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Jg 132. Mittwoch, den 13. Juni 1883.

Fuldm W Itilung.

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Die Verhandlungen über die kirchenpolitische Vorlage.

Berlin, Dienstag, 12. Juni.

In der heutigen Sitzung des Abgeord­netenhauses erfolgte die offizielle Mittheilung von der Mandatsniederlegung des Abg. v. Bennigsen.

Bei der Fortsetzung der ersten Berathung der kirchenpolitischen Vorlage erhielt heute zu­erst der Äbg. Dr. W i n d t h o r st das Wort. Derselbe griff auf die gestrige Debatte zurück, um zunächst den Ausführungen des Abg. v. Zedlitz gegenüber auf die hohen Aufgaben der Kirche, als der Stütze jedes geordneten Staatswesens, hinzuweisen. Den von diesem Herrn angekündigten Repressiv-Kodex werde er mit Ruhe erwarten; inan werde sich ge- gen Repressiv- wie Präventivmaßregeln zu wahren wissen. Wenn das Centrum die Vorlage ohne Amendirung annehme, würde man schließen können, daß dasselbe den kirchlichen Gerichtshof als Insti­tution anerkenne. Daß Graf Limburg - Stirum den Frieden aufrichtig wolle, davon sei er über- zeugt, aber wenn die Konservativen nur innerhalb des Rahmens der Vorlage und dieselbe nur als Ganzes anltehmen wollen, dann würden wir bald sestliegen. Er nehme indeß an, daß man sich nicht so strikte an die Wortfasiung halten dürfe. Der Abg. Richter habe sich auch gestern wieder mit der Haltung der Centrumsfraktion beschäftigt. Dieselbe werde aber stets nur aus sachlichen Gründen han­deln und eigentliche Volksrechte nie preisgebe»; aber sie wisse ebenso, daß die Beschränkung des Einzelnen im Interesse des Ganzen nöthig sei, und zwar nicht gegen die Freiheit, sondern für die Freiheit. In der vorliegenden Frage habe aller­dings der Abg. Richter den Weg der Freiheit mehr wie Andere erkannt. Er wolle nur hoffen, daß es ihm nicht gehe, wie einem anderen Führer dieses Hauses, daß ihm im gegebenen Momente die Trup- pen den Dienst versagen. An der Rede des Herrn Ministers habe ihn gefreut, daß auch er die Hoff­nung habe, daß die Kommissionsberathungen einen gedeihlichen Ausgang nehmen werden. Hoffent­lich werde der Minister dem entgegenkommenden

Torquato Tasso. 24

Ein Dichterleben.

|ee Wilhelm Herchkitzach.

(Fortsetzung.)

Eines Tages überreichte die Herzogin dem Taffo tie fertige Stickerei, deren Allegorien nicht miß- verstehen waren und, sah ihn dabei mit einem so bedeutungsvollen Blicke an, daß er ganz ver- wirtt wurde.

Jetzt sagte er sich, daß ein längeres Verweilen Mhrlich sei, und er dachte an die Rückkehr nach Ferrara, aber er durfte ihr nicht unfreundlich ent­gegenkommen, nicht gleich nach dem erhaltenen Ge­schenke abreisen.

Sobald es anging, verließ er Pesaro und reiste M Ferrara zurück, um sein großes Gedicht wie- fkr aufzunehmen und nebenbei kleinere Arbeiten ^unternehmen. Eleonore erhielt nun fast täglich ein «edrcht von ihm, sie freute sich seiner Liebe und Aufmerksamkeit, las sie mit Vergnügen durch und hob sie sorgfältig auf.

$on ihr aufgemuntert schrieb er nicht allein feinem Gedichte, 1 andern verfaßte auch das Schauspiel „Aminta." Eleonore war entzückt von demselben und veranlaßte ihren Bruder, es sich vor- M zu lasten. Der Herzog beraumte einen Abend ^azu an und horchte mit der gespanntesten Auf- ^rksamkeit. Als Tasso geendet hatte, reichte ihm oer Herzog die Hand und sprach: „Das ist eine ®an$ vortreffliche Leistung, welche alle Produkte

Worte mit der That folgen. Daß er (Redner) sich jetzt mit seiner Stellung vom 28. April im Widerspruch befinde, könne er nicht zugeben, be­sonders habe er in den Ausführungen des Herrn Ministers eine Auskunft über die Endziele der Regierung in dieser Frage vermißt. Allerdings möge es zur Zeit der Regierung innoportun er­scheinen, hierüber eine öffentliche Erklärung abzu­geben. Er werde diese Anfrage aber in der Kom­mission wiederholen. Von dieser Antwort werde die Haltung seiner Freunde wesentlich abhängig sein müssen. Daß die Vorlage der vom Hause beschlosienen Resolution entspreche, sei nicht richtig, der Kernpunkt des Antrages vom 25. April werde gar nicht getroffen. Auf die Anschauungen der Nationalliberalen würde viel ankommen, viel Hoff­nung auf deren Entgegenkommen habe er freilich nicht. Dieselben sollten doch endlich begreifen, daß die Nation nicht mehr geschädigt werden könne, als durch Fortdauer des Kulturkampfs.

Abg. Dr. Virchow führt aus, augenblicklich handle es sich darum, unter den bestehenden Noth- verhältnissen die beste Lösung zu finden. Aller­dings sei die Berathung der Vorlage schwierig, weil der Minister sich über die Gesammtauffassung der Regierung nicht ausgesprochen habe. Das Ab­geordnetenhaus käme dadurch in eine schlimme Lage, nachdem die Regierung der Kurie gegenüber ihre Stellung so oft gewechselt habe. Ein Ergeb- niß von der neuen preußischen Gesandtschaft in Rom sei nicht zu erkennen. Gestehe doch auch die Begründung der Vorlage gleich in der ersten Zeile zu, daß die Bemühungen der Staatsregierung auf Herstellung des Friedens vergebliche gewesen. Der­selbe werde auch auf bisherigem Wege nicht er­reicht werden. Betreffs der Einzelheiten der Vor­lage theile er mit dem Abg. Dr. Windthorst die Aversion gegen den kirchlichen Gerichtshof. Aber im Interesse der Regierung selbst liege es, die Entscheidungen aus der Hand des Ministers herauszulasten. Seine Freunde wollten auch die Machtbefugnisse des Ministers nicht erweitern. Vorn Herrn Minister möchte er eine Erklärung darüber haben, welche Stellung er im Allgemeinen

der Neuzeit in Schatten stellt. Sie würden mir deshalb eine große Freude machen, wenn sie das Stück auf unserem Hoftheater wollten aufführen lassen."

Taffo war über die Huld des Herzogs im höchsten Grade entzückt und traf sogleich die noth- wendigen Veranstaltungen. Seine Feinde, die das Stück noch nicht kannten, triumphirten schon im Voraus, denn sie hatten die Absicht, alle möglichen Mittel anzuwenden, um das Stück zum Falle zu bringen. Taffo kannte ihr Vorhaben recht gut, darum suchte er sich unter den Hof­leuten diejenigen heraus, die ihm wohl wollten und forderte sie auf, beim Einstudieren ihr Mög­lichstes zu thun, um das Stück zur Geltung zu bringen. Eleonore selbst übernahm eine Rolle und hatte dadurch Gelegenheit auf die übrigen Darsteller auf das Beste einzuwirken.

Am 16. April 1573 fand die Aufführung statt. Auf den Wunsch des Herzogs hatte sich der ganze, in zwei Lager getheilte Hof versammelt. Die­jenigen, welche dem Dichter übel wollten, konnten den Anfang kaum erwarten; es dauerte ihnen zu lange, bis sie die Gelegenheit fanden, den Dichter in den Koth zu treten.

Herzog Alfons und seine Gemahlin hatten in einer Loge Platz genommen und sahen mit Ver­gnügen , daß sich der Saal immer mehr füllte, aber Alfons bemerkte auch die heimliche Schaden­freude und die listige Verschlagenheit auf den Gesichtem von Tasto's Feinden.

in Bezug auf die Frage der Vorbildung der Geist­lichen einnimmt. Er wünsche, daß die Regierung in diesem Punkte fest bleibt.

Abg. Cremer begrüßt die Vorlage um so mehr mit Freuden, als er seit Jahren deren Ziele als wünschenswerth bezeichnet habe. Die Vorlage könne auch nur mit Befriedigung von allen Seiten angenommen werden, denn bis auf den Art. 4 be­sagen alle anderen Artikel nichts weiter, als daß die Regierung bisherige Rechte aufgebe. Im Art. 4 sehe er die Auffassung der Regierung', wie sie das Einspruchsrecht zu gestalten gedenkt. Ob es ihr gelingen werde, sich darüber mit der Kurie zu verständigen, stehe nicht zur Frage. Ihn genire der Art. 4 hier nicht, und er würde das Gesetz auch annehmen, wenn es nicht ohne den Art. 4 zu haben wäre.

Abg. Dr. Gneist erklärte, der vorliegende kir­chenpolitische Gesetzentwurf eigene sich wohl weniger als jeder andere, vom Standpunkte der dermaligen Stellung der Fraktionen beurtheilt zu werden. Bis­her habe noch kein civilisirter Staat die Möglich­keit gefunden, mit den Ansprüchen des kanonischen Rechts auf kirchliche Gewalt zu bestehen, ohne posi­tive Grenzlinien zu ziehen. Die Falk'sche Gesetz­gebung verfolge in dem jetzt vorliegenden Theile lediglich den Zweck, daß nicht die Kampflust der Geistlichkeit der maßgebende Titel zur Ernennung und zur Beförderung im Amte werde, und daß nicht die gejammte Bildung und geistige Richtung der wichtigsten Lehrer de« Volkes sich dem gemein­samen Boden unseres nationalen Denkens und Le­bens allzu weit entfremde. Der Staat beschränke sich zu dem Zwecke auf das Einspruchsrecht in den engsten Grenzen, welche in irgend einem deutschen Staate vorkommen. Da auch dies den Ansprüchen des kanonischen Rechts noch nicht Genüge leiste, so ergebe sich der Friede erst bann, wenn der Staat auf sein Einspruchsrecht überhaupt verzichte. Das praktische Resultat sei dann gewiß, daß Konflikte zwischen der Staatsregierung und den Bischöfen allerdings für den Augenblick aufhören. Im Uebri- gen pries der Redner seine unseligen Mai-Para­graphen als- eine höchst weise und maßvolle Lösung

„Meine liebe Barbara"? flüsterte er, indem sich zum Ohre seiner Gattin neigte, Taffo hatt mehr Feinde als Freunde, und ich fürchte, daß fein Stück jämmerlich zerzaust wird, wenn wir ihm nicht zur Hülfe kommen."

„Es ist unsere Pflicht, mein Gemahl, darum wollen wir mit unferm Beifalle nicht kargen."

Der Herzog lächelte zufrieden und schaute nun ohne Bekümmemiß der Aufführung entgegen. Nachdem sich der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt hatte, gab er das Zeichen zum Beginne, und der Vorhang rauschte in die Höhe. Lautlose Stille und die ungetheilteste Aufmerksamkeit herrschten. Schon bei den ersten Versen begannen die Augen des Herzogs zu leuchten, denn was er hörte, war wirkliche Poesie, und er durste seinen Beifall zollen, ohne ungerecht zu werden.

Damit ihm die Neider nicht zuvorkamen, be­nutzte er die erste paffende Gelegenheit, klatschte in die Hände und rief: Bravo, Bravissimo!"

Die Augen aller Anwesenden wandten sich nach der herzoglichen Loge, und die Verehrer Taffo's stimmten in den Rrf um so lieber und um so lauter ein, weil auch die Herzogin dem Dichter applaudirte.

„Der Teufel reitet den Herzog", flüsterte Pigna seinen Freunde Montecatini zu; er applandirt fast vor dem Beginn.

„Wir müffen uns fügen", entgegnete Geraldini, denn gegen den Willen des Herzogs ist nicht an­zukommen.