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1883.

rilung

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— mit der

Deutsches Reich.

Fulda, 5. Juni.

In dem größten Theile der gestrigen Stadtauflage theilten wir nachstehendes wäh­rend des Druckes der Zeitung eingelaufenes Pri- vattelegrainm aus Berlin mit:

Berlin, 4. Juni, 12 Uhr 25 M. Mittags. Der Cultusminister erklärte heute im Privatgespräche, daß der kirchenpoli­tische Gesetzentwurf zur Vorlage fertig sei, er enthält sieben Paragraphen und betrifft die schon vorhin von verschie­dener Seite angedeuteten Punkte.

* Das uns eben zugehende II. Blatt der heutigen .Germania' beschäftigt sich des Längeren mit unseren Bemerkungen an der Spitze d!r letzten Samstagsnummer. Wir schrieben u. A.

„Wir sind der unmaßgeblichen Meinung, daß die .Germania', nachdem ihre in einer ganzen Reihe von Leitartikeln wissenschaftlich und sachlich begründete Auffassung, daß auch die Kapläne, Vikare, Kooporatoren, (dieser Ausdruck steht allerdings in dem betreffenden Satze der .Germania' nicht) Lokalisten rc. nach der Schlözer'schen Note unter die Anzeigepflicht fallen sollen, sich nunmehr positiv als zu weitgehend herausgestellt hat, allen Grund hätte, bei ihrer Breslauer Collegin nicht gerade jeden Satz mit der scharfen Loupe der Kritik zu behandeln."

Es kann sich nun um nichts Anderes handeln, als darum, ob die.Germania' in ihren gleich nach Bekanmwervru Vci Jtviv x-u9 u«( Interpretations-Artikeln das Richtige getroffen hat, oder zu „weit gegangen ist." Daß heute eine von ihrer Auffaffung verschiedene günsti­gere Deutung der Stelle über die Anzeigepfiicht in Folge einer Privatäußerung des Kultus­ministers, welcher bekanntlich über den Ver­lauf der Verhandlungen sehr gut unterrichtet ist, vorliegt, gibt die ,Germania' zu. Sie fügt aber hinzu, die beregte Privat Äuße­rung Herrn von Goßlers enthalte keine Jnte- pretationen, keine Auslegung des Wort-

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Torquato Tasso.

Ern Dichterleben.

Pon Wilhelm gerchrnbach.

(Fortsetzung.)

Lucrezia konnte auf die Dauer der geistige Zustand ihrer Schwester nicht unbekannt bleiben, und so kam es zuweilen zu heftigen Scenen zwischen ihnen.

Mehrere Jahre dauerte dieses Verhältniß, welches einen dunklen Schatten über die drei Personen ver­breitete, als der Herzog seiner Schwester Lucrezia eröffnete, daß sie den Erbprinzen Franz Maria von Urbino heirathen werde. Lucrezia war damals ungesähr 35 Jahre alt, und sie hatte den Gedan­ken an eine Verheirathung längst aufgegeben. Um so begieriger ergriff sie jetzt, im Hochsommer ihres Lebens, die Gelegenheit und erklärte sich bereit, dem Erbprinzen ihre Hand zu reichen, vorausge­setzt, daß seine persönlichen Eigenschaften ihr gefielen.

Der Erbprinz wurde nun nach Ferrara einge­laden, und er kam mit großem Gefolge, so daß am Hofe wieder ein lautes Leben entstand. Der zukünftige Bräutigam zählte erst 20 Jahre, und Lucrezia war ihni in jeder Beziehung überlegen; aber es schien ihr doch, daß sie mit ihm auskom­men würde. Fürsten machen ja in der ehelichen Liebe nicht so hohe Ansprüche als der Bürgersmann, und es war damals und ist auch heute eine Sel­tenheit, daß fürstliche Paare sich aus reiner Nei­gung verbinden.

lautes der Note, sondern eine Aendejrung die­ses Wortlautes. Wir verstehen dieses Anklam­mern der .Germania' an den Wortlaut und an die von ihr demselben gegebene Deutung absolut nicht. Was die Note gewollt hat, wird denn doch Herr von Goßler besser wissen als die ,Germ.'

Wie die .Germania' darüber denkt, ist am besten aus folgenden Sätzen zu ersehen: „Und wenn Herr v. Goßler nun die selbstständigen von den nicht selbst ständigen Beneficien der Hilfsgeistlichen unterscheidet, und nur jene unter die Anzeige fassen will, so sind wir natürlich sachlich darüber erfreut und werden um so be­friedigter sein, je weniger Geistliche eventuell auch in dem zu errvartenden Gesetzentwürfe noch der Anzeigepflicht unterstellt bleiben. In der Note aber hat man vom hl. Vater auch in die­ser Hinsicht mehr gefordert, als man vielleicht auf dem Wege der eigenen Gesetzgebung aewähren will."

Wir bleiben dabei, daß die preußische Regierung und ihr Cultusminister besser als die .Germania' weiß, was sie vom hl. Vater gefordert hat. Daß man aber den Wortlaut der Note so interpre- tiren kann, wie Herr v. Goßlar es privatim gethan hat, beweist der Umstand, daß auch schon vor dieser Aeußerung des Cultusministers manche Leute die Note so interpretirt haben.

Wer übrigens die Artikel der .Germania' von Anfang an mit Aufmerksamkeit gelesen hat, kann nicht im Unklaren darüber sein, daß sich nicht nur in dem Ton, sondern auch in der ganzen Auffassung vollzogen hat. Die' .Germama' "schein!^ ancy selbst zu fühlen, darum klammert sie sich jetzt an den Gedanken an, die Erklärung des Cultus­ministers seikeine „Interpretation", sondern eine „Aenderung" des Wortlauts der Note. Nach alledem fragen wir denn doch: Hat sich denn nicht wirklich die Auffassung der .Germania' als „zu w eit geh end" herausgestellt? Und haben wir etwas anderes behauptet? Das einzig Erfreu­liche an dem ganzen Artikel ist der Umstand, daß die .Germania' der ,Fuld. Ztg' wie der ,Schief.

Die Festlichkeiten bei Hofe sagten Eleonore wenig zu; in ihrem stillen Kummer konnte sie sich in die laute Freude nicht finden und wünschte allein zu sein. Der Herzog hielt sie für krank und gab ihr den Rath, sich für einige Zeit nach der Villa Con- sandolo am Po zurückzuziehen, wo sie immer fo gerne geweilt hatte.

Sie ging auf den Vorschlag mit Freuden ein, denn sie glaubte sich ohne alle Gefahr entfernen zu dürfen, weil Lucrezia nun in dem jungen Her­zoge eineu Ersatz für Taffo fand; aber kaum war sie in der prächtigen Villa angekommen, als sie sich unbeschreiblich einsam fühlte und mehr als je nach dem Geliebten verlangte. Sie schrieb dem Kardi­nal, daß sie eine ungeheuere Langeweile empfinde und ersuchte ihn, Taffo nach Consandolo zu senden.

Der Dichter hatte kaum die Erlaubniß erhalten, als er Ferrara verließ und auf den Flügeln der Liebe zu ihr eilte. Sie empfing ihn mit unver­hehlter Freude und fühlte sich in seiner Gegenwart so glücklich, daß sie wieder so fröhlich wurde, wie in jungen Jahren. In der Villa war nur eine ge­ringe Dienerschaft und die Hofleute waren sämmt- lich in Ferrara; also fehlten alle die eifersüchtigen und mißgünstigen Augen, die am Hofe jeden ihrer Schritte beobachteten und sie in eine unerträgliche Zwangsjacke einschnürten. Sie brauchte nicht mehr ängstlich jedes Wort abzuwägen, wenn sie auch mit echt weiblichen Zartgefühl die ungewöhnlichen Umstände berücksichtigte.

Volkszeitung' attestirt, daß sie mit ijhr in d'er wenig rosigen Beurtheilung der momejn- tanen Lage übereinstimmen. Zum Schluß noch eine Bemerkung: Wir sind wahrlich keines­wegs von dem ganzen Vorgehen der Regierung und dem schleppenden Gange der Verhandlungen erbaut, aber dabei glauben wir es doch unter­lassen zu müssen, an den Anerbietungen der Regierung im ungünstigsten Sinn herum­zudeuteln, weil durch solche Mißdeutungen die Vor­eingenommenheit gewisser Kreise nur noch verstärkt und demnach die Friedeushoffnungen verringert werden können.

* (Aufhebung des Gemeindezuschlags zu den zwei untersten Klassensteuerstufen.) Auf der Tagesordnung der letzten Stadtverordneten­sitzung zu Köln stand der Antrag des bekann­ten Centrumsmitgliedes Herrn Julius Bachem, seitens der Commune auf die fernere Erhebung des Gemeindezuschlags zu den beiden untersten Klassensteuerstufen zu verzichten und den Ausfall (ca. 92,000 M.) durch einen Zuschlag auf das Einkommen über 6000 M. zu decken. Die städtische Verwaltung stand dem Antrag sympatisch gegen­über, doch betonte Herr Bürgermeister Dr. Ro­senthal in längerem Vortrage die Nothwendig- keit, bei der ebenso starken wie ungleichmäßigen Einschätzung zur Klaffensteuer, die erforderliche Deckung des Ausfalls weniger auf dem Wege der direkten als der indirekten Steuer zu suchen und namentlich in der Einführung der B i e r st e u e r glaubt er einen ergiebiges Ersatz zu finden. Nach btir nnf

Antrag Bachem mit knapper Majorität ange­nommen und ein fernerer Antrag bezüglich der Einführung indirekter Steuern der Finanzkommis­sion überwiesen.

Frankreich.

-ng. Paris, 2. Juni, lieber die Stimmung bezw. das event. Verhalten der Chinesen in Be­treff der französischen Expedition nach Tongking, gehen dem hiesigen .Soleil' von einem als zuver-

Die Villa wurde zu einem Paradiese. Stun­denlang streiften sie im Harke umher, sangen zur Laute und machten Pläne über Pläne. Wenn der Geist der Dichtkunst über Tasso kam , dann legte er sich zwischen Laub und Blumen hin und fang seine bezaubernden Weisen. Eleonore setzte sich an seine Seite, und lauschte auf seine Verse. Glücklicher konnte Niemand sein, als diese beiden Menschen, die in geistiger Beziehung so nahe ver­wandt waren, aber doch so weit auseinander standen.

An einem Nachmittage saßen sie in einer von Blumen umrankten Laube. Da sprach Eleonore zu Taffo: „Mein Taffo, morgen mußt Du nach Ferrara zurückkehren."

Ec fuhr empor und fragte: „Warum will mich meine Eleonore von ihrem Antlitze jagen? Liebst Du mich nicht mehr?"

„O, ich werde niemals aufhören, dich zu lieben, aber am Hofe ist es aufgefallen, daß Du so lange hier weilst. Böse Zungen haben sich bereits un­serer Personen bemächtigt.

„Mögen sie immerhin nach Wohlgefallen deuten und deuteln, ich bleibe bei Dir!"

„Nicht so, mein Tasso, wir haben Verpflichtung, gegen uns und unfern Ruf und dürfen uns dem­selben nicht entziehen. Lange schöne Wochen sind wir zusammen gewesen, und wahrlich, ich bin dem Himmel dankbar für ein Glück, das nicht sobald, vielleicht nimmer, wiederkehrt. Sieh, mein Herz,