Mittwoch, den 18. April 1883.
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* statistische parallelen, i.
Zahlen beweisen, heißt ein bekannter Grundsatz. Aus diesem Princip beruht die in ihrer Wichtigkeit und Bedeutung heute allgemein gewürdigte Pflege der Statistik, welche in unseren modernen Cul- turstaaten mit größtem Eifer gefördert wird und für die Beurtheilung mancher Verhältnisse von maßgebendem Einfluß ist. Statistische Vergleiche über Verhältnisse, Einrichtungen und Zustände in ein und demselben Lande, sei es über einen Zeitraum oder über verschiedene Zeiträume, sowie auch über verschiedene Länder von einem gleichen Zeitpunkte aus, bieten ost hoch- interesiante Aufschlüsse über die sociale und politische Lage, wie über die allgemeinen Wohlfahrts- verhältnisie der einzelnen Staaten. Auch geben sie meist weit klarer und zugleich weit einfacher, kürzer und überzeugender, als lange philosophischakademische Erörterungen sowohl über Uebelstände und Mißerfolge wie über Vorzüge und Fortschritte in ben jeweiligen Verhältnissen unverfälschten Aufschluß. Wir beschränken uns darauf, aus dem reichen Zahlenmaterial, welches uns die eben wieder neu erschienenen „Hübner'schen Tabellen" bieten, mr< einige naheliegenden statistischen Vergleiche jusammenzustellen. Da ist denn zunächst das vor einiger Zeit in den Aufsätzen über das moderne Heerwesen bereits erwähnte Zahlenverhältniß der europäischen Friedenstruppen hervorzuheben.
Die Friedenspräsenzstärke der europäischen Heere beträgt in runder Summe 3 Millionen 282 Tausend, wobei ist z. B. Miliz und Civilgarde in den einzelnen Füllen nicht mitgerechnet ist. Der Stärke der Friedensheere nach rangiren die europäischen Staaten wie folgt: An der Spitze steht Rußland mit 970,000 Mann, dann folgt Frankreich mit 445,528 Mann, einschließlich der Gendarmerie mit 26,572 und ausschließlich der Truppen in Algier mit 52,955. Deutschland nimmt die dritte Stelle ein mit
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Der veichSnarritzvolle Hatz.
Novelle von Emilie Heinrichs.
(Sortierung.)
Und NUN mußte der arme junge Mann es an- hören, wie seine Liebe zu Nanni profanirt, sein Herz ihm stückweise vor die Füße geworfen wurde. Es war ihm, als habe sich ein eiserner Ring um seine Brust gelegt, der ihm jede Bewegung, jede Vertheidrgung unmöglich mache, — er fühlte alle Qualen eines Verdammten, und mußte schweigen, obgleich der Zorn die Pulse zu sprengen drohte.
Unbarmherzig schwang der Maler die Geißel über den Undankbaren, der den Pflegevater, die arme Braut schmählich dem Verderben, dem Untergänge geweiht, der kein Lebenszeichen von sich gegeben. —
Halt, nicht werter! unterbrach ihn Otto mit keuchender Stimme, das ist eine Lüge, elende Verleumdung, — er schrieb sogar mehrere Male ohne Antwort zu erhallen, und blieb trotz allvem der Braut, der sein ganzes Herz gehörte, treu.
Ah, Sie scheinen sehr gut unlernchtet zu sein, rief der Maler, vielleicht können Sie uns selber den Schluß des interessanten Dianas erzählen?
Ich kann mir nicht denken, daß es ein Drama, sondern ein Lustspiel mit einer Hochzeit gemoiben, antwortete Otto, kurz auflachend, oder hal^die schöne Nanni den reichen Apotheker nicht gehei- rathet?
427,274 Soldaten, nach ihm rangiren Oesterreich mit 285,800, Jta lien mit 210,807, England mit 188,800 regulärenTruppen(60,000 Marine, 208,308 Freiwillige), die Türkei mit 160,000, die Schweiz mit 116,000, Spanien mit 94,000, das Königreich der Niederland e mit 65,000, Griechenland mit 54,000, Belgien mit 46,575, Schweden mit 41,000, Portugal mit 28,000, Serbien mit 25,000, Rumänien mit 23,770,No rwegen mit 18,000, Dänemark mit 17,000, Bulgarien mit!6,625.
Die gesammte europäische Heeresmacht in Kriegsstärke beläuft sich auf die stattliche Zahl von 10 Millionen 144 Tausend Soldaten. Davon hat wieder die größte Zahl Rußland. Sein Kriegsheer hat eine Stärke von 2.618.000 Mann, den zweiten Rang nimmt Deutschland ein mit 1.700.000, den dritten Rang Frankreich mit 1 200000 Mann, dann folgt Oesterreich mit 1.160.000, Italien mit 900.000*), die Türkei mit 610.000, Spanien mit 600.000 Mann u. s. w.
Bei den ganz erdrückenden Ziffern der russischen Kriegsmacht, welche nahezu Deutschland und Oesterreich zusammen an Soldatenzahl im Kriege gleichkommt, ist nicht nur die hinter den genannten drei anderen Ländern bedeutend zurückstehende militärische Schulung, sondern auch der Umftaftb zu bedenken, daß erstens darunter die irregulären Truppen (Kosaken) und die Reichswehr mitaufgeführt sind, und zweitens, daß Rußland bei seinem coloffalen Länderumfange, bei der mangelhaften Cultur- und Verkehrsentwickelung in vielen seiner Staaten und aus manchen anderen Gründen niemals auch nicht einma l annähernd die auf dem Papier angegebene Soldatenzahl in einen Feldzug und in ein Gebiet zusammen werfen kann. Die neuerdings so viel besprochene Combination Deutschland - Oesterreich - Italien verfügt
*) Die Hübner'schen Tabellen geben irrthümlich 1,900,000 Mann an, ähnlich wie sie im Jahrgang 1881 das italienische Friedensheer fälschlich auf 486,310 und das Kriegsheer auf 1,554,700 Mann stellten.
9Mn, so endet die Geschichte nicht, sondern echt tragisch mit einem Giftmord. Mutter und Tochter befinden sich augenblicklich int Gefängniß, angeklagt des Mordes an dem Galten resp. Vater.
Die Fürstin konnte einen Ausruf des Schreckens nicht unterdrücken; denn wie ein Rasender hatte Otto sich nach den letzten Worten des Malers erhoben und seinen Sessel zurückgeschleudert.
Was ist Ihnen, mein Freund? rief die Fürstin zitternd.
O nichts, Durchlaucht! versetzte Otto mit heiserer, fremd klingender Stimme, ich hätte nur Lust, dem großen Künstler dort, der ein so hübsches Schriftstellertalent entwickelt, ein wenig den Hals zu brechen dafür, daß er die Frechheit gehabt, tugendhafte Frauen zu Giftmischerinnen zu stempeln, daß er es gewagt in meiner Gegenwart, obwohl er es gewußt, daß ich der Hauptheld seiner Geschichte bin. —
Emen Augenblick herrschte Todtenstille nach diesen Worten, welche wie ein Blitzstrahl in die Gesellschaft einschlugen, dann erhob sich die Fürstin, bleich und zornia, welchem Beispiele Alle folgten, um ihrer Entrüstung Ausdruck zu geben.
Der große Mime scheint sich in irgend einer Rolle zu üben, lächelte der Maler malitiöö, ich betrachte seinen sonderbaren Ausfall gegen mich als eine solche und bitte, die Wahrheit meiner letzten Behauptung hier schwarz auf weiß zu lesen.
Er überreichte der Fürstin mit einer tiefen Ver-
überzusammen 3,960,000 Soldaten, übertrifft also auch numerisch Rußland mit Frankreich (3,818,000) noch um Einiges.
Alle diese Zahlen bedürfen kaum eines Com« mentares. Daß die Verhältnifse, welche eine solche Ueberanspannung der besten Kräfte der Völker nothwendig gemacht haben, ungesund und auf die Dauer der Zeit auch geradezu unhaltbar sind, liegt klar auf der Hand.
Man braucht nur die jährlichen Finanzrefultate der einzelnen Länder zu ftubiren, um klar zu erkennen, wie bie eigentlichen Mililärstaaten stets nur mit Noth ihre Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht halten können, während große Cultur- und Handelsstaaten mit verhältnißinäßig minimaler Heeresstärke, wie England und hauptsächlich bie Vereinigten Staaten von Nordamerika nicht nur im Staatsbudget jährlich ihre Ueberschüsse nach Millionen und Hunderten von Millionen rechnen, sondern auch d.n Wohlstand, bas Privatvermögen ihrer Bewohner von Jahr zu Jahr sich wachsen und mehren sehen.
In der gegenwärtigen Periode des unheimlichen in ganz Europa aus den bisherigen Schranken heraustretenden rohen Anarchismus und Nihilismus erweisen sich die von einem einheitlichen Willen abhängigen gut geschulten Heeresmaffen zunächst als das einzige Mittel, um dir Staate.: r?r einem alles Bestehende mit Füßen tretenden Ruin zu bewahren. Dieses Mittel ist aber nur ein äußerliches, ein bloß bis zu einem gewissen Grade erfolgreiches. Das einzige dauernd wnksame Mittel, um den unheimlichen Feind des ganzen gegenwärtigen Geschlechtes zu bändigen, ist die von oben und von unten anzubahnende Rückkehr zur Gesittung und Religiösität. Dieses Ziel wird sich erst nach geraumer Zeit in dem erforderlichen Umfange erreichen laffen, und ehe man wieder zu einer wohl geordneten, auf Glauben, Sitte und Gesetz beruhenden Staatsordnung zurückgekehrt ist, wird leider der am Marke des Vöikerivohlstandes zehrende bewaffnete Friede in Permanenz bleiben muffen .
beugmig ein Zeiliiuejsoiau, iuu.uu| iw. -o.-u ea.en mit Rothstift bezeichneten Artikel übeiflog.
Es ist wahr, Alles wahr, nickte sie mit einer Miene, welche Beoauern und Triumph abspiegelte, lesen Sie selber, Herr Eberhard!
Dieser ergriff »uchanisch das Blatt, doch gebrauchte er mehrere Minuten, bevor er im Stande war, bie Bestätigung ber furchtbaren Nachricht zu lesen.
Wahr, wahr, murmelte er mit bebenben Lippen, und doch rufe ich nein! tausendmal nein! dazu. — Verzeihung Durchlaucht! wandte er sich, gewaltsam nach Fassung ringend, an die Fürstin, nicht meine Schuld ist's, baß die heitere Tafel durch diesen grellen Mißklang gestört worden, rechnen Sie mit Herrn X, welcher seine tragische Geschichte mit so kluger Berechnung geiabe in dieser glücklichen Stunde zum Besten gegeben. Mich aber bitte ich gütigst entlassen zu wollen, da meine Stimmung mit der der Freunde nicht mehr harrnonirt.
Nicht doch, Sie bleiben, gebot die Fürstin, einen stolzen Blick ringsum werfend, ich darf Sie in dieser Stimmung nicht von mir laffen. Was die Vergangenheit auch bergen mag, sie soll begraben bleiben und keinen Schalten auf die Gegenwart werfen.
Sie ergriff seine Hand und in alhemloser Spannung harrte die Gesellschaft des Ausganges ber dangen Scene. (Fortsetz, folgt.)