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Donnerstag, den 12. Juli

Fuldaer Hl Ieitung

1883.

— mit der

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die Mitte des Monats März wurde er gefangen genommen und als Wahnsinniger in das Irrenhaus von St. Anna eingesperrt, wo man noch heute das Loch zeigt, indem er gelegen haben soll.

Hier begannen seine Leiden oder vielmehr seine Qualen, die sieben lange Jahre dauerten. Agostino Mosti, seinKerkermeister soll nur zusehr auf dieWünsche des Herzogs eingegangen sein und nichts unterlassen haben, um den Widerspenstigen mürbe zu machen. Es mangelte ihm an Geld, an anständiger Kleid­ung, selbst an gutem Essen; doch ließ man ihm die Freiheit, zu dichten und zu schreiben.

Man kann sich denken, wie schrecklich es diesem ungebundenen, reizbaren Charakter war, in den vier Mauern eingeschloffen zu sein und für wahn­sinnig zu gelten. Um begnadigt zu werden, schrieb er Bittschriften über Bittschriften, bald an den Herzog, bald an die Prinzessinnen. Er beschwor sie auch in Gedichten, ihn frei zu lassen, und diese Poesien können noch heute die schönsten Blüthen der italienischen Dichtkunst genannt werden, aber es half nicht. Der Herzog hatte einen tödlichen Haß auf ihn geworfen, und Eleonore, die wohl den guten Willen hatte, ihm zu helfen, wurde selbst fast wie eine Gefangene gehalten, wenn man auch äußerlich diesen Zwang nicht merkte.

Da alle Briefe und Gedichteten Herzog nicht erweichten, fo wandte sich Tasto an auswärtige Fürsten und vermögende Herren, aber auch sie

Blüthe gebracht hatten. Es handelte sich hier nicht um eine Schule mit kunstgewerblichen Be­strebungen und das zu erreichende Ziel war ein zum Voraus festgestecktes, wurde auch in wenig Jahren erreicht. Die Leinenweberei der ganzen Gegend, ermuthigt durch Prämien, welche die K. Centralstelle an diejenigen Weber gab, welche sich musterhafte neue Webstühle anschafften, war nach 5 Jahren geradezu umgestaltet und die Schule konnte geschloffen werden."

Daß die Webschulen auch die Ausbildung ui den Hilfsgewerben in den Rahmen ihrer Thätig- keit ziehen, macht ihre Wirksamkeit um so erfolg­reicher und wenn die eigentliche Lehre in der Werkstätte auch niemals durch die Fachschule er­setzt werden soll und kann, so wird letztere doch stets Hervorragendes leisten, wo es sich darum handelt, die systematische Ausbildung junger Kräfte zu sichern.

Mögen die Webschulen daher in immer weiteren Kreisen die verdiente Anerkennung finden, mögen aber die eine solche Anstalt besuchenden jungen Leute sich darüber klar fein, daß man zuvor ein tüchtiger Fachmann fein muß, ehe man Anspruch auf bevorzugte Stellungen erheben darf!

Heber die Wichtigkeit der Webschulen.

Es ist in der letzten Zeit mit Rücksicht auf die in unserer Gegend im Rückgang begriffene Leinen­weberei wiederholt auf die Rothwendigkeit einer Webschule in hiesiger Stadt oder Umgegend hingewiesen worden. Das Centralblait für Textil- Industrie bringt unter obigem Titel einen beach- tenswerthen Aufsatz, den wir unverkürzt wieder­geben.

„Von den Umwälzungen, welche auf industriellem Gebiete in den letzten Decennien stattgefunden ha­ben, sind die einzelnen Zweige der Textil-Jndustrie wohl am meisten mitgenommen worden. Ganze Webereibezirke haben vom Handstuhl zum mech. Webstuhl übergehen müssen und hat sich dieser Uebergang meist so rasch vollzogen, daß viele ältere Handweber plötzlich brodlos wurden, wodurch so manche Roth herbeigeführt worden ist. Die Ver­mehrung der mech. Stühle nahm in so rapider Weise zu, daß in kurzer Zeit Ortschaften, in denen fast ausschließlich Weberei betrieben wurde, von den Webern verlaffen werden mußten, um in den nächstliegenden Städten der mech. Weberei ihre Kräfte anzubieten.

Es war jedoch von großem Vortheil für die Textil-Jndustrie, daß dieser Uebergang zum mech. Stuhl in solch rascher Weise betrieben wurde, in­dem der Mehrzahl der Weber so die Gelegenheit benommen wurde, sich nach und nach zu verlaufen und einen anderen Erwerbszweig zu suchen. Sehr viele Weber und namenllich der intelligentere Theil, fanden Unterkommen an dem neuen eisernen Stuhl und es kann wohl Niemand darüber im Zweifel sein, daß diese erfahrungsreichen Handweber nicht wenig dazu beigetragen haben, die mech. Weberei auf eine hohe Stufe der Vollendung zu bringen. , , t ,

Da die Zahl dieser bewährten Kräfte ledoch von Jahr zu Jahr in der Abnahme begriffen ist, so tritt naturgemäß die Frage an uns heran: Was wird dann, wenn der Stamm dieser alten Hand­werker zu existiren aufgehört hat?

Die Werkstätten, in denen dieselben ihre Aus­

bildung genoffen und ihre technischen Fertigkeiten erlangten, haben im Allgemeinen aufgehört zu sein und werden uns solche Kräfte mithin nicht mehr zugeführt. Unter solchen Umständen scheint uns in erster Reihe die Fachschule dazu berufen, das verloren Gegangene, so weit es möglich, zu ersetzen. Ihr liegt es ob, brauchbare Kräfte heranzubilden, den jungen Mann systematisch zur Arbeit zu erziehen. .

Daß die Webschulen ihre Aufgabe um so eher zu erfüllen im Stande sein werden, je vollkomme­ner die Hilfsmittel — von: Webstuhle bis zur Spule herab — sind, mit denen gearbeitet wird, ist klar, denn für den Werth des Handwerkers gibt es wohl kaum ein sichereres Merkmal als das Werkzeug, mit welchem er arbeitet.

Was uns die Webschulen jedoch um so werth­voller macht, ist die Thatsache daß ihre Wirksam­keit nicht blos der Großindustrie, sondern auch der Hausindustrie zu Gute kommt. ,

Wie erfolgreich in letzterem Punkte die -chatig- keit der Webschulen oftmals sein kann, zeigt uns ein Bericht, welchen Herr Kominerzienrath Lang in Blaubeuren auf einer Konferenz deutscher Handels­und Gewerbekammern in Stuttgart erstattet hat. „Wo es gilt." referirte Herr Kommerzienrath Lang, „einer zurückgebliebenen Hausindustrie rasch aufzu­helfen, da kann eine Fachschule viel leisten, dafür lagen in Belgien schlagende Beweise vor und uh richtete unter Mitwirkung der K. Centralstelle die erste Webschule in Blaubeuren ein, in der Organisation nach dem Vorbilde der belgrschen Lehrwerkstätten, aber ganz mit irischen Maschinen Werkzeugen ausgestattet und unter Leitung eines irischen Webmeisters, den ich in Irland leicht _ er­fragt hatte, weis schon damals der in Irland sehr ausgedehnte fabrikmäßige Betrieb Anlaß zur Aus­bildung zahlreicher Vorarbeiter und Werkfuhrer gegeben hatte, also von Mittelspersonen zwischen dem Fabrikanten und Arbeiter, die wir s. Z. noch gar nicht kannten.

Zweck dieser ersten Webschule war nur die rasche Einführung aller Verdefferungen, welche in Irland und Belgien die Leinen-Weberei zu hoher

Torquato Tasso.

Ein Dichterleben.

Milhel« -ercheihich.

(Fortsetzung.)

Mit einer unbeschreiblichen Unruhe im Herzen ging Taffo nach Mantua, Padua, Venedig, nach Ur­bino und Turin. An den meisten dieser Orte fand er freundliche Aufnahme, und es stand ihm nichts im Wege, mit frischem Muthe zu arbeiten, aber seine Unruhe stieg, anstatt sich zu legen, und es kamen Zeiten, wo er vom wirklichen Wahnsinn nicht weit entfernt war. Leider konnte er es sich auch jetzt noch nicht versagen, eine Menge Briefe an hervorragende Perfonen zu schreiben und über das an ihm geschehene Unrecht zu klagen. Da- durch verschlimmerte er seine Sache immer mehr, und die Erbitterung im Herzen Alfons wurde immer größer.

Eleonore zitterte für sein Leben, als sie von seinem unklugen Benehmen unterrichtet wurde, des- halb ergriff sie noch einmal die Feder und schrieb an ihn. In dem Briefe hieß es, er sei von den größten Gefahren bedroht und solle fliehen, ehe es zu spät sei. Dann flehte sie ihn an, sie zu vergassen, denn ihr blieben nur Reue und Gewissensbiffe übrig.

Leider beobachtete er diesen letzten Wink der Liebe nicht; vielleicht wurde er auch von seinen Feinden an der Flucht verhindert. Genug, um

Deutsches Reich.

Fulda, 12. Juli.

* (Der Artikel der ,R. Allg. Ztg.') wird einem römischen Telegramm der .Franks. Ztg.' zufolge „in vatikanrfchen Kreisen gleich frü­heren Drohungen für den Ausdruck augenblicklicher Verstimmung gehalten. Man glaubt, daß die Regierung auch in der Frage der Vorbildung der Geistlichen nachgeben und die Erziehung in den Seminarien ohne Einmischung in den Lehrplan zuletzt noch gestatten werde. In Baden liegt schon ein Beispiel für den Erlaß des Kulturexamens vor. — Die Berliner Note an den Vatikan ist bis jetzt noch nicht eingegangen."

Zu diesem auch der ,Voff. Ztg.' zugegangenen Telegramm bemerkt die ,Germ.' in ihrem heutigen II. Blatte: „Wir möckten nur wünschen, daß die vermochten nichts über den hartgewordenen Sinn des schwer Gekränkten. ,

Nicht weniger als er hatte die Prinzessin Eleo­nore zu leiden. Eine schleichende Krankheit ge­sellte sich zu der Verstimmung ihrer Seele, und sie fühlte sich namenlos unglücklich.

Guarini, der Verfasser des „Pastor fido" war als Staatssekretär an Montecatini's Stelle ge­treten. Mit ihm hatte sie in glücklichen Zelten oft von Tasso gesprochen und dieser hatte ihm stets Gerechtigkeit wiederfahren lassen, auch wenn ihn alle anderen verdammten. In ihrer Krank­heit erinnerte sie sich seiner alten Freundschaft und ließ ihn zuweilen zu sich bitten.

„Guarini," sprach sie eines Tages zu ihm, ich weiß, daß Sie mit dem unglücklichen Tasso Mitleid haben und daß Sie gerne seine Leiden erleichtern würden, wenn dieses möglich wäre, geben Sie mir die Hand darauf, daß Sie alles Mögliche für ihn thun wollen, wenn ich wem Haupt zum ewigen Schlafe niedergelegt habe.

Der Dichter reichte ihr die Hand und entgeg­nete: „So wahr ich dem Haufe Este ein treuer Diener bin, ich werde Ihrem Wunsche gehorchen."

Sie lohnte ihm mit einem dankbaren Blicke und verabschiedete ihn.

Niemand dachte daran, daß ihr Zustand ge- jährlich sei, denn sie war so oft krank gewesen, daß man sich fast daran gewöhnt hatte. Ihren Seelenzustand, der übrigens außer Guarini Keiner