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Montag, den 23. April
1883
Fuldiicr Jrilung.
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Kem Hochvördizstt« Herr« Klschof Georg ;« srillrm heutige« Namrus- seüe die ehrsurchtsvoüstea »ud j««ig> ste« Glück- «nd Segrns»««sche!
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Deutsches Reich.
Fulda, 23. April.
• Während heute und morgen sowohl der Reichstag als auch das Abgeordnetenhaus Sitzung halten werden, bleibt der nächste Mittwoch ganz dem Abgeordnetenhause reservitt, und zwar den bisherigen Dispositionen gemäß zur Berathung des Wind t- horst'schen Antrages auf Straflosigkeit des Sakramentespendens und Messelesens. Man hat allgemein die Hoffnung, daß die bevorstehende Verhandlung endlich eine gewisse Klarheit in die verworrene und dunkle kirchenpolitische Situation bringen werde.
* Wir entnehmen der ,Franks. Zeitung' folgendes Berliner Telegramm vom gestrigen Tage, für dessen Inhalt wir natürlich keine Bürgschaft übernehmen: „Gestern fand imReichstage eine mehrstündige Sitzung de» preußischenStaatSministeriums statt in der e» sich, wie man glaubt, wiederum um die kirchenpolitische Angelegenheit gehandelt hat. Der Reichskanzler hatte in den letzten Tagen wie auch die ,Nat. Ztg.' schreibt, wiederholt längere Conferenzen mit Puttkamer und Goß» l e r. In parlamentarischen Kreisen betrachtet man es als feststehend, daß auf Aufforderung Bismarck's hin der Ministerrath sich in einer seiner letzten Sitzungen bereits mit der Frage beschäftigt habe, ob die Freigebung der Spendung der Sakramente und des Messelesens concedirt werden könne; der Ministerrath habe sich jedoch einstimmig gegen eine solche Maßregel erklärt. Diese Thalsache wird mir zuverlässig bestätigt, bedarf aber zu ihrer vollen Würdigung der Er
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Der verhängnitzvoUe Hatz.
Novelle von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Einen Augenblick zögerte sie, dann schlug die kleine zitternde Hand langsam den Schleier zurück und Otto sah in ein bleiches, gramerfülltes Antlitz, aus den: ihn Nanni's Kinderaugen wie einst anblickten.
Ja, Du bist es, sprach er leise und tief erschüttert, der gute Engel meiner Kindheit blickt wich aus Deinen treuen Augen an. Hier, ange- Üchls unserer geliebten Tobten frage ich Dich, Nanni, habt Ihr meine Briefe, welche ich an den Baier geschrieben, erhalten?
Nein, versetzte sie mit Anstrengung, weder der Baier noch ich empfingen jemals eine Zeile von Deiner Hand. Wir glaubten un» von Dir ver- ö^ssen und des Vaters Stolz erlaubte es ihm nicht, an Dich zu schreiben.
Ja, der unselige Stolz, rief Otto schmerzlich, er war auch m*>in Verderben; wie konnte ich Euch jemals vergessen? — Du aber, Nanni, besaßest diesen Männerstol; nicht, Dein Herz mußte Dick zum Schreiben zwingen und Du tbalest es nicht.
Wie durfte ich solches thun, Otto? versetzte sie »rüde. Würde mein Brief nicht einer Mahnung gleich Deinen Künstlerflug geh mmt, einen Stein a“f Deine Laufbahn geschleudert haben? Nein, « war besser so, die Verpflichtung gegen mich
gänzung, daß Fürst Bismarck durch den Widerstand des Ministeriums, namentlich Goßler's und Putt» kamer'S, wenig erbaut ist und auf eine kirchenpolitische Aktion keineswegs verzichtet. Er hat das Bedürfniß, daß irgend etwas geschehen müsse, er will, wie ein geistreicher Politiker sich ausdrückte, irgend eine Fensterscheibe einschlagen, um frische Lust in die dumpfe Atmosphäre zu bringen, und wer ihn daran zur Zeit, wenn auch mit noch so guten Gründen hindert, der riskirt seinen Zorn auf sich zu ziehen. In politischen Kreisen ist man daher für die nächste Zeit auf Ueberraschungen gefaßt. Kühne Diagnostiker wollen sogar einen gewissen hippokratischen Zug bei Hrn. Goßler.und Puttkamer entdecken."
* (In Bezug auf die Frage der (Eon» currenz des amerikaaischen Getreide«) dürften folgende der ,Nordd. Allgem.' aus zuverlässiger Quelle zugehenden Nachrichten über den Einfluß der Transportkosten auf die Stärke dieser amerikanischen Concurrenz von Interesse sein. In den letzten 20 Jahren haben sich die Transportkosten in Nordamerika auf weniger als die Hälfte vermindert. Mit. Segelschiffen zahlte man früher ca. 10 Pence oder etwa 20 Cents Fracht per Bushel Getreide von Newyork nach Liverpool, während jetzt Dampfer nach den Nordseehäfen durchschnittlich zu 4 bis 5 Pence oder 8 bitz 10 Cents nach London und Liverpool, sogar nicht selten zu bis 2'/, Pence (4 bis 5 Cents) laden. Die Eisenbahnfracht für den Bushel Getreide von Chicago nach der Seeküste (950 englische Meilen) betrug vor 1870 24 Cent«; seitdem ist die Fracht kontinuirlich heruntergegangen und beträgt jetzt nicht selten blos die Hälfte des obigen Satzes. Als Durchschnitt für die letzten Jahre wird ein Satz von 16>/z Cents angegeben und neuerdings müssen sich die Bahnen bei Durchfracht-Sendungen nach Europa oft mit 12 Cents und weniger begnügen. Der Farmer im Westen kann zu so niedrigen Preisen produziren, daß er selbst bei erheblich größeren Transportkosten in Europa noch coneurriren wurde, die Produktionskosten werden indessen steigen, sobald die Nothwendigkeit heroottrilt, statt d.s jetzt sollte keine druckende Fessel für Dich werden, da Dein beharrliches Schwergen eine Lösung derselben zu wünschen schien.
Ja, ja, das sah Dir ähnlich, seufzte Otto, doch wie war's? fuhr er erschreckt empor, habe ich denn geträumt oder ist's Wahrheit, was mir gesagt worden? Man habe die Mutter und auch Dich in's Gefängniß geworfen, Du aber seiest entflohen. —
Man hat Dir die Wahrheit gesagt, Otto! nickte Nanni. Mit List lockte man mich aus dem Ge- fängniß, um mich zu einer Schuldigen zu stempeln — warum? — ich weiß es nicht. Meine Vernunft war verwirrt, als ich dem lockenden Rufe folgte, doch kam ich bald zu Besinnung und stehe jetzt im Begriff in's Gefängniß zuruckzukehren. Nur Resi und dem Barer wollte ich meine Unschuld betbeuern. —
Dessen bedarf es nicht, Nanni, unterbrach Otto sie mir feierlichem Ernste, wenn es wahr ist, daß die abgeschiedenen Geister im ewigen Lichte wandeln, dann muffen sie Dch n ölteno umschweben. Was mich aiibetrlfft, so bade ich jeden, auch den leisesten Zweifel an Deinei Unschuld für eine Todsünde gehalten, — ja, Nanni, fist die Mutter halte ich schuldlos an dein Tone des Vaters.
Habe Dunk für dieses Won» Dito! sprach Nanni, gewaltsam ihre Thiänen bezwinge nd. Nun aber laß uns scheiden, unseie Wege trennen sich an diesen Gräbern, welche alles Glück, alle freund
ziemlich allgemein betriebenen Raubbaues eine systematische Bodenkultur einzuführen; geringe Frachtsätze bleiben daher die Hauptbedingung für den Absatz in Europa. Die Gründe nun, welche die Dampferlinien und zum großen Theile auch die amerikanischen Eisenbahnen in den Stand setzen, so billig zu befördern, sind zum Theil in der mas- fenhaften Einwanderung zu suchen; wird diese wesentlich geringer, so können die Dampfer bei bett' derzeitigen Frachten nicht bestehen und auch die Bahnen werden wahrscheinlich ihre Sätze erhöhen müssen.
Berlin, 22. April.
* (Der Berliner Auwaltoe ret«) hat durch eine Commission eimn Entwurf über den Schadenersatz an unschuldig Verhaftete entwerfen lassen und dem Reichstage übersandt.
* (Aus der Börsen st euer-Com Mission.) Die Resolution, welche vom Fürsten Hatzfeld der Commission in Sachen der Börsen st euer vorgelegt werden wird, lautet: „In Ernägung, daß da« Gesetz, betreffend die Ethel ung von Reichsstempelabgaben vom 1. Juli 1881 sowohl in technischer wie in finanzieller Beziehung den auf dasselbe gesetzten Erwartungen nicht entsprochen hat, namentlich der finanzielle Erfolg desselben dadurch schwer beeinträchtigt wird, daß viele darunter fallende Geschäfte sich dem Stempel zu entziehen verstanden haben, — auch die gegenwärtige Steuer mehr das außerhalb der Börse stehende Publikum al» die Börse selbst trifft, den Herrn Reichskanzler aufzufordern, die Frage sowohl de» Erlasse» einer ütlg#meinen Börsen-Ord- nung als insbesondere einer wirksameren (rven- tualiter nach Skalen oder Procenren gesteigerten) Besteuerung des gesamten Börsenverkehr» entweder auf Grundlage des Scklußnoten- Manges, oder auf Grundlage einer direkten Besteuerung des Börsengeschäfte gewerbsmäßig betret» benden Publikums, oder endlich auf Grundlage der Koniingentirung, unter Zuuehung von Sachverständigen einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen und darnach dem R.icksta e eine bezügliche Vorlage tu macken "
licken Wiinneiuuj^u uiuuu Xuiüik.i i.. m, |»yne» feen. Ich muß me nen rauhen Dornen; fad allLtk wandeln, er führt mich durch Nacht zum ewigen Licht; — Du ober, Gefährte meiner Kindheit, wirft mut big emporklimmen zur sonnigen Höhe des Leb,ns, doch biS zum letzten Atheinzuge werde ich Dein gedenken, und Dir dank ar für das kurze Glück sein, welches Deine Liebe mir einst gewährt.
Sie reichte ihm unter heroorbrechenden ThräneN die Hand, welch er hastig ergriff und festhielt.
Und Du wähnst, ich könne mein Geschick von Bem Deinen trennen, Nannt? sprach er ernst und f st, könntest mich wirklich für den Elenden halten, welcher Diejenige, der sein H rz stets anghehürt, gewiffenlo« verlassen würde, um einem hohlen Ruhm nachzujagen? — Ich bin Dein Verlobter. —
New, nein, rief sie angstvoll, das Band ist längst gelöst. —
Ah, so ist es also wahr, was das Gerückt mir erzählte, Da biachst treulos Dein Wcn, um Dich jenem Apoth. ker zu verloben! —
Nanm's schmerzlicher Buck ließ ihn verstummen. U. bewältigt von seinen Gefühlen zog er die Arme an sein Herz und bedeckie das bleiche, ver» härmte und doch so rührend schöne Antlitz mit Küssen.
Du wolltest Dich opfern für die E lern, fl sterte er, o, jetzt verstehe ich Alles, — Alles! — Dbr Valet wollte das Opfer nickt, — nut die Matter — ist's nicht so, mein Liebling?