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M 134. Freitag, den 15. Juni 1883.

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Die ,Fulda« Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne UttH Blume»' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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QDer Listelnb.

III. (Schluß.)

Bit praktischen Ziele des kiKrlnds.

Die Entwickelung der deutschen Industrie und die Hebung und dadurch die Vermehrung der natio­nalen Arbeit kann am wirksamsten durch die Ver­minderung des Importes und die Vermehrung des Exportes herbeigeführt werden. Den Import kön­nen wir nur durch Schutzzölle von uns abwehren; hinsichtlich des Exportes sind wir von den Bedürf- niflen und dem guten Willen des Auslandes ab­hängig; nur der Besitz eigener Kolonieen sichert uns eine stetige und steigende Ausfuhr, deshalb unterstützt der Listclub alle auf die Erwerbung eigener Kolonieen gerichteten Bestrebungen. Tro­pische Plantagen würden uns des ausländischen Bezuges von Kolonialwaaren, Roh- und Brodstof- fen entbinden und uns jährlich eine Milliarde Mark ersparen. Eigene Kolonieen ivürden es uns er­möglichen, der Auswanderung eine nationale Rich­tung zu geben, der deutschen auswandernden Bevöl­kerung neue Heimstätten anzuweisen und ihre Kapi­tal- und Arbeitskraft dem Mutterlande nutzbar zu machen. Die Bewahrung deutscher Nationalität, Sprache und Sitte fällt dabei ebenfalls wuchtig in die Wagschale.

Das Kreditwesen hat jetzt nur für die Potenten eine Bedeutung, den Vermögenslosen kommt es nur in seltenen Fällen zu gute. Der Listclub will dem­selben eine volkswirthschaftliche Richtung geben, so daß Alle an den Segnungen desselben theilnehmen können. Unter Ausschluß der jetzigen Gefahren und Mißerfolge erstrebt er deshalb eine Kredit­versicherung und glaubt, mit diesem neuesten und wichtigsten Zweige der Assekuranz für die Ver­mehrung und Sicherung der Rährungsquellen eine neue Aera der Volkswirthschaft anzubahnen und dem deutschen Volke ungeahnte und unermeßliche Schätze zu erschließen.

Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, daß die gerichtlichen Konkurse, Subhastatio- nen und Exekutionen in fast allen Fällen zum Ruine der Getroffenen führen. Der Listclub hat

deshalb in all' seinen Ortsverbänden sociale Frie­densgerichte eingerichtet, welche auf friedlichen, Wege und ohne prozessualische Streitigkeiten Elend ver­hüten und wirthschastliche Existenzen schützen und erhalten sollen. Er glaubt dadurch dem Zerstören der Werthe vorzubeugen und dem Volke Millionen von Werthen zu erhalten.

Eine seiner Hauptbestrebungen geht dahin, den deutschen Fabrikanten Absatz zu verschaffen, die fremden, die wir im eigenen Lande ebenso gut und billig haben können, zu verdrängen und der nationalen Arbeit die Früchte ihrer Aus­saat zu sichern.

Um auch dein Kleinsten und Geringsten zu nützen, werden in den Ortsverbänden Bureaus für Stel­lenvermittelung und Auskunft errichtet. Alle Ziele des Listclub hier zu erwähnen und aus­einanderzusetzen, w,,rde zu weit führen; doch reicht das Angeführte hin, um klarzulegen, daß der List­club, welcher für die Vermehrung und Siche­rung der Nahrungsquellen in's Leben ge­rufen wurde, für die wirthschastliche Wohlfahrt der deutschen Nation eine eminente Bedeutung hat und zur Stärkung des deutschen Bewußtseins in hohem Grade beizutragen geeignet ist.

Wer sollte nun dem Listclub als Mitglied an» gehören? Wir antworten: Jeder, dem seine eigene Wohlfahrt, wie die seiner Mitbürger und das Auf­blühen des Vaterlandes am Herzen liegt. Fabri­kanten, Kaufleute, Künstler, Professoren, Gewerbe­treibende, Ackerbauer — überhaupt Alle, welche neben ihrem eigenen Vortheile Vaterlandsliebe und Genieinsinn nicht gering achten. Der niedrigste Jahresbeitrag ist auf 5 Mark festgestellt; da aber die Ausgaben des Vereins sehr erhebliche sind, so wird von den besser situirten Mitgliedern ein höhe­rer Jahresbeitrag erwartet. Wir hoffen, daß diese Zeilen dazu beitragen, an Orten, wo Ortsver­bände bestehen, zahlreiche Beitritts-Erklärungen her­beizuführen, und dort, wo der Listclub noch keine Stätte gefunden hat, das Interesse für seine Be­strebungen zu wecken und zu fördern und der Er­richtung von neuen Ortsverbänden beit Weg zu bahnen.

Die kirchenpolitische Kommission

hielt gestern ihre zweite Sitzung ab. Von Seiten der Re­gierung waren wiederum die Herren v.'^Goßler, Luca- nus und Bartsch anwesend.

Folgende Anträge lagen der Kommission vor:

Vom Abg. Dr. Windthorst:

1) Dem Artikel 1 folgende Fassung zu geben:

„Die Verpflichtung der geistlichen Oberen zur Benen­nung der Kandidaten für ein geistliches Amt, sowie das Einspruchsrecht des Staates werden aufgehoben: für die Uebertragung von Seelsorgestellen aller Art, mit Aus- nahmederwirklichenund Succu ra lpfarrämte r."

2) Am Schluß des Art. 3 als besonderen Absatz zu­zusetzen:

„Die Bestimmung unter 3 im Absatz 1 des § 16 des Gesetzes vom 11 Mai 1873 tritt außer Kraft." sDieser Abs. 3 statuirt das Einspruchsrecht aus politischen Gründen.)

Vom Abg. Dr. B r ü e 1:

1) Dem Artikel 2 (im Falle der Zustimmung zu seinem Inhalte) die Fassung zu geben, daß statt des besonderen Artikels 2 dem Artikel 1 am Schlüsse zugesetzt wird: „vorausgesetzt, daß das zu übertragende Amt nicht das des Verwesers (Administrators, Provisors u. s. w.) eines Pfarr­amts ist."

2) Im Artikel 3 Zeile 3 statt „der Staatsregierung" zu setzen: „des Oberpräsidenten."

3) Den Artikel 4 zu streichen.

4) Statt Artikel 5 zu setzen:

Artikel 5. Auf die Uebertragung eines geistlichen Amtes, welche den Vorschriften zuwiderläuft, die in den Gesetzen vom 11. Mai 1873 und vom 24. Mai 1874 über Benen­nung enthalten sind, oder gegen welche ein unerledigter Einspruch nach Maßgabe dieser Gesetze erhoben ist, findet, falls den übrigen Erfordernissen der Gesetze genügt ist, der § 17 des Gesetzes vom 11. Mai 1873 ferner keine Anwendung.

Auch unterliegen unter derselben Voraussetzung Ueber- tragungen des geistlichen Amtes und geistliche Amtshand­lungen, welche in dem übertragenen Amte vorgenommen werden, den Strafbestimmungen der §§ 22 und 23 Absatz 1 des Gesetzes vom 11. Mai 1873, sowie des Art. 2 des Gesetzes vom 21. Mai 1874 nicht mehr.

Artikel 5a. Durch die Bestimmungen des Artikels 5 wird jedoch der bestehende gesetzliche Zustand insofern nicht geändert, als die nicht gesetzmäßig angestellten Geistlichen auch unter den Voraussetzungen des Artikel 5 von geist­lichen Amtshandlungen in Anstalten des Staates oder eines politischen Verbandes, vom Gennffe des Amtsein- kommens und von allen Bezüg-n aus Mitteln des Staates oder eines politischen Verbandes, von der Mitgliedschaft im Kirchenvorstande und von allen sonst den Geistlichen staatlich zustehenden Vorrechten ausgeschlossen sind.

Artikel 5b. Wird nachträglich den Vorschriften der Gesetze über Benennung genügt, beziehungsweise der er-

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Torquato Tasso.

Ein Dichterleben.

Hin Wilhelm gercheuhich.

(Fortsetzung.)

für einige Zeit nach Pesaro kommen zu lassen. Auch an Tasso wandte sie sich, und aus diesen Briefe geht hervor, daß sie gut wußte, in welchem Verhältnisse der Dichter und Eleonore zu einander standen, denn sie bemerkte, daß sie an ihre Schwester geschrieben habe, mitzukommen, weil Tasso ohne dieselbe ihre Bitte wohl schwerlich erhören werde.

Als Eleonore den Brief erhielt, freute sie sich zwar, daß ihr Geliebter auch am Hofe von Pesaro einen solchen Triumph errungen, aber die Einladung war ihr nicht angenehm, und sie lehnte dieselbe für ihre Person ab. Tasso war anderer Meinung, er dachte mit Lust daran, am Hofe von Pesaro dieselben Triumphe zu feiern, wie in Ferrara. Obwohl er Eleonorens Abneigung kannte, so konnte er sich doch nicht entschließen, die gute Gelegen­heit fahren zu lassen, und er sagte der Herzogin von Urbino den Besuch zu.

Bestärkt wurde er in seinen Entschluß noch, weil er zu bemerken glaubte, daß sein Nebenbuhler, der am Hofe zu Ferrara weilende Dichter Guarini von Eleonore bevorzugt würde. Es war nicht so; zwar achtete die Prinzessin auch diesen Dichter hoch, aber sie war weit entfernt, ihm eine An­näherung zu gestatten, die wohl auch niemals in den Absichten Guarinis gelegen hatte; aber Tasso sah leicht Gespenster und in leidenschaftlicher Aufregung erwog und bedachte er wenig, sondern folgte feinem augenblicklichen Gefühle. Guarini, der Verfasser des „Pastor Fido," war auf dem Felde der

Poesie allerdings fein Nebenbuhler und es fehlte nicht an Leuten, die ihm vor Tasso den Vorzug gaben, weil er im Umgänge angenehmer, in seinen Äußerungen behutsamer war und nicht so leicht aufbrauste. Das verdroß Tasso und er hielt ihn zu allem Bösen fähig.

Eleonore verwies ihm seine Reizbarkeit und ver­lachte seine grundlose Eifersucht, aber damit goß sie nur Oel in's Feuer und beschleunigte seine Abreise.

Lucrezia war erfreut, als der Dichter ankam und behandelte ihn sehr zuvorkommend.

Die Vormittage pflegte Tasso mit Arbeiten zuzu­bringen, und es entstand manches schöne Gedicht; größere Arbeiten schritten rüstig vorwärts, neue wurden geplant und entworfen; die Nachmittage brachte er mit Sucrejia und ihrer Kammerfrau im Parke zu.

Lucrezia wurde von ihrem Gatten sehr ver­nachlässigt, der Herzog ging am liebsten seinen eigenen Vergnügen und Liebhabereien nach. Die Stadt kannte dieses keineswegs angenehme Ver- hältniß zwischen den beiden Gatten, und Viele wollten leichtfertiger Weise für den Herzog darin -eine Entschuldigung finden, daß seine Gemahlin so viel älter war als er. Lucrezia wurde von den Hofleuten viel strenger bemtheilt, und als daher Tasso so viel mit ihr verkehrte und sie durch seine Dichtungen zu zerstreuen suchte, waren die Hofschranzen gleist) bei der Hand, elende Verleum-

Als das Stück beendigt war, ließ der Herzog den Dichter in seine Loge rufen. Hier lobte er ihn mit den schmeichelhaftesten Worten und fetzte ihm vor dem beifallspendenden Publicum einen Kranz mit goldenen Blättern auf die Locken.

Tasso war verwirrt, denn einen solchen Ausgang Mte er sich nicht gedacht. Niederknieend empfing er den Kranz und gelobte dem Herzog lebens« längliche Treue und Anhänglichkeit. Eleonore, es sonst gerne vermied, öffentlich mit dem dichter zu verkehren, kam ebenfalls in die Loge «nb reichte ihm bie Hand. Ihr Auge leuchtete wie verklärt, unb sie hatte sich niemals so glücklich gefühlt, als an bem heutigen Abende, da war es ?ohl M entschuldigen, daß sie die Hand lange in ^Mnigen ruhen ließ unb sie sanft drückte.

®Qtl3 Ferrara sprach in den nächsten Tagen nur »on Tasso's Aminta, unb sein Ruhm verbreitete üch nach allen Richtungen; auch nach Pesaro ge« *®nßte die Nachricht, unb bie Herzogin von Urbino i«ute sich eben so innig, wie Eleonore.

. Sie schrieb an ihren Bruber: „Alle Welt Mcht von Tasso's Aminta. Ich bin in bet hat begierig, bas Schäferspiel kennen zu ler- e» unb es aus bes Dichters eigenen Munde zu Wen. Ich bitte dich deshalb recht inständig, ihn