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Donnerstag, den 10. Mai

1883.

Fuldaer WV Jeitung.

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ist. In diesem wird ihm jedes Jahr sein Ge- winnantheil von der Kaufsumme abgeschrieben; die Zinsen aber muß er aus seiner Löhnung be­streiten, weil er sonst leicht den Antrieb zum Ab­tragen verliert und sich an das Mehrverbrauchen gewöhnt. Auf diese Weise wird er nach und nach zum Eigenthümer und klebt an der Scholle, wenn er für sein eigenes Glück nur ein .wenig besorgt ist, wird er nicht ruhen und rasten, bis sein Eigen- thum schuldenfrei ist. Der Garten hilft ihm, denn er wird Manches für feinen Haushalt ziehen und weniger in Versuchung sein, seine freien Stun­den im Wirthshause zuzubringen. - ,

Die unverheiratheten Arbeiter behalten ihren Gewinnantheil auf Zinsen stehen; wenn sie sich verehelichen, werden auch sie gerne zum Kauf übergehen, weil sie sich dabei bester stehen, als wenn sie zur Miethe wohnen und nur allzu oft der kostspieligen Nothwendigkeit des Wechselns aus­gesetzt sind.

Brave Landmädchen werden sich des Gartens und des Häuschens wegen eher entschließen, einen Fabrikarbeiter zum Gatten zu nehmen, weil sie in ihrer gewohnten Beschäftigung bleiben und durch ihren Fleiß zum Vorwärtskommen leichter beitra-

nehmen würden, aber er meinte, dem Gewinnan- thcile müsse bei schlechtem Geschäftsgänge auch ein Zuschuß der Arbeiter gegenüber stehen.

Abgesehen von der Undurchführbarkeit dieses Vorschlages ist auch die Anschauung eine unrich­tige, denn das Kapital des Arbeiters ist seine Ar­beitsleistung, die er ja voll darbringen muß. Bei schlechten Geschäften tritt in der Regel eine Herab­setzung des Lohnes ein; er trägt also an den Verlusten ohnehin mit, und wenn kein Gewinn erzielt wird, geht er ebenso leer aus, wie der Fabrikant.

Man möge den Vorschlag prüfen und denselben nicht unbesehen von der Hand weisen. Wer ihn annimmt und einsührt, wird auch die Normen zur Regelung aller vorkommenden Fälle finden.

„Ja, mein Kind, aber Du mußt nun auch bald anfangen, zu lernen, damit Du künftig so geschickt wirst, wie Papa. Willst Du das?"

„Gewiß Mama, aber Cornelia muß auch ler­nen, damit sie so geschickt wird, wie Mama."

„Ja, ich will meine Kinder unterrichten," dachte Porzia; es wird eine Quelle des Vergnügens für mich sein, und ich werde doch etwas zu ihrem künftigen Glücke beitragen."

Bernardo kam sehr niedergeschlagen von Salerno zurück. Der Fürst hatte ihn zwar liebevoll auf- genommen und seine Dienste lobend anerkannt, aber auch die feste Ueberzeugung ausgesprochen, daß der Kaiser sich niemals erweichen lassen werde, und daß also ihr Scheiden für immer stattfinden müsse. Auf den, Heimwege hatten sich seine Ge- danken stets um die Frage gedreht, wie er's nun anfangen werde, um seine Gattin und Kinder red­lich zu ernähren, aber seine Hoffnung war immer geringer geworden, je näher er dem schönen Sor­rent kam Wo sollte er jetzt eine Stelle finden, die seinen Ansprüchen genügte und seine Familie nährte? Der Fürst war in kaiserliche Ungnade gefallen, und das reichte hin, auch ihn, den Beamten, bei allen Höfen, bei Großen und Vornehmen, welche seine Dienste gebrauchen konnten, in Mißcredit zu bringen. Er wußte es ja mir allzugut , daß der Schatten, welcher vom Antlitze des Kaisers aus­

& Die Besserstellung der „Enterbten".

ii.

Wie ich im vorigen Artikel angedeutet habe, hat der Fabrikant keinen Schaden davon, wenn er seine Arbeiter mit einem Prozentsätze am Gewinne beteiligt. Er kann sogar Einrichtungen treffen, welche für beide Theile auch noch in anderer Weise von großem Nutzen sind.

Wenn am Schluffe des Jahres die Abrechnung stattgefunden hat, wird der Gewinnantheil der Arbeiter auf die einzelnen Personen repartirt und das Geld für jeden zinsbar angelegt, denn es soll nicht zu überflüssigeni Genüsse verwendet, sondern zur Bildung eines kleinen Vermögens angesammelt werden.

Die beste Verwendung besteht im Ankäufe eines Häuschens, weil dadurch der Mann seßhaft wird und ein größeres Interesse an dauerndeni Erwerbe gewinnt. Der Fabrikherr thut deßhalb wohl, wenn er einen Complex Land ankauft, darauf für seine Arbeiter Wohnhäuser errichtet und jedes mit einem Garten versieht. Die Häuser brauchen nur ein Erdgeschoß, Keller und Speicher zu haben und müssen so einfach gebaut sein, daß die Zinsen des angelegten Kapitals den Miethpreis einer Arbei- termohnung nicht übersteigen Drei bis vier Räume nebst einem Stalle für eine Kuh und ein paar Ziegen, reichen in fast allen Fällen aus, denn der Mann soll allein wohnen und sich nicht mit Kost­geberei befassen.

Die Häuser dürfen nicht zu nahe bei der Fa­brik liegen, damit der Mann genöthigt ist, viermal des Tages den Weg durch die Luft zu machen. Das freie Feld ist die beste' Lage. Die Gärten dürfen nur durch Hecken von einander getrennt fein, weil Mauern zu viel Schatten machen. Die Verheiratheten werden die Gelegenheit, zu einem Eigenthume zu kommen, gerne ergreifen, weil ihnen die Abtragung der Kauffume leicht gemacht werden kann. Der Ankäufer eines solchen Hauses erhält ein-Buch, in welchem die Schuldsumme verzeichnet

gen können.

Wer kein Haus haben will, dem werde die Ab­hebung seines Kapitälchens nicht zu leicht gemacht. Er soll es nur in Nothfällen angreifen, da durch die Kranken- und Unfallsversicherungen ja schon für ihn gesorgt ist. Wie das im Einzelnen zu machen, das kann hier nicht ausgeführt werden. Jedenfalls muß aber eine Stipulation getroffen werden, daß er nicht ohne triftige Ursachen seinen Brodherrn jeden Augenblick wechseln kann. Das beste Mittel ist ein Abzug, welcher eintritt, -----

er vor der im Vertrage festgesetzten Zeit, , Noth die Fabrik verläßt. Dieser Abzug muß bleibenden Arbeitern zu Gute kommen.

Ein Fabrikant, mit dem ich über die Sache sprach, räumte ein, daß eine solche Einrichtung für beide Theile vortheilhaft sei, gab auch zu, daß die Stetigkeit, der Fleiß, die Sparsamkeit und die häusliche Behaglichkeit der Arbeiter zu-

, O Das Cerrtrrrm und der Antrag Richter.

Die Budgetcommission des Reichstages ist gestern bereits zusammengetreten, und es hat auch schon die erste fortschrittliche Attaque stattgefunden. Getreu ihrer Intention, daß die Ueberweisung des ganzen Etats in der Wirkung einer Ablehnung gleichkommen sollte, stellten die Fortschrittler den Antrag, die Prüfung des Budgets überhaupt bis zum Juli zu vertagen. Gegen diesen Antrag wandten sich die beiden Centrumsmitglieder Dr. WiMhorft uno Frhr. v. Franckenstem, welch- dl- Wichtigkeit der Sache wegen eigens in der Com­mission eingetreten sind. Der Abg. Rickert erklärte, er wolle bei den einzelnen Positionen den Nachweis bringen, daß die thatsächlichen Voraus­setzungen die Prüfung fühlten. Der fortschrittliche Antrag wurde abgelehnt. Die Commission tritt nach den Pfingstferien, wahrscheinlich am 23. Mai wieder zusammen. So steht die Sache gegen­wärtig. , ,

Verschiedene liberale Blätter haben behauptet, daß auch einzelne Centrums-Mitglieder im Reichstag für den Antrag Richter-Rickert gestimmt hätten. Die .Germania' tritt dieser Nachricht bestimmt entgegen und konstatirt, daß das g a n z e Centrum gegen diesen geht, alles in düstere Wolken hüllt, und daß sich die Ungnade nicht auf den Herrn beschränkt, son­dern auch aus die Diener übergeht.

Mißmuthig sprang er vor der Thüre seines Hauses vom Pferde und rief nach einem Diener, aber es kam keiner.

Da eilte ihm Porzia entgegen und wollte die Zügel in die Hand nehmen, um das Thier nach dem Stall zu geleiten.

Bernardo schaute sie verwundert an und sprach kopfschüttelnd; „Meine Gattin darf keine Knechts­dienste verrichten. Wenn meine Diener zu lässig sind, um ihren gefallenen Herrn zu bedienen, so werde ich s elbst die kleine Arbeit verrichten." Mit diesen Worten griff er nach den Zügeln und . führte das Pferd in den Stall.

Die Gattin folgte ihm, und als er dem Thiere die Trense über den Kopf geworfen hatte, schaute sie ihn mit ernsten, wehmüthigen Blicken an und sprach: „Bernardo, während Deiner Abwesenheit habe ich gehandelt, wie es vernünftig war, und ich hoffe, Du wirst mir Deine Zustimmung nicht versagen." « c .

„Ich weiß, daß Du stets gut und vernünftig handelst," antwortete er, „und ich bin überzeugt, daß Du es auch heute gethan hast; doch laß mich hören, was es ist."

„Lieber Bernardo," gab sie zur Antwort, „ich

Torquato Tusso.

Ein Dichterleben.

Sen Wilhelm Derchende.ch.

(Fortsetzung.)

Die Treppe hinaufsteigend gelangte sie zu den wenigen Zimmern, welche sie sich vorbehalten hatte, und als sie jetzt einen prüfenden Blick darüber schweifen ließ, umschwebte ihre Lippen ein sanftes Lächeln, denn es wollte ihr bedünken, daß der Räume übrig genug seien, um ein zufriedenes Leben in denselben zu führen. Vorne lag ein Gemach, welches sich mit geringen Kosten zu einer Küche einrichten ließ, daneben eine Wohnstube, un diese grenzend ein Schlafgemach mit einem Al­koven für die Kinder und nach bem Meere hin ein größeres Gemach für den Gatten. Hier hatte er den weitesten Ausblick über den Golf und Nea­pel, und die Lage war ganz geschaffen, um seiner dichterischen Phantasie stets reiche Nahrung zu geben.

Als die Kinder hörten, daß sie nun hier oben wohnen sollten und nicht mehr durch alle Zimmer laufen durften, waren sie sehr erstaunt, aber der kleine Torquato sagte nach einigem Bedenken: §Es thut nichts, Mama; ich bin doch nicht gerne Ul den Zimmern, sondern lieber draußen, wo die Vögel singen und die Schmetterlinge flattern. Ich werde nun viel herumspringen dürfen, nicht wahr?"