157e Freitag, den 13. Juli 1883.
Flldser ® Ieitung.
Die Huldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Brerteliährlicher Abonnementspreis ohne Bnngerlobn u^ Bestellgeld. 1 Mk. oO Pfg., mit d »re »smoa ng belletristischm Wochenbeilage ,Sterne UN» Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.
Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; der Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Deutsches Reich.
Fulda, 13. Juli.
* (Die ,Nordd. Allgem. Ztg.') bringt an der Spitze des gestrigen Abendblattes nachstehende Erwiderung auf die durch den bekannten letzten Artikel hervorgerufene Kritik der .Germania' und der ,Nat.-Ztg.': „Die.Germania' ist über unfern Artikel vom Sonntag in Hellen Zorn gerathen und gibt demselben mit lebhaften Worten Ausdruck. Wir trösten uns über die gegen uns gerichteten „Impertinenzen" einmal mit der Ueberzeugung, daß wir es der .Germania' unter keinen Umständen werden recht machen können, dann aber gewährt die .Germania' selbst uns den Trost, daß sie „jedes Schimpfen auf die gegnerische Diplomatie" für unwillkürliche Anerkennung derselben erklärt. Wir nehmen von dieser Anerkennung unserer politischen Taktik, wie sie in unserm erwähnten Artikel zu,n Ausdruck gekommen ist, mit um so größerer Genugthuung Akt, als die Heftigkeit des Schimpfens der .Germania' ihr einen beson- dern intensiven Charakter verleiht. Wir hoffen auch auf weitere Anerkennung aus diesem Lager, wie wir fortfahren in dem Bemühen, Wasser in den kirchlichen Wein zu gießen, der unserer Regierung in der Juni-Note eingeschenkt worden ist.
Die Vorlage der Regierung vom 5. Juni er. hat die Wirkung gehabt, über die römische Kirchenpolitik in der Art aufzuklären, wie ein Stein über die Tiefe des Brunnens oder des Wassers, in welches er geworfen wird. Wir haben den Eindruck, daß die kirchlichen Erwartungen zu hoch gespannt sind, und sehen hierin ein Hinderniß der Verständigung. Wir glauben letzterer zu dienen, wenn wir den Illusionen über die beiderseitige Stellung von Kirche und Staat zu einander entgegentreten, welche nach der Angabe der päpstlichen Publizisten über Inhalt und Tendenz der jüngsten Noten in diesen ihren Ausdruck finden. Wenn wir etwas dazu beitragen können, die Ueberschätz- ung der kirchlichen Macht und der staatlichen Bedürftigkeit herabzumindern, welche den übertriebenen Ansprüchen Roms zu Grunde liegt, so werden
Torquato Tasso. 42
Ein Dichterleben.
ß» Wilhelm tercheatzich.
(Fortsetzung.)
Eines Morgens kam Guarini, um nach ihr zu scheu. Da fand er sie bleich, aber mit einem friedlichen Zuge aus dem Bette.
„Prinzessin," redete er sie an, „ich hoffe, daß der schöne Morgen Ihnen Erleichterung bringen wird." _ r
Sie gab keine Antwort, denn ihre Seele war bereits aus dem Körper entflohen. . . .
Alsons hatte sich noch nicht erhoben, als Guarini in sein Schlafgemach trat.
„Was ist vorgefallen?" fragte dieser, „Dein Gesicht verkündet nichts Gutes!"
„Unsere Dulderin ist gestorben," gab er zur Antwort.
„Eleonore tobt? Und ich habe ihr nicht zum Abschiede die Hand drücken, ihr nicht sagen können, daß ich nur um der Ehre des Hauses willen so habe handeln müssen."
Rasch erhob er sich, kleidete sich an und begab sich in das Sterbezimmer, wo die Zofen weinten und wehklagten.
Tief erschüttert stand er vor der Leiche und fragte sich, ob es nun nicht an der Zeit fei, den Dichter aus seinem Kerker zu befreien, aber er schüttelte mit dem Kopfe und murmelte: „Mag ihm Gott verzeihen, ich kann es nicht."
wir das nicht unterlassen, auf die Gefahr hin, uns weitere „unwillkürliche Anerkennungen" der Gegnerin zuzuziehen.
Weniger Interesse hat für uns die abfällige Kritik der ,Rat.-Ztz.' über nuferen Artikel und die wunderliche Insinuation, als hätten wir mit demselben beabsichtigt, die „tief verbitterte Stimmung" weitester Kreise der preußischen Bevölkerung ein wenig zu verbessern. Wir vertreten unserer Ueberzeugung nach die Politik der Regierung und suchen letztere nach Kräften zu unterstützen, aber haben wir in diesem Berufe noch niemals Veranlassung gehabt, irgend einer Pattei nachzulaufen, welche der Re- gierung den Rücken gedreht hat, am allerwenigsten den Parteitrümmern, welche hinter der ,Rat.-Ztg.' stehen und dort die Verbitterung ihres politischen Fiasko's durch Anfeindung einer jeden Regierungsmaßregel der Welt verkünden. Diese Herren brauchten nicht einmal Freihändler zu fein; ihre politische Unfähigkeit wäre für uns doch zweifellos".
Die .Germania' bemerkt am Schluffe einer längeren Abwehr gegen den auf sie bezüglichen Theil dieses Attikels: „Im Uebrigen glauben wir noch hervorheben zu sollen, daß der obige Artikel der .Rordd.' mit Fleiß so gehalten ist — namentlich in den Bemerkungen über den Inhalt der Note —, als ob er bloß eine journalistische Tagesarbeit, ohne allen höheren Rückhalt, wäre. Wir würden wünschen, daraus die Hoffnung schöpfen zu können, daß auch andere Leute, als wir, eingesehen haben, wie unverantwortlich der erste Artikel des offiziösen Blattes gewesen."
Mit dieser Bemerkung scheint uns die ,Germ.' den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben. Es wird sich in der Folge Herausstellen, daß in Berlin lange nicht so gedacht wie geschrieben wird. Die momentane Stimmung zwischen Rom und Berlin ist keineswegs eine solche, wie sie aus den Artikeln der ,Nordd. Allg. Ztg.' und der,Germania' geschlossen werden könnte, vielmehr sind die Aussichten auf das Zustandekonlmen eines Ausgleichs besser, als sie scheinen.
„Ich will es nicht," hätte er sagen sollen, zumal er, der so viel auf Wahrhaftigkeit hielt. Daß er zornig und unversöhnt an seinem Hasse festhielt, das wird immer ein Schandfleck für das Haus Este und besonders für den Herzog Alphons bleiben.
Ob Tasso ihren Tod schon jetzt erfuhr und was er dabei empfand wird ewig ein Geheimnis; bleiben, denn nach jener Zeit hat er ihren Namen nie mehr genannt. Vielleicht glaubte er, daß sie im Groll hinübergegangen sei, vielleicht war ihm auch ihr Andenken zu heilig, um es durch Wotte zu entweihen.
Die Briefe, welche Tasso an die Fürsten aus- gesandt hatte, waren nicht ohne Wirkung geblieben. Die Leiden des berühmten Dichters erweichten die Herzen und man bestürmte den Herzog von allen Seiten, dem Unglücklichen die Freiheit wiederzugeben. Fast sämmtliche italienischen Regenten und selbst der Papst verwendeten sich für ihn, aber Alphons beharrte auf feinem harten Sinn. Das einzige, wozu er sich verstand, war die äußerliche Verbefferung seiner Lage; er gab ihm statt des dumpfen Kerkers zwei anständige Zimmer, aber die Strenge der Bewachung ließ nicht im mindesten nach.
Da war es kein Wunder, daß Tasso mitunter Zetten hatte, wo er in wirklichen Wahnsinn verfiel.
So lebte der Unglückliche sieben Jahre in har-
* (Der Kaiser) ist vorgestern in Laibach (Krain) angekommen. Ans dem reichgeschmückten Bahnhofe waren der Fürstbischof, die Generalität, der Bürgermeister, die Spitzen des Gemeinderathes und die Vertreter der übrigen Behörden versammelt. Der Kaiser erwiderte die Ansprache des Bürgermeisters huldvollst, begrüßte den Fürstbischof und nahm von der Baronesse Winkler einen prachtvollen Blumenstrauß entgegen. Unter den Klängen der Volkshymne und unter donnernden Zivio- und Vivatrufen erfolgte der Einzug in die prächtig geschmückte Stadt. Am Burgportale wurde der Kaiser van dem Landeshauptmann Grafen Thum, dem Landesausschusse, dem Domkapitel und dem Offizierkorps empfangen. Hier waren auch die Minister Graf Taaffe, v. Falken- Hayn und Graf Hohenwatt versammelt. Um 6 Uhr fand das Hofdiner statt.
* (DasBefinden des Fürsten Bismarck) bessert sich nur langsam. Der Termin seiner Weiterreise nach Kissingen konnte noch nicht bestimmt werden. — Wie die ,Nordd. Allg. Ztg.' schreibt, macht der Gesundheitszustand des Fürsten Bismarck . auf lange Zeit hinaus die größte Schonung und Pflege und die absoluteste Ruhe erforderlich, so daß jede Betheiligung an den Geschäften, selbst die vertrauliche Korrespondenz mit allen Herren Kollegen des Fürsten und sämmtlichen Refforts, vollständig hat abgeschnitten werden müssen.
* (Gegen die Einschleppung der Cholera) hat der Hamburgische Senat eine Verordnung betreffend die gesundheitspolizeiliche Kontrole der den Hamburgischen Hafen anlaufenden Schiffe erlassen, deren Inhalt genau mit der gleichen vom Reichs-Anzeiger publizitten Verordnung Preußens übereinstimmt.
Berlin, 12. Juli.
♦ (Der Reichsanzeiger) veröffentlicht das Zuckersteuergesetz und die Verordnung betreffend das Verbot der Einfuhr und Ausfuhr von Pflanzen und sonstigen Gegenständen des Weinbaues und Gartenbaues.
* (Handelsvertrag mit Spanien.) Der deutsch-spanische Handels- und Schiff«
ter Gefangenschaft. Da machte der Herzog Gonzaga von Mantua, Alfons Schwager noch einen letzte« Versuch. Er stellte ihm vor, daß die Welt nicht an Taflo's Wahnsinn glaube.
Alphons war auch jetzt noch nicht versöhnt, aber er war des Kampfes müde. Am 29. Mai 1586 hatte er den Brief erhalten; am 16. Juni schrieb er auf die Rückseite desselben an Guarini und gab ihm den Auftrag, die sämmtlichen Papiere Taflo's noch einmal zu untersuchen und ihm Bericht zu erstatten, man würde dann finden, daß seine fürstliche Ehre es nicht gestatte, daß dieser Mann anders auf Erden lebe, als er es jetzt durch fein höchstes Mitleid und feine Gnade thue.
Jetzt erst, nachdem die Prinzessin schon fünf Jahre gestorben war, sollte Guattni Gelegenheit finden, das Versprechen zu erfüllen, welches er einstens Eleonoren gegeben.
Guattni begab sich allein in die einstigen Wohnzimmer des Dichters, die von seiner ersten Ver- Haftung an nicht mehr geöffnet worden waren, und machte sich sogleich an die ihm aufgetragene Arbeit. Von Mitleid bewegt steckte er Alles zu sich, was ein ungünstiges Licht auf den Gefangenen oder die Todte werfen konnte. Als er alles Verfängliche ans dem Wege geschafft hatte, stattete er dem Herzoge einen Bericht ab, worin es hieß, daß sich unter den Papieren nichts befinde, was dem herzoglichen Hause schaden könne.
(Fortsetzung folgt.)