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Jidban Dß Jalung.

[37* Dienstag, den 19. Juni

1883.

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und fort sie für gänzlich ungenügend erklärt und die Zustimmung Roms bis zum Ende durchaus in Zweifel gestellt haben.

* (Die kirchenpolitische Vorlage in der Fassung der Commission), so schreibt die .Germania' in der Einleitung eines bezüglichen Leitarlikels, bedeutet wiederum kleine Fort­schritte gegenüber dem Fortschritt, welcher in der Regierungsvorlage schon gegeben war. Es sind die Verschlechterungen abgewehrt, welche von freiconservativer und liberaler Seite, am letzten Tage auch noch von dem Fortschrittler Büchte- mann, anzubringen versucht wurde, und es haben einige Verbesserungen stattgefunden, die wir nicht überschätzen wollen, aber auch nicht unterschätzen dürfen."

Berlin, 18. Juni. ;

* (Der „kirchliche Gerichtshof") zu Berlin hatte am Sonnabend noch über die Berufung eines zweiten Küsters zu entscheiden. Der Küster und Organist Fixinski zu Opalenica bei Grätz (Posen) beschwerte sich über seine Amtsentlasiung. Es handelte sich in diesem Falle um die Auslegung von Contractsbestimnmngen, welche kein weiteres Interesse erregen. Die vom Kirchenvorstande er­folgte Entlassung des F. wurde für aufgehoben erklärt.

* (Der polnische Dichter Kraszewski) ist vor einigen Tagen in einem Berliner Hötel verhaftet und nach seinem Wohnort Dresden gebracht worden. Außerdem wurden drei andere Polen verhaftet. In der Schwerinstraße ist gleich­falls dieser Tage eine mit diesem Fall in Zusam­menhang stehende Verhaftung vorgenomnien worden, und zwar die eines höheren Telegraphenbeamten H., der durch die bei der Haussuchung in der Dres­dener Wohnung des Dichters vorgefundenen Pa­piere compromittirt sein soll. Als die Macht, zu deren Gunsten Kraszewski hochverräterische Handlungen geplant haben soll, wird dem .Montagsbl.' Frankreich bezeichnet. Die hiesige politische Polizei, welche nach der durch die Cri- minalpolizei bewirkten Festnahme der Verdächtigen, die Recherchen und Haussuchungen hier und in Dresden leitete, hat die Acten bereits der hiesigen

Staatsanwaltschaft abgegeben. Von der laut einem Dresdener Telegramn: der .Rational-Zeitung' in Aussicht stehenden baldigen Freilassung Kraszewski's war hier an zuständiger Stelle noch nichts bekannt.

Der Wiener ,N. Fr. Presse' wird aus Dres­den vom 16. d. berichtet: Die außerordentliches Aufsehen erregende Verhaftung des hier hochan­gesehenen polnischenSchriftstellers und Historikers Kraszewski erfolgte nicht auf Veranlassung einer auswärtigen Gesandtschaft, sondern zweifelsohne auf die Denunciation eines Individuums, das in letzter Zeit vergeblicheErpressungs-Versuche durch Drohbriefe gemacht hatte. Nach langer schwerer Krankheit wer der hochbetagte Gelehrte und Dich­ter im April dieses Jahres zur Kur und Erholung nach Pau gereist, von roc er vorige Woche die Rückreise über Paris antrat. Sein letzter Brief aus Paris sprach Sehnsucht nach Ruhe und Ein­samkeit nach seinem Arbeitszimmer in Dresden aus, das in einem reizenden Garten-Grundstück liegt. Hier erschienen vorigen Montag plötzlich ein hie­siger Kriminal-Kommissar, ein Berliner Staats­anwalt und mehrere Gendarmen, die das Haus in allen Räumen durchsuchten und dann eine Menge Schriftstücke, auch Familienbriefe und das Portrait Kraszewski's mitnahmen. Dienstag erschien auch Oberstaatsanwalt Roßtäuscher in der Villa Kras­zewski's, die überdies mehrere Tage polizeilich be­wacht worden war. Kraszewski wurde bei seiner Ankunft in Berlin am Dienstag verhaftet und gestern hierher gebracht. Von den drei außer dem Dichter verhafteten Polen, hier in: Rufe ehren- weither Männer stehende Personen, ist einer der beiden Brüder Konopatzki bereits wieder aus der Haft entlassen worden. Auch die baldige Freilas­sung Kraszewski's ist zu erhoffen.

"(Die officielleAnkündigung der drit- tenSerie der Eisenbahn-Verstaatlichungen) hat in interessirren Kreisen großes Aussehen erregt. Sechs bedeutende Bahnstrecken (die Oberschlesische, Berlin-Hamburger, Altona-Kieler, Breslau-Schweid- nitz-Freiburger, Rechte-Oder-Nfer und Posen-Kreuz- burger Eisenbahn) sollen das ungeheuere Netz des Staates vervollständigen. DiePrincipienfrage

Deutsches Reich.

Fulda, 19. Juni.

• (lieber das Ergebniß der Commis- sionsberathung der kirchenpolitischen Vorlage) schreibt die ,Nat.-Lib.Correspondenz', die Vorlage sei aus derselben nur mit einigen Verschlechterungen, d. h. neuen Zugeständnissen an den ultramontanen Standpunkt, hervorgegangen. Denn diejenigen Bestimmungen, in welchen eine gewisse Anerkennung des staatlichen Einspruchs­rechts gefunden werden konnte, sind dem Centrum zulieb aus dem Gesetz entfernt worden. So wurde Art. 2, welcher die Verweser eines Pfaramts von der in Art. 1 ausgesprochenen Aufhebung der Anzeigepflicht ausnimmt, als selbständiger Artikel gestrichen und in den Art. 1 hineingearbeitet, und Art. 4, welcher eine neue Regelung des Einspruchs­rechts gegen diejenigen Geistlichen enthielt, bei bei welchen die Anzeigepflicht noch festgehalten werden soll, wurde ganz beseitigt. Ferner ist, von minder erheblichen Abänderungen abgesehen, auf Antrag des Centrums ein neuer Artikel 5a eingefchoben, welcher den staatlich anerkannten Bischöfen in erledigten Diöcesen die Vornahme von Weihehandlungen gestattet. Zu den großen Erleichterungen, welche schon die Regierungsvor­lage gewährte, hat sonach das Centrum noch ver­schiedene Zulagen empfangen, und es ist ihm gestattet worden, auch den Schein zu vermeiden, als ob es mit der Annahme dieses Gesetzes irgendwelche Anerkennung des noch bestehen bleibenden Restes der Maigesetzgebung verbinde. Die Centrnms- mitglieder haben einem Gesetze, das den ultramon­tanen Forderungen auf's weiteste entgegenkommt, mit einer Miene kühlster Gleichgültigkeit und mit steten Vorbehalten für die schließliche Entscheidung zugestimmt, die uns belehren könnten, bis zu wel­chem Grade die Nachgiebigkeit gesteigert werden müßte, um die wachsenden Ansprüche dieser Partei zn befriedigen. Es ist schon viel, daß schließlich das Centrum es in der Kommission doch noch nicht gewagt hat, gegen die Vorlage zu stimmen, obgleich seine Vertreter in der Kommission fort

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Torquato Tasso.

Ein Dichterleben.

|n Wilhelm Hercheitich.

(Fortsetzung.).

Ms Tasso nach Ferrara zurückkam, wurde er von Herzog Alfons mit der größten Auszeichnung empfangen und behandelt, so daß der schon längst erwachte Neid noch üppiger aufschlug.

Was sein Verhältnis zu Eleonore anlangt, so bedurfte es nur einer einzigen Zusammenkunft, und sie verstanden einander wieder. Auf dem alten Heben Plätzchen unter den Cypressen hatten sie die erste Zusammenkunft. Tasso grollte noch, aber Aeonore überzeugte ihn bald, daß sie keine Vor­würfe verdient habe.

„Die Gewohnheiten des Hofes bringen es aller­dings mit sich", sprach sie, daß ich Guarini freund­lich entgegenkomme, aber meine Liebe zu Dir hat mich stets vor jeder andern Zuneigung geschützt, und so wird es bleiben bis an's Ende meiner Tage. Wenn eines von uns Beiden Ursache hätte, zu zürnen, so wäre ich's, weil Du es über's Herz bringen konntest, so lange in der Umgebung meiner Schwester zu weilen."

So war denn der Friede wieder hergestellt und würde es wohl für immer geliehen sein, wenn Nicht ein unerwartetes Ereigniß eingetreteu wäre.

Der alte Herzog von Urbino wollte Lucrezia wohl, denn seine Schwiegertochter war ihm aus

mehrfachen Gründen sehr lieb und werth. Er hielt schirmend seine Hand über sie und schlichtete manche Mißhelligkeit zwischen den beiden Gatten. Als aber der alte Mann starb, fehlte jede Vermittelung, und die Mißhelligkeiten wurden so groß, daß Lu­crezia die Bitte anssprach, wieder zu ihrem Bruder zurückzukehren. Sie führte dieselbe auch aus, und als sie wieder an den Hof nach Ferrara kam, wetteiferte sie mit ihrem Bruder, den Dichter zu ehren.

Tasso mußte den Herzog nach seiner Villa Belriguardo begleiten, wo er im Frühlinge 1575 sein Epos unter dem Namen „Goffredo" beendigte.

Der Herzog und seine Schwester waren entzückt und konnten dasselbe nicht oft genug hören. Lu­crezia erklärte sogar ihrem Bruder, Taffo's Poesie sage ihr in einem so hohen Grade zu, daß sie ihn stets in ihrer Umgebung haben wolle. Der Herzog willfahrte dem Wunsche seiner Schwester und so war Tasso vom Frühjahre bis zum Oktober fast immer in Begleitung Lucrezias; Eleonore sah ihn nur selten, und litt unbeschreiblich darunter. Je­doch weit entfernt, sich zu rächen, dachte sie nur au Tasso's Glück und war unaufhörlich bestrebt, alles Unangenehme von ihm abzuwenden.

Die Briefe, welche sie an den Geliebten schrieb, haben sich noch bis auf den heutigen Tag erhalten. Aus jedem Buchstaben leuchtet ihre stille Liebe, die für sich selbst nichts begehrt. In der ruhigsten Weise gibt sie ihm die besten Rathschläge, warnt

ihn vor feinen Feindett, wirst ihm in schonendster Weise vor, daß er durch seine Reizbarkeit sich und Andern schade und bittet ihn eindringlich, sein Be­tragen zn ändern.

Er versprach es auch, aber nur allzu häufig schlug er die guten RathschlägeEleonorens in den Wind.

Ta sein Epos beendigt war, so hatte er die Ab­sicht, nach Rom zu gehen, um daselbst in aller Ruhe die letzte Hand daran zu legen. Nur mit der größten Mühe gelang es ihm, Lucrezias Wider­stand zu besiegen und sich auf die Reise zu be­geben. Hier wurde er von seinem Freunde Scipione Gonzaga in Empfang genommen und aufs Beste bewirthet.

Dieser Mann hatte von Anfang an seinen Ent- wickelungsgang beobachtet und vorausgesehen, daß er ein Stern erster Größe am literarischen Him­mel werden würde. Die Verhältnisse, in denen er zu Ferrara lebte, waren ihm ebenfalls nicht verborgen geblieben, und mit Schrecken gewahrte er, daß sein Freund bereits auf der abschüssigen Bahn des Unglücks stand und untergehen mußte, wenn er nicht aus dieser heillosen Umgebung ent­fernt wurde. Er stellte ihn deshalb dem Cardinal Ferdinand von Medici vor und brachte es zuwege, daß dieser ihn in die Dienste des Hofes von Florenz bringen wollte; aber Tasso lehnte diese Ehre unter dem Vorwande ab, daß er dem Herzog von Ferrara Dank schuldig sei und bei ihm bleiben müsse.

(Fortsetzung folgt.)