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Beiblatt zu Nr. 129 der,Fuldaer Zeitung/

K> Wie ein Fürst sehr rasch die Liebe der Staats-Angehörigen erwerben kann,

hat sich jüngst in der Stadt Luxemburg gezeigt. Auch in diesem kleinen Ländchen gibt es eine libe» ral angehauchte Partei, und wenn Alles nach ihrer Mütze ginge, würde dort der Kulturkampf ebenso lustig in die Aehren schießen, wie in Deutschland. Diese Panei glaubt damit dem König von Holland, weil er protestantisch ist, einen Dienst zu erweisen, aber wie stark sie sich in diesem Punkte verrechnet hat, das machte ihnen der König-Großherzog selbst klar. Die Luxemburger hatten ihm einen festlichen Empfang bereitet und desilirten in langen Reihen an dem alten Schlöffe vorüber, auf dessen Balkon der Fürst in der Sonne stand. Nachher war in demselben Schlöffe großer Empfang. Der König schritt mit ernsten Mienen durch die Reihen, sprach aber nur hin und wieder ein paar Worte und selbst die Minister mußten sich fast mit stummen Blicken begnügen. Jetzt wandte er sich zu dem greisen Bischöfe Adamis. Seine kräftige Stimme schallte so laut und vernehmlich durch den Saal, daß man sie im fernsten Winkel deutlich vernehmen konnte.

„Hochwürdigster Herr Bischof," sprach er, „in meinem Großherzogthume Luxemburg herrscht ein vortrefflicher Geist, ein Geist der Ordnung und der guten Sitte, über den sich jeder Wohldenkende freuen muß, und ich freue mich am meisten dar« über. Ihnen allein, Hochwürdigster Herr Bischof, Ihrem treuen Wirken und Ihrem vortrefflich m Beispiele ist dieser gute Geist zu danken, und ich nehme gerne Gelegenheit, dieses öffentlich zu er­klären und Sie zu bitten, auch in der Zukunft diesen Geist wach zu erhalten."

Die Liberalen hatten eine solche Sprache nicht erwartet. Sie kam ihnen wie ein Blitzschlag aus heiterm Himmel und sie ließen beschämt die Köpfe sinken. Es war um so unangenehmer für sie, weil sie sich mit entgegengesetzten Gedanken getragen und schon lange im Stillen Jntriguen gegen den Bischof gespielt hatten. Der Großherzog aber ließ es bei dieser Anerkennung noch nicht bewenden, sondern fügte noch eine zweite Auszeichnung hinzu. Beim Mahle gab er ihm den Platz zwischen sich und der Großherzogin und drückte ihm während des Essens wiederholt die Hand, so daß es von allen Seiten bemerkt werden mußte.

Die Bevölkerung von Luxemburg hat seitdem den König-Großherzog tief in ihre Herzen einge­schloffen und die Begeisterung hat eine wahrhaft großartige Höhe angenommen. Man fühlt es heraus, daß der protestantische König von Holland seinen katholischen Unterthanen im Großherzogthum Luxemburg den Kulturkampf ersparen will, und man ist ihm aufrichtig dankbar dafür.

Schreiber dieses hatte die Freude, dem Bischof vorgestellt zu werden. Der bescheidene Seelenhirt erkannte die mächtige Anregung des Königs-Groß- Herzogs dankbar an, aber von seinen eigenen Ver­diensten wollte er nichts hören; das Lob, welches ihm gezollt worden war, acceptirte er nur für die Sache, die er vertrat.

Warum fällt es nun bei uns so schwer, dem leidigen Kulturkämpfe, der die Herzen der Katho­liken nun schon seit 10 Jahren anfröstelt, ein Ende zu machen? Die oft gehörte Phrase, daß sich die volle Freiheit des Katholicismus mit dem Gedeihen des Staates nicht vertrage, ist ja doch nur eine unbewiesene und wohl auch nicht ernst gemeinte Behauptung. Im Grunde genommen hat man im Anfänge doch nur daran gedacht, die katholische Kirche unter die protestantische zu beugrn und dem protestantischen Kaiserthume eine breite Grundlage zu geben. Viel verdienstlicher und ersprießlicher wäre es, wenn man das zündende Königswort: „Ich will mit meinem Volke im Frieden leben", auch jetzt wiederholte. Der Ruinen sind mehr als zu viel; man muß endlich wieder an's Anfbauen und Wundenverbinden denken.

Sonnabend, den 9. Juni 1883.

□ Der Salz-, Zucker- und Bierver­brauch im deutschen Reich.

Einen der zuverlässigsten Maßstäbe zur Be- urtheilung der wirthschaftlichen Lage der Bevölkerung bildet ihre Consumtionskraft. Dieselbe läßt sich wenigstens an denjenigen Artikeln messen, über deren Verbrauch — weil derselbe der Versteuerung unterliegt — genaue Aufzeichnungen vorhanden sind.

Der Verbrauch eines zum Leben so nothwendigen Artikels wie des Salzes wird freilich keine wesentlichen Schwankungen zeigen, wie sehr sich auch die Verhältnisse ändern. Denn es wird bei zunehmendem Wohlstände Niemanden einfallen, seine Speisen mehr zu würzen und umgekehrt. Der Salzverbrauch zu Speisezwecken ist int deutschen Reiche zwar von 298,461 Tonnen im Jahre 1870 auf 343,718 im Jahre 1881 — 82 gestiegen; indessen entspricht diese Zunahme fast genau der Zunahme der Bevölkerung. Wenn man daher den Salzverbrauch pro Kopf der Bevölkerung be­rechnet, so ergiebt sich das von vornherein wahr­scheinliche Resultat, daß im Durchschnitt in den beiden letzten Finanzjahren der Salzverbrauch genau derselbe ist, wie im Durchschnitt der letzten 12 Jahre. Derselbe beträgt 7,7 Kilogramm auf den Kopf der Bevölkerung.

Eine ähnliche Beobachtung wie beim Salze läßt sich beim Zucker machen, denn auch dieser ist schon seit langer Zeit aus einem Luxusgegen­stand ein nothwendiges Lebensbedürfniß geworden. Immerhin dient der Zucker auch zu sehr vielen Verzehrungsgegenständen, die in das Gebiet des Luxus fallen, zu Confituren, Bonbons, Backwaaren und allerhand anderen Näschereien; daher wird sich der Zuckerverbrauch bei zunnehmendem Wohl­stände, wenn auch nicht in sehr auffälligem Grade, doch immerhin bemerkbar steigern und sich bei ungünstigen Schwankrmgen des Erwerbslebens ver­mindern. In der That ergiebt sich aus der Zuckerstatistik des deutschen Reiches, daß der Zuckerverbrauch in den Jahren wirthschaftlichen Aufschwunges 1871—75 höher war, als in der darauf folgenden Periode des Rückganges im Er­werbsleben 1876—80/81. Denn während in der erstgenannten Zeit der Zuckerverbrauch 6,7 Kilo­gramm auf den Kopf der Bevölkerung ausmachte, betrug er im Durchschnitt der zweiten nur 6,8 Kilo­gramm. Gegenwärtig aber scheint sich dem erfreulichen Aufschunge in den Gewerben entsprechend der Verbrauch wieder etwas gehoben zu haben; denn derselbe betrug nach den neuesten Ausweisen über das Finanzjahr 1881/82 in diesem Jahre 6,4 Kilo­gramm pro Kopf der Bevölkerung.

Eine andere wichtige Thatsache, welche die Zucker- statistik enthält, besteht darin, daß sich die Pro­duktion von deutschem Zucker so sehr gehoben hat, während die Einfuhr von ausländischem in gleichem Verhältniß herabgesunken ist. Während im Finanz­jahr 1871 — 72 die Produktion von deutschem Zucker 186,000 Tonnen und die Einfuhr von aus­ländischem 49,000 Tonnen ausmachte, betrug im Finanzjahr 1881—82 die deutsche Zuckergewinnung 599,000 Tonnen und die Einfuhr ausländischen Zuckers nur 5000 Tonnen. Gleichzeitig aber ver­mehrte sich auch die Ausfuhr deutschen Zuckers von 14,000 Tonnen im Jahre 1871 — 72 auf 317,000 Tonnen im Jahre 1881—82.

Ganz anders wie der Verbrauch von Salz und Zucker schwankt derjenige von Bier. Denn da Jedermann ohne Bier leben kann, hat dasselbe im eminenten Grade den Charakter eines Luxus-Ge­genstandes. Sein Verbrauch muß daher mit den Einkünften des Volkes in hohem Grade merkbar steigen und sinken. Dem zufolge finden wir auch, daß der Bierverbrauch in der Periode von 1872 bis 75 in der folgenden Weise stieg:

Verbrauch auf den Kopf der Bevölkerung.

1872 . . . 81,4 Liter,

1873 . . . 90,4 „

1874 . . . 92,4 „

1875 . . . 93d „

Dagegen sank der Bierverbrauch in den Jahren 1876 bis 1879/80 wie folgt:

Verbrauch auf den Kopf der Bevölkerung.

1876 . . . 91,5 Liter,

1877/78 . . 88,9 „

1878/79 . . 87,6 „

1879/80 . . 83,o „

In den beiden letzten Finanzjahren 1880/81 und 1881/82 bewegte sich dagegen der Bieroer­brauch wieder in steigender Linie. Denn derselbe betrug in diesen beiden Jahren 84,2 und 84,3 Liter pro Kopf der Bevölkerung.

Ejne weitere Untersuchung würde ergeben, daß sich die Schwankungen des Consums nicht nur in den Mengen, sondern auch in den Qualitäten des genossenen Bieres ausprägen, indem bei zunehmen­dem Wohlstand der Verbrauch der theureren Biere steigt, sowie derjenige der billigen einfachen Biere sinkt und umgekehrt.

S Bunte Blätter.

1.

Gesellige Unterhaltungen ans alten Lagen.

(Schluß.)

Die Bühne, auf welcher das Volksdrama auf­geführt wurde, mar anfänglich nur ein Bretter­gerüst an öffentlicher Straße, die Schauspieler waren Dilettanten. Die Frauenrollen wurden, wie auch noch lange nachher, durch Knaben ge­geben. Das erste' Schauspielhaus wurde von den Nürnberger Meistersängern im Jahre 1550 erbaut. Es war dies eine bedachte Bühne, vor welcher die Schauspieler unter freiem Himmel saßen. Durch den letzteren, oft sehr fühlbaren Uebelstand entwickelte sich die Unsitte, daß Leute, welche sich bevorzugt hielten, an den Seiten auf der Bühne Platz nahmen. Gesellschaften und Truppen berufsmäßiger Schauspieler traten gegen Ende des 16. Jahrhunderts auf und wurden seit dem Beginn dieses Jahrhunderts bereits an den Höfen der Fürsten gehalten. Auch kamen bereits englische Schauspieler nach den Niederlanden und nach Deutschland und haben daselbst durch ihre fortgeschrittene Bühnenkenntniß und dramatische Begabung zur raschen Entwicklung des Theaters bedeutend beigetragen. In den Städten räumte man für die englischen Gastspiele sogar die Rath­häuser ein, woraus man wohl ersehen kann, daß damals die Bedeutung des englischen Dramas bereits allgemein gewürdigt wurde. Um das Jahr 1630 war die Scenerie der Bühne schon ziemlich fort­geschritten, und selbst die Maschinerie hatte am Ende des 17. Jahrhunderts eine Entwicklung und einen Umfang erreicht, welche bei den allgemein noch sehr primitifen Hülfsmitteln der Darstellung staunenswerth erscheint. Ein bedeutender Fehler des deutschen Schauspiels war damals und blieb noch lange die vorwiegend allegorische Behandlung des ganzen darzustellenden Stoffes. Dieses allegor­ische Element zeigte sich auch vorwiegend in den Dekorationen und dem scenischen Beiwerke. So macht es heute einen recht drolligen Eindruck, wenn man sich vergegenwärtigt, daß fast auf allen Büh­nen in gleicher Weise ein von Gottheiten der an­tiken Mythologie, wie von Engeln der christlichen Lehre in trautester Harmonie bevölkerter Hinter­grund angebracht war, und daß dann diese in ihrem Wesen und ihrem Ursprung so himmelweit verschiedenen Figuren als die Schicksale der han­delnden Personen beeinflussend gedacht wurden.

Diese Götter- und Engelgestalten waren anfangs nur gemalt, später nahmen sie als bewegliche Figuren selbst an dem Spiel theil. Auf der Bühne figurirten meist auch noch als selbstständige Per­sonen die Vertreter des Humors, der Hanswurst und der Pickelhäring, welche zum Theil unver­wickelt neben dem Hauptstücke die unwillkürlichen Eingebungen ihrer Laune zum Besten gaben, zum Theil auch programmmäßig in den Stücken als abstrakte Personen bestimmte Rollen zu spielen hatten. Wie das deutsche Schauspiel sich allmäh-