Einzelbild herunterladen
 

Dienstag, den 12. Juni

MW

ZZ^uiäae^Äettun? erscheint titqlrch. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Psg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Ster«e Utt6 Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Psg., auswärts 1 R. 75 Psg.

Inserate: Die sierspaltige Zeile oder'deren Raum 15 Psg., sog. Platzannoncen 10 Psg.; be, Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Die Verhandlungen über die kirchenpolitische Vorlage.

Berlin, Montag, den 11. Juni.

In der heutigen Sitzung des Abgeordneten­hauses kam vor dichtbesetzten Tribünen der Ge­setzentwurf betr. Abänderungen der kirchen­politischen Gesetze zur Verhandlung.

Die Verhandlungen begannen unter dem Ein­drücke der überraschenden Nachricht, daß Herr von Bennigsen sein Mandat für beide Parlamente niedergelegt habe.

Der erste Redner gegen die Vorlage Abg. Reichensperger (Olpe) betonte einleitend, daß die Vorlage von der katholischen Bevölkerung nur mit gemischten Gefühlen ausgenommen sei. Denn wenn dieselbe auch anerkenne, daß der Entwurf g e- wisse Milderungen der bestehenden Zu­stande enthalte, so solle doch nur der äußersten Roth abgeholfen werden. Es solle nur erst eine Nothseelsorge ermöglicht werden. Es frage sich aber, ob nicht die 10 Millionen preußischer Katho­liken moralisch und politisch ein Recht auf volle Religions- und Kultusfreiheit oder wenigstens einen Anspruch darauf hätten, daß gemäß dem Votum dieses Haufes in eine org anische Revision der Falk'schen Maigesetzgebung eingetreten werbe. In den Motiven werde anerkannt, daß für die Auf­rechterhaltung der Anzeigepflicht in ihrem heutigen vollen Umfange keine Nothwendigkeit vorliege, und doch habe man diese Pflicht volle zehn Jahre be­stehen lassen! Er sage das nicht, um der Re­gierung Schwierigkeiten zu bereiten, sondern um den Anlauf zu verstärken, den die Regierung jetzt gegen die Kirchengesetze genommen. Die letzteren aufrecht zu erhalten, sei aber absolut unmöglich. Aber wenn die Vorlage die von ihr zugestandenen Forderungen der Katholiken an sich als berechtigt anerkenne, wie komme dann ein der Regierung so nahe stehendes Blatt, wie die ,Nordd. Allg. Ztg.' dazu, die Vorlage damit zu rechtfertigen, daß die Regierung gezwungen sei, sie deshalb zu machen, um nicht in das Fahrwaffer der Fortschrittspartei zu gerathen. Und dann, was nütze die Ein-

23

Torquato Tasso.

Ein Dichterleben.

fee MitHel« gerchevtich.

(Fortsetzung.)

»Es kann Ihnen nichts schaden", fuhr der Herzog Alfons fort, wenn Sie klug sind. Un vorsichtige Handlungen und Aeußerungen aber sind nirgends von größerer Gefahr, als an einem Hofe, wo die Jntriguen und Verdächtigungen niemals aufhören. Bald hoffe ich von den Früchten Ihrer Muße etwas zu hören".

Taffo verneigte sich und versprach, den Winken des Herzogs zu folgen.

Dieser nahm noch einmal das Wort und sprach: »die Herzogin Lucrezia von Urbino, meine erlauchte Schwester, ist Ihre Hauptfürsprecherin gewesen. Vergessen Sie nicht, Ihr einen Besuch zu machen und sich dankbar zu bezeigen. Und nun frisch an die Arbeit, mein lieber Taffo!"

Als Eleonore hörte, daß ihr Bruder ihn nach Pesaro schickte, zog sie anfangs die Brauen zu­sammen, gab aber doch bald nach, denn Lucrezia wußte ja längst, wie es um ihr Herz stand, und da sie durch die Fürsprache auch ihr einen Dienst gleistet hatte, so hielt sie es ebenfalls für ganz angemeffen, daß sich Taffo dankbar bezeigte.

Der Dichter athmete in seiner neuen Stellung wleder auf und versprach sich das Beste und Schönste von der Zukunft. Der Herzogin von

schränkung der Anzeigepflicht, wenn die Bischöfe nicht vorhanden, um die vakanten Stellen zu be­setzen, und wenn, wie dies kürzlich geschehen, Geistliche bestraft würden, welche die Rechte ab­wesender Bischöfe ausüben. Die neu geweihten Priester seien aber auch vielfach nicht in der Lage, den Anforderungen der Maigesetze zu genügen. Sie hätten vielfach ihre Studien nicht auf deutschen Universitäten gemacht und müßten erst die Gnade des Ministers anrufen, um sie von diesen An­forderungen zu dispensiren. Seine Freunde würden ihre definitive Stellungnahme der Vorlage gegenüber von der Gestaltung abhängig machen, welche die­selbe in der Kommission erfahren werde. Für die Aufrechterhaltung des Einspruchsrechts der Regie­rung berufe man sich mit Unrecht auf die Gesetz­gebung anderer Staaten. Gegen die Fassung und gegen die ganze Redaktion des Entwurfs beständen für ihn wichtige Bedenken. Eine prinzipielle An­erkennung der Maigesetze sei für seine Freunde ausgeschloffen. Das Centrum gehe nach wie vor von dem Grundsätze aus, daß mit der Religions­freiheit alle politische Freiheit zusammenhänge. Was die anderen Parteien des Hauses betreffe, so rechne er zwar nicht auf die Unterstützung der Freikonservativen, mit mehr Vertrauen sehe er aber auf die Konservativen. DieLinke, namentlich der Abg. Richter habe zu seinem Be­dauern gegen das Centrum in der letzten Zeit mehrfach den Vorwurf der Liebedienerei und des Servilismus erhoben. Da sollte die Fortschritts­partei doch im Grunde recht gern bereit sein, solchem Zustande ein Ende, zu machen. Jndeß, wenn jene Behauptungen wahr wären, hätten wir längst den kirchlichen Frieden. Habe doch der Reichskanzler dem Prinzen Reuß ausdrücklich er­klärt, daß an der Opposition des Centrums in anderen gesetzgeberischen Fragen der Versuch zum Frieden scheitern müsse. Man möge doch auch dazu beitragen, daß dieses Damoklesschwert über dem Haupte des Centrums weggenommen werde. Sonst könnte das katholische Volk wirklich einmal auf die Idee kommen, in der vom Reichskanzler genannten Richtung zu handeln. Auf ihn mache

Urbino aber kündigte er feinen Besuch an und fragte, wenn es ihr angenehm sei, ihn zu empfangen. Sie schrieb unverzüglich zurück, daß sein Besuch ihr zu jeder Stunde angenehm sei, daß er sich aber darauf einrichten solle, mindestens einige Wochen in Pesaro zu verweilen.

VI.

Lucrezia befand sich zu Pesaro nicht in der rosigsten Lage. All' das Schöne, was sie sich vom Ehestande gedacht hatte, ging nicht in Erfüllung. Ihr Gatte, der Herzog von Urbino, war nicht allein bedeutend jünger als sie, und lebte deshalb in ganz anderen Gedanken und Empfindungskreisen, sondern er hatte auch wenig geistige Berührungs­punkte mit ihr gemein.

Sehr bald war er seiner Gattin überdrüßig und suchte andere Vergnügungen auf, so daß sie so ziemlich auf sich selbst angewiesen war. Anfangs langweilte sie sich nur, dann begann sie zu zürnen, und zuletzt zog sie Vergleiche zwischen dem Herzoge und Taffo. Diese fielen ganz entschieden zu Gunsten des Dichters aus, dem sie immer wohlgewollt hatte.

Hätte sie jetzt tauschen und Taffo zu ihrem Manne machen können, so würde sie sich keinen Augenblick bedacht haben, selbst dann nicht, wenn die Herzogskrone dabei in Trümmer gefallen wäre.. Je länger sie an ihn dachte, desto heftiger wurde das unselige Verlangen, wieder in seiner Nähe zu sein. Nicht allein ihre Gedanken beschäftigten sich mit ihm, sondern sie begann auch eine Stickerei für

es den Eindruck, als wolle man jetzt versuchen, die Festung nach zehnjähriger Belagerung zur Uebergabe zu zwingen. Nachdem der Staat das rechtliche und auch das materielle Patrimonium der Kirche an sich gerissen, biete er der Kirche heute ein Geringes. Betrachte man die heutigen Zustände, gewahre man das Ueberwuchern der Socialdemokraten, so werde man zugeben müffen, daß nur die religiöse Grundlage in der Familie diese Gefahren zn beseitigen im Stande sei. Das Centrum werde bemüht sein, wenigstens einen Theil der Rechte der katholischen Kirche und ihrer Geistlichen in der gegen­wärtigen Vorlage zurückzuerobern.

Der Abg. Frh. von Zedlitz-Neukirch er­klärte Namens der Freikonservativen, trotz­dem der Staat nicht Schuld an der Seelsorgen- noth habe, wolle seine Partei nicht auf dem Stand­punkt des Abwartens stehen bleiben, sondern helfen, soweit es unter Wahrung der Autorität des Staates und des Prinzips der Maigesetze möglich sei. Redner kündigte Anträge an, welche Repres­sivmaßregeln aufnehmen, weil die Anzeigepflicht theilweise preisgegeben wurde und spricht für Ueberweisung an eine Kommission.

Abg. Dr. Windthorst beantragt die Ueber­weisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern zur gründlichen Prüfung. Nachdem die allgemeinen Gesichtspunkte von seinem Freunde Reichensperger dargelegt, könne er sich auf einige Bemerkungen beschränken, die indeß weder für ihn selbst, noch für seine Partei bin­dend seien, sondern nur einen informatorischen Zweck hätten. Mit Sicherheit ergebe sich aus der Vorlage nicht, ob die Regierung die Absicht habe, die Verhandlungen mit Rom abzubrechen, um nur auf dem Wege einteiliger Gesetzgebung das Ver- hältniß zwischen Staat und Kirche zu regeln. Ohne Mitwirkung des hl. Stuhles werde sich in keinem Falle ein günstiges Resultat ergeben. Die Vorlage sei nicht das Produkt eines nach großen Zielen arbeitenden Staatsmannes, sondern das Produkt geheimräthlicher, maigesetzgeberischer Tüf­teleien. Als der Kulturkampf begonnen, sei das

ihn, eine große Arbeit, in welcher sie das Zu­sammensein im Ferrara, die Ränke seiner Feinde und seine Abreise nach Paris allegorisch behandelte.

Das war eine Art, sich zu trösten, die mit ihren Pflichten als Gattin schlecht übereinstimmte, aber sie setzte sich darüber hinweg und meinte, wenn der Herzog sich in Wirklichkeit vergnüge, so könne es ihr doch nicht verargt werden, wenn sie sich in Gedanken und Erinnerungen erginge. Sie that es i r vollstem Maaße und arbeitete mit einem un­ermüdlichen Fleiße an ihrer Stickerei, hoffend, daß sie noch Gelegenheit finden werde, ihm dieselbe zu übermachen.

Da kam der Brief von ihrer Schwester, worin diese sie ersuchte, sich beim Herzoge für die Rück­kehr Taffo's zu verwenden. Mit Feuereifer ging sie auf die Bitte ein, denn nun hoffte sie, häufige Gelegenheit zu haben, ihn zu sehen.

Als er nach Pesaro kam, empfing sie ihn mit einer Liebenswürdigkeit, die selbst einen kalten Mann entzückt hätte. Sie machte kein Hehl daraus, wie sehr sie sich nach ihm gesehnt hatte, verschwieg ihm auch nicht, daß sie sich in ihrem Ehestände nicht glücklich fühlte. Taffo war anfangs von ihren leuchtenden Augen, von ihrer Zuvorkommenheit und Vertraulichkeit fast erschreckt, und er wünschte, in Ferrara geblieben zu sein, aber sie wußte ihn täg­lich mehr für sich einzunehmen, machte ihn ganz zu ihrem Vertranten und zum Mitwiffer ihrer Ge- heimniffe. (Forts, folgt.)