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Freitag, den 11. Mai

1883

Jfiilbarr Wk Mung.

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Deutsches Reich.

Fulda, 11. Mai.

* Die gestern erschienene ,Provinzial-Corre- spondenz' hebt nach einem kurzen Resum4 der bei der ersten Lesung des Reichsetats für 1884/85 zu Tage getretenen Anschauungen hervor, daß die Möglichkeit offen bleibe, daß die Budget-Commis­sion umfangreichere Theile des Etats alsbald nach der jetzt eintretenden Festpause für die zweite Be- rathung im Plenum fertig stelle.

Trifft diese Voraussetzung zu, so würde der Beschluß vom 7. Mai kaum eine erhebliche Verzögerung in der Er­ledigung des Etats herbeiführen, auf welche eher als im Monat Juni von keiner Seite gerechnet werden konnte.

An die Behandlung des Etats in der Commission knüpft fich also diesmal nicht, wie sonst nur die Vorentscheidung mehr oder minder wichtiger Einzelfragen, sondern über die end­gültige Stellung des Reichstages zur kaiserlichen Botschaft. Niemand wird die Wichtigkeit dieser Vorentscheidung ver­kennen. Sollte dieselbe nicht in dem Sinne der Botschaft ausfallen, so wird die nationalliberale Partei die alleinige Verantwortung dafür zu tragen haben, daß die Erfüllung der dem Reichstage von dem Kaiser ans Herz gelegten Wünsche vereitelt wird, indem sie im Widerspruch mit den von ihr kundgegebenen Anschauungen und im Widerspruch mit allem Herkommen durch ihr Votum die Annahme eines Antrages ermöglicht hat, dessen Tendenz direct gegen die Intentionen der Allerhöchsten Botschaft gerichtet war.

In einem anderen Artikel sucht die ,Prov.- Corr.' die Nothwendigkeit der an den Reichstag gelangten Verwahrung des Reichskanzlers gegen den Antrag des Abgeordneten Richter, betreffend die Militärwerkstätksn und die Cantinen, darzu- legen und macht über den Antragsteller und dessen Taktik am Schluffe derselben folgende bittere Be­merkungen :

Die Person des Urhebers dieser auf Hemmung und Verwirrung der Thätigkeit des Reichstages abzielenden, auch im vorliegenden Falle erfolglos gebliebenen Unter­nehmungen läßt eine Beschäftigung mit der Methode, nach welcher verfahren worden, überflüssig erscheinen. Nach einem bekannten Worte soll Niemand verübelt werden dürfen, wenn er in seinem Berufe thätig ist, und die Auffassung des parlamentarischen Berufes, nach welcher derselbe vornehmlich in der Ueberschreitung der parlamen­tarischen Schranken besteht, zählt noch immer eine gewisse Anhängerschaft. Der Regierung erwächst daraus die Ver­pflichtung, die Innehaltung dieser Schranken mit doppelter

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Torquato Tasso.

Ein Dichter! eben.

Pau Wilhelm Kcrcheubach.

(Fortsetzung.)

II.

Porzia, die liebende Gattin, hatte es mit all' ihrem guten Willen und ihrer Energie nicht ver­mocht, den Ihrigen ein angenehmes Heim zu be­reiten, denn die ganze Sorge für das Hauswesen iag allein auf ihren Schultern. Bernardo gab sich alle erdenkliche Mühe, ein neues Unterkommen )u finden, aber der Günstling des gestürzten Für- sien wurde überall mit mißtrauischen Augen ange­sehen; man fürchtete, den Zorn des Kaisers auf üch zu laden, wenn man dem fähigen Manne, dem tüchtigen Arbeiter einen Posten gab. Taffo, stolz, um zu betteln, litt lieber die größten Entbehrungen, und wenn sein Herz blutete, flüchtete er sich in seine Dichtungen, denn er war schon da­mals mit seinem Hauptwerke „L’ amadigi?, wel- ’N ihm spätir einen so großen Ruhin eintrug, beschäftigt. Aber was sollten diese Poesien? Jhin ’Mtt'en sie der Lethe, aus dem er Vergeffen trank, aber feine Familie hatte kein Brod. Mißmuthig SeM er zuweilen die Feder weg, denn es dünkte Di «n sträfliches Beginnen, daß er im geistigen vergnügen schwelgte, während seine Gattin sich in Twerer körperlichen Arbeit abmühte, und doch

Sorgfalt zu überwachen, rechtzeitig vor Ueberschreitungen zu warnen und dadurch den Beweis zu führen, daß die Hervorrufung „künstlerischer Conflicte" und tendenziöser „Aufbauschungen unbedeutender Vorkommnisse" weder in ihrer Absicht, noch in ihrem Interesse liegt.

Dieser Ton des halbamtlichen Blattes ist nicht ganz so leidenschaftlich, wie der Ton der ,Rordd. Allg. Ztg.', welche die Fortschrittler sämmtlich zu Republikanern stempeln will, die heutigen Staats­männer zwar nicht ad leones, aber ad impuden« tes verurtheilt sieht, und was derlei Zornreden mehr sind. Wenn aber auch die ,Prov.-Cor.' fich etwas mäßigt, so hätte sie doch nach unserer An­sicht Herrn Richter besser abgefertigt, wenn sie noch mehr Würde und Ruhe bewahrt hätte. Aus demselben Gesichtspunkte halten wir es für einen pädagogischen Mißgriff, daß der Kanzler die außer­ordentliche Maßregel seines Briefes an einen An­trag Richter knüpfte.

In einem dritten Artikel spricht sich die,Prov.- Corr.' über die Verwaltungsgesetzgebung aus, und zwar in der Hauptsache befriedigt:

Wenn von Seiten der Gegner mit großer Beharrlich­keit stets von Neuem die Behauptung aufgestellt wird, daß durch diese Aenderung der Inhalt der Vorlage völlig beseitigt und nur die Form beibehalten worden sei, so wird hiermit das thatsächliche Verhältniß gefliffentlich ent­stellt und in schlecht verhehltem Unmuthe der große Er­folg, welchen die Regierung errungen, zu verdunkeln ge- fucht. Derjenige Theil der Regierungsvorlage, welcher ausnahmslos als der Brennpunkt derselben angesehen worden ist, und gegen den sich daher auch die Angriffe fast allein richteten, hat d>e Zustinpnnns t'<'~ w« größeren Mehrheit des Abgeordnetenhauses gefunden. Der Gedanke, daß die Verwaltungsjustiz gesonderte Wege nicht gehen könne, ohne ihre Aufgabe zu verfehlen und einen unlösbaren Gegensatz in die Gesammtverwaltung hineinzutragen, und daß sie sich daher mit der laufenden Verwaltung zu einem einheitlichen, in steter lebendiger Wechselwirkung befindlichen Ganzen vereinigen müsse — dieser große Gedanken hat durch die Uebereinstimmung der Regierung und des Abgeordnetenhauses seine Ver­wirklichung gefunden. Gegenüber dieser nicht hoch genug zu veranschlagenden Errungenschaft treten die übrigen Punkte, in welchen die Regierung nicht das gleiche Ent­gegenkommen gefunden hat, zurück.

Berlin, 10. Mai.

* Die Budget-Kommission des Reichstages nicht im Stande war, die nothwendigsten Bedürf- niffe herbeizuschaffen.

Sie klagte zwar niemals; ihm Gegentheile zeigte sie stets ein heiteres Gesicht und mühte sich, die Sorgenfalten von dem Gesichte des Gatten zu verbannen; aber Taffo glaubte dennoch zu erken­nen, daß die Bürde, die sie sich aufgeladen, zu schwer für ihre Schultern war. In der Ver­zweiflung verließ er Sorrent und wanderte umher, um sich neue Hülfsquellen zu verschaffen, aber alle Thüren, an die er klopfte, waren verschloffen; man wies ihn hier mit höflichen Worten, dort mit rauhem Tone ab, man vermied seine Begegnung wie die eines Aussätzigen. Fast fehlte ihm der Muth, heimzukehren und seiner Gattin zum hun­dertsten Male zu sagen, daß er ihre Leiden nicht lindern, sondern nur vermehren könne.

Porzia widmete sich mit einer unbeschreiblichen Sorgfalt der Erziehung ihrer Kinder, und darin fand sie keine geringe Quelle des Trostes, denn Torquato entwickelte sich über alle Ermattung schnell und versprach, mit zunehmendem Alter et­was ganz Außerordentliches zu leisten. Cornelia war ein Kind wie ein auf die Erde gesandter Engel; also konnte sie mit diesen beiden Geschenken des Himmels zufrieden sein. Aber nun kamen neue Sorgen, denn Torquato's Geistesflug war zu rasch, um länger in den engen Banden des mütterlichen Unterrichts geschnürt zu bleiben; er mußte in eine gute Erziehungsanstalt gebracht

hat den Antrag des fortschttttlichen Abg. Ludwig Löwe:

„Die Berathung des Etats für 1884/85 so lange auszusetzen, bis der Kommission der voll­ständige Rechnungsabschluß des Jahres 1882/83 mitgetheilt ist, auch in die Berathung des Bau­etats nicht vor Beendigung der diesjährigen Bausaison, desgleichen in die Berathung des Etats der indirekten Steuern, sowie des Aus­gabetitels für Naturalverpflegung nicht vor der diesjährigen Ernte einzutreten"

mit allen gegen 4 Stimmen der Linken abgelehnt. Die kommissarische Berathung des Etats beginnt am 23. Mai. Ueber die Verhandlung be­richtet die .Kreuzztg.': „In der Sitzung der Bud­get-Kommission, an welcher die sämmtlichen 28 Mitglieder theilnahmen, beantragten die Vertreter der Fortschrittspartei, die Berathung des Etats für 1884/85 vorläufig auszusetzen und erst dann vorzunehmen, wenn die Ergebniffe des Etats­jahres 1882/83 durch die Regierung bekannt ge­macht seien, also die Verhandlungen bis nach dem 1. Juli zu vertagen. Die Abgg. v. Wedelt und v. Kardorff traten diesem Anträge, der auf nichts anderes hinauslaufe, als die Etatsberathung zur Zeit abzulehnen, auf das entschiedenste entgegen. Nachdem der Abg. Rickert mitgetheilt hatte, daß er gerade bei der Berathung dieses ©tats eine große Menge principieller Fragen in Anregung bringen und deshalb eine baldige Beendigung der Brrhunolungen mcyr für wayrjcheinucy hätte, er­klärte der Abg. Dr. Windth orst, daß die Mit­glieder der Centrumspartei bereit seien, nunmehr ernstlich in die Verhandlung einzutreten, wenngleich man nicht verkenne, daß den Berathungen mancher­lei Schwierigkeiten entgegentreten würden. Auch die Vertreter der nationalliberalen Pattei gaben durch den Herrn v. Benda die Erklärung ab, wie sie durch das Votum, den ganzen Etat der Kommission zu überweisen, keineswegs die Ver­schleppung der Berathungen beabsichtigt hätten, vielmehr auch ihrerseits bereit seien, in die Be­rathungen einzutreten. Abg. Rickert erklärte, daß er versuchen werde, die Feststellung des Etats für

werden. Der Vater entschied sich für die Jesuiten in Neapel, denn sie hatten in der Wissenschaft einen großen Ruf und stapden in den Erfolgen des Unterrichts allen Anderen voran.

Man machte dem gebeugten Vater den Besuch der Anstalt so leicht als möglich, aber immerhin waren mit dem Aufenthalte in Neapel neue, un­vermeidliche Ausgaben verbunden, die kaum er­schwungen werden konnten. Sie wuchsen noch, als Torquato später in Rom und Bergamo die Schulen besuchte, und selbst, als er in Pesaro den Unter­richt des Herzogs von Urbino theilte, blieb noch immer mehr zu leisten, als die eingeschränkten Mittel erlaubten.

Das größte aller Leiden aber sollte noch kom­men. Porzia hatte sich in Sorgen und Entbehr­ungen neun Jahre aufrecht erhalten, ohne jemals zu klagen, aber jetzt konnte sie es doch nicht mehr länger verhehlen, daß sie von Tag zu Tag schwä­cher und leidender wurde. Taffo war um diese Zeit mehr als jemals in seine Gedichte vettieft. Dieses war die Ursache, daß er den Zustand sei­ner Frau nicht bemerkte, bis sie eines Tages sich nicht von ihrem Lager erhob, sondern Cor­nelia beauftragte, das Frühstück herzurichten.

Bernardo eilte an ihr Lager, und er brach in heftiges Weinen aus, als er sah, wie blaß ihre Wangen, wie leblos ihre Auge waren. „Mein Gott, mein Gott," schluchzte er, „wo würde ich Troff finden, wenn sie nicht mehr wäre!"