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Dienstag, den 24. April

1883

Mung.

FMicr

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Deutsches Reich.

Fulda, 24. April.

* (lieber die kirchenpolitische Sage) schreibt die ,Post' unterm 23.: „In parlamentari­schen Kreisen wurde heute über die vorgestrige Sitzung des Ministerraths erzählt, daß in derselben sehr differi- rende Ansichten über die Behandlung der kirchen­politischen Frage und die eventuelle Vorlage eines darauf bezüglichen Gesetzentwurfs geäußert worden seien. Verschiedentlich wurde in den gedachten Kreisen sogar der Ausdruck „Krisis" gebraucht. Wir sind in der Lage, die bezüglichen Gerüchte zu dementiren. Herr v. Goßler wird, wie wir vernehmen, am Mittwoch auf die Windthorst'- scheu Anträge die Erklärung abgeben, daß die Re­gierung vorläufig auf dem Standpunkte zu ver­harren gedenke, welcher durch das letzte Schreiben des Kaisers an den Papst gekennzeichnet ist."

Dazu bemerkt die .Franks. Ztg.': „Diese In­formation der »Post' stimmt mit der Ansicht, die wir an dieser Stelle gestern über die Situation ausgesprochen haben, recht gut überein, namentlich wenn man den Ton auf das „vorläufig" legt."

Das »Deutsche Tageblatt', welches als officiös gilt, führt in einem längeren Artikel aus, daß in der letzten Note anJacobini vorgeschlagen war, die Curie möge die Punkte bezeichnen, die sie für so revisionsbedürftighalte, um bafür die A n- zeigepflicht zu concediren. Wenn auch der In­halt der Antwortnote Jacobini's sich zunächst noch der Oeffentlichkeit entziehe, so sei doch anzunehmen» daß sie nicht ausreiche» die Regierung zu einem Kirchengesetz zu veranlassen, welches nur unter der obigen Boraussetzung noch in dieser Session erfol­gen soll.

Wir glauben diese neuesten Auslassungen über die kirchenpolitische Lage einfach registriren zu sollen. Bei der morgen stattfinden Berathung des Windthorst'scheu Antrages wird die Regierung wohl nicht umhin können, einiges Licht in das räthselhafte Dunkel der gegenwärtigen Lage zu bringen.

* (Offiziöses Dementi.) Die ,Nordd. Allg. Ztg.' schreibt: „Eine große Anzahl deutscher Zeitungen hat vorbehaltlos die über New-Dork gekommene Nachricht verbreitet, daß der chine­sische Hafenplatz Swatau sich durch die fortgesetzte feindliche Haltung der deut­schen Kriegsschiffe und die dadurch bedingte scharfe Beobachtung derselben von Seiten chine­sischer Kanonenboote in halbem Kriegszu­stände befinde. Demgegenüber wollen wir nur darauf Hinweisen, wie sich aus den amtlichen Mit- theilungen über die Bewegungen der kaiserlichen Kriegsschiffe ergibt, daß kein deutsches Kriegs­schiff seit Ende Januar d. I. in Swatau gewesen ist."

* Stuttgart, 23. April. (Die Feier des 200jährigen Jubiläums des Ulanen-Re- giments) ist äußerst glänzend verlaufen. Bei dem Festbanket, welches auf Kosten des Königs stattfand, brachte Prinz Wilhelm von Würt­temberg im Namen des Königs einen Toast auf das Regiment aus. Der kommandirende Ge­neral v. Schachtmeyer verlas ein Telegramm Seiner Majestät des Kaisers aus Wiesbaden, in welchem dem Regiments die herzlichsten Glück­wünsche ausgesprochen werden und dem Komman­deur Zeppelin der Rothe Adlerorden 3. Klaffe verliehen wird. Se. Königl. Hoheit der Kron­prinz hatte das Regiment ebenfalls telegraphisch

Oesterreich - Ungarn.

* Wien, 22. April. (Die im Ringthe- aterproceß Verurt heilten), Jauner, Ritsche und Geringer wurden nach gewähr- tem Strafnachlaß heute aus der Haft entlassen.-

Frankreich.

* Marseille, 22. April. (Explosion.) Heute Abend flog in St. Chamas ein 3000 Kilo Pulver enthaltendes Pulvermagazin in die Luft, eine durch die Explosion herbeigeführte Feuers­brunst legte 7 große Nebengebäude in Asche. Nur mit großer Anstrengung gelang es, die Explosion

eines zweiten Pulvermagazins, welche die ganze Stadt gefährdet haben würde, zu verhüten. Bei dem Unglücksfalle hat ein Mann sein Leben eingebüßt.

* (Tonkin-Expeditton.) In Toulon sind 2 Schiffe in Ausrüstung, welche 2000 Mann nach Tonkin bringen sollen.

1 (In Sachen Madagasears) führt die französische Presse eine ganz energische Sprache. Die ,R6p. frantz.' weist darauf hin, daß die eng­lische Presse angesichts der Ankunft der protestan­tischen Königin Ranavalo in Berlin für die angeblichen Rechte der letzteren ungebührlich Par­tei ergreife, und bemerkt, alle Verträge, die Eng­land in Amerika mit den Gesandten abgeschlossen, könnten Frankreichs frühere Rechte nicht alteriren. Das Blatt erklärt des Weiteren, Frankreich denke nicht daran, den Hoivas sein Protektorat aufzu­drängen, sie könnten ruhig in ihren schönen Ber­gen bleiben, aber andererseits könne man es auch nicht dulden, daß die Howas auf französischem Gebiete ihre Zollhäuser errichteten.

* (Die Umwandlung der französischen Rente) wird von den der Regierung feindlichen Blättern auf's heftigste angegriffen. Auch die Re­gierungsanhänger begrüßen sie nicht eben mit großen Sympathien, und man muß zugestehen, daß die Aufnahme bisher recht kalt war. Trotz­dem ist nach den jüngsten Nachrichten anzunehmen» daß die Umwandlung als solche in der Deputrr- tenfv’imet eine Mebrbchit erhalten wn?^O Ob frei« lich der RegierungSvorfchlag mit allen Einzelheiten durchgeht, hängt davon ab, daß es zwischen dem Minister Hrn. Tirard und der Commission zu einer Verständigung kommt. Tirard will in A'/a procentige Rente umwandeln, während andere, im Interesse der Vereinheitlichung der Staatsschuld, für Umwandlung in 3proceutige Rente sind. Diese führen an, daß, wenn man fitzt in 4>/2procenlige Rente umwandle, eine Umwandlung in 4 pCt. oder 3*/2 pCt., oder 3 pCt. doch nur eine Frage der Zeit fei, wie ja indirect schon daraus hervor­gehe, daß die Regierung^sich in ihrem Entwürfe verpflichten wolle, eine neue Umwandlung der neuen 4>/2procentigen Rente nicht vor fünf Jah-

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Ei» verhäugnitzvoller Hatz.

Novelle von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

10.

Die Rückkehr der Entflohenen in's Gefängniß erregte natürlich ein nicht geringes Aufsehen; ihre Flucht blieb darnach für Alle ein unlösliches Rälh- W, da sie selber nicht das Geringste that, um Beides, Flucht sowohl wie Rückkehr, vor dem Untersuchungsrichter zu motiviren, im Gegentheil, ßch nach wie vor in eine Einsilbigkeit hüllte, welche den Gang der Untersuchung wesentlich erschwerte.

Roch am selben Morgen begab sich Otto zu dem berühmtesten Anwalt der Stadt, um mit die- sem Rücksprache hinsichtlich der beiden gefangenen fftauen zu nehmen.

. er seinen Namen nannte und sich sogleich . ^anni's Verlobten vorstellte, war der Anwalt lm höchsten Grade überrascht und erklärte sich so­gleich bereit, die Verteidigung der Tochter zu «vernehmen, während er für die Mutter einen jenier Freunde vorschlug.

j halten meine Braut doch für völlig schuld- blicf $erC ®octor ‘ fa9te Otto, ihn forschend an« Dni^a- Herr Eberhard! versetzte der Anwalt fest, n .. fan9 war ich keinen Augenblick darüber im

6 •» und wenn die Aerzle sie für eine Si- antm hallen, so sind dieselben meiner heiligsten

Ueberzeugung nach in einem beklagenswerten Irr­tums befangen. Ich habe auch keinen Anstand genommen, diese meine Ueberzeugung unverhohlen auszusprechen, ohne indessen das unfehlbare ärzt­liche Zeugniß umstoßen zu können.

Ja, ja, ich kenne sie hinreichend, diese ärztliche Unfehlbarkeit, erwiderte der junge Mann, inwie­fern aber sollte die Arme ein Schweigen simuliren, das jedenfalls ihr Verderben sein wird?

Ja, darin liegt eben das Räthsel, zugleich ober auch für mich der Schlüssel desselben. Die gute Tochter will die schuldige Mutter schonen. —

Großer Gottl unterbrach ihn Otto erbleichend, Sie halten Frau Eberhard für die Schuldige.

Leider muß ich diese Ueberzeugung festhalten, versetzte der Anwalt achselzuckend, nur die Mut­ter hatte ein Interesse an dem Tode des Gatten, der sich beharrlich einer Heirath der Tochter mit dem Apotheker Wagner widersetzte.—

So kann auch dieser Letztere das Verbrechen be­gangen haben, rief Otto heftig erregt, war er nicht der am Meisten Jnteressirte? —

Nicht so laut, mein Herr, nicht so laut, wenn ich bitten darf, unterbrach ihn der Anwalt ermah­nend, dergleichen Anschuldigungen darf man nicht so keck hinausschreien. Bleiben wir ruhig bei der Sache. — Kennen Sie die näheren Umstände dieses Dramas?

Als Otto verneinte, theilte ihm jener alles darauf Bezügliche ausführlich mit.

Sie sehen, daß sich in der Thal ein man ge ringes Gewicht der Anklage auf den Apotheker zu wälzen schien, setzte er schließlich bedeuifarn hinzu, ein Gewicht, welches er allerdings durch fein Alibi von sich abgeschüttelt hat, das ich indessen trotz alledem als Verlheidiger benutzen muß. Die Her­rath, des Vaters Weigerung, die verhängiußvolle Rumflasche, welche die unselige Frau aus der Hand des Apthekers entgegengenommen, — alles dieses sind Thatsachen, welche den letzteren außer­ordentlich verdächtig erscheinen lassen.

Sv fand sich wirklich Arsemk in der Flasche? fragte Otto athemlos.

Der Anwalt schüttelte den Kops.

Dann läge die Sache klar genug und der Fuchs wäre gefangen, verfitzte er, leider ist jene räthselhafte Rumflasche ganz unv.rfänglich, kein Atom von Arsenik befand sich darin, und doch ift unzweifelhaft bei der Section constaiirt, daß Jyr Pflegevater durch jenes Gift ermordet worden ift, sowie ferner, daß fein Tod in Folge jenes Trunks, den er in zorniger Aufregung direkt aus der Flasche gethan, herbeigeführt worden ist Hier liegt das Räthsel, dessen Lösung, so fürchte ich, wir in dem Schweigen der Tochter zu suchen haben.

Das wäre fürchterlich, sprach Otto bumif, nach Allem diesem wird mir manches klar, was ich in dem Benehmen meiner Braut nicht zu de.,reifen vermochte. Ich habe vergessen, Ihnen mitzuteilen