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Donnerstag, den 19. April

1883

Fuldner ®l Jeitung.

Dt« „tuioaer Beituna' end)ernt titqltd), oomu ano ^eieriage «u»nenonmen. Bierreiiaoriicher ÄoonnemenlSprets ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 E. 50 Psg-, *>et belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen^ in Fulda 1 Äl. 70 Psg-, auswärts 1 M. 75 Pfg.

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* statistische parallelen.

ii.

Eine der wichtigsten Zukunftsfragen Deutsch­lands, welche heute noch vor einer großen Menge zu regelnder und zu befestigender innerer An­gelegenheiten vielleicht allzusehr zurücktritt, ist die Frage der deutschen Colonialpolitik. Man kann freilich im eigentlichen Sinne von einer solchen noch kaum reden, weil Deutschland über keinen Colonialbesitz verfügt. Wir brauchen an dieser Stelle von den mannigfachen Gründen, welche einen Colonienbesitz erstrebens- werth machen, nur die wichtigsten und zwar nur andeutungsweise zu erwähnen, handelt es sich ja nur um eine kurze ziffermäßige Zusammenstellung über den Umfang der den europäischen Staa­ten angehörigen Colonien. Von Jahr zu Jahr nimmt die Auswanderung aus Deutsch­land zu, wie die erst jüngst fast in der ganzen Preffe veröffentlichten Nachweisungen des Kaiserlich Statistischen Amtes hinreichend darthun. In der Zeit von 1820 bis 1875 sind allein von Deutsch­land 2,857,912 Personen nach Amerika ausge­wandert, (beinahe Vs der sämmtlichen Eingewan­derten) heute wird die dritte Million bereits er­reicht oder gar überschritten sein. In dieser Auswanderungsziffer wird Deutschland nur von Grostbritan-ien oder richtige; gesagt, von Irland übertroffen. Diese Votkskräfie würden für Deutschland nicht oder wenigstens nicht in dem Maße verloren gehen, wenn es gelänge, den Aus­wanderungsstrom nach einem allerdings erst aus­findig zu machenden Colonialgebiet zu dirigiren, welches unter D e u t s ch l a n d s Oberherrlichkeit stehend, nicht nur die Beziehungen der Ausgewanderten zu ihrem alten Vaterlande vollständig erhielte, sondern auch seine Products nach dem Mutterlande aus- fübrte und deutsche Fabrikate für seinen Bedarf bezöge. Bei dem großen Aufschwung, den die deutsche KriegS-undHandelsflotte neuer­dings genommen hat, wäre es nur eine natürliche Consequenz, daß Deutsch landendlich an die Pflege einer gesunden Colonialpolitik dächte. Von allen

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Ein verhängnisvoller Hatz.

Novelle von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Einen Augenblick schwankte Otto, von dem Zauber der schönen Frau, sowie dem stolzen Triumphe, über alle Femde und Neider trotz der vorhergehenden Scene den Sieg davon zu tragen, aufs neue umstrickt. Die dunkeln Augen der Fürstin ruhten in flammender Leidenschaft auf ihm, der berauschende Duft, welcher ihre stolze, könig­liche Erscheinung umgab, ja, die ganze Atmos­phäre erfüllte, schien seine Seele, sein Gewiffen w süße Träume zu wiegen und die kalte, mahnende Pflicht in den Hintergrund zu drängen. Seiner selbst kaum bewußt, zog er ihre feine, zarte Hand an seine Lippen, — was kümmerte ihn die Heimath, was der tobte Pflegevater und die so tief ge­sunkene Geliebte seiner ersten Jugend!

Sein Brick begegnete dem ihrigen, der in ver­zehrender Gluth seine Sinne verwirrte.

Ich wiederhole es, sprach die Fürstin, kein Schatten soll diese glückliche Gegenwart trüben, keine tragische Geschichte einen Bund trennen, welcher —

Sie brach erschreckt ab, da Otto ihr mit einer Aschen Bewegung seine Hand entzogen hatte, ^turr haftete sein Auge wieder auf dem verhäng- p'-ßvollen Artikel des Zeitungsblattes, welches er üoch immer in der Hand hielt.

Nationen ist ja auch keine so sehr geneigt, auch im Auslande die Anhänglichkeit an die Heimath zu bewahren, wie die deutsche, wie sich das bei manchen Anlässen in der unzweideutigsten Weise gezeigt hat.

Außer Deutschland und Oestereich-Ungarn haben alle großen europäischen Staaten einen mehr oder minder großen Colonialbesitz. Oesterreich- Ungarn hat in den erst kürzlich occupirten Ländern seiner Nachbarschaft, in Bosnien, der Her­zegowina und Novilazar vorläufig noch so viel zu schaffen, zu cultioiren und zu colonisiren, daß es an eigentliche auswärtige Colonien noch nicht denken darf. Das erwähnte Occupations- terrain beläuft sich auf 61,265 km. Durch diesen Besitz hat es doch immerhin eine Art von Colonie, wenn auch eine wenig beneidenswerthe. Ganz fabelhaft im Vergleich zu dem Europäischen Ländergebiet ist der Gesammtumfang der eng­lischen Colonien. Der Flächeninhalt der eng­lischen Colonien in km. berechnet, beträgt ca. 26,124,000, während das Königreich Großvrita- nien und Irland nur 314,951 0 km. umfaßt. Die Colonien sind demnach mehr als 80 mal so groß w.e das Mutterland. Von denselben fallen auf Europa 328 km., auf Amerika 9,713,000 0 km., auf Afrika 720.400, auf Ausirglienj 8,058,400, aar Asien 1,632.000 0km. Frankreich hat ebenso wie England Besitzungen in allen Welttheilen. Sein Colonial­besitz beläuft sich auf 877,664 0 km., wovon 667,065 0km. aus Algier entfallen. Frank­reich selbst hat einen Flächeninh rlt von 526,572 0 km. Die Colonien sind demnach beinahe i Vs'nal so groß wie Frankreich selbst. Das Königreich der Niederlande hat in Asien 1,667,319 O km. Colonien, in Amerika 120,451 und in Austra­lien 397,088 0 km., also im Ganzen circa 2,065,000, das Königreich selbst umfaßt nur 33,000 0 km., demnach nur Vos des Colo- nal-Umfangs. Spanien hat bei einer Größe von 508,066 einen Colonialbesitz von 429,029 0 km. Portugal verfügt über 1,828,105 0 km. an Colonien, während das Königreich selbst nur

Du rufst mich, murmelte er, vergib, du Arme, ich komme. Durchlaucht! wandte er sich an die Fürstin, ich bitte, mich gütigst entlassen zu wollen, die gebieterische Pflicht befiehlt, ich muß gehorchen.

Sie wollen fort — ohne Urlaub?

Ja Durchlaucht, — wenn es nicht anders geht, auch ohne Urlaub. Ich muß um jeden Preis fort.

Die Fürstin preßte die Lippen aufeinander.

Gehen Sie, mein Freund! sprach sie nach einer Pause, ihm mit einem huldvollen Blick die Hand reichend, ich werde, falls man Ihnen den Urlaub verweigern sollte, Ihre Fürsprecherin sein; doch hoffe ich bald von Ihnen zu hören.

Recht bald, Durchlaucht! versetzte Otto, ihre Hand an seine rippen ziehend, meine Ehre zum Pfände! Mit einer liefen Verbeugung nahm er Abschied von der Fürstin, deren gute Laune für diesen Abend vollständig gestört war, weshalb die Gesellschaft sich bald ebenfalls empfehlen mußte.

Gleichviel, meinte der Baron, wir haben unfein Zweck erreicht und Bresche in diese drohende Mesalliance geschossen; läge die Partei umgekehrt, da ließ man sich's gefallen, aber so — 6 donc! — 9.

Der Tod des Malers Eberhard, sowie die Ge­fangennahme der Gattin und Tochter desselben, hatte selbstverständlich ein ungeheures Aufsehen nicht blos in der kleinen Stadt, sondern auch weit über diese hinaus erregt. Das allgemeine Urtheil

89,143 Okm. groß ist. Dänemark besitzt 194,575 0 km. Colonien bei einem eigenen Um­fange von 38,440 0 km. Bei allen diesen Zah­len, welche sich noch bedeutend vermehren und er­gänzen ließen, sind di? unter bloßer Schutzherrlich­keit stehenden Besitzungen, wie z. B. Tunis im Verhältniß zu Frankreich, nicht mitgerechnet. Bemerkenswerth ist jedenfalls, daß alle die ge­nannten Staaten sich eines relativ großen und reichen Handelsbetriebes und eines mehr ober rnin- ber bettächtlichen National-Wohlstanbes erfreuen.

Deutsches Reich.

Fulba, .19. April.

Der Plan der Beantwortung der kaiserlichen Botschaft durch eine Adresse ist, wie wir bereits gestern meldeten, von den liberalen Parteien auf- gegeben worden. Die ,Fr. Zig/ bemerkt tu diesem Ent­schlüsse: „Ntcht nur auf die Beantwortung der k a is e r - tichen Botschaft durch eine Adresse hat die Linke verzichtet, sondern, wie es scheint, auch noch auf etwas Anderes, das, wie dieser Tage die ,Vztg.' er­klärte, vorAllem Noch war: „auf die über jedenZweifel erhabene Wahrung des souveränen Rechts derabsolut freien Entschließung des Reichstags". Daß esdieNa- tionalliderälen w.rren, k««« >tü..geeung eine einheit» licheAction der Liberalen vereitelt hat, kann Nieman­den Wunder nehmen; in der scheuen Zurückhaltung sind die Herren Meister und thuit sich darauf sogar viel zu gute".

Die Fortschrittspartei scheint die nun in Wegfall kommende officielle Beantwortung der Botschaft durch eine unofficielle, aber trotzdem sehr deutliche Erklärung in etwa ersetzen zu wollen, welche der geschäftsführende Parteiaus­schuß in einem Rundschreiben niedergelegt hat. In derselben heißt es:

„3)ie kaiserliche Botschaft werde be­nutzt, um dem Reichstage den Vorwurf der Saumseligkeit zu machen. Dieser Vorwurf sei unbegründet; die Ausdehnung der Parlaments, arbeiten sei heroorgerufen durch Ueberhäufung mit aussichtslosen oder die freiheitlichen und wirthschaft-

war von der Schuld der Frau felsenfest überzeugt, während man die Tochter ohne Ausnahme für schuldlos hielt und ihr Verbleiben im G.fängniß nicht zu begreifen vermochte.

Glaubte Nanni an die Schuld der Mutter? Das unglückliche Mädchen war seit jener Stunde, wo die Thür des Gefängnisses sich hinter ihr ge­schloffen, von einer An Apathie befangen. Starr und unbeweglich blickte sie in einen Winkel; thrä- nenlos, schweigend, — schien jede Empfindung des Geschehenen ihr abhanden gekommen zu sein.

Der Arzt, welcher den Auftrag hatte, ihren Seelenzustand zu untersuchen, schüttelte bedenklich den Kopf und erklärte, daß sie nolhwendig in eine andere, freundlichere Umgebung versetzt werden müsse, widrigenfalls eine Geistesstörung zu befürch­ten sei. Das Gericht zog hierauf einen zweiten Arzt hinzu, welcher sie, dem Unheil des ersten entgegen, für eine Simulantin erklärte, und deffen Urtheil als ein kompetentes accepirt wurde.

Tie Sache lag für Frau Eberhard sehr schlimm, die Vergiftung ihres Gatten war bei der Section erroiefen worden, ebenso der jahrelange, häusliche Unfrieden, und wenn die Frau auch durch Zeugen darthun konnte, baß in ber letzten Zeit eine Ver­söhnung ftattgefunben, so war's leibet boch offen- kunbig schon genug geworben, baß gerabe in ben beiden letzten Tagen die Zwietracht ihre wilde Fackel geschwungen hatte.

(Fortsetzung folgt.)