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1883

Donnerstag, den 28. Juni

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Jfulbacr

Mlmkmnts-Einladung.

wir machen unsere verehrten Abonnenten auf den am Juli stattfindenden Quartals- wechsel aufmerksam und bitten zur Ver­meidung von Unterbrechungen in der regelmäß­igen Zustellung der Zeitung um baldigste Lr- Neuerung des Abonnements. Der Abonne­mentspreis beträgt ohne Bringerlohn und Bestellgeld bei der Post wie bei der hiefigen Expedition \ M. 50 pfg., mit dem von PH. wafferburg (Saicus) redigirten rühmlichst be­kannten Sonntagsblatt .Sterne und Blumen^ in Fulda \ Ulk. 70 Pfg., bei der Post \ Mk. 75 pfg.

Die Sorge für das Wohl der Arbeiter.

II.

Wie bereits in einem früheren Artikel über das Krankenkaffengesetz hervorgehoben wurde, hatte die Regierung schon lange vor der Ausarbeitung des letzteren Gesetzentwurfes die ungleich dringendere und wichtigere Unfallversicherungs-Vor­lage zur gesetzgeberischen Prüfung fertig gestellt. Diese Vorlage ist seit bereits mehr als zwei Jahren in der Welt, ist verschiedene Male umgemodelt worden, hat aber trotzdem den Beifall der Reichs­tagsmajorität noch nicht finden können. Die Ma­terie ist an sich schon schwierig, und da die ganze Idee vollständig neu ist und in der bisherigen Gesetzgebung keinerlei Vorbild hat, so ist die Ver­antwortung der gesetzgebenden Körperschaften für die Wirkung und Folgen des Gesetzes größer als gewöhnlich.

Es wäre daher an sich nicht zu verwundern, wenn Fürst Bismarck mit einer gereiften Zähig­keit an den Einzelheiten seines ursprünglichen Planes sesthielte. Dies ist aber nur bezüglich einzelner Punkte, hauptsächlich bezüglich des Versicherungs­zwanges und des Reichszuschuftes, der Fall ge­wesen, mit anderen Fundamentalfragen ist geradezu «xperimentirt worden. Gestern war die Parole

naturgemäß im Prinzip gegen jede obligatorische Versicherung, während der Gesetzentwurf den ent­gegengesetzten Grundsatz aufstellt.

Die Freunde des Grundgedankens der Vorlage bezeichnen es hingegen als eine Pflicht der Huma­nität und des Christentums und zugleich als eine Aufgabe staatserhaltender Politik, daß der Staat sich in höherem Maße, als bisher, der hülfsbe« dürftigen Mitglieder annehme. Die Gegner er­heben darob ein großes Geschrei, sie bezeichnen ein solches Vorgehen als einen Beginn des Staatsso­zialismus.

Die Phrase ist ebenso unwahr, rote lächerlich. Wenn wirklich der Staat jetzt erst begänne, sich seiner hülfsbedürftigen Bürger, sich der besitzlosen arbeitenden Klassen anzunehmen, und dadurch ein sozialistisches Element in die Gesetzgebung einzu- führen, so hätte das gar kein Bedenken. Nun ist aber dieser Weg in der Gesetzgebung schon längst betreten, die ganze obligatorische Armenpflege, wie sie das preußische Landrecht eingerichtet und ge­ordnet hat, die Gesetze über den Unterstützungswohn­sitz rc. gehen von dem obigen Grundsatz aus, und wenn der Staat dadurch sozialistisch angehaucht ist, so ist das wahrlich kein Schaden, und ist nur zu wünschen, daß noch mehr von einem solchen ge­sunden Sozialismus in der Gesetzgebung Platz greife.

Da der Reichstag mit Rücksicht auf den in der jüngsten külftrl. Botschaft ausgesprochenen Wunsch den nächstjährigen Etat bereits erledigt hat, so wird das hohe Haus in seiner nächsten Session vollauf Zeit und Gelegenheit haben, die Unfall­versicherungs-Vorlage gründlich und erschöpfend zu behandeln und sie hoffentlich zu einem ersprießlichen Ziele und Ende zu führen.

wir .SutbaerlÄeituna' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Brrngerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne m»d Blumen' in Fulda 1 Ml. 70 Pfg., Mswärts 1 M. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Fulda, 28. Juni.

• (Die' .Provinzialkorrespondenz') be­spricht die Kirchenvorlage und sagt, der katholischen Bevölkerung sei ein neuer Beweis ge­liefert, daß die Regierung nicht nur ein Herz für den Gesänge nicht von jeher die Herzen der Damen gefangen? Hat sich die Herzogin von Urbino, hat sich die Gräfin von Sanvitale denselben verschließen können? Die Prinzessin aber ist entschuldbarer, als alle. Ihr Charakter hat sich in Leiden und Schmerzen gebildet, aber ihr Herz ist unberührt und Allem Schönen zugänglich geblieben. Aus der Schule der Leiden hat sie die Empfänglichkeit für fremden Schmerz mitgebracht. Taffo fühlte sich beständig gekränkt, er glaubte sich von Neidern und Feinden umgeben und schafft sich so einen bestän­dig fortwuchernden Kummer. Sie ist ihm freund­lich gewesen, weil sie ihn ermuntern wollte und, mein Fürst, wenn es so gekommen, daß das Herz zum Herzen neigt, wer darf darichten und »erbammen ?

Sprechen wir nicht weiter davon,' entgegnete der Herzog, „der Wunsch, zwei Schuldige unschul­dig zu finden, führt meinen treuesten Diener immer tiefer in das Labyrinth der Widerfprüche. Fahren wir noch länger in dieser Weise fort so würde sich aus den Trugschlüffen für mich noch die Pflicht ergeben, Taffo Dank zu sagen, daß er meine Schwe- fier feiner Liebe gewürdigt hat. Eine Bitte aber habe ich: Was wir gesehen, sei vergeffen und ver­graben, bis ich selbst es für gut befinde, weitere Schritte zu thun." k f ,

Der Staatssekretär verneigte sich und begab sich auf den Befehl feines Herrn in's Schloß zurück, während der Herzog noch im Parke zurückblieb.

(Fortsetzung folgt.)

Reichsanstalt, heute sollen Verbände und Genossen­schaften auf der Grundlage von sog. Gefahren­klassen die Versicherung in die Hand nehmen, und morgen wird auf den im Reichstage schon vor zwei Jahren gemachten Vorschlag der lokalen Verbände zurückgegriffen.

Nachdem jetzt die Commission in mehreren Punk­ten die Wünsche der großen Majorität für den von der Regierung neuerdings umzuarbeitenden Entwurf festgestellt hat, heißt es osfiziöserseits, die Regierung wolle an diese Vorschläge anknüpfen. Da fragt man aber denn doch mit Recht: Warum hat es des zweijährigen Hin- und Herredens be­durft, warum hat die Regierung nicht sofort dieses Entgegenkommen gezeigt. Das Haftpflichtgesetz hätte dann seine unselige Wirkung schon längst eingestellt und der Unfallversicherung Platz gemacht.

Dennoch muß es auch jetzt jeden Arbeiterfreund aufrichtig freuen, wenn die Regierung durch Nach­giebigkeit das Zustandekommen des Gesetzes ermög­licht. Für den Versicherungszwang ist ja eine große Majorität gesichert, unannehmbar jedoch sind für den gegenwärtigen Reichstag der Reichs- zuschuß, sowie die direkten Beiträge der Arbeiter, ferner die Aufstellung der Gefahrenkaffen als Grund­lage zur Bildung von Genossenschaften. Die Corn- mifsion hat fodann die Ausdehnung des Verficher- nnaszMnges auf die Land- und Forstwirtschaft verlangt und ttiönÄ fefte Grund-züge für bw Or­ganisation der Verbände und Genoffenschaften fest- gestellt. ,

Aus alledem ersieht man, daß der heutige Reichstag allerdings eine feste Majorität für eine vernünftige und zweckmäßige Unfallversicherung repräfentirt, die Gegner der Regierungsvorlage sind keineswegs alle Gegner des von der Vorlage getragenen arbeiterfreundlichen Grundgedankens. Prinzipielle Gegner der Vorlage sind nur die Männer des Fortschritts und der absoluten Frei­heitstheorie, mit einem Worte alle die, welche die absolute Selbstständigkeit des Individuums betonen und jede Verpflichtung der Gesammt- heit, für den Einzelnen zu sorgen, verneinen. Die Vertheidiger dieser Manchestertheorie wenden sich will sagen verzeihlichen — Stolz noch zu ver­größern, denn Sie haben ihn öffentlich auf den Schemel gestellt und jede Gelegenheit benutzt, ihn zu ehren und auszuzeichnen. Ist es da ein Wun­der, wenn er sich den höchsten gleich glaubt und feine Hände keck nach dem Schatze ausstreckt, der nur Fürsten erreichbar ist?"

Der Herzoge schüttelte mit dem Kopfe und ent­gegnete: „Montecatini, in Deinem Bestreben, den Dichter entschuldbar zu finden, hast Du Dich Dei­ner gewöhnlichen Klugheit und feinen Beurthei- lungsgabe entfchlagen. Mag der Dichter in einer anderen Sphäre leben, so darf er doch nicht rote ein Räuber in das Heiligthum der Familie ein» brechen. Und wo, mein Herr Vertheidiger bleibt die Dankbarkeit, die er mir schuldet? Nein, Du hast die Sachlage falsch beurteilt; aber gesetzt den Fall, Taffo sei zu entschuldigen, wie willst Du meine Schwester reinwaschen, die durch Erziehung und Gewöhnung weiß, was sich für Fürsten ziemt?"

„O," entgegnete der glatte Höfling, „ihr möchte ich noch weniger einen Vorwurf machen. Den größten Theil ihres Lebens war sie an das Kranken­lager gebunden, und dadurch ist es gekommen, daß sie den Unwerth der irdischen Dinge ftüh er­kannte. Der Blick, den sie stets auf den Tod ge­rietet lehrte sie, daß eine Stunde kommt, reo alle Menschen gleich sind. Ist sie so verdammungs­würdig, weil sie diese Stunde etwas beschleunigt hat? - Und, mein Fürst, nehmen seine bezaubern-

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Torquato Tasso.

Ein Dichterleben.

|»n Wilhelm Serchenhech.

(Fortsetzung.)

„Was war das, Montecatini?" fragte der Herzog. „Mir scheint, daß sich hier eine Szene abspielte, welche einen Schatten auf die Ehre meines Hauses wirft."

Der Staatssekretär zitterte vor Freude, aber er gab sich den Anschein eines Vertheidigers: „Altezza", sprach er, wenn es ein niedriger Diener wagen darf, sich in dieser Angelegenheit eine Mei­nung zu erlauben, so gebe ich den Rath, den Schleier des Vergeffens über diese Angelegenheit zu werfen. Der Dichter und die Prinzessin sind am Ende doch mehr zu entschuldigen, wie es im ersten Augenblicke scheint."

„Ich möchte Deine Gründe hören."

„Sie liegen nahe, mein Gebieter: Taffo ist in kümmerlichen Verhältnissen ausgewachsen und mitten in der Noth zu einem berühmten Manne gewor­den. Eine solche plötzliche Veränderung in der Lebenslage führt leicht zum Uebermuth und zur Ueberhebung. Der Mensch ist ja doch einmal Mensch, und Dichter leben stets in den höchsten Phantasiegebilden. Nichts ist ihnen unerreichbar. Wer stets unter den Göttern lebt, für den ver­lieren selbst die Könige die Unnahbarkeit. Altezza haben nicht wenig dazu beigetragen, seinen — ich