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Fuldm 10B Ititung.

M 128. Freitag, dm 8. Juni 1883.

Die »Fulorer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- uno Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne «uL Blume«' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die »ierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

S Der erste Schritt auf dem Wege der neuen Social-Politik.

Von den großen socialpolitischen Vorlagen der Reichsregierung, welche durch die dem Arbeiter­stande darin gebotenen in die Augen springenden Vortheile einen Damm gegen die socialdemokrati­schen Wühlereien und insbesondere gegen die be­gründete Unzufriedenheit der großen Arbeiter-Be­völkerung bilden soll, ist das erste, das Arbeiter- Krankenversicherungs-Gesetz, nun so weit fertig ge­stellt, daß es zur Gesetzeskraft nur noch der Publi­kation bedarf. Obwohl der Entwurf jüngern Da­tums ist, als die Unfallversicherungs-Vorlage, so ist letztere nun doch von dem Krankenkasien-Gesetz über­holt worden. Hoffentlich wird es nicht allzu lange dauern, bis die auf derselben principiellen Grund­lage wie die Kranken-Versicherung beruhende Un­fall-Versicherung und die Alters- und Invalidi­täts-Versorgung zu Nutz und Frommen der Ar­beiter in Kraft treten kann.

Wir halten es für ein müssiges Unterfangen, jetzt wo das ganze Gesetz mit einer wahrhaft Achtung gebietenden Majorität angenommen ist, den einen «der anderen Paragraphen zu bekritteln, und zu untersuchen, ob nicht dies oder jenes hätte anders gefaßt werden können. Es ist ja auch wahrlich keine Kleinigkeit, sich schon jetzt über die Einzel­wirkungen eines Gesetzes ein Urtheil zu bilden, welches eine ganz -neue für unsere bisherigen Ver- hältniffe völlig ungewohnte Idee zu verwirklichen strebt. Was man auch gegen einzelne Bestim­mungen einwenden mag, man muß erst die Ge- sammtwirknng abwarten, ehe man ein abschließendes Urtheil fällt, und wenn sich auch auf Grund der Erfahrungen die Nothwendigkeit zu kleinsten Abän­derungen ergeben sollte, so lassen sich solche Mängel durch die gesetzgebenden Faktoren leicht und rasch be­seitigen. Es wird sich aber erst in einigen Jahren zeigen, ob diese ganze so großartig und feierlich eingelei­tete socialpolilische Action der Regierung wirklich den beabsichtigten Segen in vollen! Umfange stiften wird.

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Torquato Tasso.

Ein Dichter!eben.

K-« Wilhelm Drrchendach.

(Fortsetzung.)

Die Ereignisse häuften sich jetzt aufeinander, wie es gewöhnlich zu geschehen pflegt, wenn eine lange Zeit ruhig verlaufen ist. Lucrezia, Taffo's eifrige Beschützerin, hatte den Ehebund mit dem jungen Herzoge von Urbino eingegangen und verließ nun den Hof ihres Bruders. Als sie ging, reichte sie dem Dichter die Hand und gelobte, daß sie auch in der neuen Heimath seiner gedenken werde; aber ihr Abschied war für ihn nicht angenehm. Als er noch mit beiden Schwestern verkehren konnte, da hatte er immer eine gewiffe Freiheit, weil die Welt in dem Zusamensein zu dreien nicht so leicht etwas Arges finden konnte, aber jetzt durste er sich der Geliebten nur noch auf Schleichwegen nähern.

„Es ist gut so," sagte Eleonore, „je seltener wir uns sehen, desto weniger haben die Späher Veranlaffung, uns zu verdächtigen."

Da kam eines Tages der Kardinal in sein Ge- wach und forderte ihn auf, sich reisefertig zu wachen, da er mit ihm nach Paris müsse.

Taffo war wie aus den Wolken gefallen, denn es wäre ihm niemals in den Sinn gekommen, sich sobald von der Auserwählten seines Herzens trennen ?u muffen. Am Abend dieses Tages trafen sie sich

Für die Regierung bedeutet das Zustande­kommen dieses Gesetzes einen wichtigen Sieg über diejenigen Elemente der Opposition, welche das Wohl der arbeitenden Klasse stets im Munde füh­ren, welche den armen schütz- und hilfelosen Arbeiter gegen den Fabrikherrn und die besitzende Klasse aufhetzen, die aber unter Vorschützung mancherlei billiger Gründe sich auf ihren Alles negirenden Standpunkt zurückziehen, sobald es sich darum handelt, dem Arbeiterstande in wahrhaft Er­sprießlicher Weise unter die Arme zu greifen.

Die jüngste kaiserliche Botschaft verlangte die Durchberathung des nächstjährigen Reichsetals mit dem alleinigen Hinweis auf die in der nächsten Wintersession des Reichstags zu vollendende sozial­politische Reform und den hierzu erforderlichen Zeitaufwand. Da die kaiserliche Botschaft ihrem Inhalte nach offenbar vom Reichskanzler herrührt, auch von ihm verantwortlich gegengezeichnet ist, so nahm man vielfach an, daß derselbe durch die jetzt schon erfolgende Berathung des Etats für 1884/85 seine bisher vom Reichstage entschieden abgelehnte Idee der zweijährigen Budgetperioden unmerklich der Verwirklichung näher bringen wolle. Dem sei, wie ihm wolle, die Majorität des Reichs­tages kann und wird den Etat in laufender Ses­sion durchberathen, ohne dadurch das Prinzip der einjährigen Etatsperioden preiszugeben. Wenn der Reichstag dabei einzig und allein die För­derung der sozialpolitischen Vorlage im Auge hat, so ist es völlig gleichgültig, ob Jemand etwas anderes dabei denkt. Der Reichstag wird im­mer derjenige sein, ohne dessen Zustimmung die gesetzliche Einführung zweijähriger Eiatsperioden unmögltch ist. Diejenigen aber, welche, wie die Herren Richter und Genoffen die Durchb.rathung des Etats momentan aus angeblich prinzipiellen Gründen zu bekämpfen und zu verhindern suchen, kommen nur zu leicht in den Verdacht, daß es ihnen vielmehr um die Aufhaltung der sozial­politischen Reform zu thun ist, die sie mit ge­wöhnlichen Mitteln doch einmal nicht hemmen können.

unter den Cypreffen, wo er sie zum ersten Male gesehen und nahmen unter Thränen und Betheu­rungen Abschied von einander.

Als sie sich zum letztenmale die Hand reichten, preßte er mit schwerem Herzen die Worte hervor: „Eieonore, Du weißt, daß es mir fast das Leben kostet, von Dir zu scheiden, denn wer kann sagen, welche Hinderniffe sich zwischen uns schieden, wenn wir einmal getrennt sind."

„Mein Freund," antwortete sie, „werfen wir unsere Sorgen auf den Herrn, er lenkt Alles zum Besten."

Er schwieg eine Weile, denn es drückte ihn et­was Anderes. Sein Vater, der so viel für ihn gethan, hatte noch keinen Grabstein erhalten. Sein Herz drängte ihn, dem Hingeschiedenen diese letzte Ehre zu erweisen, und seine Freunde und Ver­wandten erwarteten es ebenfalls; aber er war ohne Mittel. Sein Einkommen reichte kaum hin, seine Bedürfnisse zu decken, und in dem Wunsche, der Auserwählten seines Herzens zu gefallen, hatte er Ausgaben gemacht, welche seine Kiäfte über­stiegen. Verschiedene Male war er genöthigt ge­wesen, von dem Juden Abraham Levi zu Ferrara Summen zu leihen, für welche er Wucherzinsen geben mußte und die er noch nicht znrückzahlen konnte. Wie wäre er nun im Stande gewesen, dein Vater den Grabstein zu setzen?

„Eleonore," sprach er, „ich muß von hinnen wandern, ohne das Grab meines Vaters mit

Deutsches Reich.

Fulda, 8. Juni.

* (Preßstimmen über die kirchenpoli­tischen Vorlage.)

Der .Moniteur de Rome' bespricht in seiner neuesten Nummer den neuen Kirchenge­setz-Entwurf und conftatirt, daß derselbe gleich­zeitig die letzte preußische Note, ebenso wie die Art. 4 und 5 des Gesetzes von 1882 modificire, wel­ches die Kammer verwarf, die Note insofern, als der Vorschlag keinerlei Repreisiv- maßregeln enthalte, was beweise, daß Bismarck's Einschüchterung nicht zu fürchten sei. In der Vetosrage sei im Projecte eine Verbesserung gegen Art. 5 zu constatiren, da das neue Gesetz die Hilssgeistlichen nicht widerruflich nur für Provin­zen, sondern für ganz Preußen und regelmäßig zulasse, was freilich von wenig Werth sei, wenn bezüglich der Staatsangehörigkeit und dcr Vor­bildung die Maigesetze maßgebend blieben. Die Uebertragung der Vetobefugniß auf den Kultus­minister sei kein Fortschritt, sondern eine Jnstanz- und Verantwortlichkeitsverschiebung. Das neue Gesetz könne nicht das Signal des Bruches mit dem Vatikan sein, da es zwar ohne, aber nicht gegen den Vatikan gemacht wurde. Bis­marck, der die Verhandlungen nicht auf auf dem Panpaffu-Terrain fortsetzen wolle, habe in der letzten Note eine andere Basis vorgeschlagen. Da bcr Vatikan aba« auf Grund bar SRot» des StaatS- secretärs nur verhandeln wolle, so suche der Reichs­kanzler durch Sondergesetze eine vollendete That- sache zu schaffen, um auf deren Grundlage die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Der Reichs­kanzler hoffe dadurch das Paripaffu zu umgehen, dessen Bestimmtheit und Loyalität seinen Plan zerstörten.

— Die.Korrespondenz Majunke' schreibt - „Die kirchenpolitische Vorlage wurde heute im Abge­ordnetenhause während der Debatte über die Kanalvorlage vertheilt. Obgleich jene Debatten in ziemlich erreg­ter Weise geführt wurden, so wurde doch sofort das all­gemeine Interesse des Hauses dem neuen Gesetzentwurf einem Denksteine versehen zu haben, und ich bin leider nicht im Stande dieser Pflicht zu genügen."

Sie ließ ihn nicht aussprechen, sondern ent­gegnete: „Mein Taffo, Dein Vater ist mein Vater; er würde segnend seine Hand auf mein Haupt ge­legt haben, wenn ich Deine Gattin hätte werden können; also schuldige ich ihm auch den Grabstein. Reffe mit Gott, ich werde in Deinem Namen handeln."

Dankbar und gerührt drückte er ihr die Hand und wandte sich zum Gehen. Da rief sie ihn noch einmal zurück und sprach: „Ich kann Dich nicht ziehen laffen, ohne Dir noch einen wohlge­meinten Rath zu geben. Höre mich an und be­folge denselben. Du bist in der letzten Zeit reiz­bar geworden und Du verträgst weder Wider­sprach noch heimliche ober offene Anfeindung. Un­klug folgst Du nur den augenblicklichen Empfind­ungen und schaffst Dir dadurch bei Hohen und Niedern Feinde. Ich zürne Dir deshalb nicht, denn ich kenne die schmerzliche Quelle dieses Be­tragens, aber um Deines eigenen Besten willen bitte ich Dich, lege Dir Zügel an, und wenn Du leidest, so ranke Dich an dem Gedanken, daß Du es für mich thust, wieder empor. Versprich mir das!"

Er versprach es ohne zu zögern, aber es fehlte ihm in der Folge die Kraft, seinem Versprechen nachzuleben.

(Fortsetzung folgt.)