Jfä 1(3, Montag, dm 21. Mai 1883.
Fuldaer !® Intung.
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Deutsches Reich.
Fulda, 21. Mai.
* (Päpstliche Antwort.) Das ,Wolf. B.' meldet unter dem Datum von gestern aus Rom: Die durch Berliner Blätter verbreitete Nachricht, daß Herrn v. Schlözer eine Antwort auf die letzte preußische Note an den Kardinal Jacobini übergeben worden sei, ist unrichtig. Bis heute den 20. Mai ist eine solche Antwort auf der hiesigen preußischen Gesandtschaft nicht eingegangen.
• (Zur Dortmunder Reichstagswahl.) Das genaue Resultat genannter Wahl, welches die amtliche Erhebung wenig ändern dürfte, ist folgendes: Lenzmann (Fortschritt) erhielt 13,427, Kleine (liberal) 11,179 und Tölcke (Social- Demokrat) 697 Stimmen; außerdem zersplitterten sich einige hundert Stimmen, resp. wurden für ungültig erklärt. Von circa 42,000 Wählern stimmten 25,500 oder 60 pCt. Herr Rechtsanwalt Lenzmann ist somit gewählt, und zwar mi Hülfe der Katholiken, die mit ihren 7000 sichern Stimmen den Ausschlag gaben. Die Kopflosigkeit der Liberalen, unter diesen Umständen einen Gut» turkämpfer und Verfechter der Maigesetze als Gan» didaten aufzustellen, wird nur von ihrer schmählichen Wahltyrannei erreicht. In HLrde z. B. wurden die Arbeiter wieder kolonnenweise zur Urne geführt; von Stunde zu Stunde wurden — neue 'Stimmzettel in bei. verschiedensten Formen ausgegeben, ja Zettel von dickem, schweren Pappdeckel gebraucht, welche die Gegner in der Eilr nicht nachmachen konnten.
* (An den Vorstand des Vaterländischen Frauen-Vereins) hat Ihre Majestät die Kaiserin und Königin im Hinblick auf die von diesem zur Linderung der Roth am Rhein und in der Eifel entwickelte Thätigkeit und die ihm von allen Seiten zu Theil gewordenen reichen Beihülfen das nachstehende Allerhöchste Handschreiben zu erlasien geruht:
Die freiwillige Hülfsthätigkeit, welche in Folge ver- ^6«^$ Ueberschwemmungen im vergangenen Herbste und ter in einem schwer betroffenen Theile unseres Vater- iaudes entfaltet worden ist, findet allmählich ihren Abschluß.
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Torquato Tasso.
Ein Dichterleben.
|ei Wilhelm tzerchendi-.
(Fortsetzung.)
Als der Eardinal mit seinem Gefolge am Hofe ankam, wurde er in öffentlicher Audienz empfangen, und dem Taffo wurde die Vergünstigung, seinen Herrn begleiten zu dürfen. In dieser Audienz waren auch die künftige Großherzogin Barbara von Oesterreich, Lucrezia und Anna von Guise zugegen, außerdem noch ein Kranz von schönen Damen und hochgestellten Herren.
Alfons bezeugte dem Dichter sogleich sein Wohlwollen, und sprach die Hoffnung aus, daß er an seinem Hofe Muße und Lust finden werde, recht viel Tüchtiges zu schaffen.
Die Damen des Hofes waren von dem jungen schönen Manne ganz entzückt und wetteiferten mit einander, ihm freundlich und zuvorkommend zu erscheinen. Eleonore aber hatte nicht das Bergungen, ihn zu sehen, denn sie wurde durch ein leichtes Unwohlsein an ihre Zimmer gefesselt. Um so neugieriger war sie, etwas von ihm zu erfahren und konnte kaum die Rückkehr ihrer Schwester erwarten.
Nach Beendigung der Audienz kam Lucrezia wit hastigen Schritten in Eleonorens Gemach; chre Wangen waren hochgeröthet und ihre Augen Lenzten vor Freude.
Diesen Zeitpunkt kann Ich nicht eintreten sehen, ohne bewegten Herzens die außerordentlichen Beweise mildthätiger und theilnehmender Gesinnung innerhalb und außerhalb Deutschlands hervorzuheben; besonders dankbar aber und wahrhaft gerührt muß Ich der reichen Beiträge gedenken, welche von allen Seiten dem Vaterländischen Frauen-Ver- ein zugefloffen find. Sie haben demselben die Möglichkeit gegeben, nicht nur namhaste Spenden aller Art auszuthei- len, sondern voraussichtlich sogar den betreffenden Gebieten dauernde Bestände für die Zukunft zu überweisen, auch der angrenzenden heimgesuchten Eiseigegend Hülfe zu gewähren. Noch nie hat in Friedenszeit der Vaterländische Frauen- Verein so bedeutender Beisteuer sich zu erfreuen gehabt. Je wehr Ich hierin den Beweis erblicken möchte, daß das öffentliche Vertrauen diesem Werke gewonnen ist, um so größeres Gewicht lege Ich auf den Ernst der dadurch entstehenden Verantwortung. Ich spreche daher gewiß nicht umsonst den Wunsch aus, daß die Erfahrungen dieser prüfungsreichen Zeit auch unseren Zwecken dienen und unsere 536 Zweigvereine immer mehr zu einer festen Organisation sich gestalten möchten, die im Frieden wie im Kriege das allgemeine Bestreben erfolgreich vermittelnd, nur ein Ziel wirksam vertrttt: das Wohl derjenigen unserer Mitmenschen, welche unseres Beistandes und unserer Theilnahme bedürfen.
Baden-Baden, den 15. Mai 1883.
Augusta.
An
den Vorstand des Vaterländischen Frauen-Vereins, Berlin.
* (Handelsverkehr zwischen Deutschland und Italien.) In Anknüpfung an Mittheilungen über den deutsch-italienischen Handelsvertrag geben die ,B. P. N.' nachstehende Daten über ine deutsche Ausfuhr nach Italien:"
Im Jahre 1881 wurden ausgeführt: Branntwein für l,477,000M., Nähfaden für 1,611,000M., gefärbte dichte Baumwollene Gewebe für 2,194,000 M., unbedruckte wollene Tuch- und Zeugwaaren 12,381,000 M., ungefärbte Seide und seidene Watte für 2,544,000 M., Zeugwaaren aus Seide, in Verbindung mit Baumwolle 1,436,000 M., Kleider und Putzwaaren 1,410,000 M., Leder 1,352,000 M., Handschuhleder rc. 1,261,000 M., feine Lederwaaren 1,151,000 M., Eisenbahnaxen, Eisenbahnradeisen 1, 93,000 M., Eisenbahnschienen 2,024,000 M., grobe Eisenwaaren 1,201,000 M., Maschinen aller Art 1,701,000 M., Lokomotiven 2,677,000 M., Eisenbahnfahrzeuge 1,683,000M.,
„S)u scheinst ja mitten aus der Versammlung der Götter zu kommen," rief Eleonore mit einem Anfluge von Neid.
„Wie schade, daß Du krank bist," entgegnete Lucrezia. „Du solltest diesen jungen Mann sehen! Er ist in jeder Beziehung ein leuchtendes Juwel!
„Du bist ja ganz Feuer und Flamme," rief Eleonore.
„Und mit Recht, meine Schwester. Die Dichter haben nicht immer das Vorrecht der Jugend und Schönheit. Der Himmel gibt sich häufig zufrieden damit, sie mit den Gaben des Geistes auszustatten, aber Tasso ist nicht allein ein großer Dichter, sondern auch jung und schön. Ich glaube, es ist gefährlich, zu tief in das seelenvolle Auge hineinzuschauen, denn es schlummert in demselben eine Feeen» und Zaubergewalt, welche die Herzen gefangen nimmt."
„Aber eine Prinzessin sollte gegen solche Gefahren gefeit sein," entgegnete Eleonore.
„Sollte, meine Schwester; aber Prinzessinnen tragen ja auch keinen Panzer um ihre Herzen, und wer weiß, ob Du auch so sprichst, wenn Du ihn gesehen hast. Höre nur die Musik seiner Rede, die sich wie FrühlingSthau in die Seele schmeichelt, sieh ihm in’S Antlitz und dann rede."
Eleonore, die sich so lange darauf gefreut hakte, Tasso zu begrüßen, war wirklich nicht frei von einem Anfluge von Neid, und die Schilderung ihrer Schwester trug noch dazu bei, denselben zu er»
Maaren ganz oder theilweise aus edlen Metallen 1,399,000 M., Uhrfournituren und Uhrwerke aus unedlen Metallen 1,128,000 M., Nähnadeln 1,038,000 M. Italien hat bekanntlich einen General- und einen Konventionaltarif, welch letzterer in sehr vielen gerade den Deutschen Export berührenden Punkten wesentliche Ermäßigungen aufweist. Durch den Vertrag sind für die deutschen Ausfuhrgegenstände in dem Konventionaltarife theils günstigere Sätze als diejenigen des Generaltarifs gewährt, theils die Sätze des letzteren gebunden worden.
Ueber die hauptsächlichsten Einfuhrartikel Italiens in Deutschland gibt die nachstehende, auf der deutschen Statistik beruhende Zusamnien- stellung der ,Nordd. Allg. Ztg.' Aufschluß, in welcher jedoch die jedenfalls beträchtliche Einfuhr italienischer Maaren über Hamburg und Bremen Mangels geeigneter Anhaltspunkte für die Schätzung nicht enthalten ist. Der Werth der Einfuhr Italiens in Deutschland betrug 1881:
Lebende Thiere 1,676,000 M., Eier vom Geflügel 1,232,000 M., frische Apfelsinen, Gitronen rc. 592,000 M., Rosinen 1,001,000 M., getrocknete Mandeln 1,717,000 M., frisches Gemüse, eßbare Wurzeln, Beeren rc. 788,000 M., Wein und Most in Fässern 1,247,000 M., undenaturirtes Olivenöl in Fässern 2,255,000 M., Kleesar 870,000 M., Weinstein 1,335,000 Dl., Dem' rirtes Olivenöl in Fässern 1,956,000 M., Glasplättchen, Glasperlen, Glasschmelz 1,745,000 M., Strohbänder 1,113,000 M., rohe behaarte Schaf-, Lamm- und Ziegenfelle 911,000 M., rohe Baumwolle 10,971,000 M., roher Hanf geröstet 2,931,000 M., nicht gefärbte Seide 11,472,000 M., nicht gefärbte Floretseide, Abfälle von gefärbter Seide 1,239,000 M. und Schwefel 670,000 M.
* Hamburg, 18. Mai. (Die Generals- Versammlung des Vereins deutscher Zuckerfabrikanten) trat, nachdem der Vorsitzende Graf Hacke Mittheilungen über den Stand der Zuckersteuerfrage gemacht hatte, in voller Anerkennung des Auftretens des Direktoriums des Vereins und in Erwägung der wohlwollenden Stel- höhen. Sie verwünschte ihr Uiiwoyljein, und es fehlte nicht viel, so hätte sie sich schon jetzt erhoben; aber der Arzt, den sie zu Rathe zog, verbot ihr entschieden, das Zimmer zu verlassen.
Wie segelten die Stunden so matt und träge dahin, wie lange wurden die Nächte! Sie hatte Zeit und Muße, den Dichter mit allen Vorzügen auszustatten und sich ein Bild von ihm zu entwerfen, von dem sie sich selbst sagen mußte, daß es wohl zu rosig gemalt sei.
Einige Tage später fühlte sie sich wieder wohl und gekräftigt, und der Spiegel sagte ihr, daß sie es wagen dürfe, sich von dem Dichter betrachten zu laßen.
Die Kammerfrau hatte heute ihre liebe Noth mit ihr, denn kein Kleid war ihr hübsch genug; die ganze Garderobe wurde durchprodirt, ehe sie sich zu einer entschließen konnte. Endlich hatte sie gewählt. Zum Schlüße ließ sie sich noch eine dunkelrothe Rose in das prächtige Haar stecken, und nun war sie in der That eine imponirende Erscheinung.
Vom Fenster in den Garten blickend, sah sie einen fremden jungen Mann, in schwarzem Sammt gekleidet, zwischen dem Grün umherwandeln. Sein Gesicht war von ihr abgewendet, aber ihr Herz sagte ihr, daß es Taffo sei. Schnell eilte sie die Marmortreppe hinab und trat in einen der Laubgänge, welche von der Hinterseite des Schlosses in den Garten führten. Mit raschem Blicke über-