jjg jijg Sonnabend, den 2. Juni 1883*
Fuldaer Ieitung.
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Torquato Tasso.
Ein Dichterleben.
P,s Wilhelm Herche-dich.
(Fortsetzung.)
Unterdeffen rückte die Zeit heran, wo die großen Vermählungsfeierlichkeiten stattfinden sollten. Für den Dichter gab es dabei Mancherlei zu thun. Theils von dem Herzoge dazu aufgefordert, theils aus freien Stücke,v verfaßte er eine Anzahl von Canzonen auf die Erzherzogin Barbara, welche bei den Feierlichkeiten vorgetragen werden füllten. Der Herzog und der ganze Hof waren von der blumenreichen Sprache und dem gediegenen Inhalte entzückt. Ehe er aber seine Gedichte in die Hände des Herzogs niederlegte, las er sie regelmäßig den beiden Schwestern vor, und bei dieser Gelegenheit zeigte es sich, daß Eleonore ein inniges Verständniß für seine Verse hatte. Zuweilen gab sie Winke zu kleinen Aenderungen, während Lu- srezia stets in der überschwenglichsten Weife von seinen Leistungen sprach und alles für vollkommen und vollendet hielt. Dadurch entstand ein reger Verkehr zwischen ihm und den Schwestern, und er war mehr in ihren Zimmern, als in den Gesell- fchaftssälen der Hofburg zu finden. Die Gelegenheit brachte es mit sich, daß er auch zuweilen mit Eleonore allein waren. Dann thaten beide ihren
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Deutsches Reich.
Fulda, 2. Juni.
Die .Germania' bringt in ihrer heutigen Nummer einen längeren gegen die kathol. .Schles. Lolksztg.' gerichteten Leitartikel. Was der Artikel bezwecken soll, ist nicht recht klar, denn wir wissen wirklich nicht, was die .Schles. Volkszeitung' so Schlimmes verbrochen haben soll. Es handelt sich wieder um das Thema der Anzeigepflicht, und wir sind der unmaßgeblichen Meinung, daß die .Germania', nachdem ihre in einer ganzen Reihe von Leitartikeln wissenschaftlich und sachlich begründete Auffaffung, daß auch die Kapläne, Vikare, Kooporatoren, Sofaliften ic. nach der Schlözer'schen Note unter die Anzeigepflicht fallen sollen, sich nunmehr positiv als zu weitgehend herausgestellt hat, allen Grund hätte, bei ihrer Breslauer Collegin nicht gerade jeden Satz mit der scharfen Loupe der Kritik zu behandeln. Errare humanum est, Irren ist menschlich. — Wir brauchen übrigens kaum zu betonen, daß wir mit der ,Germ.' in der wenig rosigen Beur- theilung der momentanen Lage übereinstimmen.
Berlin, 1. Juni.
* (Ministerrath.) Gestern fand seit langer Zeit zum erstenmale wieder ein preußischer Ministerrath unter dem Vorsitze Bismarck's statt. Wie verlautet, handelte es sich um die kirchenpolitische Frage und um die Beschlußfassung darüber, ob eine kirchenpolitische Vorlage nach der in der letzten Note angedeuteten Richtung auszuarbeiten sei. An eine Vorlage noch in dieser Session glaubt Niemand. Die ,Voss. Ztg.' meint, es'habe sich im Ministerrath auch um die Hundesteuer und die Verwaltungsgesetze gehandelt, die Bismarck nicht so annehmen wolle, wie sie unter Puttkamer's Zustimmung zu Stande gekommen sind.
* (Ihre Majestät die Kaiserin und Königin) wird schon Mitte der nächsten Woche Berlin wieder verlassen, um sich zunächst nach Cob- lenz zu begeben.
• (Die Ueberschüsse der Einnahmen) über die Ausgaben für das Etatsjahr 1882/83 betragen außer den bereitseingesetzten 4*/2 Millionen noch weitere 9 Millionen Mark. Das Plus kommt den Matricularbeträgen zu Gute.
* (Die durch Bückeburg gehende Bahnstrecke) wird demnächst — wie es heißt für den Preis von 13 Mill. Mark - in den Besitz des preußischen Staates übergehen. Das Geld streßt nicht in die Landeskasfe. sondern gehört zum Pri- vateigenthum des Fürsten, aus welchem s. Z. Grund und Boden, rvie die Anlage der Strecke nebst allen erforderlichen Einrichtungen bezahlt wurden. — Nach dem Ankauf dieser Strecke wird die gesammte Berlin-Kölner Bahn preußisches Eigenthum.
England.
* London, 31.Mai. (Unterhaus.) Der Unterstaatssekretär Lord Fitzmaurice cheilte auf Befragen mit, England und Mexiko seien überem- gekommen, gleichzeitig in London und Mexiko Spe- cialgesandte zu Unterhandlungen über die Erneuerung der diplomatischen Beziehungen zu beglaubr- gen: zum englischen Specialgesandten in Mexiko sei der bisherige englische Gesandte in Peru ernannt. Die Funktionen bed bisherigen diplomatischen Agenten und General-Konsuls Maleks in Kairo werde Major Bäring, bisher Mitglied des Exekutiv- und Legislativraths in Indien, mit dem nämlichen Range nnd Titel übernehmen. — McCoan zeigt dem Hause an, daß ihn O Kelly zum Duell herausgefordert habe; da das Duell wider die parlamentarischen Gesetze sei, überlasse er dem Hanse die demselben angemessen erscheinenden Schritte. Der Antrag Gladstone's, daß O'Kelly morgen auf feinem Platze erscheine, wird von den Anhängern Parnell's bekämpft, vom Haufe aber mit 250 gegen 19 Stimmen angenommen.
Gefühlen keinen Zwang an, sondern benutzten dis flüchtigen Augenblicke zu herzlichem Gefuhlsaus- tausch. Es half nicht, daß die sinnige Eleonore ihm oft von der Nothwendigkeit der Zurückhaltung sprach. Taffo's Kunst stand nur noch in ihrem Dienste, und es ging kaum ein Tag vorüber, an dem er ihr nicht ein Gedicht in die Hand drückte. Sie war glücklich im Empfange dieser Pfänder der Liebe las sie im stillen Kämmerlein durch und wieder durch, und hob sie sorgfältig auf; aber ihre Tage waren doch nicht immer voll Sonnenschein, denn 2ucrezm machte aus ihrer Neigung für Tasso kein Hehl, zeichnete ihn bei jeder Gelegenheit aus und war zärtlicher gegen ihn, als es bei einer rein pla- torischen Liebe der Fall ist. Der Dichter konnte sich dem nicht immer entziehen; auch war er nicht ganz unempfindlich gegen sie, und so blieb es Nicht ans, daß Eleonore oft die Qualen der Eifersucht empfand.
Der Herzog hatte keine Ahnung davon, wie es um das Herz Taffo's und seiner beiden Schwestern stand, auch ließ ihm die Liebe seiner jungen Frau keine Zeit, sich viel um Andere zu bekümmern, aber es fiel ihm doch auf, daß Taffo wenig zu Tage förderte und sein angesangenes Epos nicht fortsetzte. Eines Tages nahm er Gelegenheit, ihm zu sagen wie sehr es ihn freuen würde, wenn er die Arbeit wieder aufnehme.
Eleonore rieth ihm, dem Wunsche ihres Bruder-, zu folgen, nicht allein, weil er sich dadurch in
parlamentarisches.
* Berlin, Freitag, 1. Juni.
Der Reichstag begann heute seine Sitzung mit der nochmaligen Abstimmung über den Antrag Ruppert- Kabl« zum 8 56 der Novelle zur Gewerbeordnung. Derselbe wurde gegen die Stimmen des Fortschritts, der Volkspartei, der Sozialisten und der Elsaß-Lothringer abgelehnt.
Sodann wurde die dritte Berathung der Novelle zur Gewerbeordnung sortgesetzt und Artikel 8, wonach Aerzten, Apothekern ?c. die Approb.atron wahrend der Dauer der Aberkennung der Ehrenrechte genommen werden kann, genehmigt.
Artikel 6, wonach die Vertherlung von Stimmzetteln und Druckschriften zuWahlzwecken keiner Erlaubnis bedarf, wurde aufrechterhalten und ein Zusatz angenommen, wonach die nicht gewerbsmäßige «ertHeilung von Druckschriften in gefchlossenen Raumen keine Erlaubniß erfordert. ... ...
Zu Artikel 7, betreffend die yandlungsrei,enden (& 44) tag'ein Antrag Ackermann vor, das Aufkäufen von Maaren nur bei Producenten, das Aufsuchen von Bestellungen nur bei solchen Gewerbetreibenden zu gestatten, m deren Betrieben die Maaren Verwendung finden, aber Cigarren- und Weinreisende auszunehmen.
Abq. Baumbach will eventuell auch die Buchhandlungsreisenden ausnehmen, Richter den Passus über das Aufsuchen von Bestellungen streichen.
-Zn der Debatte bemerkt Abg. Baumbach auf einen Zwischenruf Minnigerodes: man solle nicht wegen einiger schlechten Subjekte unter den Handlungsreisenden den ganzen Kaufmannsstand brandmarken;
würde wohl erhoben werden, wenn etwas Aehnliches vom
Koeller Protest, eine solche Parallele se. unzulässig; auch der Kriegsminister Bronsart protestirte nut Entschieden. Seit dagegen und bat, bei den Gewerbeordnungsdebatten nicht immer von Offizieren zu sprechen.
Die Abgg. Baumbach und Dohrn blieben dabei, daß vor dem Parlament der Offizierstand_ und Kauf- mannstand vollständig gleichberechtigt feien, also Parallelen nicht unzulässig seien. Der Antrag Ackermann wurde unter Streichung des Paffus, welcher sich auf das Auf suchen von Waarenbestellungen bezieht, angenommen; die Streichung erfolgte mit 154 »egen 139 Stimmen Um 4 Uhr wird die weitere Debatte auf Abends 8 Uhr vertagt.
In der Abendfitzimg des Reichstages wurde die dritte Lesung der Novelle zur Gewerbeordnung fortgesetzt. 8 44a handelt von den Legitimations - karten für die Handlungsreisenden.
Es liegen hierzu mehrere Amendements de-> Abg. Ackermann vor, welche die Versagung bezw. Zu-
diese größere Arbeit feinen Ruf stärken und erhöhen werde.
Tasso folgte und kettete sich oft tagelang an das Zimmer. Nichts konnte heilsamer für ihn sein, denn durch die angestrengte Arbeit wurde er ruhiger und hatte wenig Zeit, sich mit dem Gegenstände seiner unseligen Liebe zu beschäftigen, Um Spätnachmittage aber, wenn die Sonnenhitze nicht mehr auf Gräser, Bäume und Blumen drückte, dann begab er sich, von den beiden Schwestern begleitet, oft in den Garten und las ^hnen an einer trauten Stelle vor, was er den -rag über geschaffen. Zuweilen war auch der Herzog zugegen, und er verfehlte nie, ihn zu loben und zu ermahnen, fleißig in feiner Arbeit fortzufahren.
Er that es und arbeitete nut großem gleiße; nur zuweilen machte er kurze Ausflüge in die Umgegend um sich zu erholen und feinen Geist auf- -ufrischen, aber er blieb niemals lange aus. Wo er sich auch befinden mochte , immer wieder zog es ihn in den magischen Kreis zurück, in welchen die beiden Schwestern ihn festgebannt hatten. Eleonore litt unsäglich, weil sie täglich erfahren mußte, daß auch Lucrezia nicht von ihm lassen konnte, aber sie verschloß ihren Schmerz m stiller Brust. Wer sie indessen genauer betrachtete, dem konnte es nicht entgehen, daß ihre hohe anmuthige Gestalt unter deit stillen Leiden etwas von dein Reize verlor, der sie umwebte, daß das schöne Gestüt em