1883
Mittwoch, dm 30. Mai
M 120
Münz
Jidhacr
— mit der
unterstützen". Am 13. schreibt der Moniteur': in politischen Kreisen kommentire man lebhast das Stillschweigen, welches die letzte preußische Note, rote man versichere, bezug^ lich der Revision der Maigesetze beobachte ); die Thatsach fei um so unbegreiflicher, als das Votum des Landtages betreffend diese Revision vor Abgang Mer Note er olgt sei. Am 16. heißt es: die Unzusnedenhert der kathoüichen Bevölkerung wachse zusehends; dieselbe werdemehr und mehr erbittert gegen die Regierung, „die trotz der Lun che der Varteien und der öffentlichen Meinung noch Nicht daran denke, die Revision der Maigesetze vorzunehmen. Die Wuth des inneren Menschen, von der der verstorbene Herr v. Mallinckrodt gesprochen habe, werde vielleicht eines Tages stärker sein als bie Sprung »mb bw ®ebulb •
Wenn die konservative Partei selbst noch darüber Zweifel haben sollte, was sie mit ihrem V°tum vom ^. April bewirkt hat, diese Auslassungen des römischen Journals durften für ihre Aufklärung genügen Man legt in Rom das Votum dahm aus, daß die konservative Partei gegen die Regierung für Rom Partei ergriffen hat, man hält sich jetzt für stark genug, um mit Drohungen
In seinen Hetzereien gegen unsere Regierung bÄMck der Moniteur de Rome' sich neuerdings noch eines Mitteln, dem man jedenfalls Originalität nicht absprechen kenn; er sucht die Franzosen gegen uns argwöhnisch zu machen, indem er uns als lüstern nach Kolonien denuncirt. Deutschland, erzählt das Blatt, hat bereits 1 Million Acker in Mexiko gekauft; jetzt soll -in Agent noch weitere 8 Millionen dort erstehen. Langsam aber sicher arbeite das deutsche Reich an der Erwerbung von Kolonien — an der Sette und im Einvernehmen mit England. Auch die Reise des Prinzen Friedrich Karl hängt dem -Moniteur zufolge mit der Kolonisations-Politik zusammen. Erläßt sich von einem im Orient bewanderten „Freunde schreibender Prinz habe feierlich von den Ruinen von Casarea Besitz genommen, die der Sultan nebst dem umliegenden Territorium dem deutschen Kaiser abgetreten habe. In kurzer Zeit werde die ganze Küste Syriens vom Kap Karmel bis ^affa in den wänden Deutschlands sein, Sein Einfluß wachse immer mehr „auf'Kosten KE-ichs >md auf pen Ruinen des alten französischen Uebergewichts an dem die tradmonelle Monarchie von Ludwig dem Heiligen ab bis zur Revolution unablässig gearbeitet habe." Sicherlich merkt man m Frankreich die Absicht, wird aber eben deshalb nicht verstimmt werden gegen Deutschland, sondern sich über den Moniteur de Rome' lustig machen."
*) Wir haben bereits hervorgehoben, daß die Note die Frage der Revision keineswegs mit Stillschweigen übergeht. (Anmerk, der Red. der ,Nordd. Allgem. Ztg.')
* (Die Budgetcommission des Reichstag es) berieth gestern den Poste tat. Dabei kamen die bekannten Beschwerden der Postsekretarre fingen werde, den Mann, den sie liebte, an sich
Nach Tisch zerstreute sich die Gesellschaft, und Tasso begab sich in den Garten, um nach seiner Gewohnheit unter Blumen und Bäumen einen Erguß seines Gefühls zu Papier zu bringen. Zwischen blühenden Aloö's ließ er sich auf den von Lorbeer umrankten Trümmern einer umgestürzten Bildsäule nieder und schrieb ein Sonnet an Eleonore nieder. Er brauchte nicht lange zu sinnen; die Verse floflen so schnell, als er schreiben konnte, und als er geendigt hatte, war er selbst entzückt und laß sich
dieselben laut vor. _
Auch Eleonore hatte das Schloß verlaßen, während Anna von Guise und Lucrezia mit einigen Cavaliercn durch die Gemälde-Gallerie wanderten und fröhlich scherzten und lachten.
Eleonore konnte nicht lachen, denn m ihrem Herzen hatte sich ein gewaltiger Sturm erhoben, den sie nicht zu beschwichtigen vermochte. Sie fühlte, daß sich der innere Verdruß auf ihrem Gesichte abfpiegelte, und sie wollte sich um kemen Preis den Augen der Gesellschaft preisgeben. Um allein und unbeobachtet zu fein, eilte sie in den Park. Willenlos schlug sie den Weg zuden Cy- presien ein, wo sie Tasio zuerst gesehen; fast hatte sie den Ort erreicht, als sie umbog.
„Nein, nein", flüsterte sie, „er darf es Nicht wissen, daß ich mich nach ihm sehne. Ich bm es meiner Stellung schuldig, diese Liebe in der Brust
tur Sprache und es ivurde besonders auf die Em, mße hingewiesen, welche die Postsekretaire dadurch an ihrem Einkommen erleiden , daß zu Lasten ihrer Klasse Zulagen für solche Oberpost- ekretaire gewährt werden, welche bei ihrer Ernennung bereits ein das Minitnalgehalt übersteigendes Gehalt als Postsekretaire hatten. Von ver- chiedenen Seiten ivurde die Meinung ausgesprochen, laß es sich empfehlen würde, zu dielen Zulagen einen besonderen Fonds zu bewilligen um die für die Postsekretaire ausgesetzten Mittel diesen unverkürzt zukommen zu lassen. Da indessen un vorliegenden Etat eine solche Anordnung nicht mehr vorzunehmen war, so mußte ber Postverwaltung anheimgegeben werden, beim nächsten Etat der An-
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Gesetzsammlung veröffentlicht das Gesetz vom 28 Mai, betreffend die Beschaffung von Mitteln für die Erweiterung, Vervollständigung und besstre Ausrüstung des Staateisenbahnnetzes und die Ve- theiligung des Staates bei dem Bau einer Eifenbahn von Zajonskowo nach Löbau.
England.
* (Mißstimmung gegen Frankreich.) In England erregt der durch das franzopsche Volk gehende hochfahrende Zug Mßbehagen. Bian gonn jenseits des Canals den Franzosen die Erfolge nicht, welche sie im weiteren Verlaufe der Tong- kinq-Affaire höchst wahrscheinlich davon tragen dürften; wenigstens klingt die Sprache der fuhren- den englischen Preßorgane über d'-Action Frankreichs in Ostaficu so abfällig wie möglich. .Daily News und .Times' betonen die Bedrohung des englischen Handels mit China, welcher den Werth voni 19 Millionen Lstr. darstelle, durch euren möglichen Krieg zwischen Frankreich und China, und das sei vom englischen Standpunkt aus uuzu assig. Die .Times' schließt ihren Leitartikel mit folgenden Worten: „Die Gelegenheit mag kommen, m der unsere Regierung es für nothwendig erachten wird, Frankreich Vorstellungen zu machen und eine Grenzlinie vorzuschlagen, über welche es nicht hmaus-
zu verschließen und sie im Stillen zv'tragen und u verbergen.' Wenn ich es nur auch über mich vermöchte, meiner Schwester nicht zu zürnen.
Eine andere Richtung einschlagend, gelangte ü« an den Ort, wo Taffo zwischen den Aloe s saß. Horch, mit seiner wohlklingenden Stimme rezitrrte er Verse. Neugierig näherte sie sich ihm von der Rückseite und lauschte. Ihr ganzes Gefühl geneth bei diesen schönen Motten in Aufregung, aber bald bedeckte Marmorblässe ihr Gesicht, denn N« glaubte das wunderbar schöne Sonnet an ihre-Schwester gerichtet. Ihr sonst so ruhiges Gemuth empfand plötzlich die Qualen der Eifersucht, und ohne daß sie es wollte, ttef sie aus: „Taffo, wem gel.en dies
Verse?"
Der Dichter hatte keine Ahnung davon, daß er belauscht wurde. Erschrocken sprang er auf und sah sich der Prinzessin gegenüber. _
Altezza," stotterte er, „diese Verfe find an ein Wesen gerichtet, welches ich nächst Gott am meisten liebe und Hochschätze, aber ich dars. den Namen nicht nennen, weil die Ehnurcht es nur verbietet
O ich errathe es," entgegnete die Prinzessin, indem' ihren Augen zwei dicke Thronen entrollten; ,sie gelten meiner Schwester." Was jie sprach und that, sie wußte es selbst nicht; ihrem Schmerze ganz hingegeben, dachte sie nicht mehr daran, daß sie eine Pttnzessin war, daß sie ihre heimliche Liebe Nie-nanden verrathen wollte. Wenn die Liebe mächtig wird, dann steigen auch die Fürstinnen
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Deutsches Reich.
Fulda, 30. Mai.
# (Kirchenpolitisches.) Die.Nordd.Allg. qta- bringt in ihrer neuesten Nummer einen längeren Artikel, der jedenfalls nur ein Warnungszeichen für die Konservativen fern soll. Sachlich ist derselbe sehr unbedeutend, man merkt nur eine hochgradige Verstimmung gegen den Vatikan den .Moniteur de Rome' und die sogen.
römische P r e ß k o m m a n d i t e" (Germania) heraus. Der Artikel lautet wie folgt:
Bei Besprechung der Verhandlungen des Abgeordnetenhauses Über den Windthorstschen Antrag hatten wir die Befürchtung ausgesprochen, daß das Votum, welches die konservative Partei damals abgab, nicht dazu geeignet sei, die Negotiation in Rom zu erleichtern, sondern v'plmehr die Erwartungen des Vatikans steigern und dadurch die Stellung unseres dortigen Gesandten erschweren werde. Daß unsere damalige Prognose richtig war,.davon kann sich Jeder Überzeugen, der sich die Muhe gibt, den -Moniteur de Rome' aus den letzten Wochen zu durchmustern. Das genannte Organ gibt die Eindrücke der Kurie roieber, die Stimmungen, durch die sie.geleitet wird, »std auch über die Wirkung, welche das in Rede stehende Votum der conservativen Pattei in Rom hervorgcrufenhatge- winnt man aus dem Moniteur de Rome' em Spiegelbild. Daß, wie wir nicht bezweifeln, einige Farben m diesem Bilde von der hiesigen römischen Preßcommandlte herstammen, beeinträchtigt seine Treue nicht. ,
Die deutschen Blätter, schreibt der Moniteur de Rome vom 1. Mai, legen alle d-m Votum des preußffchen Land- tages eine hohe Bedeutung bei; in den katholischen Blattern werde mit Genugthuung „constatttt , daß die Kammer das Princip der Windthorst'schen Anträge «cccphrt habe, uab >9« die Conservativen den Muth gehabt haben, „das bcfreienbe Wort der organische.i R-v'.,i-n der Maumetze auszusprechen." Am folgenden Tage sucht der Momteur' nächzuweisen, daß das Votum des Landtages emen peinlichen Eindruck auf die Umgebung des Fürsten Bismarck gemacht habe und „constatirt" dann wieder »daß das Volk und der Landtag in Preußen sich nut der Kirche in demselben Gedanken, in demselben Wunsche begegnen, in dem Gedanken und in dem Wunsche nämlich nach Fne- den, nach organischer Revision der Maigesetze. M der Nummer vom 12. d. M. wird darauf hmgewiesen, daß sich den weltlichen Mächten mehr und mehr das Be- dürfniß aufdränge, sich mit „der moralischen Gewalt, welche bie Welt regirt", bem hl. Stuhle, zu verbinden, unbzum Beweise bafür wirb angeführt, „baß em protestantlsches Parlament mit großer Majorität tzch bereit erklär habe die bescheidenen Wünsche Roms und der Katholiken zu
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Torquato Tasso.
Ein Dichterleben.
Wilhelm Herchrnhich.
(Fottsetzung.)
„Sie müsfeu Ihren Pegasus an einen guten Trab gewöhnen," nahm der Cardinal lächelnd das Wort, „und ich denke, es wird Ihnen nicht schwer fallen, denn Siesollen Raum und Zeit haben, ihn nach Herzenslust zu tummeln. Wenn nichts Außergewöhnliches dazwischen kommt, werden uns für längere ^ahre die Rennbahnen von Terrara zu Gebote stehen, denn ich denke vorläufig nicht daran, daß Sie den Hof meines Bruders verlaßen sollen.'
„Nirgends in der Welt möchte ich lieber sein, entgegnete Tasso lebhaft.
Aber Sie sollen die Früchte Ihrer Muse nicht im "Stillen und allein genießen," sprach Lucrezm; „meine Schwester und ich werden fie recht häufig ersuchen, uns ihre Gedichte vorzulesen.
Stets wird es mich freuen, Ihnen dienen zu dürfen, und ich rechne im Voraus auf Ihre freundliche Nachsicht." ,
Das Essen nahm seinen Fottgang und der Herzog wendete sich nun auch zu den übrigen Tischgenoffen. Lucrezia aber nahm nun den Dichter ganz für sich in Beschlag und wurde mit jeder Sekunde entzückter von ihm.
Eleonoren's Brust füllte sich mit einer stillen Wehmuth, denn sie fürchtete, daß es ihr ge-