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Dienstag, dm 3. Juli
JfitliJarr
Jritung.
1883.
mit der
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* Die preußische Eisenbahn - Verstaatlichung «nd das Eisenbahntarifwesen.
Die Verstaatlichung der preußischen Eisenbahnen setzt nach einer längeren Pause wieder zu einem erheblichen Fortschritt an und ist mit dem neuesten Verstaatlichungs-Anerbieten an dem Punkte angelangt, von dem ab die letzte Vervollständigung des künftigen Staatsbahnnetzes zu einer gebieterischen Forderung der Verwaltungstechnik wird. Nach der Verstaatlichung der sechs in Aussicht genommenen Bahnlinien werden die preußischen Staatsbahnen in dem gesammten preußischen Eisenbahnnetz (21 155,4 km) eine Länge von 18 248,5 km erhalten, also 86,3 Prozent des gesammten preußischen Eisenbahnnetzes ausmachen.
Wenn auf diese Weise der überwiegend größte Theil des preußischen Eisenbahnnetzes in den Besitz des Staates übergegangen ist, hat auch die Eisenbahnfrachtpolitik für die materiellen Jnteresien des Landes eine größere Bedeutung erlangt, als dies je zuvor der Fall gewesen ist. Vor der Verstaatlichung des Eisenbahnwesens griff in gewiffem Grade noch die Konkurrenz der Privat- und Staatsbahnen untereinander regulirend in die Bewegung der Gütertarife ein. Mit der Uebernahme der Eisenbahnen auf den Staat ist dagegen die Wettbewerbung der einzelnen Bahnlinien und Transportrouten um den Erhalt von Transporten fortgefallen, und das absolute Staatsmonopol in seine Herrschaft getreten, eine Thatsäche von weittragender Bedeutung für die wirthschaftlichen Verhältnisse des Landes und seiner Gewerbe. Der Staat, im Besitz aller Hauptverkehrsrouten, kann heute die Eisenbahnfrachten nach seinem Gutdünken reguliren und hat damit einen unmittelbaren Einfluß ans die Verkehrs- und Absatzverhältniffe aller Industrien; seine Frachtpolitik ist für letztere ebenso wichtig und von ebenso einschneidender Bedeutung, als dies mit irgend einer Zollpolitik der Fall sein konnte, denn diese kann höchstens in gewißem Maße für die Absatzverhältnisse der Jndustrieen im Jnlande bestimmend sein, die Frachtpoltlik beherrscht aber nicht allein den binnenländischen Verkehr, sondern
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Dorqirato Dasso.
Ein Dichterleben.
ff,« Wilhelm gercheudich.
(Fortsetzung.)
Wie verschieden waren in dieser Nacht die Stimmungen und Gefühle der Personen, die in dieser unglücklichen Entdeckung eine Rolle spielten.
Eleonore kniete betend vor dem Kreuze in ihrem Schlafgemach, der Schritt, den sie heute gethan hatte, war ihr außerordentlich schwer geworden, aber er war nothwendig gewesen, und darum bereute sie denselben nicht. Sie fühlte wohl ihren schweren Verlust und sah den beständigen Kampf voraus, aber wie es auch kommen mochte, sie wollte Wort halten. Das hatte sie nun auch dem Gekreuzigten versprochen, und es kam eine größere Ruhe des Geistes über sie. Langsam entkleidete sie sich und legte sich zu Bette. Immer noch war Tasto ihr einziger Gedanke, und mit gefalteten Händen betete sie für seinen Herzensfrieden, bis sie endlich einichlummerte. —
Der Dichter saß mit gesenktem Haupte an seinem Tische, ganz vom Schmerz zerrisien. Jetzt sprang rr auf, stürmte auf und nieder, und seine bleichen Lippen zuckten. „Sie kann mich aufgeben/ murmelte er, „kann sich von mir trennen, weil einige neidische und böswillige Zungen ihr Gift auf uns spritzen! O, wenn sie wahr und aufrichtig geliebt hätte, sie würde Allen trotzen, und der goldenen
ist auch für den Verkehr nach dem Aus lande von maßgebender, oftmals entscheidender Bedeutung. Endlich kann der Staat auch mit Hilfe seiner Frachtpolitik nicht minder die Marktverhältniffe reguliren und so auch auf die Stellung des Konsu- menten einen dominirenden Einfluß gewinnen.'z
Es wird nicht unintereffant sein, an die bevorstehende neue Phase der Eisenbahnverstaatlichung eine allgemeine Betrachtung über das Eisenbahntarifwesen anzuknüpfen.
Das Eisenbahntarifwesen, speziell die Differenzial-Tarife, haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die Preisverhältnisse und die Konkurrenzfähigkeit der importirten Waaren und damit auf den gesammten Handel und die wirthschaftliche Lage des Inlandes. Die großen Verkehrs-Veränderungen, welche vor Jahrzehnten durch die Eisenbahnen und Dampfschiffe herbeigeführt wurden, haben allmählich Verhältniffe geschaffen, welche sich mit den früheren nicht vergleichen lasten und machten deshalb auch einen Umschwung in der Wirth- schaftspolitik dringend nothwendig. Früher bot die Entfernung des Ortes bei dem Mangel von Eisenbahnen der einheimischen Thätigkeit einen für alle Verhältniffe natürlichen und wirksamen Schutz, heute sind Entfernungen gewistermaßen ein überwundener Standpunkt, die Eisenbahnen insbesondere ermöglichen es, daß auch entferntere Produktionsgebiete des Auslandes mit den inländischen konkurriren können. Gegen diese moderne Jnternationalität des HandelöverkHrs ist an -and für sich Nichts einzuwenden. Wöhl ist es aber entschieden zu verwerfen, wenn dem ausländischen Handel, dem internationalen Transport vor dem inländischen besondere Vortheile und Begünstigungen gewährt werden. Eine solche Handlungsweise schädigt die inländische Produktion auf das Empfindlichste, und wenn es auch in der Theorie schön und ruhmvoll klingen mag, daß der moderne Erfindungsgeist alle Schranken des Raumes aufzuheben und in Handel und Verkehr eine großartige beständige internationale Fluktuation herbeizuführen verstanden habe, so entstehen durch die letzten Konsequenzen dieser internationalen Konkurrenz
Fesseln, die sie binden, spotten und sie zerreißen, aber die ganze Hingabe hat ihr gefehlt. Die höfischen Sitten, das Urtheil der Welt stehen ihr höher, als ich. Warum steigt sie nicht von ihrer stolzen Höhe herab und reicht mir die Hand? Wäre ich auf einem Throne geboren, wahrlich, ich wollte nicht zögern. Die ganze Welt sollte es misten, daß ich Hoheit und Würde gerne hingebe, um die Geliebte glücklich zu machen, wie dunkel auch immer ihr Ursprung sein möchte. Hier kann ich nicht bleiben, ich muß fort; zwischen sie und mich muß eine weite Entfernung gelegt werden. Da liegen ihre Stickereien, ihre Geschenke — ich kann sie nicht behalten, denn sie würden mich ewig an ihre Untreue mahnen. Fort mit Allem, was mich an sie erinnert!"
So tobte er die halbe Nacht und vergaß ganz, wie viel Dank er ihr schuldig war.
Auch der Herzog wachte und dachte beständig an die beiden Personen, die ihm bisher so lieb und werth gewesen waren. „Eine Aenderung muß kommen," murmelte er, „ich darf und will nicht zulasten, daß meine Familie in den Koth getreten wird. Vielleicht ist es am besten, ich schicke Tasto unter irgend einem paffenden Vorwande fort und verbiete ihm das Wiederkommen. Oder vielleicht genügt es auch, daß ich meine Schwester warne. Was von beidem soll ich thun oder welchen andern Weg einschlagen?" Lange ging er mit sich zu Rathe, aber der Morgen traf ihn noch unschlüssig,
der Handelsprodukte aller Länder für das wirth schaftliche Gedeihen der einzelnen Länder denn doch Gefahren der schlimmsten Art. Ein Hauptmittel, ausländische Produkte auf dem inländischen Markte konkurrenzfähig zu machen, den Ländern, welche in dem jeweiligen Artikel stärker oder wohlfeiler produziren als das Inland, sogar ein schweres Uebergewicht zu verschaffen, sind die sogenannten Differenzial-Tarife.
Was sind Differenzialtarife? Es liegt in der Natur der Sache, daß bei der Berechnung der Transportkosten einer jeden Last zwei Rücksichten in Frage kommen, nämlich die Schwere der Last und die Länge des zurückzulegenden Weges. Sehen wir von der Gewichtsberechnung ganz ab, so tritt uns bezüglich der Wegesberechnung die eigenthüm- liche Thatsache entgegen, daß die Transportkosten für längere Wege derselben Strecke oft billiger zu stehen kommen, als dieselben für kürzere Strecken. Diefen seltsamen Modus regeln die Differenzialtarife. Die naturgemäße Ordnung kann doch nur die sein, daß je nach der größeren Wegesstrecke auch die Transportkosten sich vergrößern. Es können allerdings ausnahmsweise auf einer Eisenbahnstrecke gewisse Umstände vorliegen, welche den Differenzialtarif dadurch rechtfertigen, daß die maßgebenden Selbstkostender Bahn bei der längeren Route sich geringer stellen, als bei der kürzeren. Wir haben es aber mit diesen Fällen nicht zu thun, deuten daher nur an, daß dieselben etwa darin ihren Grund haben können, daß auf der langen Strecke stets oder regelmäßig volle Wagen hin- und zurückfahren, während auf der kurzen halbvolle Wagen die Regel sind, welche schließlich wenig oder gar keine Rückfracht finden. Meistens fehlen aber die Vorbedingungen, und sind dann natürlich die Selbstkosten auf der größeren Strecke auch größer, als auf der kleineren. Wenn trotzdem Differenzialtarife aufgestellt werden, also für die längere kostspieligere Fahrt geringere Frachtsätze verlangt werden, als für die kürzere billigere Fahrt, so liegt der Grund nur in der Konkurrenz der verschiedenen Eisenbahngesellschaf- ten unter einander. Eine jede der konkurrirenden und zuletzt gelangte er zu dem Resultate, noch einige Tage den Beobachter zu spielen und beide frei gehen zu lassen.
Montecatini hatte den Herzog kaum verlassen, als er zu Pagni und Geraldini eilte und ihnen unter dem Siegel der Verschwiegenheit mittheilte, was sich begeben.
„Nun haben wir leichtes Spiel," sagte er indem er sich schadenfroh die Hände rieb; „der Herzog selber ist Mitwisser, und ohne unser Zuthun wird es kommen, daß Taffo den Hof verlassen muß oder seine Tage in schimpflicher Gefangenschaft endigt. Addio Größe, addio Ruhm und Ehre."
Seine Freunde freuten sich nicht weniger als er, und sie säufelten sich aus lauter Vergnügen einen leisen Rausch an.
VIII.
Montecatini hatte geglaubt, daß sich das Gewitter schon am folgenden Tage entladen werde, aber zu seinem Aerger mußte er gewahren, daß der Herzog alles vergessen zu haben schien. Nach zwei Tagen, als sie zusammen im Kabinette arbeiteten, brachte ein Diener ein Gedicht von Tasso. Die Stirne des Herzogs umwölkte nch; ohne ein Wort zu sagen, legte er dasselbe bei Seite.
„Ich bin hocherfreut," nahm der Staatssekretär das Wort, daß Hoheit sich wegen des Taffo nicht zum Zorne haben hinreißen lassen.
„Der Zorn ist stets vom Hebet, Montecatini, bei einem Fürsten aber doppelt, denn seine Hand,