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Mittwoch, den 11. Juli

1883

Fuldaer

eilung

A

Bie -Fulda« Letung' erscheint täglich»' Sonn-^uno Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., - mit der belletristischen Wochenbeilage ,Ster«e UNS Blume«' in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Fulda, 11. Juli.

* (Aus Rom) bringt die,Germania' ein Tele­gramm eines Korrespondenten in welchen! es heißt: „Herr v. Schlözer verhandelte eifrig mit dem Kar­dinal-Staatssekretär Jakobini über die Frage der Erziehung der Kleriker; er soll privatim geäußert haben, eine sehr entgegenkommende Note, vom Fürsten Bislnarck vor der Abreise verfaßt, werde bald ankommen. Hier herrscht wenig Hoffnung, daß die Note entgegenkommend sein werde." Die .Germania' bemerkt dazu u. 2t.: „Wir geben das Telegramm wieder, wie es uns zukommt, und ge­stehen gern, daß wir uns augenblicklich über die arg verschobenen Dispositionen der Regierung kein Urtheil erlauben.

— Unter dem 9. Juli meldet das .Journal de Rome', wenn es sich in demselben um eine Droh­ung gegen den Vatikan handle, so sei dieselbe ver­geblich. Die Kirche dürfe nicht aus freien Stücken die Staaten zum Schaden der kirchlichen Rechte begünstigen. Der Vatikan sei zwar geneigt, bis zur äußersten Grenze der möglichen Konzessionen zu gehen, diese Grenze aber zu ü erschrecken sei er nicht im Stande. Der Vatikan müffe ferner erwägen, daß Preußen die Maigesetze in's Leben gerufen habe. Die Regierung biete nun eine theil« Mise Restitution an. Die Kirche sei darüber er» freut, werde aber erst dann befriedigt sein, wenn man ihr alle Rechte und Freiheiten zurückgegeben habe. Die Regierung solle sich offen entscheiden, ob sie eine Politik des Rechtes oder diejenige der Revolution verfolgen wolle.

* (Der kirchenpolitische Artikel der ,Rordd. Allg. Ztg.' ist in der ganzen Preffe als ein Er eign iß aufgefaßt worden. Von den Auslastungen interessiren in erster Linie die der konservativ en Organe. Die ,Kreuzztg.' und der ,Reichsbote' stellen sich rückhaltslos zur Seite des Artikrls; sie scheinen weder gegen den Inhalt noch gegen die Form desselben etwas ein­zuwenden zu haben:

Die ,Kreuz-Zeitung' ist zwar über die

den

der eine ein»

durch den Artikel der ,Nordd. Allg. Ztg.' „dessen lapidare Form und charakteristische Schärfe über seinen Ursprung keinen Zweifel zulaste," ange­deutete Wendung offenbar verstimmt, erklärt aber doch: „Wir würden nicht umhin können, der Staatsregierung, wenn sie, wie der Artikel der ,Nordd. Allg. Ztg.' es bestimmt in Aussicht stellt, unbeirrt um die verneinende Haltung der Kurie, „den betretenen Weg selbstständigen Vorgehens auf dem Felde ihrer Gesetzgebung" demnächst weiter verfolgen sollte, unsere entschiedene prinzi­pielle Unterstützung zu leihen. Vielleicht täuscht man sich in Rom über diese Thatsache, indem man über die von der konservativen Partei unter der vorausgesetzten Eventualität zu beobachtende Haltung falscher Nachricht das Ohr leiht. Wir hielten es deshalb für unsere Pflicht, gleich heute die erste Gelegenheit wahrzunehmen, um hierin Klarheit zu schaffen."

fort und wird morgen in Laibach ankommen.

* Nyiregyhaza, 10. Juli. (Tisza-Esz- larer Prozeß.) In der heutigen Sitzung warm auch die ärztlichen Sachverständigen erschienen; zu­nächst wurde jedoch das Zeugenverhör bezüglich der Agnoscirung der Leiche fortgesetzt. Der Apotheker Zuranyi aus Boros-Sebes war bei der ersten von der Behörde vorgenommenen Leichenschau zu­fällig anwesend und deponirt, die Flößer hätten, als die Kommission anlangte, gesagt, die Leiche sek" cnigmfcheinlich dlo-unes jungen Mädchens. Auf die Frage, woher sie dies wüßtm, hätten die Flö­ßer erwidert, sie hätten die Reiche besichtigt, ehe • sie in die Grube gesenkt worden fei," es fei ein kleiner, schmächtiger Körper.

— Der Apotheker Zuranyi sagte ferner aus, die Leiche hatte im Oberkiefer kleine weiße Zähne, während die im Unterkiefer größer und sechs da­von übereinandergewachsen waren. Er habe den Hals wohl zwanzigmal besichtigt, weil er ihn im Vergleich zum Körper auffällig dünn gefunden habe, dagegen von einer Narbe am Halse habe er absolut

Aufnahme einer Anleihe für das Reichsheer, die Marine und Reichseifenbahnen.

Oesterreich - Ungarn.

unruhige Nacht. Es sind Fiebererfcheinungen getreten. Die Katastrophe ist unausbleiblich, tritt jedoch vielleicht erst in zehn Tagen ein.

* Marburg in Steiermark, 10. Juli. (Die Enthüllung des Tegethosf-Denk­mals) fand heute hierin Gegenwart des Kaisers und zahlreicher Marineoffiziere statt. Der Kaiser setzte Mittags die Reise durch Süd-Steiermark

* Frohsdorf, 10. Juli. (Gras Cham- bord?) Nachdem gestern Morgen abermals Er­brechungen eingetreten waren, hat sich dagegen gestern Nachmittag der Zustand des Grafen Cham- bord wieder gebessert. Die Erbrechungen hörten auf und der Graf konnte Nahrung zu sich nehmen. Er gedenkt, sobald fein Zustand es erlaubt, Herzog v. Charette zu empfangen.

— 10. Juli. Nach einem Telegramm .Franks. Ztg.' verbrachte Gras Cham bord

Der ,Reichsbote' konstatirt aus dem Artikel mit Freuden, „daß die Regierung den Weg selbst­ständigen Vorgehens auf dem Wege der Gesetz­gebung weiter verfolgen wird und daß man in Regierungskreisen endlich zu der Einsicht gekommen ist, daß die Kurie nicht zu befriedigen, also auf dem Wege der Verhandlung mit ihr auch nichts zu erreichen ist."

In den Bemerkungen der liberalen .National- Zeitung' über den Artikel der .Nordd. Allg. Ztg.' spiegelt sich die ark pessimistische und kulturkämpfer­ische Stimmung, die in allen ihren Erörterungen über die kirchenpolitischeu Angelegenheiten zu Tage tritt. Sie ist „sehr weit entfernt, dieser offiziösen Kund­gebung eine erhebliche Bedeutung beizumesten." „Wenn der offiziöse Artikel," heißt es am Schluß ihrer Betrachtung, „daraus berechnet sein sollte, die tief »erbitterte Stimmung weitester Kreise der preußischen Bevölkerung (?!) ein wenig zu verbessern, so wird er unseres Er­achtens diesen Zweck nicht erreichen: Worte thun es nicht mehr."

* (Der .Reichsanzeiger') veröffentlicht das Gesetz, betr. die Feststellung des Reichshaushalts- Elats für 1884 -85, ferner das Gesetz, betr. die

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Torquato Tasso.

Ein DichterlcSen.

I»a Milhel« Seuche»»,ch.

(Fortsetzung.)

Das Gedicht empörte den Herzog, denn es ent­hielt eine Stelle, die gewiß nicht für unberufene 2ugen bestimmt war, wo der Dichter seinen inner­sten Herzenswünschen in Worten Ausdruck verlieh, die allerdings die hohe, edle Eleonore in den Staub niedriger Gelüste zogen.

Als der Herzog das Gedicht zu Ende gelesen hatte, kam eine solche Wuth über ihn, daß er kaum Kiner selbst Herr werden konnte. Er fühlte sich 'N seiner Schwester erniedrigt und schwer beleidigt und hatte kein Erbarmen mehr für Tasso. —

Alsbald gab der Herzog Befehl, den Dichter am nächsten Morgen unbemerkt aus feinem Gefäng- N'ste nach dem Schlosse Belriguardo zu bringen, er mit ihm zufammentreffen werde.

Taffo wurde unter starker Bedeckung allein nach ^etriguardo gebracht, wo ihn der Herzog in einem Infamen Gemach empfing, um über ihn zu Ge- W zu sitzen, lieber die Affaire mit Montecatini wnrbe schnell hinweggegangen, es lagen ja in en^ Augen des Herzogs schlimmere Dinge vor.

leugnete sein Verhältnis! zu Eleonore und damit die Verachtung des Herzogs auf sich, n. bei der jetzigen Sachlage war diesem die ^ge angenehm. Seine Schwester blieb dadurch

rein. Der Herzog ging allem hinaus und über­legte lange, dann kehrte er zurück und begab sich wieder zu dem Dichter. Dieser hatte sich unter­dessen anders besonnen. Er bekannte nun, die Prinzessin geliebt zu haben und brachte eine Menge Entschuldigungsgründe vor, aber dadurch erbitterte er den Herzog noch mehr, und er unterwarf ihn einer so furchtbaren geistigen Tortur, daß Tasso fast von Sinnen kam.

Als das Verbör geendigt hatte, sprach der Her­zog: „Welche von Ihren beiden Aussagen auch wahr sein mag, Sie sind verloren. Haven Sie sich so weck vergessen, der Prinzessin zu huldigen, und ihre Lippen zu berühren, so verdienen Sie wegen dieser Ueberhebung den Tod, haben Sie schamlose Lügen erfunden, fo ist Ihr Kopf eben­falls verwirkt. Ich, Ihr schwer beleidigter Herr, verurtheile (Sie hiermit zum Tode. Ich habe die Macht und den Willen, dieses Urtheil auszuführen, und es soll geschehen, ehe die Sonne noch einmal über Belriguardo ausgegangen ist."

Der furchtbare Ernst, mit dem diese Worte ge» sprachen wurden, ließen dem Unglücklichen keinen Schimmer von Hoffnung. Auf die Kniee stürzend rief er: „Gnade, Gnade!"

Alfons wandte sich von ihm hinweg, .aber im letzten Augenblicke kam doch noch die Rührung über ihn und er sprach: „Ich spiele nicht leicht mit Menschenleben. aber die Ehre meines Hauses darf nicht besichelt werden. Es gibt nur ein Mit­

tel, sie rein zu erhalten. Leisten Sie mir den Schwur, daß alles, was Sie gesprochen und ge­schrieben, falsch und in Geistesverwirrung entstan­den ist. Eine solche, auch für die Oeffentlichkeit bestimmte Erklärung, kann Ihnen das Leben retten."

Der schwache Tasso bedachte sich in feiner Todes­angst keinen Augenblick, erhob die Hand, leistete den Schwur und schrieb die verlangte Erklärung nieder. Der Herzog entfernte sich und ließ den Unglücklichen allein. Dieser, welcher stets aus dem einen Extrem in das andere schwebte, schöpfte wie­der neuen Muth. Er glaubte, mit der Erklärung Ifei alles abgethan und er werde bald wieder die alte Stellung am Hofe einnehmen; aber wir wer­den hören, daß er sich darin getäuscht hatte.

Der Herzog hatte sich in ein anderes Kabinet begeben. Hier schrieb er einen Brief an den Fak­tor des Franziskaner-Klosters zu Ferrara, dem er aufgab, den Tasso in einer festen Zelle wohl zu verwahren und ihm keinen Besuch von Andern zu gestatten.

Damit Alles ohne Aufsehen vor sich ging, wurde die Nacht abgewartet, dann gab der Herzog den Befehl, daß der Dichter als Gefangener abgeführt werde.

IX.

In Ferrara verbreitete sich schon am folgenden Tage das Gerücht, die Schwermuth des Dichters habe sich zum Wahnsinn gesteigert. Nun konnte