Fuldaer
erfolgen werde."
Berlin, 28. Mai.
Deutsches Reich.
Fulda, 29. Mai.
* (Kirchenpolitisches.) Die Korrespondenz Majnnke' schreibt:
In der Preße wird noch immer Streit darüber geführt, ob in der preußischen Note vom 5 Mai die Hilfsgeistlichen von der „Anzeige" befreit sind oder nicht. Unseres Erachtens ist die Sache ganz klar. Die „Anzeige" wird gefordert von den Inhabern der Pfarrbenesizien (benefices parochiaux), den Pfarrverwesern und einem Theile der höheren Geistlichkeit, dagegen wird sie nicht verlangt von den „nicht benefizirten Hilfsgeistlichen". Folglich wird sie von den benefizirten Hilfs- geistlichen gefordert. S o l ch e r g i b t e s i n m a n- chen preußischen Diöcesen gar keine, in andern nur wenige. Bisher verlangte bekanntlich die Regierung, daß auch alle nicht benefizirten Kapläne rc. „angezeigt" werden sollten. Ist einmal die Frage der „Anzeigepflicht" tm Allgemeinen geregelt, so können ihr auch die wenigen benefizirten Hilfsgeistlichen unterworfen werden, dieselben sind dann aber auch berechtigt das staatliche Zusatzgehalt zu stOO Thalern zu verlangen."
- Von den zahlreichen Mittheilungen zur kirchen- politischen Lage, welche wir in der Presse finden, verdient nur eine römische Correspondenz der .Schles. Ztg.' vom 23. Mai, Beachtung, da sie eine nicht innerlich unwahrscheinliche Skizze der - Antwortnote des hl. Stuhles enthält. Tie,Schles. Ztg.' gibt die Correspondenz unter aller Reserve wieder, und wir thun desgleichen.
„Am Sonnabend Nachmittag, also am 19.1b. M., ist die Antwort der Kurie auf die von der ,Nordd. Allgem. Ztg.' soeben in extenso veröffentlichte preußische Note Herrn v. Schlözer zugegangen. Eine völlig erschöpfende Analyse dieser Antwort läßt sich zur Zeit noch nicht geben, doch hat über ihren Inhalt Einzelnes bereits verlautet. Der Gesammteindruck des Schriftstückes wird in wohlin- sormirten Kreisen als der einer Ablehnung des von preußischer Seite proponirten Vorgehens bezeichnet, in der Form soll es dabei in jeder Hinsicht die diplomatische Höflichkeit wahren. Zunächst führt die Antwortsnote der Kurie aus, daß die letzte preußische Note den Jdeengang der bisherigen Verhandlungen insofern unterbrochen habe, als sie auf die vorhergegangene Note Jacobini's
keinerlei Antwort gebe und über die Frage einer Revision der Maigesetze stillschweigend hinweggehe. Die Revision aber sei gerade der Hauptpunkt, um den sich die päpstlichen Ansprüche drehten, weil der heilige Stuhl dieselbe behufs Anbahnung einer Verständigung zwischen Staat und Kirche für unumgänglich erachte. So lange die Maigesetze telles quelles beftünben, s ei jenes „ h ar- monische Zusammenwirken, von welchem bie preußische Note spreche, eine Utopie. Um zu betn angebeuteten Ziele zu gelangen, sei es unbedingt nöthig, baß ber Staat unb bie Kirche die betreffenden Conzessionen pari passu ausführten. Was speziell bas Verlangen nach Erfüllung ber Anzeigepsticht betreffe, welche bie preußische Note unter einem ganz neuen Gesichtspunkte auffasse, so entspreche ber preußische Vorschlag in ber Form wohl im Großen und Ganzen den von der Kurie gehegten Anschauungen und Erwartungen, es lasse sich aber nicht leugnen, daß die preußischerseits in Betreff der Anzeige proponirtenErleichterungen die Ausscheidung der Hilfs- geistlichen und die Beseitigung Der Zuständigkeit des staatlichen Gerichtshofes, auf diesem Gebiet in keinem Ver- h ältniß ständen zu den Zugeständnissen, welche man von der Kirche fordere, also zur Concedirung der Anzeigepsticht in Betreff der beneficirten Parochialgeistlichen und der Inhaber höherer geistlicher Aemter. Immerhin aber wurde sich über die Frage, wie weit die Anzeigepsticht ausgedehnt werden solle, ein Abkommen wohl erzielen lasten, wosern der Staat sich erst zur organischen Revision der Maigesetze verstehen wolle. Weiterhin wird dann noch ausgeführt, daß die königliche Regierung sich täusche, wenn sie glaube daß die von ihr bezüglich der Examina, der Knaben-Alumnate und der Priester-Seminare bisher schon zugestandenen Koncessionen vom hl. Stuhle nicht gebührend gewürdigt würden, und am Schluste wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß, trotz aller zur Zeit noch vorhandenen Differenzen, endlich doch noch eine Verständigung
Inserate: Die »ierspalUge Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; be, Wiederholungen entsprechender Rabatt.______
* (Die feierliche Enthüllung der Denkmäler Wilhelms und Alexanders von Humboldt) im Universitätsgarten hat Mittags zwölf Uhr stattgefunden. Während vom goldenen Balkon des Universitäts-Gebäudes die Fest-Cantate erscholl, trat der Kaiser mit dem kronprinzüchen Paar, dem Prinzen Wilhelm, dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl, dem Prinzen Alexander August von Württemberg, dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich von Hohenzollern, dem Erbgroßherzog von Baden auf den großen Balkon seines Palais und sah von dorther der Feier zu. Nachdem die Musik beendet war, sielen die Hüllen. Der die sich tief beleidigt fühlten, Pigna, Montecalini nnd Geraldini.
Dieser Mensch ist niemals an einem Hofe gewesen", flüsterte Pigna; „wie man sagt, soll er kaum das tägliche Brod gehabt haben und bis über die Ohren in Schulden stecken."
„So sagt man nicht allein", entgegneteMonte- catini, „sondern es ist auch buchstäblich wahr. Sein Vater ist zu gleicher Zeit mit dem Fürsten von Salerno in des Kaisers Karl Ungnade gefallen und hat in Folge desien Alles, was er besaß, verloren.'
„Niemand sällt ohne Ursache in Ungnade", nahm Geraldini das Wort; „wer weiß, was der Alte im Stillen gegen Seine Majestät getrieben. Vater und Sohn scheinen verschlagene und ränkesüchtige Menschen zu sein."
„Ohne Zweifel", sprach Pigna, „man sieht es schon an diesem jungen Menschen, dem der Bartflaum kaum zu sproßen beginnt. Weil er em paar Verse gedrechselt, die auch unseremem gelingen würden, glaubt er sich berechtigt, hervorragende Cavaliere von ihren Plätzen zu verdrängen. Wo ist denn sein Verdienst, wo seine Ansprüche?"
Laßt euch das nicht anfechten", entgegnete Montecatini, „ein Baum, der gar so schnell wächst, hält den ersten Sturm nicht aus, und eine Pflanze, die im Treibhause gezogen, kann keine Kälte ertragen. Habt Acht, der Herzog wird bald finden, daß dieser unverschämte Jüngling in die Schranken der Bescheidenheit zurückgezogen werden muh.
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Torquato Tasso.
Ein Dichterleben.
Pen Wilhelm 8erchr,»,ch.
(Fortsetzung.)
Die Prinzessin nickte lächelnd. Eleonore aber erglühte wie Purpur, denn sie fürchtete, daß die beiden Mädchen etwas von ihrer Zusammenkunft mit Tafso erfahren. Das schien aber nicht der Fall zu sein, denn sie plauderten bald von gleichgültigen Dingen, bald von den Festlichkeiten der bevorstehenden Hochzeit. Plötzlich aber wandte sich Lucrezia wieder an die Schwester und sprach: „Heute wirst Du unsern Dichter sehen, nnd ich bin sehr begierig, was Du von ihm sagen wirst."
Eleonore wandte sich seitwärts zu einer Blume, denn sie fühlte, daß sie bis über den Nacken roth wurde. Am Abend dieses Tages war am Hofe große Gesellschaft, zu welcher auch Tasio geladen war.
Der Herzog wollte ihn vor den gesammten Hos- leuten auszeichnen, deshalb besaht er dem Cere- monienmeister, dem Dichter einen Platz zwischen feinen beiden Schwestern und ihm gegenüber anzuweisen. Diese Bevorzugung erregte allgemeines Erstaunen und einige Hof-Kavaliere, die bisher immer ben Vorzug gehabt hatten, sich in dem Antlitze des Herzogs sonnen zu dürfen, schauten mit Mißgunst zu dem Glücklichen herüber, der kaum am Hofe erschien und schon den ersten Platz erobert hatte. Besonders waren es drei Höflinge,
Kultusminister hielt eine Rede auf Wilhelm von Humboldt und übergab das aus Staatsmitteln errichtete Denkmal der Universität. Virchow sprach sodann und übergab das aus freiwilligen Beiträgen errichtete Denkmal Alexanders v. Humboldt's gleichfalls der Universität, worauf der Rektor Dubois Reymonb in längerer Rede dankte. Ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser und der Gesang der Nationalhymne schloß die Feier. Außer den Ministern und der Generalität waren auch die Botschafter Courcel, Said Pascha und Szecheneyi anwesend. Nach der Feier ging der Kaiser, gefolgt von sämmtlichen Prinzen, zu Fuß vom Palais nach dem Kaiserzelt zur Besichtigung der Denkmäler. c
» (Der Bundesrath) genehmigte den italienisch-deutschen Handelsvertrag und bte Literarcon- vention mit Frankreich.
* (Weinfälschungen.) Im Laufe des nächsten Monats werden, wie die ,B. P N.' mittheilen, in Berlin auf Veranlassung des Reichsamt des Innern unter Bethelligung des Reichs-Gesundheitsamtes Besprechungen von Sachverständigen stattfinden, welche den Zweck haben, die Ausführung der Bestimmungen des § 6 des Nahrungsmittelgesetzes in Bezug auf die Weinfälschungen einzuleiteu.
• Essen, 28. Mai. (Resolution betr. den Rhein-Weser-Kanal.) Die in der Kanalfrage vom Ausschuß des Rheinisch-Westfälischen Vereins für Kolonisation und Export in Düsseldorf an das Abgeordnetenhaus beschlosiene Resolution lautet nach ber ,Rhein.-Westf. Ztg.' wie folgt: Der Verein würbe in ber burch Annahme des dem Abgeordnetenhause vorliegenden Antrages Gärtner bedingten Verzögerung des Zustandekommens der Kanalverbindung des rheinisch-westfälischen Jndustriebezirks mit ber unteren Ems eine schwere Schädigung großer allgemeiner Juteresien sehen müßen. Er erkennt in ber möglichst schnellen Herstellung ber projektirteu Wasserstraße nicht dlos bie Emanzipirung des deutschen Verkehrs von ausländischer Beeinflußung, sondem vor allen Dingen die nothwendige Erleichterung des deutschen Ex-
„Es sollte mich wundern," sprach Geraldini, wenn er mit Anstand,, eßen könnte. Ich wüßte wahrlich nicht, wo er's gelernt hätte!"
Weder der Herzog, noch seine beiden Schwestern hatten eine Ahnung davon, daß die drei Cavaliere eine so ungünstige Meinung von Taßo hatten; im Gegentheile nahmen sie es als selbstverständlich an, daß ihre Gäste ihn nicht allein äußerlich, sondern auch im Herzen ehrten und hochachteten.
Alfons ließ sich mit ihm in ein Gespräch über die Literatur ber Alten ein, und Taßo gab so schlagenbe Antworten, daß alle, bie in feiner Nahe saßen, von seinen grünblichen Stubien entzückt waren. Eleonore lauschte still beglückt unb warf ihm nur zuweilen einen zustimmenden unb bank- baren Blick zu; Lucrezia aber, lebhafter als ihre Schwester, legte sich keine Zügel an, sonbern überhäufte ihn mit Schmeicheleien, unb war offenbar bemüht, seine Aufmerksamkeit beständig wach zu er- halten. , , , . _..
Den Dichter zog es mehr nach ber andern Seite, ober da Eleonore ihm wenig Gelegenheit gab, mit ihr zu sprechen, so durste er Lucrezia nicht vernachlässigen.
Der Herzog erkundigte sich nach seinem Vater, und Taßo machte aus dessen Verhältnißen kein Hehl. „Er hat den Kelch des Leibens dis auf die Hefe geleert", sagte er. „Wenige haben so ernstlich gestrebt unb so tüchtiges geleistet, wie er, aber bas Glück war nicht mit ihm. In den Sturz
M «9.
Dienstag, den 29. Mai
1883.