrung. Mochte dann das Unheil ausfallen, wie es wollte, das Juden­thum als solches hätte mit der Sache nichts zu thun gehabt und würde aus einem vielleicht entstandenen momentanen Mißtrauen einzelner Kreise gar bald intakt hervorgegangen sein.

Diesen Weg hat das Judenthum nicht einge­schlagen, und es ist daher auch seine eigene Schuld, wenn ihm der von ihm gewollte und inszenirte eigenthümliche Verlaus des ganzen Falles von vie­len Seiten als Schuldbewußtsein ausgelegt wird. In dem festen Zusammenhalten der Juden aller Stände und aller Staaten, wenn das ge­meinsame Interesse in Frage steht, — liegt das ganze Geheimniß der jüdischen Macht, insbesondere der Macht des jüdischen Kapitals. Die Juden haben durch ihre Einigkeit und ihr Zusammenhalten viel erreicht, aber der Erfolg hat sie tollkühn gemacht. Wie ganz offenbar seit einigen Jahren ihre Macht in Folge ihrer Ueberhebung und Anmaßung schon bedeutend zurückgegangen ist, so wird sie durch solche „verfehlte Spekulationen", wie die Tisza- Eszlarer, nur noch mehr verlieren.

Die Juden in Ungarn haben an dem Volke schwer gesündigt, durch ihre Schuld sind die Ein­gesessenen zum großen Theile verarmt, verschuldet, verlumpt, von dem Geldsack der Juden abhängig. Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird die Zeit

nicht mehr fern fein, wo das himmelschreiende Unrecht seine Vergeltung findet. Der Tisza-Esz­larer Blutprozeß ist nur der äußerliche Anlaß dazu und wird es gerade um so mehr sein, als das sich allmächtig dünkende jüdische Kapital dabei wieder eine Hauptrolle hat spielen wollen.

Hätte das „Judenthum" sich nicht mit der An­klage identificirt und den ungleichen Kampf gegen die schwache, erbärmliche ungarische Justiz ausge­nommen, so würde vielleicht der Tisza-Eszlarer Prozeß den vorliegenden Fall abgeschlossen haben, sei es durch eine vollständige Reinigung der Angeklagten von dem gräßlichen Verdachte, sei es durch die gerechte Sühne und Strafe für ihre Greuel- that. Wie die Dinge heute liegen, wird der Pro­zeß den Fall nicht abschließen. Eine Verurthei- lung muß nach dem eigenen Willen des „Juden- thurns" neben den Angeklagten auch dieses tref­fen und in den Augen von Millionen moralisch niederdrücken. Eine Freisprechung dagegen würde bei der künstlichen Verworrenheit, welche Geld« und Ueberredungskunst in die Sache zu brin­gen vermocht haben, den Verdacht aus den Herzen des Volkes nicht bannen können, im Gegenthell würde die Verbitterung nur um so größer werden, weil das Verbrechen in den Augen des ungarischen Volkes ungesühnt bliebe.

Die Leute, welche heute in allen Winkeln Euro­pas übermenschliche Anstrengungen machen, um die q r a d en We g e möglichst ungangbar zu machen, roei^. ~ schlimmster Weise den Argwohn und bas üj., trau er 33vttee h<-ranfb,schworen haben, werden sich über nichts beklagen können. Sie haben es nicht besser gewollt.

Wir aber wollen unsere Betrachtung nicht schließen, ohne ganz besonders hervorzuheben, daß wir unter dem Begriff „Judenthum" keineswegs alle einzelnen Individuen mosaischer Konfession einbegriffen haben wollen, sondern nur diejenigen, welche eine Ehre darin finden, zu der allmäch­tigen klettenhast aneinanderhängenden internatio­nalen Geldmacht gezählt zu werden, Es gibt allenthalben eine große Zahl von Juden, die in ehrlicher Arbeit chr Brod verdienen und es an Fleiß und Betriebsamkeit nicht minder wie an Nüchternheit., Sparsamkeit und Genügsamkeit manchen Christen zuvorthun. Nicht diesen, sondern dem „Judenthum" in desWortes schlim­mer Bedeutung gelten unsere strengen Worte.

Deutsches Reich.

Fulda, 14. Juli.

% Se. Majestät der König hat unter dem 11. Juli zu der kirchenpolitischen Novelle die Sanktion ertheilt. Die Pub­likation des Gesetzes steht unmittelbar bevor.

* (Zur Börsengesetzgebung.) Es wird mehreren Blättern mit voller Bestimmtheit ver­sichert, daß die von den verschiedensten Seiten herantretenden Anregungen auf Erlaß einer neuen Börfengesetzgebung nicht ohne Berücksichtigung seitens der Reichsregierung bleiben werden. Es haben Erörterungen stattgefunden, deren Verlauf ergeben hat, daß die Verhandlungen des Reichs­tages kein sehr belangreiches Material liefern. Mit um fo größerer Spannung sieht man der Be­handlung dieser Frage durch den diesjäh­rigen deutschen Juristentag entgegen; man erwartet schon im Herbst Verhandlungen zwischen den Bundesregierungen über die Sache.

Berlin, 13. Juli.

♦ (Der .Reichsanzeiger') publizirt ein Koukurrenz-Ausschreiben für den Erwei­terungsbau der königlichen Museen in Berlin, wo-