1883
Freitag, den 4. Mai
M 100
Mutig
Fulducr
begab.
14.
*, 5”,
Ei« verhängnisvoller Hatz.
Novelle von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Die Erzählung ist allerdings glaublich genug, nahm der Anwalt rasch das Wort, doch bringt sie uns keinen Schritt weiter, da die Beweis« sührung mangelt. L m , .
Za so, das vergaß ich, nickte der Vagabund, ich kann den Beweis führen, und zwar in einer Weise, wovon der Apotheker keine Ahnung hat. Rein einziger Gedanke seit jenem Abend galt der Gistflasche, welche er so vorsorglich mitgenommen hatte. War er klug genug gewesen, den Inhalt derselben gleich zu verschütten, sich diesen Ver- räther vom Halse zu schaffen? Ich befürchtete es, da diese fürchterliche Waffe in meiner Hand ihn zu einem willfährigen Sclaven gemacht hätte. In derselben Nacht noch stattete ich dem Garten- Hause des Vetters einen zweiten Besuch ab.
Es siel, mir nicht schwer, die verschlossene Thür zu öffnen, und eine mitgebrachte Blendlaterne gab mit hinreichend Licht, um meine Nachsorschung nnbemerkt zu bewerkstelligen, obgleich ich Anfangs
befürchtete, daß der Vetter sich zu irgend einem Zwecke hier eingeschloffen haben könne. Ich calcu- f litte nämlich so: wenn sein verdächtiges Treiben ein heimliches Verbrechen bezweckt, dann wird er, da er nicht in sein Haus zurückgekehrt ist, die Flasche hier irgendwo versteckt haben — Und
Der in dem vorliegenden offiziösen Artikel angeschlagene Ton ist ein so ruhiger, versöhnlicher und sachlicher, wie man ihn im Allgemeinen von der Seite nicht gewoynt ist, wenn es sich um die Kirchenpolitik handelt.
Es würde uns zu weit führen, im Einzelnen die in dem Artikel enthaltenen falschen Argumentationen, Voraussetzungen und Schlußfolgerungen zu erörtern. Manches wäre da richtig zu stellen und zu widerlegen. Wir heben nur folgende Hauptpunkte hervor: m v ,
Erstens ist die Beurtheilung der Rede Schor- lemers eine durchaus einseitige. Zur Begründung des Antrages, welcher einen von der Regierung selbst anerkannte« Roth stand beseitigen sollte, mußte natürlicherweise dieser Nothstand im Einzelnen erörtert und nachgewiesen werden, und wenn dieser Nachweis für die Regierung unangenehm und verletzend war, so beweist das grade recht klar, wie sehr in der Vergangenheit gefehlt worden ist. Daran ist aber weder v. Schorlemer noch das Centrum schuld. Zweitens wird wieder auf den Verlauf der Verhandlungen mit Rom hingewiesen, bis dahin soll man Geduld haben und nicht in die Fäden der Diplomatie hinein greifen. Nun dauern aber diese Verhandlungen beinahe schon fünf Jahre. Da muß die Geduld endlich aufhören. Drittens spricht die Prov.-Correfp.' ebenso wie der Minister nur von einer Beseitigung der dringendsten Nothstände, nicht aber von einer organischen Revision der Maige- fetze: allerdings ist der den „Freunden" des Cent- rvtrs den ^"Ni-Dotiven, wegen der Resolution er- (heilte leise Tadel ,o vorsichtig uuo daß wenigstens der bisherige hartnäckige und heftige Widerstand gegen die Idee der organischen Revision allmählich zu weichen scheint. Wir schließen mit den Worten der ,Germania welche den beregten Artikel in ihrem gestrigen 2. Blatte einer längeren Besprechung unterzieht und zu dem Resultat kommt: „Wenn trotzdem der Artikel der Prov.-Corresp.' einen ziemlich günstigen Eindruck macht, so ist es seine friedliche, wenn auch vielfach diplomatische Sprache, die bestimmt^ taucht und wieder verschwunden war, damit in Verbindung gebracht wurde.. Einige alte Nacht- wächter hatten ungeheuerliche Andeutungen von übernatürlichen Dingen gemacht und wollten eine ' Equipage gesehen haben, mit kohlschwarzen Rosien bespannt, aus deren Augen und Nüstern ine Hellen Flammen gesprüht. Die Geschichte wurde be- lächelt und geglaubt, obwohl selbst der Vernünftigste nicht daran zweifelte, daß in der verflossenen Nacht sich etwas Ungewöhnliches zugetragen Haden m*e ein Blitzstrahl traf indeffen im Laufe des Tages die neugierigen Bewohner die Kunde von der völligen Schuldlosigkeit der beiden gefangenen Frauen und dem Geständniß des Apothekers, des eigentlichen Giftmörders, der, von der Wucht der urplötzlich wider ihn in's Feld geführten Beweismittel überrascht und vernichtet, nicht mehr zu leugnen vermochte.
Die Giftflasche war von einem Chemiker untersucht und eine hinreichende Dosis Arsenik gefunden worden, worauf der Vagabund sein Geld allerdings erhielt, jedoch vom Gericht wegen Ver- schweigung des Verbrechens zu einer halbjährigen Gesängnißstrafe rururtheilt wurde, welche Strafe ihm immerhin zu gönnen war.
Der Apotheker Wagner wurde vom Schwurgerichte zum Tode verurtheilt, höheren Orts indessen zu zwanzig Jahren Kettenstrafe begnadigt.
(Schluß folgt.)
O Zur kirchenpolitischen Lage.
Die neueste Nummer der ,Pr ovin ei al-Cor- re spond en z' bringt einen längeren Artikel über die kirchenpolitische Debatte vom 25. April. Der sehr ruhig und friedfertig geschriebene Artikel wird nicht verfehlen, bei den Frermden des kirchenpolr- sischen Friedens einen verhältnißmäßig günstigen Eindruck zu machen. Wir taffen denselben im Wortlaut folgen:
,Mit dem Versuche die bleibende Bedeutung zeit- aenössischer Vorgänge abzuschätzen und die Gesichtspunkte Mr die künftige Beurtheilung derselben vorweg anzugeben, bat es in der Regel sein Bedenken. Anlangend bte am 25 April d. I. geführte Verhandlung des Abgeordnetenhauses, betreffend den Antrag auf Abänderung der gesetzlichen Bestimmungen über das Spenden der Sakramente und das Lesen der Messe, darf indessen schon letzt ausgesprochen werden, daß die Wichtigkeit derselben nicht in einzelnen Momenten, sondern in dem eminent friedlichen Charakter ihres Gesammtlaufes zu suchen sein wird. Den günstigsten Eindruck dieses Verlaufes haben auch die erregten, (k) zu Anfang der Verhandlung vorqetraqenen Auseinandersetzungen nicht zu beeinträchtigen vermocht: wurde der Gang der ferneren Debatte doch so nachhaltig durch die versöhnlichen, dem Ernst und der sachlichen Bedeutung des verhandelten Gegenstandes in jeder Rücksicht entsprechenden Auseinandersetzungen des Herrn Cultusministers bestimmt, daß man auch aus der Seite der Anstragsteller für angezeigt hielt, einer agitatorischen Sachbehandlung aus dem Wege zu gehen. Die Zweckmäßigkeit solcher Beschränkung auf di- Sache selbst ist denn auch durch das Verhalten der übrigen Parteien bescheinigt worden. Während die füheren, demselben Gegenstände gewidmeten Verhandlungen regelmäßig zu einer Verschärfung der vorhandenen Gegensätze führten, hat dieses Mal der Wunsch, zur Förderung des Frre- irtufä,«?*» Ll'.-n-h°lben schwerer ge
wogen, als die Summe der entgegenstehrnden Rücksichten.
Für die Staatsregierung wird wesentlich dieser allge- mein« Eindruck der am 25. April geführten Verhandlung in Betracht kommen. Erneuter Mahnungen zur Förderung des Friebenswerkes oder besonderer Hinweisungen auf die Dringlichkeit des ruck- iichtlichder Sakramentespendung und desMesse- lefens obwaltenden Nothstandes hat es weder für den Herrn Cultusminister, noch für die m,t der diploma. tischen Verhandlung betrauten Factoren der Regierung bedurft. Die von dem Minister von Goßler gemachten Andeutungen darüber, daß die zur Beantwortung der letzten Note des Cardinal-Staatssecretairs bestimmte, Sr. Majestät zur Genehmigung vorliegende diesseitige Rote sich mit dem von den Antragstellern berührten Gebiete „eingehend
Arn nächsten Tage durchlief das Gerücht von der Gefangennahme des Apothekers Wagner sowie des Schließers die ganze Stadt, man war erschreckt und erging sich in den tollsten Gombutationen, besonders als die seltsame Mahr von der geheun' nißvollen Fremden, welche wie em Meteor ausge-
beschäftigt", und daßdic kgl. Staatsregierung sich in dem Ziele, die durch den Kirchenconflikt auf dem Gebiete der Seelsorge entstandenen Nothstände zu beseitigen, mit d-n Antragstellern begegne — diese Andeutungen bezeugen aufs Deutlichste, daß die als zunächst in Betracht kommend bezeichneten Punkte längst in Betracht gezogen worden sind. Die im Verlauf der Verhandlung zu Tage getretenen Meinungsverschiedenheiten zwischen der Staatsregierung, den Antragstellern und den Freunden derselben beziehen sich danach nicht sowohl auf das angestrebte Ziel, als auf die Wahl des zu demselben führenden Weges. Die Staatsregierung hat ihren Standpunkt wiederholt und deutlich bezeichnet. Weder kann eine bereits zum Gegenstände diplomatischer Verhandlung gewordene Materie ohne Schädiqung des Gesammtresultates nachträglich aus dem Zusammenhänge, in welchen sie gefügt worden, wieder aus- geschieden werden, noch stellen sich die der sofortigen Beseitigung empfohlenen gesetzlichen Bestimmungen als isolirt dastehende oder direkt gegen die genannten Amtshandlungen gerichtete Verbote dar. Weil diese Amtshandlungen nicht an und für sich, sondern nur unter gewissen nach der Auseinandersetzung des Ministers v. Goßler „zuwertgehen- ben" gesetzlichen Voraussetzungen unter Strafe gestellt sinb, bebarf es zur Erreichung des allseitig anerkannten Zieles einer Neuregelung der Gesammtheit dieser „Voraussetzungen." Zum Behuf einer Feststellung der Grenzen für bieselbe ist der Weg einer diplomatischen Verhandlung beschritten worden, in deren Mitte wir uns befinden. Wie von dem Herrn Kultusminister überzeugend nachgewiesen worden, fordert die Rücksicht auf diese Verhandlung, daß für die Dauer derselben von Allem abgesehen werde, waS den Gang derselben störe, das Verhandlungs g e b, et em« engen oder dem schließlichen Ergebniß vorgreisen konnte, -tn wie weit das durch die Annahme der gegen den Wunsch des Herrn Kultusministers gefaßten Resolution geschehen ist, mag im Hinblick darauf ununtersucht bleiben, daß unter den gegebenen Verhältnissen Erörterungen des Zusammenhanges und der Wechselwirkung zwischen Vorgängen des inneren und des äußeren Staatslebens an und für ü» unzweckmäßig erscheinen. , _______......
Wen« rS irgeno - , «.vr,.glch>'i _••••• ’ baß bie Staatsregierung mcht nur «nlhren versöhnlichen, seit Jahren betätigten Absichten festhalt, sondern, daß sie ihr Hauptaugenmerk längst auf den Punkt gerichtet ha, der von ber katholischen Bevölkerung als der dringendste angesehen wird, so ist dieselbe durch die Erklärungen, welche der Herr Kultusminister am 25. April abgegeben hat ausreichend beschafft worden. Die Unumwundenbeit, mit welcher der Minister trotz der durch die augenblickliche Lage gebotenen Rücksichten seine Ueb er ernst iin- mung mit dem von den Antragstellern verfolgten Ziele der Beseitigung eines allseitig em pfundenen Nothstandes ausgesprochen hat. ann als Akt eines Vertrauens zu dem gesunden und loyalen S'nne ber katholischen Bevölkerung bezeichnet werbem^^^^^ dieser Calcül war richtig; nach langem Suchen fand ich die Flasche, - hier ist sie, mente Herren!
Er zog ein mit einer Etikette versehenes, halbgefülltes Fläschchen unter seinem Rock hervor und überreichte es dem Anwalt, der es begierig ergriff.
Wer verbürgt uns aber, daß es die richtige, d. h. die Vergiftete ist? fragte letzterer langsam.
Pah dann wäre kein Tröpfchen mehr dann, verfette der Vagabund achselzuckend es hat mir trotz alledem viel gekostet, der Versuchung zu ^JHre^Erzählung ist immerhin 200 Thaler werth, fuhr der Anwalt ruhig fort, sobald dieses Fläschchen sich als das wichtige Beweisstück herausstellt, erhalten Sie die übrigen 400 Thaler.
Der Vagabund wollte protesüren und> von Ueber- listen sprechen, doch wußte ihn der Anwalt bald zur Ruhe zu verweisen, wie Ottos Versicherung, daß er sein Wort einlösen werde, ihn zu beruhigen schien. Murrend strich er das Geld em und ging, worauf auch Otto, den der Doctor nur mühsam auf den Morgen vertrösten konnte, sich nach Hause