Einzelbild herunterladen
 

M 153

Montag, den 9. Juli

1883.

Jntiing.

Die.Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg, — mit der belletristischm Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserat«: Die vierspaltige Zelle oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Fulda, 9. Juli.

* In ihrer Nummer vom 7. Juli bringt die .Aachener Volkszeitung' nachstehende Cor- respondenz, die wir wörtlich, auch mit den dort angebrachten Sperrungen, wiedergeben:

»88Fulda, 5. Juli. In Ihrer gestrigen Num- „mer reproduzirten Sie auszüglich einen Artikel „der Köln. Volksztg.' über hier kursirende Ge- „rüchte, die angeblich einen immer festem Hin- „tergrund gewinnen sollen. Gleichzeitig bemerk- „ten Sie. daß die betreffenden Andeutungen sehr „unklar seien und gar nicht erkennen ließen, „welcher Art die in Aussicht stehende „Erhöh- „ung" unseres hochw. Herrn Bischofs sein „sollte. Ueber diesen Zweifel kann ich Ihnen „leicht hinweghelfen. Es handelt sich um nichts „Geringeres, als um die Erhebung des Bi­schofs Georg von Fulda zum Erzbischöfe „von Köln. Bereits im Winter wurde gerücht- ,,weise über diesen Plan mancherlei erzählt, da- „mals machte Erzbischof Paulus dem hiesigen „Bischof incognito einen Besuch, worauf später „unser Herr Bischof den Kölner Erzbischof in „seinem Exils aufsuchte. Die Anwesenheit des „Kultusministers in Fulda, sowie der Um« „stand, daß Bischof Georg vom Kaiser nach „Ems zur Tafel geladen wurde (während eine „solche Einladung an den Bischof Felix von „Trier nicht erging)» gaben dem Gerüchte neue „Nahrung. Mag den: nun sein, wie ihm wolle, „etwas Bestimmtes läßt sich vor der Hand nicht „darüber sagen, und wenn ich auch persönlich „fest überzeugt bin, daß nach der bezeichneten „Richtung hin Unterhandlungen gepflogen wor- „den sind, so kann es sich vorläufig noch gar „nicht um die Erledigung persönlicher Fragen „handeln, da vorerst die noch schwebenden prin- „zipiellen Differenzen zwischen Rom und Berlin „geschlichtet werden müssen. Einigen sich Rom „und Berlin bald, so könnte allerdings schon in „nächster Zeit die oben erwähnte Personen- „frage zu einer brennenden werden. Hier in „Fulda scheint man der Besprechung dieser Frage „mit Absicht aus dem Wege zu gehen, wenig- „stens hat die .Fuldaer Ztg.', deren Redaktion, „wie Jedem bekannt ist, mit dem Herrn Bischof „in bester, um nicht zu sagen freundschaftlicher „Beziehung steht und die besonders in Kultur- „kampfsfragen sich stets besser informirt gezeigt „hat, als alle ihre Kolleginnen, — bisher noch „kein Wort über diese Frage verlauten lassen. — „Zum Schluß noch eine kleine Bemerkung: Es „scheint fast so, als ob die ,Köln. Volksztg.' „selbst nicht im Klaren darüber gewesen ist, was „ihr Korrespondent mit seinen Andeutungen ge- „wollt hat. Wenigstens läßt sich das aus eini- „gern Andern schließen. Wenn aber einmal ein „Gerücht im Werden und Wachsen ist, so ist's „am besten, es auf eine reelle Basis zurück- „zuführen. Und diese reelle Basis in einem „Blatt derKölnerErzdiözese herzustellen, „das, und nur das ist der Zweck dieser Zeilen." Soweit die Korrespondenz der .Aachener Volks- ieitung'.

Wir können nun auf das Bestimmteste er­klären. daß weder der hochw. Herr Erzbischof Paulus unfern hochw. Herrn Bischof hier in Fulda, noch letzterer den erstern in seinem Exil je be­such t hat, woraus der geneigte Leser auf die Glaub­würdigkeit des übrigen Inhalts jener Korrespon­denz schließen wolle. Wenn aber die ,Fuldaer Zeitung' bislang von den in jener Korrespondenz erwähnten Gerüchten keine Notiz genommen hat,

so hat sie damit eine Pflicht derPietät gegen den hochw. Herrn Erzbischof vonKöfln er­füllen zu müssen geglaubt, eine Rücksicht, welche die katholischen Blätter der eigenen Erzdiözese aus dem Auge zu verlieren scheinen, da sie vergessen, daß der Herr Erzbischof noch immer kirchlicher Oberer der Erzdiözese ist, und daher eine solche Be­sprechung nicht allein takt-, sondern auch ge­genstandslos ist. Was endlich das Verhältniß der .Fuldaer Zeitung' zu dem hochw. Herrn Bi­schof Georg angeht, so steht der Verfasser obiger Korrespondenz mit seiner Behauptung auf dem Standpunkte der ,Nordd. Allgem. Ztg.' und wird wohl mit dieser aus derselben Quelle schöpfen.

* In der Sonntagsnummer der ,Nordd. Allg. Ztg.' finden wir nachstehendes offziöses Entre- filet, welches eine hochgradige Verstimmung der Regierung über die letzte vatikanische Note nur zu klar durchblicken läßt:

„Der Mangel an Entgegenkommen, welchen die Kurie gegenüber den letzten Eröffnungen der Re­gierung zeigte, hat diese veranlaßt, die Abstellung der Schäden, von denen die katholische Bevölkerung auf kirchlichem Gebiete betroffen war, in Gemein­schaft mit der Volksvertretung selbst in die Hand zu nehmen, soweit es ohne Gefahren für den Staat angängig war. Daß dieses Vorgehen der preußischen Regierung der Kurie unerwünscht ge­wesen ist, darüber hat sich die Regierung keinen Illusionen hingegeben, und daß die Kurie nun­mehr ihre Mißbilligung dieses Verfahrens in einer Note Ausdruck gegeben hat, welche liberale Blätter als „eine Verhöhnung der preußischen Regierung" bezeichnen, ist der letzteren nicht überraschend ge­wesen, um so weniger, als die Kurie in ihrer Diplomatie das taktische Bedürfniß empfindet, den jüngsten von der Regierung im Interesse der katholischen Untertanen des Königs gemachten Schritt in dem Werthe, den er für Rom hat, herabzudrücken und im Voraus den Gedanken ab- zuschneidea, als wäre Rom nunmehr in die Sage gesetzt, weiter entgegenzukommen. Das taktische Manöver, welches in der geringschätzigen Kritik des neuen Gesetzes liegt, wird die preußische Re­gierung nicht abhalten, die nächsten Schritte von römischer Seite abzuwarten, und, wenn sie aus­bleiben, den betretenen Weg selbstständigen Vor­gehens auf dem Felde ihrer Gesetzgebung weiter zu verfolgen, soweit es ihr thunlich und erforder­lich erscheint. Die veralteten diplomatischen Künste, wie sie in der aus dem kaufmännischen Verkehr entnommenen Bemäkelung gegnerischer Angebote liegen, und welchen die römische Kurie in ihren antiken Traditionen anhängt, sind zu durchsichtig, um auf das weitere Verhalten Preußens Einfluß zu Üben. Es wäre nicht nur schicklicher, sondern auch geschickter gewesen, wenn die jüngste römische Note ungeschrieben geblieben wäre, zumal eine for­melle Nöthigung, im jetzigen Augenblick eine solche zu erlassen, in keiner Weise vorlag. Die an­spruchsvolle und nörgelnde Kritik, welcher sie Aus­druck giebt, kann keine andere Wirkung haben als die, Preußen von weiterem Entgegenkommen ab­zuschrecken, weil ein neuer Beweis für die Un­möglichkeit, den anderen Theil zu befriedigen, da­mit geliefert wird."

* (Der zweite Urenkel des Kaisers). Die Prinzessin Wilhelm wurde Samstag früh kurz nach 6 Uhr in Potsdam glücklich entbunden. Am 6. Mai 1882 wurde der Prinzessin Wilhelm der erste Sohn geboren.

* (Die Hundstagshitze) reift in der Presse allerlei sonderbare Stilfrüchte. So lesen wir in den von vielen kath. Blättern abgedruckten „Schni­tzeln und Spänen" folgenden Satz, der sich an eine Betrachtung über den Ingrimm der Kultur­

kämpfer wegen der neuesten kirchenpolititischen Ent­wicklung anknüpft: — „Bennigsen sitzt einsam an den Wassern der Seine und weint, und der Bi­schof von Fulda saß an der Sahn neben dem Kai­ser und trank Wein." — Allen Respekt vor den „Schnitzeln und Spänen", aber das ist denn doch höherer Blödsinn, der sich durch das gänz­lich verunglückte, witzig sein sollende, höchst takt­lose Wortspiel nicht im Mindesten decken läßt.

• (Maßregeln gegen die Cholera.) Mit Befriedigung wird man allenthalben wahrgenom­men haben, daß unsere preußische Regierung die ernstlichsten Maßnahmen zeitig getroffen hat, so schreibt die .Kölnische Ztg.', um der Möglichkeit der Einschleppung der Cholera in unser Land thunlichst vorzubeugen. Hoffen wir, daß der un­heimliche Gast, der uns seit dem Kriegsjahre 1866 verschont hat, auch diesmal von unseren Grenzen gebannt bleibe. Auffallend ist es in der That, daß die Verordnung nur für Preußen und preu­ßische Schiffe erlassen wurde, nicht aber vom Bun­desrath für das deutsche Reich. Der Vundesrath aber kann jederzeit berufen werden. Was sollte uns eine preußische Hafensperre gegen die Cholera nützen, wenn Hamburg seinen Hafen offen ließe!

* (Das Gesetz, betreffend Abänderung der Gewerbeordnung) ist unter dem 1. Juli vom Kaiser in Ems unterzeichnet worden. Gleich­zeitig mit der Publikation desselben wird die im Artikel 16 des Gesetzes in Aussicht gestellte Be­kanntmachung des Reichskanzlers wegen Neu-Re- daktion des Textes der Geiverbe-Ordnung erscheinen. — Das Gesetz tritt am 1. Januar 1884 in Kraft.

* (In Hamburg) fand vom 1. bis 3. Juli unter lebhafter Betheiligung der Kriege rvereine aus allen Theilen Deutschlands das erste allge­meine deutsche Kriegersest statt. — Eben­daselbst wurde am 3. d. M. die internationale landwirthschaftliche Thier-Aus stell un g in feierlicher Weise eröffnet.

• (DerAbgeordnete Graf Ballestrem) hat sich veranlaßt gesehen, sein Mandat für den zweiten Oppelner Reichstagswahlkreis niederzulegen. Sediglich Mißverständnisse konnten die Ur­sachen dieses Schrittes herbeiführen. Zweifellos werden die 10,000 Zentrumswähler des Oppelner Kreises ihren' bewährten Abgeordneten einhellig wiederwählen. Es ist dies die letzte Nach­wirkung des seiner Zeit besprochenen Redaktions­wechsels der ,Schles. Volksztg.'

Oesterreich«Ungarn.

* Frohsdorf, 7. Juli. (Graf Cham- bord) hat heute Mittag den Grafen von Paris und dieHerzöge von Alengon und Nemours empfangen, obwohl die Aerzte da­von abgerathen haben. Graf Chambord richtete sich von feinem Sager auf, als die Prinzen ein­traten, und umarmte den Grafen von Paris. Die Unterredung war nur von kurzer Dauer. Die Prinzen verließen in tiefer Bewegung das Zim­mer und kehrten alsbald wieder nach Wien zurück.

* Frohsdorf, 8. Juli. (Graf Cham­bord.) lieber die Unterredung, welche Graf Chambord mit den Prinzen von Orleans hatte, soll sich der Graf befriedigt ausgesprochen haben. Der Papst hat dem Grasen Chambord telegraphisch seines Segen gesandt. Das Befinden des Grasen hat sich etwas gebessert, die Erbrechungen haben aufgehört.

* Nyiregphaza, 7. Juli. (Tisza-Esz- larer-Prozeß.) Die Vernehmung der Zeugen wurde heute fortgesetzt. 17 wurden vernommen; von diesen sagten 14 übereinstimmend aus, daß die Seiche blaue Augen und eine Narbe am Halse gezeigt habe. Die Zeugen bleiben trotz eindring-