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Jg 1(1. Freitag, den 18. Biai 1883.

Fuldser SB Jeitung.

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Deutsches Reich.

Fulda, 18. Mai.

* Der fünftägige Aufenthalt des ehemaligen französischen Ministers, jetzigen Krönungsbevoll­mächtigten Waddington in der Reichshaupt­stadt, sein lebhafter Verkehr mit einflußreichen po­litischen Persönlichkeiten, speciell mit dem Fürsten Bismarck, endlich auch seine Audienz bei dem Kai­ser und dem Kronprinzen sind nur zu geeignet, dieser langen Reiseunterbrechung des Vertreters der Republik bei der russischen Kaiserkrönung eine besondere Wichtigkeit und Bedeutung beizulegen. Herr Waddington soll auch nach den Berichten französischer Blätter von seiner Mission in Berlin ganz befriedigt sein. Es liegt klar auf der Hand, daß Frankreich nach den groß­prahlerischen Erklärungen Mancini's über die Be­deutung der Tripelallianz im Gefühle seiner von Challemel-Laconr gelegentlich der Broglie'schen In­terpellation ausdrücklich anerkannten vereinsamten Lage neue Fühlung suchen mußte. Waddington war nun ohne Zweifel die geeignetste Per­sönlichkeit, in dieser Beziehung in Berlin neue Verbindung anzuknüpfen und eine Verstän- ständigung mit dem Leiter des auswärtigen Amtes zu suchen. Als erster Bevollmächtigte Frankreichs auf dem Berliner Kongresse hatte er bereits bei dem Fürsten Bismarck große Sympathien erwor- bW. und auch als Minister des Auswärtigen war sein Bestreben nur auf die Erhaltung guter Bezieh­ungen zu den sämmtlichen anderen Mächten gerichtet. Ein besonders günstiges Zeichen für die fortdau­ernd friedlichen Bahnen, welche die französische Politik einzuhalten gedenkt, ist ohne Zweifel auch der Umstand, daß grade Waddington zum fran­zösischen Botschafter in Wien ausersehen ist. Je­denfalls sind daher die von ihm im Namen der Republik gemachten freundschaftlichen Erklärungen als eine neue und bedeutsame Garantie für die Fortdauer des europäischen Friedens mit Freuden zu begrüßen.

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Torquato Tass o.

Ein Dichterleben.

pon Wilhelm flercheudach.

(Fortsetzung.)

. Ich brauche dem Leser kaum die Versicherung zu geben, daß Torquato sich über den Bescheid seines Vaters sehr kümmerte. Die Poesie war nun einmal seine ganze Sehnsucht, und er hatte noch M wenig Lebenserfahrung, um die Wahrheit von seines Vaters Worten einzusehen. Die Jugend rechnet nicht mit der Zukunft, sondern gibt sich den augenblicklichen Wünschen und Empfindungen hin,, und selbst wenn sich vor ihren Augen die größten Schwierigkeiten erheben, sie achtet dieselben gering und glaubt über das Meer schwimmen und m den Feuerschlund des Aetna hinabsteigen zu können.

Der Erfolg bestärkte unseren Torquato außer­dem noch in seinem Vorsatze. Sobald der Ri­naldo gedruckt war, erscholl sein Lob von allen ^nden Italiens; der gestern noch unbekannte Jüng- ling wurde plötzlich auf den Schild gehoben, und ehe ein Moment vorüber war, gab es im ganzen Lande keinen Namen, der häufiger ausgesprochen wurde, als der des Torquato Taffo.

Sein Vater verwünschte die Veröffentlichung, nber sein Herz zitterte dennoch vor Wonne, als Italien ihn glücklich pries, einen solchen Sohn zu deptzen.

* Der .Reichsanzeiger' publicirt die sNeber- einkunft zwischen dem deutschen Reich und Oesterreich-Ungarn, betreffend die gegenseitige Zu­lassung der an der Grenze wohnhaften Medilci- nalPersonen zur Ausübung der Praxis. Vom 30. September 1882.

* (Erhöhung der Kautionen für Tele- graphenamts-Kassirer.) Zur Erläuterung der am 18. v. M. erlassenen kaiserlichen Verord­nung über die Kautionen der Beamten und Unterbeamten der Reichspost- und Telegra- vhenverwaltung sowie derReichsdruckerei hat der Staatssekretär des Reichspostamts durch Erlaß vom 11. ds. bemerkt, daß bei Festsetzung der Kautionsbeträge, deren gegenwärtige Höhe im Allgemeinen beibehalten worden; die Bedeutung dagegen, welche den Stellen der Kassirer bei den Telegraphen-Aemtern inFolge der fort­gesetzten Steigerung des telegraphischen Verkehrs zugefallen ist, die Nothwendigkeit ergeben hat, die Kautionen dieser Beamten, entsprechend der Höhe der von den Postkassirern zu stellenden Kaution, auf 2400 Mark festzusetzen. Sollte einer der in Kassirerstellen bei Telegraphenämtern befindlichen Beamten zur Zeit eine geringere Kaution gestellt haben, so sind in Bezug auf deren Erhöhung Ge­haltsabzüge u. s. w. vorzunehmen, falls der Kau­tionsbesteller sich nicht bereit erklärt, den erhöhten Betrag sogleich zu hinterlegen, Weiteres wird in der demnächst erscheinenden Ausgabe der Allgemei­nen Dienstanweisung für Post und Telegraphie enthalten sein.

* (Ueber die Kriegstüchtigkeit der Schüler unserer höheren Schulen) bringt der .Reichs-Anzeiger' einen Aufsatz, welcher auf Grund amtlichen Zahlenniaterials der kürzlich ver­breiteten Angabe entgegentritt, daß von den zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten jungen Männern, also denen, welche eines gewissen höhe­ren Unterrichts theilhaftig geworden seien, 80 bis 90 pCt. wegen körperlicher Untauglichkeit von dem Militärdienste ausgeschlossen blieben, während von den übrigen Militärpflichtigen aus demselben Grunde nur 45 bis 50 pCt. ausgeschloffen wer-

Als nun abermals Torquato's Briefe ankommen, da sah er wohl, daß sich der Strom nicht mehr aufhalten ließ, und nothgedrungen gab er seine Zustimmung.

Als des Vaters Brief in Padua ankam, war Taffo eben mit einem Entwürfe zu seinem Ge­dichte von der Eroberung Jerusalein's beschäftigt. Er warf denselben bei Seite und gab sich einst­weilen einer ungemessenen Freude über die Sin­nesänderung seines Vaters hin. Ohne Bedauern sagte er der Jurisprudenz Lebewohl und wandte sich brief­lich nach Bologna, von woher er schon früher eine Einladung erhalten hatte. Dieser wollte er jetzt folgen, um sich dort ganz und ungetheilt dem Studium der Literatur und Philosophie zu widmen. Dem Briefe folgte er selbst bald in Person nach. Mit Heißhunger warf er sich hier auf das Stu­dium des Platon, für welchen in seinem Geiste verwandte Seiten klangen; auch arbeitete er mit unermüdlichem Fleiße seinen Entwurf aus und dachte schon, an die Ausführung desselben zu gehen, als ihm eine Kränkung widerfuhr, die ihm das fernere Bleiben in Bologna verleidete.

Er verließ deshalb die Universität und begab sich zur Fortsetzung seiner Studien nach Modena, und hier erhielt er eine Einladung des Scipione Gonzaga, der in Padua eine Academie gestiftet hatte und ihn an der Spitze derselben zu sehen wünschte. Die Verhältnisse schienen sich nun über­haupt freundlicher gestalten zu wollen, denn auch

den muffen. Die amtlichen Angaben beziehen sich auf die Zeit von 1871 bis 1881. Nach diesen amtlichen Zahlen ergibt sich, daß von den zum einjährigen Dienst Berechtigten im allerhöchsten Falle nur 54 pCt. als untauglich befunden wor­den seien, ein Verhältniß, das sich von dem der übrigen Militärpflichtigen nur wenig unterscheidet.

Berlin, 17. Mai.

*(Zur Münzfrage.) Der Bundesrath hat bekanntlich in seiner letzten Sitzung dem Anträge für drei Millionen Mark Zwanzigpfennig­stücke einzuschmelzen und in Ein- und Zwei­markstücke umzuprägen, seine Zustimmung er- theilt. Aehnliche Umprägungen haben bereits früher stattgefunden, nur mit dem Unterschiede, daß die Neuprägungen auf Einmarkstücke beschränkt wurden. Daß nunmehr auch Neuprägungen von Zweimark­stücken stattfinden sollen, legen die Freunde der Goldwährung dahin aus, daß die Reichsregierung in naher Zeit nicht darauf rechne, ihren auf der letzten Pariser Münzkonferenz gemachten Anerbie­tungen wegen Einziehung und Umschmelzung der Zweimarkstücke Folge geben zu muffen. Denn in in einem solchen Falle wäre die Wiederaufnahme der Prägung von Zweimarkstücken eine widersinnige Maßregel. Die Reichsregierung, so folgert ferner die ,Nat.-Ztg.', scheine auch dem Anträge v. Kar- dorff und Genossen, welcher die Umprägung der Fünf- und Zweimarkstücke in Conrantmünze in Aussicht stellt, nicht geneigt zu sein.

* (Der zehnte Congreß des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheits­pflege) und des Vereins für „Gesundheitstech­nik" ist heute durch den Münchener Bürgermeister Ehrhardt eröffnet und von dem Bürgermeister Duncker namens der Staot Berlin begrüßt wor­den. Staatsminister Hobrecht wurde zum Vor­sitzenden erwählt, zu V'cepräsidenten die Sanitäts- räthe Graf-Elberfeld und Fischer-Hannover.

* (Ueber den Entwurf eines Gemeinde­steuer-Gesetzes) sollen gutem Vernehmen nach, wie die .Köln. Ztg.' schreibt, wiederum Verhand­lungen der betheiligten Ministerien im Gange sein, sein Vater war endlich in den Hafen einer lohnen­den Beschäftigung eingelaufen, und als erster Se- cretair in den Dienst des Herzogs Wilhelm von Mantua eingetreten.

Mehr noch als früher zog Torquato Taffo in seiner hervorragenden Stellung die Aufmerksamkeit der Hüter der Wiffenschaft und der Großen auf sich, und dieses war um so mehr der Fall, da er sich auch in der Philosophie außerordentlich hervorthat.

Der Cardinal Ludwig von Este hatte seinen Rinaldo geleien und ausgerufen, daß das Jahr­hundert keinen Dichter geboren habe, der Taffo gleichkomme, selbst sein Vater könne sich nicht mit ihm messen. Seit dieser Zeit verlor-r den jungen Mann nicht mehr aus den Augen, und m--Taffo das einundzwanzigste Jahr erreicht hatte, machte er ihm den Antrag, in seine Dienste zu treten.

Taffo war keinen Augenblick zweifelhaft, son­dern fest emschloffen, die Stelle anzunehmen, fragte aber doch den Scipione Gonzaga um Rath. Als dieser von dem Anträge hörte, verfinsterte sich seine Stirn, und er sprach:

„Mein F^und, wo könntest Du einen ruhm- vollern Platz finden, als an der Academie zu Padua, wo lernbegierige Jünglinge zu Deinen Füßen sitzen und Deinen Worten lauschen? Der Cardinal ehrt Dich und achtet Dich hoch, aber Niemand thut wohl, sich der Laune des Einzelnen hinzugeben, ivenn ihm eine größere Gesammthei^