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Montag, bett 30. April
1883
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Fuldaer 1SB Jätung.
fte ,Fu!da« Zsitang' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg-, — mit der belletristischm Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.
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* Zur Lage.
Wieder ein Minister krank! Nach der.Nationalzeitung' soll „das Befinden" des Ministers M a y- hach „ein ungünstiges" sein. Das wäre nun an sich nichts Merkwürdiges, aber gleich knüpft sich wieder das von derselben Zeitung „gehörte" Gerücht daran, Maybach wolle in den Ruhestand treten.
1 Die ,Nationalztg.' wird bekanntlich vielfach zu offi- ciösen Aeußerungen verwandt, und so wird denn wohl trotz der Ableugnung des Wolff'schen Büreaus, die ebenfalls am gestrigen Tage erfolgt ist, das Gerücht nicht ganz grundlos sein. Man merkt ja auch gleich wo die „Glocken hängen". Dem „ungünstigen Befinden" scheint kein körperliches, sondern ein politisches Unwohlsein zu Grunde zu liegen. Man hätte ja sonst auch vorher etwas davon erfahren müffen. Denn vom „ungünstigen Befinden" bis zur „Demission wegen Krankheit" ist doch immer noch ein gewisser Schritt. Allerdings erinnert der kranke Minister sofort an einen in voriger Woche erschienenen Artikel der ,Nordd. Allg. Ztg.', worin über die große Arbeits- Ueberbürdung der Minister geklagt, und die Neuerrichtung verschiedener höherer Beamtenstellen in den Ministerien gefordert wird. Es ist nicht unmöglich, daß die Officiösen nun mit der factischen Beweisführung für die Arbeitsüberbürdung der Minister beginnen. In dem Falle sollte man aber besser grade heraus sagen, was man will, die officiösen Argumentationen sind auch ohne der Phantasie entsprossene Demission?«V--"; '««rar« ! verständlich. Die nächsten Tage werden jedenfalls Aufklärung darüber bringen, ob es sich hier nur um eine zweite Etappe der von der ,Nordd. Allg. Ztg.' begonnenen Ueberbürdungs-Campagne handelt, oder ob „Frictionen" im Spiele sind. —
Bis heute hat die ,Nordd. Allg. Ztg.', das Leiborgan des Fürsten Bismarck, zu dem Ausfall der Berathung des W i n d t h o r,st'schen Antrages noch mit keiner Silbe Stellung genommen, man müßte denn in dem unten erörterten Artikel*) gegen den iMvniteur de Rome' einen Gradmesser für die Stim-
’) Wegen Raummangels zurückgestellt.
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Der verhängnitzvolle Hatz.
Novelle von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Sie zu sehen, hohnlachte der Andere, ja, mein Zunge das glaub' ich Dir; die erspare ich mir sür das Gericht.
Pah, ich verlache Deine Drohungen, bemerkte der Apotheker jetzt kalt, habe überhaupt nicht länger Zeit und Lust, mich mit Dir zu unterhalten. Hier hast Du zehn Thaler, das letzte ®elb, welches Du von mir erhälst, und nun scheere Dich Deiner Wege.
Gut, gut, wir werden ja sehen, Herr Vetter! brummte der Andere, ist noch nicht aller Tage Abend, mich schüttelst Du nicht so leicht ab, wie ben armen Maler. —
Schweig! herrschte der Apotheker ihn zornig an- — folge mir zur Pforte!
Otto hörte die sich durch den Garten entfernen- den Schritte der beiden Männer und eilte jetzt ebenfalls rasch der Straße wieder zu, welche er auf demselben Wege unbemerkt erreichte.
Er sah einen Mann durch die einsame Straße 8uf sich zukommen und konnte nicht zweifeln, daß der Vetter des Apothekers war. Unbemerkt denselben an sich vorübergehen lassend, wartete rr noch einige Augenblicke, um sich fest davon zu ^erzeugen; als er keinen Andern aus der Gar- «nvforte treten sah, beeilte er sich, jenen Mann
mung oder vielmehr Verstimmung des Reichskanzlers erblicken wollen. Was an „Nachrichten" vorliegt, stammt aus liberalen Blättern. Die ,Nat.-Ztg.' und die ,Magdeb. Ztg.'enthalten eine gleichlautende Meldung, welche vom Wolff'schen Bureau pflicht- schuldigst recht sensationell in alle vier Winde verbreitet wird und lautet:
„Die Absendung der neuen Note an die Curie ist noch nicht erfolgt. Es sind aber Vorbereitungen getroffen, um für den Fall, daß die Curie auf die diesseitigen Vorschläge eingehen foCte, noch mit einer Vorlage an den Landtag in der diesjährigen Session zu kommen."
In der ,Magdeb. Ztg.' heißt es weiter:
„Als die Note in der vom Fürsten Bismarck am vorigen Sonntag verfaßten Form an das Staatsministerium gelangte, fand sie dort, wie versichert wird, die einstimmige Zustimmung, während sich das Ministerium und zwar in gleicher Uebereinstimmung aller Mitglieder anfänglich gegen die Absicht erklärt hatte, die Freigebung des Meffelesens und der Sakramentespenden ohne jedes Zu- geständniß seitens der Curie diesseits zu bewilligen."
In den deutschkonservativen Parteiorganen wird die Resolution zu Gunsten einer „organischen Revision" der Maigesetze fortgesetzt nicht nur als eine große konservative Thal gefeiert, sondern auch die Behauptung aufrecht erhalten, daß man damit der Regierung einen wesentlichen Dienst geleistet habe. Der .Reichsbote' will das aus bester Quelle erfahren haben. Dem gegenüber klammern sich die liberalen Kul- turkampfblätter in ihrem Aerger über den Verlauf der Mittwochsitzung daran, daß der Reichskanzler über die Haltung der Konservativen eine lebhafte Untusriedenheit geäußert habe, und citiren mit Genugthuung öle <>emeikuuge^ dec ;4-
„Wer die Stellung der Staatsregierung bei den schwebenden Verhandlungen daher unheilvoll schwächen, die diplomatische Aktion des Reichskanzlers durchkreuzen wollte, hätte nichts Wirksameres thun können, als die Staatsregierung aufzufordern, schon vor der nach Erfüllung der Voraussetzungen des kaiserlichen Briefes vom 22. December in Aussicht gestellten Revision Schritte in der Richtung des Windthorst'schen Antrages in Erwägung zu nehmen."
Wir beschränken uns darauf, diese verschiedenen Auffassungen zu regiftriren. Bestimmtes läßt sich noch nicht nachweisen, darum sind alle dahin gehenden Versuche vorderhand müßig.
einzuholen, was ihm auch sehr bald gelang. Derselbe besaß in der That das Aeußere eines Vagabunden und war demnach wenig Vertrauen erweckend. Doch kümmerte sich Otto nicht darum, im Gegeutheil erschien ihm dieses Individuum, welches seiner Genußsucht Alles opferte, gerade geeignet, der Versuchung des Goldes zu erliegen.
Sich dicht an die Seite des Vagabunden drängend, fragte er halblaut: Sie sind ein Vetter des Apothekers Wagner?
Ueberrascht blieb jener stehen und starrte Otto an. Was soll die Frage? versetzte er dann barsch. Weil mir an der Antwort viel gelegen ist, sagte Otto ruhig.
Dann würden Sie dieselbe am Ende gar mit Gold aufwiegen? spottete der Vagabund.
Nach Umständen allerdings, — ich bin kein Knicker wie Ihr Vetter, und würde Sie nicht mit lumpigen zehn Thaler abspeisen.
Alle T.....fluchte der Mann, jfinb Sie
ein Spion oder allwissend?
Glauben Sie immerhin das Letztere, lächelte Otto, nur stellen wir die Thatfache fest, daß ich mehr weiß, als selbst die hohe Polizei und das Gericht, welches zwei arme unschuldige Frauen als Giftmischerinnen gefangen hält und dieselben unfehlbar verurtheilen wird, wenn Gott sich ihrer nicht annimmt.
Ha, ha, ha, das stimmt! lachte spottend der Vagabund, Gott wird sich der Unschuld ganz
Deutsches Reich.
Fulda, 30. April.
• (Hermann Schulze Delitsch) ist gestern Morgen um ß1]2 Uhr zu Potsdam im hohen Alter von 75 Jahren g e st o r b e n. Die ,Frkf. Ztg.' widmet bereits in ihrem heutigen Morgenblatt dem Andenken des „Nestors der deutschen Fortschrittspartei" einen warmen Nachruf.
Berlin, 29. April.
* (Die Börsensteuer-Commission lehnte den Antrag Wedell-Malchow definitiv mit Stimmengleichheit ab, ebenso die Resolution Hatzfeld, und nahm lediglich den Antrag Beifert an, die Petitionen,welche Beschwerden gegen das bestehende Gesetz enthalten, zur Benutzung als Material dem Reichskanzler für weitere Bundesrathsbeschlüffe über die Auslegung und Anwendung des Stempelgesetzes, eventuell als Material für eine zukünftige unter Zuziehung Sachverständiger vorzunehmende Revision zu überweist n.
* iDieZuckersteuer-Com Mission) nahm, den Anträgen Stengel, Sonnemann und Reichensperger entsprechend, die Reduktion der Ausfuhrvergütung auf 8 Mark 80 Pfg. an und lehnte alle anderen Anträge als Kontigentirung, Erhöhung der Rübensteuer, Melasse- und Kontrol- fteuer ab.
• (Die Einnahme des Reiches aus Zöllen, gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern ic.) betrug abzüglich der Vergütungen und V rwaltungskosten im letzten Etatsjahre ‘JfR’/“0.*70 Mk oder über 7 Million weniger" als im Vorjahre. Der Ausfall «st durch die Rübenzuckersteuer mit 23,482,264 Mk. entstanden, während die Zölle 8,267,132, Tabaksteuer 4,652,672, Salzsteuer 1,134,219, Branntweinsteuer 1,749,096, Brausteuer 584,224 Mark mehr einbrachten. Der Spielkartenstempel brachte 38,359 weniger, ebenso der Wechselstempel 34,060 Mark. Die Stempelabgabe für Werthpapiere, Schlußnoten, Rechnungen, Lotterieloose brachte 11,135,346 oder 5,206,095 Mk. mehr als im Vorjahre.
sicherlich annehmen. Doch was kümmern mich die Giftmischerinnen? setzte er sich besinnend hinzu.
Ich denke recht viel, mein Bester! sprach Otto fest und eindringlich, weiß ich doch, daß in Ihrer Hand das Schicksal derselben liegt, — Freiheit oder Tod!
Oho, dann wäre ich ja ein gewaltiger Mann, erwiederte Jener, gezwungen lachend.
Für die armen Gefangenen sind Sie es, auch für den Apotheker, der sich Ihrer Macht indessen schon morgen für immer entzogen haben wird.
Der Vagabund, welcher weiter gegangen, blieb wieder und sah ihn drohend an.
Machen Sie keine unnützen Spässe mit mir, mein Herr! — Sie kommen mir überhaupt sonderbar vor.
Ich spaffe nicht mit Ihnen, versetzte Otto ruhig, wüßte auch nicht, was mich dazu _ veranlassen sollte, ich wiederhole deshalb allen Ernstes, daß der Apotheker um Mitternacht die Stadt verläßt, — daß er sein Haus bereits seit einigen Tagen unter der Hand verkauft und feine Gelder flüssig gemacht hat.
Davon möchte ich mich doch erst überzeugen, brummte der Vagabund, langsam weiter gehend.
Sie sollen diese Ueberzeugung bekommen, — um Mitternacht wird ein Wagen hinter dem Ge- fängnißgarten halten, wollen Sie sich Punkt zwölf Uhr dort einfinden?
Mein Wort darauf, ich werde prompt sein.