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1883.

Mittwoch, den 2. Mai

Fuldaer

Fuldaer erscheint täglich, Sani- uns Feiertage ausgenommen. Lrerlel^hrlicher Lbonnkmernspresahne Brmgerlohnund^stellgeld:1Mk. 50 Pfg-, mit der

,Fulda« Settmg erscheint Wachenbeilage .Sterne NN- Blumen' in Fulda 1 M. 70 Plg, °usw^3«. 75 Pg.

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an

war der Vetter, Niemand im Hause wußte wann er heimkehne. Von Ungeduld geplagt, ging ich am Abend, es mochte so um acht oder halb neun Uhr sein, in den Apothekengarten und setzte mich aus eine Bank, der Mond war über das erste Viertel hinaus, doch konnte man in dem Däm­merlichte Alles ganz genau sehen. Ich hatte eine kleine Weile so vor inich hingrübelnd gesessen, als ich auf einmal etwas schleichen hörte, es war wie em behutsames Auftreten, das mich stutzig machte. Hm, denke ich, wahrscheinlich ein Dieb, welcher hem Vetter einen Besuch machen will. Ich paffe auf, richtig, da schleicht ein Mensch durch die Wege und ich wie eine Katze hinterdrein; der Dieb öffnet das Gartenhaus, dessen Thür er sperrweit offen läßt, ich ihm nach und spähe vor­sichtig hinein. Drinnen ist es stockfinster, aber nun knarrt so etwas wie eine Thür und richtig, in der Bretterwand des Gartenhauses, welche als Grenze des Nachbargartens dient, öffnet sich eine Lucke,

auf welcher wir jetzt stehen, und dann die Raub» wirthschaft ihrer Voreltern schmerzlich beklagen. Es ist aber jetzt Mode geworden, die Wälder, welche unsere Vorfahren mit so großer Pietät pfleg­ten, von der Erde verschwinden zu lassen. Selbst Amerika sollte trotz seines ungeheuren Waldreich- thums bedenken, zu welchen alles verschlingenden Furien entholzte Bergkuppen werden müssen.^ Zum Schluffe rufen wir den Abgeordneten zu: „Stimmt für die Holzzölle, ihr erweist damit eurem Vater» lande eine große Wohlthat!"

durch welche mein Dieb steigt. Na, denke ich, das kann ich auch, und folgte ihm leise auf dem­selben Wege in den Garten des Malers Eberhard. Er umschlich das Haus des Letzteren und blickte vorsichtig durch die Fenster; an einem Tische saß die Familie, Mann, Frau und Tochter, sie schienen nicht bei guter Stimmung zu sein. Plötzlich ergriff der Maler eine Flasche und setzte sie an den Mund, um einen tüchtigen Zug zu thun, worauf die Frau dieselbe nahm und damit die Stube verließ. Wie der Blitz wär mein Dieb un.'s Haus herum, daß ich ihm kaum folgen konnte. Hier sah ich, wie die Frau jene Flasche, aus wel­cher ihr Mann getrunken hatte, in einen Schrank stellte und dann mit der Schürze über die Augen fuhr, als ob sie weinte, worauf sie die Küche wie­der verließ. — Diesen Augenblick nahm mein Dieb wahr, die nur angelehnte Küchenthür, welche eben­falls in den Garten führte, geräuschlos öffnend, schlich er hinein; — jetzt konnte ich ihn deutlich beim Scheine der Küchenlampe sehen und meine Verwunderung wuchs nicht wenig. Rasch öffnete er den Schrank, worin der Schlüffel stak, nahm die Flasche heraus und stellte eine ganz gleiche, deren Inhalt er mit der andern verglich, wieder hinein. Das war alles das Werk weniger Augen­blicke.

Ah, das ist intereffant! unterbrach ihn der An­walt in hoher Aufregung.

Nicht wahr? schmunzelte der Vagabund. Ich

Der verhängnitzvolle Hatz

Novelle von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

begriff sogleich, daß es sich hier um einen Mord handelte, und kann nicht leugnen, daß ich ein star­kes Herzklopfen bekam, zumal als der Menfch sich umwandte und ich nun bestn Scheine der Lampe meinen säubern Vetter erkannte. Halt, dachte ich, jetzt habe ich gefangen und lasse dich nicht so leicht aus der Preffe. Ich ließ ihn ungeschoren zurück­kehren, da ich ihm aus jenem Wege doch nicht wieder folgen konnte, begab mich indessen durch des Malers Garten geradenwegs nach der Apotheke, wo indeffen kein Prinzipal angekommen war. Erst am nächsten Tage erschien derselbe und vernahm na­türlich mit dem größten Erstaunen den Tod des Malers, sowie den Verdacht, welcher ihn damit in Verbindung und in's Gefängniß brachte. Nun, der schlaue Fuchs wußte sich gut genug herauszu» winden, in der Flasche war kein Gift zu finden und sein Alibi stichhaltig. Der Giftmischer war war frei. Ta kam meine Zeit, ich hatte em Mittel, ihn zu schröpfen und er gab mir zuletzt, aus Furcht vor Verrath, so viel Geld, um nach Amerika zu kommen. Ich nahm das Geld, ging nach Hamburg und machte mir dort einen flotten Tag, woraus ich gestern wieder zurückkehrte zum Schrecken des Vetters, der sich selber eine Grube gegraben, in welche er nun selber hineingepurzelt ist.

Der Vagabund schwieg jetzt und heftete den lüsternen Blick begierig auf das Geld, welches er einzustecken hoffte.

(Sortierung folgt.)

Seit dem Mittag schon erwartete ich ihn jenem Tage zurück, er hatte mir Geld versprochen, da ich ganz heillos in der Klemme saß, und ich war entschlossen mich bei ihm einzuquartieren, wenn er diesmal nicht Wort hielt. Wer nicht kam,

die Waffermengen, welche vom Himmel fallen, lange zurück, läßt sie nur langsam und mit einer gewissen Regelniäßigkeit in den Boden sickern und verhütet, daß sich die Flußbette im Nu bis zum Rande fülle« und ihren Ueberfluß über das Cul- turland und über Städte und Dörfer ergießen. Ein zweiter und nicht geringerer Uebelstand ist die Abtreibung des Mutterbodens und die dadurch fortschreitende Verminderung der cultivirten Flächen.

In vielen Gebirgsgegenden ist es bereits so weit gekommen, daß die Kuppen bis auf das Felsgestein blosgeregnet sind. Auch die Schweiz hat durch den starken Baumschlag sehr gesündigt, indem sie dem Sturze der Lawinen freie Bahn schafft und plötzliche große Schneeschmelzen ver­anlaßt.

Wir müssen uns gegen diese Uebelstände schützen, und wir glauben, daß ein genügender Holzzoll, der die Concurrenz mit dem Auslande ermöglicht, Veranlassung zu neuen Anpflanzungen, wenigstens zur Erhaltung des jetzigen Bestandes geben wird. Vom volkswirthschaftlichen Standpunkte aus, ist es also eigentlich eine selbstverständliche Sache, daß die Abgeordneten für den Holzzoll stimmen muffen; aber damit ist es eigentlich noch nicht genug. Die Regierung sollte mit allen Mitteln dahin wirken, daß die 'Waldungen sich vermehrten. Wir haben hunderte und tausende von kahlen Vergspitzen, viele taufinde Are von Bruch, Sumpf und Oede, die sich für den Ackerbau nicht eignen, aber als Wald sehr erheblichen Nutzen stiften wür­den. Hier muß Belehrung, Anregung und Hilfe eintreten. Es ist 2-ttfr ÄKovctMr, ’ntiucin Am Erhöhung des Nationalwohlstandes, wenn man die Beschaffung von Samen und Pflanzen durch Vorschüffe erleichtert oder armen Gemeinden damit Geschenke macht. In einem Lande, wo Schul­zwang, Milrtairzwang und Steuerzwang getragen werden müssen, würde der Bewaldungszwang wenigstens eben so viel für sich haben, als die andern Zwänge.

Die Länder, welche sich jetzt bestreben, in kur- zer Zeit viel Geld aus ihren Wäldern zu machen, werden mit der Zeit auf der Stufe ankommen,

Deutsches Reich.

Fulda, 2. Mai.

• (Zur polnischen Sprachhetze.) meldet das .Wolffsche Bureau' aus Posen: „Ein Erlaß der hiesigen Regierung vom 27. April bestimmt in Ergänzung des Erlasses vom 7. April betreffend die ausschließliche Anwendung der deutschen Sprache bei Ertheilung des katholischen Unterrichts in der Mittel- und Oberstufe der öffentlichen und Privatschulen, daß diese Anord­nung nur da in Kraft treten soll, wo die Kinder polnischer Zunge in der Kenntniß der deutschen Sprache so weit vorgeschritten sind, daß das rich­tige Verständniß auch bei der Unterweisung in der deutschen Sprache zu erreichen ist." Wenn die letztere Bedingung stets loyal und objektiv gehand­habt wird, so wäre dieser Schritt der Regierung immerhin als eine kleine Abschlagszahlung an die bereebtigtenForderungen der Polen zu begrüßen.

93 »jr (i" ‘■'Wett.

* (Auflösung der Stadtvöiordneten- versammlung.) Der Kaiser hat durch Kabi- netsordre d. d. Wiesbaden, 23. April die Auf­lösung der Berliner Stadtverordnetenversammlung zum 1. Januar 1884 auf Grund des Antrages des Staatsministeriums vom 13. April anbefohlen, um die Feststellung neuer zweckentsprechender Kom­munalwahlbezirke für Berlin zu ermöglichen.

* (Prozeß gegen den Mörder Sobbe.) Vor dem Schwurgerichte begann gestern der Prozeß gegen den Mörder Sobbe unter großem Andrang

Abonnements-Einladung.

Vom 1. Mai an eröffneten wir für die Monate Mai und Juni ein Abonnement zum Preise von 1 Mk. excl. Bringerlohn.

Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß in den ersten Tagen im Feuilleton ein neuer, bis­her noch nicht im Druck erschienener Roman von Wilhelm Kerchenbach: „Torquato Tasso" beginnt.

c(i Der deutsche Maid und der Holzzoll.

Man klagt in Deutschland mit Recht, daß die Waldbestände von Jahr zu Jahr abnehmen, und die Gegner des Holzzolles behaupten, daß gerade das Holz einer von denjenigen Artikeln sei, deren Verbrauch durch die inländische Cultur nicht ge­deckt werden könne, folglich sei hierfür freie Ein­fuhr am Platze. Wir aber glauben die Sache von einer anderen Seite betrachten zu muffen: Die Raubwirthschast, welche die Holzeinführenden Staaten betreiben, lassen eine Concurrenz des In­landes mit dem Auslande nicht mehr zu. Die 1 Waldcultur wird mit jedem Jahre weniger loh­nend und bei den jetzigen Verhältnissen ist durch­aus kein Antrieb vorhanden, neue Holzpflanzungen anzulegen; deshalb wird der Privatwaldbesitz im­mer unbedeutender, und es ist hauptsächlich nur - noch der weicher- mit geringem Nutzen und ' ‘ häufig sogar mit Opfern die Domamenwälder er­hält und pflegt. Bei dem Fortbestehen der jetzigen Mißstände wird endlich die Zeit kommen, wo es in Europa keine Wälder und keine Vögel mehr gibt. . ..

Welche Folgen aber die Entwaldung mit sich führt, das weiß heute Jeder, der sich nur ein wenig mit national-ökonomischen Fragen befaßt. Die häufigen Ueberschwemmungen und rapiden Wasserverheerungen haben gerade darin ihren Hauptgrund. Der Wald mit seinem dichten Pol­ster von dürrem Laub, Moos und Humus hält