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Sonnabend, dm 12. Mai
1883.
Fuldaer 1S1 Jeitung.
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ä Pfingsten.
Von jeher wurde Pfingsten auf das feierlichste und heiligste begangen. Schon im alten Bunde opferte man an diesem Tage dem Jehova die Erstlinge der Früchte, sieben makellose Lämmer, ein Kalb und zwei Widder. Nach dem Tode Christi aber gab der Himmel ein deutliches Zeichen, daß es mit seinem ganzen Glanze auch in den neuen Bund mit herübergenommen werden sollte. Als an diesem Tage ungeheuere Schaaren von Juden sich in Jerusalem eingefunden hatten, kam vor ihren Augen der heilige Geist in Gestalt feuriger Zungen auf die Häupter der Apostel herab. Das Pfingstfest wurde also vom ersten Anfang an dem Christenthume eingefügt und behielt in der Folge stets seinen feierlichen nnd heiligen Charakter bei.
In Frankreich ahmte man während des Gottesdienstes das feierliche Brausen mit der Trompete nach, von den Gewölben fielen Feuerzungen, welche über den Häuptern der Gläubigen erloschen. In Sicilien läßt man noch heute einen Rosenregen von den Gewölben fallen.
Aber inehr als die äußere Synibolisirung gilt uns das innere Wesen, die Spendung der Gaben des heiligen Geistes, von denen die Beredsamkeit sich sofort auf dem ersten Pfingstfeste offenbarte. Auch heute ist die Gabe der Beredsamkeit eine große" Macht, aber leider macht sie sich vielfach nur zum Verderben der Menschen geltend. Während die Apostel mit Feuerzungen das Evangelium verkündeten und alle Völker der Erde einluden, sich demselben zu unterwerfen, findet heute vielfach das gerade Gegentheil statt. Unter den Aposteln der heutigen Wiffenschaft, welche berufen sein sollten, die Wirkungen des heiligen Geistes auch in der studirenden Jugend lebendig zu erhalten, gibt es viele, welche nicht vom heiligen, sondern vom bösen Geiste getrieben werden, und deren beredte Lippen die Wahrheiten des Evangeliums verhöhnen, statt sie auf allen Gebieten des Wissens zum Grund- unb Eckpfeiler zu machen.
Es kann nicht bestritten werden, daß von den hohen Lehrstühlen herab der Grund zum Un-
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Torquato Tasso.
Ein Dichterleben.
|en Wilhelm tzerchenhach.
(Fortsetzung.)
Sie wollte noch mehr sagen, aber ein Blutstrom ergoß sich in ihren Mund, und sie war nicht im Stande, ihre Worte zu vollenden. Bernardo hob ihr den Kopf in die Höhe und wischte das Blut hinweg. Die Krankheit seiner Gattin griff ihn so sehr an, daß er kaum noch im Stande war, sie zu halten.
„Bernardo," nahm sie nach einer Pause wieder das Wort, „wenn es möglich ist, so laffe Torquato von Pesaro kommen, damit ich Absckied von ihm nehme. Sicher würde es ihn das ganze Leben hindurch schmerzen, wenn ich in die Gruft gelegt würde, ohne daß er noch einmal meine Lippen geküßt hätte."
Der arme Mann saß wie vernichtet am Lager seiner Gattin, und er wünschte aufrichtig, daß er statt ihrer sterben könne, denn sicker war ihr Leben für die Kinder von größerem Werthe, als das seinige. Gewaltsam raffte er sich empor, schrieb einige Zeilen an Torquato und eilte dann in die Stadt, um einen Bolen zu suchen, der seinen Sohn heimsühre. Als er zurückkam, saß Cornelia am Bette der Mutter, und diese war sanft eingeschlafen.
„Mein Kind," sagte er mit thränenden Augen,
glauben gelegt, und daß derselbe aus den Hörsälen heraus in das Volk getragen worden ist. Aber damit war man noch nicht zufrieden, auch die Volksschule sollte eine Stätte des Widerspruches, ein Heerd antireligiöser Anschauungen werden. Hier aber wird sich die Brandung des Meeres des Unglaubens finden, und die Felsenufer des treu gebliebenen Theiles der Christenheit werden die Waffer der Empörung auf die Urheber der Sturmwellen zurückschleudern.
Die falsche Beredsamkeit macht sich auch in den Parlamenten breit; dort ertönen nicht mehr die Feuerzungen der apostolischen Weisheit, sondern die Feuerzungen der Partei. Christus liebte die Armen und lieh ihnen allenthalben seine Hülfe^ und die göttlichen Gesetzbücher sind alle von den Feuerzeichen der christlichen Nächstenliebe durchleuchtet. Die Gesetze unserer Tage sind in ihren Grundzügen auf die Macht der Starken gebaut; die Schwachen und Armen werden den zermalmenden Sohlen der Kräftigen preisgegeben.
Eine mächtige Pattei, welche sich gegen das Brausen des nahenden Geistes die Ohren verstopft und die Worte des Evangeliums in Gift und Galle verwandelt, gebraucht ihre Parteizunge, um die Knechtschaft der Armen in Permanenz zu halten, um die Armuth zu einem gesetzlichen Zustande zu machen.
So aber ist die Botschaft des heiligen Geistes nicht zu verstehen/ Das Brausen machte die zu Jerusalem Versammelten auf ein außerordentliches, ein neues Ereigniß aufmerksam, und als die Feuerzungen die Menschenzungen weckten, da war ihre erste Thätlgkeit die Verkündigung des Evangeliums der Armen. Und dieses Evangelium sollte nimmer Wechsel und Aenderung erfahren, sondern bleiben und befolgt werden, bis am jüngsten Tage die Sterne vom Himmel fallen.
Die Prediger des Unglaubens aber, welche die feurigen Zungen von ihren Häuptern verscheuchten, wittten im entgegengesetzten Sinne; sie haben die Moral verdorben, die Herzen verfälscht, die Zucht verkehrt, die Gefängnisse bevölkert, den Eid zum : Spott gemacht, die Socialdemokraten, Nihilisten
„ich werde bei der Mutter bleiben; Du aber mußt in die Stadt eilen, um den Arzt zu holen. Zögere nicht!"
Schluchzend erhob sich Cornelia und eilte, den Auftrag ihres Vaters auszuführen. Taffo war also mit der Kranken allem. Seife neigte er sein Ohr an ihren Mund und lauschte den Athem- zügen. Sie gingen unregelmäßig, aber es wollte ihn doch bedünken, daß noch keine Gefahr für sie vorhanden sei, und so kehrte wieder frische Hoffnung in sein Herz zurück. Bald kam Cornelia mit dem Arzte zurück. Dieser warf einen Blick auf die Schlummernde und fühlte ihren Puls. Porzra erwachte durch seine Berührung, und als sie den Arzt erkannte, lispelte sie: „Nicht wahr, meine Tage sind gezählt?"
„So lange noch Athem im Mensch ist," antwortete der Arzt, „kann man ihn nicht verloren geben. Es sind oft Leute wieder genesen, die kränker waren, als Sie; indeffen ist Niemand im Stande, die Absicht Gottes zu ergründen, und wir thun schon in gesunden Tagen wohl, wenn wir unser Haus bestellen, damit wir zu jeder Zeit gerüstet sind, vor dem Herrn zu erscheinen.
Porzia läckelte, denn sie verstand wohl, daß er mit seinen Worten nur ihr und den Ihrigen einen Trost aussprecken wollte aber selbst keine Hoffnung hege. Nachdem er verordnet hatte, was sie effen und trinken sollte, entfernte er sich und versprach, am folgenden Tage wiederzukommen.
und Fenier gezeugt und die Armen zu Sklaven gemacht.
Am lieblichen Pfingstfeste sprießen Blätter und Blumen zur Augenweide und Herzensfreude für Arme und Reiche. Laßt auch Halm und Aehre für Beide wachsen. Kehret zurück zu der richtigen Beredsamkeit, bereit Fundament die christliche Nächstenliebe ist. Thut ihr dieses, so werdet ihr nicht allein diese Gabe des heiligen Geistes haben, sondern auch die anderen in den Kauf bekommen.
Wir rufen den Volksvertretern zu: Seid mit euerer Beredsamkeit für das Volk und nicht für die Pattei da. Werfet eine Brücke über den reißenden Strom des Kulturkampfes und sorgt dafür, daß Diejenigen, welche berufen sind, den heiligen Geist zu predigen, wieder unbehindert den Einzug desselben in die Herzen des Volkes bewerkstelligen können.
Deutsches Reich.
Fulda, 12. Mai.
* (Zur Ablehnung der Holzzölle) sagt die .Nordd. Allg. Ztg.', dieselbe sei durch die Stimmen der Polen herbeigefühtt. Die Gründe, welche die Polen bei der Abstimmung geleitet hätten, seien für Niemand ein Geheimniß. Die Polen hätten von den Holzzöllen eine Schädigung ihrer galizischen Brüder befürchtet; die Abstimmung der Polen sei ein neuer Beweis für ihre feindliche Stellung dem Reiche gegenüber. Ihr ganzes Dichten und Trachten sei nach wie vor auf Wiederherstellung Polens gerichtet und jede Maßregel fei ihnen recht, die das Reich schädige, zumal wenn sie den Brüdern in Oesterreich und Rußland Gewinn bringe. Das Votum des Fortschritts sei wohl durch verschiedene Motive bestimmt, möglicherweite habe auch bei ihm die Rücksicht auf polnische Waldbesitzer im Auslande mitgespielt. Es sei ja geschichtliche Thatsache, daß die Wiederherstellung des Polenreiches zu den Lieblingsideen liberaler Politiker gehöre. Die Liberalen hätten 1848 in Frankfurt der Polenfrage den Vorrang vor der deutschen eingeräumt.
Bernardo folgte ihm bis an die Treppe, bort legte er seine Hand auf feinen Arm und sprach in fast leibenfchaftlicher Erregung: „Herr Dottor, sagen Sie nur die reine Wahrheit, damit ich weiß, was ich zu erwarten habe."
Der Arzt blieb stehen und entgegnete: „Taffo, unter Männer muß Aufrichtigkeit und Wahrheit bestehen, darum theile ich Ihnen mit, daß die Lebensuhr Ihrer trefflichen Gemahlin bald abgelaufen ist. Wenn sie noch eine Woche lebt, daun ist es viel, sehr viel; an ein Aufkommen aber ist nicht zu denken."
Bernardo halte vorhin noch Hoffnung geschöpft und sich einer angenehmen Täuschung hingegeben; jetzt aber, als er hörte, daß keine Rettung mehr möglich sei, brach er zusammen, und der Arzt mußte ihn in fein Zimmer geleiten. Hier fiel er in Ohnmacht. Der Arzt, welcher noch Schlimmeres fürchtete, blieb fo lange bei ihm, bis er sich überzeugt hatte, daß er ihn nun ohne Gefahr verlassen konnte.
Der unglückliche Mann saß dumpshinbrütend auf einem Sessel und malte sich in Gedanken den ungeheuren Verlust vor, den er durch den Tod seiner Gattin erleiden würde. Die Welt kam ihm ohnehin so schaal und leer vor, daß es ihm thöttcht schien, noch länger zu leben. Ein Strom von Thränen erleichterte endlich sein schwer belastetes Gemüth, und nun konnte er es über sich bringen, wieder in das Krankenzimmer zu gehen. (Forts, f.)