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M 150. Donnerstag, dm 5. Juli 1883.

Fuldw t® Ititung.

D>e -ftuwaer geuung' erschein! täglich. Sonn- und Feiertage auSgemmmen. Bierreljithrlicher «bonmmemspretS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit ter belletristischen Wochenbeilage .Sterne Mtö Blume«' in Fulda 1 Rk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Fulda, 5. Juli.

* (Zur kirchenpolitischen Lage) erhält die .Franks. Ztg.' aus Berlin nachstehendes Tele­gramm: „Herr v. Schlözer soll, wie ein Pri- vat-Telegramm des ,B. T.' meldet,' am Montag eine lange Konferenz mit dem Staatssekretär Ja­cob in i gehabt haben. Eine Note der preußischen Regierung soll nach Rom unterwegs sein und wird noch im Laufe dieser Woche der Kurie übergeben werden. Man nimmt an, daß der Text dieser Note vor der Abreise des Fürsten Bismarck nach Friedrichsruh festgestellt worden ist. Während die .Kreuzztg.' aus der bloßen Thatsache, daß die Kurie die letzte Note nach Berlin gerichtet hat, fol­gert, diese habe erkannt, daß die neueste kirchen- politische Vorlage das letzte Stadium vor dem definitiven Abbruch der Verhandlungen bedeuten solle, und sich beeilt, die letzteren nicht ins Stocken gerathen zu lassen, und daraus einen Erfolg der Kirchenpolitik der Regierung herleitet, schreibt der hochkonservative .Reichsbote', der oft die Stimmung protestantischen Pastorenkreise widerspiegelt, über den letzen Artikel des .Moniteur de Rome' Fol­gendes: „Dem .Moniteur,' deffen Artikel ja öfter die Eierschalen ihres deutschen Ursprunges an sich tragen, scheint das nordd. Sprichwort: „Be­scheidenheit ist eine schöne Zier, doch weiter kommt man ohne. ihr," recht geläufig zu sein. Wir wollen hoffen, daß die Kurie die Lage anders ansieht, denn wenn dieselbe jetzt nicht ihr Wort von dem pari passu (im gleichen Schritt) - Vor­gehen einlöst, und, nachdem die Regierung den größten Theil der Geistlichen von der Anzeige­pflicht befreit hat, nicht einen entgegenkommenden Schritt thut, indem sie den Rest der Anzeigepflicht zugesteht, so kann sie es erleben, daß die Dinge einen für sie sehr schlimmen Umschlag erfahren. Wenn der .Moniteur' schreibt: Preußen habe ein Jntereffe daran, das Einvernehmen zu beschleu­nigen, so fragen wir: Hat die Kurie denn gar kein Jntereffe an der Abstellung der kirchlichen Nolh- stände, sind ihr dieselben so ganz gleichgültig, daß

sie mit dem größten Gleichmuth abwarten kann, ob und wann der preußische Staat etwas zur Ab­stellung dieser Nothstände thut? Wir haben neu­lich den Vorschlag gemacht, der Landtag möchte die Regierung auffordern, das Gesetz erst dann zu publiziren und Gebrauch davon zu machen, wenn der Papst den Rest der Anzeigepflicht zugestanden hätte. Der Landtag hat eine solche Resolution nicht gefaßt und die Regierung scheint auch nicht gewillt, mit dem Gesetz irgend eine Pression auf die Kurie auszuüben — aber der Kultusminister hat im Herrenhaus deutlich genug zu verstehen gegeben, daß, wenn die Kurie kein Entgegenkommen zeige, die Regierung dann den Weg radikaler Trennung von Staat und ka­tholischer Kirche betreten müffe.

* (Die Provinzial-Korrespondenz) ent­hält einen Rückblick auf die Landtagssession, in welchem der Abschluß der Verwaltungsreform und die angebahnte Steuerreform als die wichtigsten Ergebnisse erklärt werden, lieber das Scheitern der Kanalvorlage im Herrenhause werden nicht viel Worte verloren. Dem vereitelten Plan der Staats-Regierung, der die Zeit seiner Ausführung indeß wohl noch finden wird, so heißt es, steht das Gelingen des kirchenpolitischen Gesetzes gegen­über. Mit der Hoffnung, daß dadurch die Grund­lage für eine weitere Förderung des kirchenpoli­tischen Friedens gewonnen werde, schließt der Rückblick.

* (Maßregelngegen die Einschleppung der Cholera.) Der ,Reichsanzeiger' meldet: Gestern fanden im Reichsamt des Innern unter dem Vorsitz Bötticher's kommissarische Be- rathungen der betheiligten Behörden Preußens und des Reichs über Maßregeln gegen Ein­schleppung der Cholera statt. Die Kommis­sion, an deren Berathung auch Minister Goßler theil- nahm, empfahl: Im amtlichen Theile des.Reichs­anzeigers' regelmäßig die neuesten Nachrichten über den Stand der Cholera zu veröffentlichen, ferner darauf hinzuwirken, daß die Zufuhr neuer infizirter Transporte nach Egypten und der Aus- tritt choleraverdächtiger Personen aus Egypten ge- 1

hindert werde; endlich anzuregen, daß die Regie­rungen der deutschen Seeuferstaaten schleunigst eine ärztliche Kontrolle aller einlaufenden Schiffe verdächtiger Provenienz ins Leben rufen. Der .Reichsanzeiger' macht bekannt, daß auf Veran- laffung des Reichsgesundheitsamtes amtliche Cholera­nachrichten fortan im .Reichsanzeiger' veröffentlicht werden.

* (Die Cholera). Falls sich eine Nachricht der ,Voff. Ztg.' bestätigt, hat die Cholera bereits europäischen Boden beschritten. Ein Telegramm von gestern meldet nämlich aus Paris: „In Havre ist ein Passagier eines Orientdampfers an der Cholera gestorben. Darauf verhängte der Präfekt der Seine inferieure Quarantaine-Maßregeln über den Hafen von Havre. Hiesige Blätter konstatiren, daß ihnen gestern egyptische Briefe ohne Ver­spätung zugingen, und schließen daraus, daß die Marseiller Quarantaine auf Postsachen nicht aus­gedehnt wird, obwohl erfahrungsgemäß die Seuche durch solche verschleppt wird."

* (Während des Urlaubs des Fürsten v. Bismarck) dürfen demselben weder amtliche noch nichtamtliche Schriftstücke vorgelegt oder nach­gesandt werden. Es ist deshalb auf eine Beant­wortung derselben nicht zu rechnen.

• (Folgende sechs Ersatzwahlen) zum Reichstag stehen für'den Sommer noch bevor: Am 20. Juli in Kiel (für Hänel), am 6. August in Wiesbaden (für Schultze-Delitzsch), ferner in Torgau (für Clauswitz), in Neuhaus (für Ben­nigsen), in Donauwörth (für Mayer) und Mar- bürg-Kirchheim-Frankenberg (fürden am 3. Juli zu Marburg verstorbenen Prof. Dr. A r n o l d), für welche die Termine noch nicht angesetzt sind.

* (Handelsvertrag mit der Pforte.) Aus Konstantinopel wird unter dem gestrigen Da­tum gemeldet: Die Nachricht der Zeitung ,Vakit', daß Deutschland seine Zustimmung zu einer Modifikation des Handelsvertrages ge­geben hat, sei richtig. Die Berliner Regierung hat ihrem Delegirten G i l l e t aufgetragen, ihr in einem Berichte die Absichten der Pforte in Betreff dieses Gegenstandes mitzutheilen.

Torquato Tasso. 37

Ein Dichterleben.

Mithel« Aerchenhich.

(Fortsetzung.)

Taffo wurde dunkel vor Wuth, griff nach dem Degen und stürzte sich mit einem lauten Fluch auf den Staatssekretär. Der Schrecken löste den Bann, in welchem Eleonore gefangen war. Während alle Damen laut aufschrieen, eilte sie zwischen die Streitenden und trennte sie von einander.

„Der Herzog, der Herzog," flüsterte man jetzt von allen Seiten und schaute nach der Thüre, wo Alfons in ganzer Figur sichtbar wurde. Er war in dem Augenblicke, als Taffo den Degen zog, eingetreten.

„Was geht hier vor?" rief er zornig. „Wer erdreistet sich, in den Gemächern der Herzogin von Urbino den Degen zu ziehen?"

Taffo, der sich so leicht von der Hitze der Lei­denschaft hinreißen ließ, sah erst jetzt ein, daß er einen groben Fehler begangen hatte, neigte erröthend das Haupt, steckte den Degen ein und trat zurück.

„Mein Fürst," sprach Montecatini, der glatte Hofmann, „ich gäbe mein Vermögen darum, daß' diesir Vorfall nicht bei Hof, sondern im dichten Wald geschehen wäre oder doch auf der Heerstraße, wo der angegriffene Edelmann sich wehren durfte, ohne die gute Sitte zu verletzen."

„Erklären Sie mir, was vorgegangen," sagte der Herzog.

„Ich gehorche, Altezza. Taffo trug, wie es so häufig zu geschehen pflegt, in Gegenwart dieser Damen und Herren ein Gedicht vor. Seit jeher i st es Sitte hier gewesen, daß man über Geistes- Produkte offen seine Meinung sagt. Das that ich auch, aber meine Kritik war keine Lobhudelei, son­dern meine innigste Ueberzeugung und sie wollte d:m Dichter nicht übel, sondern wohl. Taffo hat von Gott große Talente erhalten, aber er ge­braucht sie nach meiner Ansicht nicht richtig. Jedem krankhaften Gefühle gibt er nach, und indem er es in Verse kleidet, verschlimmert er von Tag zu Tag seinen Gemüthszustand; er ist melancholisch, mißtrauisch, stets zum Zwist geneigt — und dann schwärmt er wieder in himmlischem Entzücken, bis eingebildeter Gram ihn wieder plötzlich in den Abgrund des Mißmuthes stürzte Herr, soll es mich nicht schmerzen, wenn ich sehe, wie er seine großen Gaben selbst verkümmert und aus eigener Schuld dem Wahnsinn entgegentreibt. Dies schöne Talent dem Hofe von Ferrara und der Welt zu erhalten, ist eine Christenpflicht. Auf guten Rath hört er nicht, darum Herr, suchte ich durch die Kritik zu wirken, und da, Herr, zog er den Degen."

Eleonore verlor nicht leicht ihren Gleichmuth, aber die perfide Art und Weise, wie Montecatini den Dichter verkleinerte und sich selbst als seinen Gönner darstellte, erregte ihren Uumuth so sehr, daß sie zitterte.

„Mein Bruder," sprach sie, glaub' von seinen

Worten nur die Hälfte. Die Kritik ist erlaubt und, kann dem Autoren von Nutzen sein, aber wenn sie mit der Absicht, zu beleidigen gehandhabt wird, wenn man aus jedem Worte bittre Feind­schaft und die Lust, zu kränken hört, bann ist es wohl verzeihlich, wenn der Dichter sich im Zorn vergißt."

Der Herzog erinnerte sich bei dieser warmen Fürsprache des Kuffes unter den Cypresseu, und er hatte Mühe, an sich zu halten.

„Schwester," sprach er, „warte, bis ich Dein Zeugniß wünsche. Ich hab' genug gesehen. Taffo zog den Degen und fein Gegner ließ ihn in der Scheide. Er hat sich gröblich an der Etikette ver­gangen. Bis die Sache untersucht ist, muß ich seinem Jähzorn schnell die Flügel schneiden. Taffo, Sie sind einstweilen mein Gefangener. Beziehen Sie die Gemächer in der zweiten Etage, links nach dem Hofe, und bei meiner Ungnade, verlassen Sie dieselben nicht, bis ich's erlaube."

Ohne ein Wort zu antworten, verneigte sich Taffo und schritt von bannen, auch ber Herzog begab sich hinweg.

Draußen gab er einem Pagen ben Auftrag, bie Prinzessin Eleonore zu benachrichtigen, baß er sie in feinen Gemächern erwarte.

Alfons war sonst ein durchaus ruhiger unb wohlwollenber Charakter, er liebte ben Taffo unb hatte ihn von seiner Ankunft bis jetzt mit Wohl­wollen überhäuft, mit seinen Schwächen Nachsicht