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Dienstag, den 8. Mai
1883
Fllldner Intung.
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Deutsches Reich.
Fulda, 8. Mai.
lieber die von uns im gestrigen Parlamentsberichte kurz skizzirte Stelle der Rede des roilrt» tembergischen Abgeordneten Payer (Volkspartei), worin derselbe sich dagegen verwahrte, daß der Staatssekretär Burch ard die kaiserliche Botschaft eine „landesväterliche" Mahnung genannt habe, läßt sich die .Franks. Ztg.' wie folgt aus:
Die klaren und sachverständigen, von feinem politischen Verständniß und großem Geschick in Vermeidung der gefährlichen Klippen des Staatsrechts zeugenden Ausführungen des Abg. Payer bestätigen das, was wir schon mehrfach in unseren Spalten bei verschiedenen Gelegenheiten hervorgehoben haben. Wären sich alle Nicht-Preußen der hohen Wichttgkeit bewußt gewesen, welche die kaiserliche Botschaft - ganz abgesehen von ihrem materiellen Inhalt, mit dem man vollständig sympathisiren kann — für unser ganzes Verfassungsleben haben kann, oder hätten sie den Ruth und die Fähigkeit besessen, oder hätten es die Fraktionsinteressen gestattet, so wäre sicherlich von anderer Seite, als von der man es eine kurze Zeit lang beabsichtigte, eine Besprechung der Botschaft oder eine Adreßdebatte bean- ttagt worden. Denn das steht fest, daß die bayerischen, württembergischen und badischen Mitglieder aller Frac- tionen die Conservativen nicht ausgenommen, von der Botschaft nicht gerade freudig überrascht waren. Indessen die Ehrfurcht vor diesim osficiellen Aktenstücke hielt sie zurück. Anders aber lag die Sache, als gestern der Schatz- secretär Burchard und der preußische Finanzminister Scholz von eine^landesväterlichen Ermahnung und von einer kaiserlichen Regierung im Gegensatz zur parlamentarischen Herrschaft sprach. Sowohl die süddeutschen" Mitglieder des Eentrnms, asb e"nf"”nntino« Fraktionen waren davon peinlich berührt, noch peinlicher aber war es ihnen, daß nicht von Seiten der süddeutschen Mglieder des Bundesraths irgend Jemand zu einem Proteste auch in der sanftesten Form das Wort ergriff. Oder haben die Herren vom Bundesrath etwa vergessen, was in der Reichsverfaffung steht? Wissen sie nicht, was Herr Payer ihnen klar und präcis auseinandersetzte, daß in Deutschland nicht der Kaiser allein regiert, sondern in Gemeinsamkeit mit allen verbündeten Regierungen, welche vom Bundesrath repräsentirt werden? Was werden die Regierungen ihren Landesvertretungen sagen, um sich wegen dieses Stillschweigens, welches einem Aufgeben ihrer Rechte gleichkommt, zu vertheidigcn? Daß nur Fraktions-Interessen das Centrum gehindert haben, zu dieser Angelegen- heü ensschiedenStellung zu nehmen, beweist am besten der Umstand, daß aus den Reihen dieser Partei dem Abgeordneten Payer der lebhafteste Beifall gespendet wurde. Es
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Torquato Tass o.*)
Ein Dichterleben.
P« Wilhkl« 8erchr»I><ch.
Bernardo Tasso, der Vater des berühmten Dichters, saß auf der Terasse seines schönen Hauses ;u Sorrent und schaute mit entzückten Blicken über den prächtigen Golf von Neapel.
„Ich habe wohl gethan, mich in diesem Paradiese niederzulassensprach er mit vergnügtem fächeln, „denn wahrlich, ich wüßte kein zweites Plätzchen auf Erden, wo es so lauschig und heimlich und doch so schön und erhaben ist."
Sein Blick schweifte über den schönen, großen Hausgarten, dessen Citronen- und Orangenbäume über und über mit schneeweißen Blüthen und gvldstrahlenden Früchten beladen waren, die einen Würzigen Dust über die Terasse und in die offen Menden Gemächer des Hauses verbreiteten. Nachdem er sich eine Zeitlang an seinem lieblichen Be- utze gefreut hatte, wandte er den Kopf und schaute Müber nach Castellamare, zu dem rauchenden Ve- mv und dem weiten Kranz der Gebirge, welche den Golf einschließen, bis sein Auge zuletzt auf dem Häusermeere von Neapel und den Höhen des cv P° h^ten blieb.
. In dankbarer Gemüthsstimmung gedachte er all' e^Guten und Angenehmen, welches ihm seit Jah-
*) Nachdruck verboten.
war auch endlich an der Zeit, daß einmal mit der stillschweigend aufrecht erhaltenen konventionellen Fiktion gebrochen wurde, daß eine kaiserliche Politik, d. h. eine preußische Politik vom preußischen Ministerpräsidenten geführt, allein berechttgt sei. Dies ist um so nothwendiger, als auch sonst in manchen Dingen Unklarheiten in staatsrechtlicher Beziehung zu Tage getreten waren, die absolut der Berichtigung und Aufllärung bedurften.
Bemerkenswerth ist, daß auch die .Köln. Ztg/, welche bekanntlich sonst gerne der Regierung einen Gefallen thut, die Rede Payers nach Form und Inhalt meisterhaft findet. In Wahrheit ist Payer der erste gewesen, welcher die Frage der kaiser- lidjen Botschaft im Hinblick auf die Rechte der Bundesstaaten erschöpfend präcis und unwiderleglich und dabei doch frei von jeder Erregung und Leidenschaft, mit vornehmer Würde behandelt hat. Mit den Zielen und Zwecken der Botschaft erklärte sich Payer im Großen und Ganzen durchaus einverstanden. Gerade durch den letzten Umstand gewann seine Rede den Vorzug der Objektivität, und sie hat auch nach allem, was darüber in der Preffe gesagt wird, großen Eindruck gemacht.
* (Parität.) Den Bemühungen des Herrn Consul Meier, des Vorsitzenden des Comitö's für die in Bremen stattfindende 25. Allgemeine deutsche Lehrerversammlung, ist es gelungen, für die Besucher prolongirte Retourbillets auf allen Staatsbahnen bis zum 29. Mai zu bewirken. — So melden die Blätter. Wir wollen abwar- '.CH, W Cvul.ilv* vin
ber den katholischen Versammlungen geübt wird, als im vorigen Jahre.
Berlin, 7. Mai.
* (Die Realschulfrage) beschäftigt in wei- term Umfange als man glaubt, die deutschen Regierungen. Die bisherigen Verhandlungen über den Erlaß einer gemeinsamen Prüfungsordnung für Aerzte haben einen erneuten Meinungsaustausch in dieser Beziehung erforderlich gemacht und es hat sich dabei herausgestellt, daß eine Anzahl von Regierungen sowohl die Zulaffung der Realschul-Abiturienten zum medicinischen Studium wie die Verlängerung der Studienzeitum ein Jahr
ren vom Himmel bescheert worden war. Wohl hatte er gegründete Ursache, sich zu freuen und mit feinem Loose zufrieden zu sein: Mit reichen Gaben des Geistes beschenkt, hatte er sich schon als Knabe in verschiedenen Fächern des Wissens ausgezeichnet, und sein Onkel Luigi Taffo, der Bischof von Recanati, hatte ihm eine sorgfältigere Erziehung gegeben, als es sonst bei jungen Edelleuten üblich war. An den Univerfitäten von Padua und Rom war sein Wissen rasch gereift, und nachdem er am Hofe von Ferrora und in Venedig als Dichter seinen Ruf begründet, war er in den Dienst des Fürsten von Salerno, Ferante Sanseverino, getreten. Dieser schätzte ihn sehr hoch und unternahm nichts, ohne vorher seine Meinung gehört zu haben. Fast immer befand er sich in seiner Gesellschaft, denn der Fürst wollte seinen Rath nicht entbehren. Selbst bei dem Zug nach Tunis unter Karl V. durfte er nicht von der Seite des Fürsten weichen. Das alles ging ihm jetzt vor dem Geiste her. Auch seines angenehmen und gewinnreichen Aufenthaltes in Spanien gedachte er, aber zumeist verweilten seine Gedanken doch bei dem Glücke, welches ihm durch die Heirath mit der an Schönheit, Geist und Tugend so reichen Porzia de' Rossi zu Theil geworden war.
Die strahlende junge Frau erschien eben jetzt, von ihren Kindern Torquato und Cornelia begleitet, auf der Terasse. Bernardo eilte ihnen ent«
bekämpft. Die preußische Regierung hat sich bis jetzt noch nicht entschieden, scheint indessen der Verlängerung der Studienzeit nicht abgeneigt zu fein.
• (Gaben für die Ueberschwemmten.) Am Sonnabend Vormittag traten die Reichstagsabgeordneten aus den überschwemmt gewesenen Gegenden unter Vorsitz des Präsidenten v. L e v e tz o w abermals zu einer Conferenz zusammen, um über die noch vorhandene, nicht unbeträchtliche Summe Verfügung zu treffen. Aus den Mittheilungen des Präsidenten ist zu entnehmen, daß im Ganzen ca. 1,646,000 Mk., wovon auf Amerika nicht weniger als 89 Procent entfallen, eingegangen sind; vertheilt wurden bisherMk. 1,464,000, so daß ca. Mk. 182,000 noch zur Disposition stehen. Es wurde nun beschlossen, von diesem Betrage sofort weitere 150,000 Mk. zur 83er« theilnng zu bringen und zwar nach folgendem Modus: Für die überschwemmt gewesenen Gebiete der Donau 6% pCt. mit 10,000 Mk., für das Elsaß 2>/z pCt. mit 3750 Mk., für das Groß- herzogthnm Hessen 20 pCt. mit 30,000 Mk., für Unterfranken 13Vs pCt. mit 20,000 Mk., für Baden 20 pCt. mit 30,000 Mk., für die preußische Rheinprovinz 15 pCt. mit 22,500 Mk., für die bayerische Pfalz 20 pCt. mit 30,000 Mk. und für Württemberg 2*/3 pCt. mit 3750 Mk. Es bleiben somit noch an 32,000 Mk., über welche später noch Verfügung zu treffen fein wird.
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ausstellung) ist etwas weniger stark als ihre letzten Vorgängerinnen beschickt: es befinden sich, nach der ,Magd. Ztg.', auf derselben 948 Kunstwerke, darunter 684 Oelgemälde, 71 Aquarellen und Zeichnungen, 30 Kupferstiche, Lithographien und Holzschnitte, 137 Bildwerke und 29 architec- tonische Entwürfe. Die -Berliner Schule ist selbstverständlich am stärksten vertreten, denn 264 Maler, 15 Kupferstecher und Lithographen, 65 Bildhauer und 14 Architekten aus Berlin haben ausgestellt. Dann folgt Düsseldorf mit 60, München mit 40 und Weimar mit 17 Künstlern. Die übrigen 109 Aussteller vertheilen sich auf gegen und nahm den kleinen, dreijährigen Torquato auf den Arm. Das Knäblein streckte seine Aennchen nach dem in den Sonnenstrahlen blitzenden Meere aus und rief: „Papa, wie schön das ist!" „Ja, mein Kind," antwortete Bernardo, „die Welt ist schön, aber unser Sorrent am schönsten!" Cornelia hüpfte in den Garten und huschte von Blume zu Blume; dann las sie die Apfelsinen auf, die von den Bäumen gefallen waren und brachte sie auf die Terrasse, um sie mit dem kleinen Bruder zu tyeilen. Die beiden Kinder waren ein Herz und eine Seele, kein Mißton störte ihr Spiel. Die Gatten aber standen mit freudestrahlenden Gesichtern dabei und malten sich für das künftige Glück ihrer Kinder die prächtigsten Bilder aus.
Da ertönte auf der Straße lauter Hufschlag. „Der Reiter muß Eile haben," sagte Bernardo, „und horch, er hält vor unserem Hause still. Wahrscheinlich ist es eine Botschaft des Fürsten. Ich werde zusehen, was er bringt."
Der Reiter war rasch vom Pferde gesprungen und kam Bernardo schon auf der Terrasse entgegen.
„Was bringen Sie so eilig?" fragte Bernardo. Der finster drein schauende Mann verneigte sich und gab zur Antwort: „Ich fürchte, es ist eine Hiobspost, denn in den letzten Tagen jagt eine die andere."
Bernardo schaute verwundert auf, nahm den ihm überreichten Bries entgegen und löste das