M 86. Dienstag, den 17. April $883.
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Deutsches Reich.
Fulda, 17. April.
* Die von verschiedenen Blättern gebrachte Nachricht, daß der Kaiser heute in Wiesbaden eintreffen werde, ist unrichtig. Die Reise des Kaisers nach Wiesbaden ist aufgeschoben. Der Kaiser ist gestern Vormittag 9 Uhr nach Schwerin abgereist, verließ aber Nachmittags 4 Uhr Schwerin wieder und langte Abends in Berlin wieder an. Der kaiserliche Hof hat auf drei Wochen Trauer angelegt.
* (Der verstorbene Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin) war geboren am 28. Febr. 1823, und trat die Negierung am 7. März 1842 an. Vermählt war der Großherzog in erster Ehe mit der Großherzogin Auguste, geb. Prinzessin Reuß, in zweiter Ehe mit der Großherzogin Anna, Tochter des Prinzen Karl Wilhelm Ludwig von Hessen, in dritter Ehe mit der Großherzogin Marie, Prinzessin von Schwarzburg Rudolstadt. Der Großherzog, an deffen Sarge die greise Mutter, Prinzessin Alexandrine von Preußen, trauert, war ein Neffe Kaiser Wilhelms.
Am Sonntag Nachmittag um 5 Uhr fand zu Schwerin die Vereidigung der dort in Garnison liegenden mecklenburgischen Truppentheile auf den nunmehrigen Großherzog Friedrich Franz III. statt.
* (Adresse an den Kaffer.) Zwischen Seit liberalen Parteien des Reichstages schweben Verhandlungen über einen Antrag auf Erlaß einer Adresse an den Kaiser. Bis jetzt ist man noch nicht einmal über die Opportunität dieses Schrittes, geschweige denn über den Inhalt der Adreffe einig.
* (An die kaiserliche Botschaft) knüpfte die .Köln. Ztg.' u. A. folgende Bemerkungen: „Eine etwas peinlichen Erwägung wird man sich angesichts der Botschaft nicht erwehren können, und das ist folgende: Wie konnte es nur dem Reichskanzler und den verbündeten Regierungen bislang unbekannt bleiben, mit wie harrendem Herzen der Kaiser auf die Erledigung des
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Ei» verhängnitzvoller Hatz.
Novelle von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Ah, mein bester Herr Eberhard! tönte plötzlich von der unteren Tafel die scharfe Stimme des Malers zu ihm her. Sie waren doch, bevor Sie die Bühne zu ihrem Beruf erwählten, Maler wie ich —
Ganz recht, versetzte Otto, was soll's damit?
Sie haben in der Stadt Z. unser edles Handwerk erlernt, wenn ich nicht irre, fuhr der Maler fort.
In Otto's Wange stieg die Röthe des Unwillens.
Freilich, Z. ist meine Vaterstadt, rief er stolz, doch road soll die Frage, welche einem Jnquiriren "icht unähnlich stehl?
. Pardon? lächelte der Maler, sich behaglich den röthtichen Bart streichend, ich hörte von einem veuen Bilde, welches von Berlin aus die Runde durch Europa machen und wahrscheinlich großes «ufsehen erregen wird. Dasselbe soll von Eber- Hard in Z. gemalt sein, — vielleicht ein Verwandter von Ihnen, Herr Eberhard?
Es jst eine Art Vetter von mir, erwiderte Otto, achtlich erbleichend.
so, ich dachte es mir; vielleicht was es ^>hr Lehrmeister?
Nein! schrie Otto mit einer so wilden, zornigen ^wegung, daß die Fürstin betroffen zusammen-
Unfallversicherungs-Gesetzes hofft? Wäre diese sehnende Sorge des Monarchen aber in ihrer ganzen Schwere dem Kanzler und dem Bundesrache früher bekannt geworden: wie leicht hätten sie mindestens eine Menge von Zollnovellen und die ganze Gewerbegesetznovelle, für welche alle nur ein ganz verschwindend geringes Bedürfniß im Volke vorlag und welche jedenfalls von allen neueren Gesetzesvorlagen am weitesten hinter den anderswohin gerichteten Herzenswünschen des Monarchen zurückstehen mußten — wie leicht, sagen wir, hätten dann Kanzler und Bundesrath diese zeitraubenden, durchaus nicht dringenden Gesetzesarbeiten vom Reichstage fern halten können, so daß er Ruhe und Zeit gehabt hätte, die socialpolitischen Vorlagen jetzt schon fertig zu stellen. Es ist gewiß zu bedauern, daß man sich an maßgebender Stelle über die Wünsche des Monarchen nicht früh er so genaue Kennt- niß verschaffen konnte als jetzt, wo die beste Zeit durch unerquickliche und lange Debatten über Vorlagen vergeudet wurde, die keinem großen Bedürfnisse im Lande entsprachen und die Erfüllung des sehnsüchtigsten Wunsches des Kaisers so lange hinauszogen." Diese Zeilen stnd trotz ihrer glatten und gemäßigten Form das Bitterste und Schärfste, was wir über das viel besprochene Thema in oppositionellen Blättern gelesen haben.
* (DieJagd auf maigesetzliche Priester,) deren ganzes Verbrechen darin besteht, daß sie vte religiösen Bedürfnisse des Volkes unter großen Opfern befriedigen und den Sterbenden die Tröstungen der Religion nicht verweigern, dauert fort. Am 14. d. Mts. stand zu Posen, wo die Behörden noch von echt Falk'schem Eifer beseelt sind, der katholische Geistliche Loga unter der Anklage gesetzwidrige Ausübung geistlicher Amtshandlungen in der Parochie Moschin in sieben Fällen. Der Angeschuldigte wurde durch die Strafkammer des Landgerichts zu 35 Mk. Geldstrafe und zur Tragung der Gerichtskosten verurtheilt.
* (In Bezug auf den spanischen Handelsvertrag) schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg.' wie folgt: „Nachrichten aus Madrid lassen anzuckte. Ich verbiete mir Ihre inquisitorischen Fragen, mein Herr! setzte er etwas ruhiger hinzu.
Noch einmal Pardon, verehrter Herr! lächelte der Maler so behaglich wie zuvor, die Frage war insofern nothwendig, als ich nach der Erklärung des Herrn Eberhard nun ohne weitere Scrupel weiterreden darf, das heißt mit der gnädigen Erlaubniß meiner durchlauchtigsten Fürstin.
Diese nickte ihm leicht zu und sagte: Einer Erlaubniß dazu bedarf's nicht, lieber X. Sie wissen ein für allemal, daß an dieser Tafel ein Jeder zwanglos reden barf. Sie scheinen eine picante Geschichte in petto zu haben, setzte sie, mit einem besorgten Blick auf Otto, hinzu, der finster vor sich hinschaute.
Weniger picant als dramatisch, Durchlaucht! — Ich erfuhr die kleine Geschichte jenes Bildes erst heute durch einen Brief aus Berlin.
Nun, dann laffen Sie hören, nickte die Fürstin, sich in ihren Sessel zurücklehnend, und den Blick nicht von Otto wendend.
Hat man Ihnen das Bild genauer beschrieben? fuhr Letzterer, wie aus einem Traum erwachend, empor.
Freilich, es stellt eine zwar düstere, aber liebliche Scene dar. Em todtes Kind im Sarge, von Blumen fast verhüllt, ferner einen knieenden, verzweiflungsvoll die Hände erhebenden Knaben, von der spiechendähnlichen Zwillingsschwester der Todten umschlungen, im dunklen Hintergründe
nehmen, daß nur der Finanzminister ein Gegner des Abschlußes der Handelsvertragsverhandlungen ist. Die Gegnerschaft dieses für die Frage wichtigsten Refforts dürste aber eine entscheidende und um so schwerer zu überwinden sein, als sie mehr auf politischen wie auf wirthschaftlichen Grundsätzen beruhen soll. Unter diesen Umständen wird, trotz der ernsten und unablässigen Bemühungen der Diplomatie beider Länder kaum Aussicht auf das Zustandekommen eines Handelsvertrages übrig bleiben."
Oesterreich - Ungarn.
* (Die Rede Tisza's über das deutsch- österreichisch- italienische Bündniß) wird nicht nur im ungarischen Parlament, sondern auch anderwärts, insbesondere aber in Italien überraschend gewirkt haben. Der Mwisterpräsident hat die Trippel-Allianz verleugnet und das Bündniß zwischen den drei Staaten zu einem freundschaftlichen Verhältniß herabgedrückt, ähnlich dem Verhältniß der beiden Kaiserstaaten zu Rußland, mit dem es von dem ungarischen Ministerpräsidenten ausdrücklich in Parallele gestellt wurde. Dieses freundschaftliche Verhältniß ist laut Tisza durch die Annäherung Italiens an die beiden verbündeten Centralmächte entstanden und hat den einzigen Zweck, den Frieden zu sichern, der von Niemand bedroht wird, in Folge dessen es auch gegen Niemanden seine Spitze kehrt, am allerwenigsten gegen Frankreich, mit welchem Oesterreich-Ungarn im besten Emverneymen lebt. Darf man den Worten Tiszas Glauben schenken, so hat M a n c i n i mehr gesagt, als er verantworten kann; Tisza will in der Rede Mancini's keinen andern Inhalt gelten lassen, als was sich mit den Erklärungen Kalnoky's in den Delegationen deckt, und diese Erklärungen enthielten nichts weiter, als die herkömmlichen Phrasen über die guten Beziehungen Oesterreich-Ungarns zu den auswärtigen Mächten, darunter auch zu dem benachbarten Königreich -Italien. Daß durch diese Erklärung der prätendirte welthistorische Charakter der sogenannten „Allianz" verloren das Elternpaar, deffen Züge schwer zu erkennen sind; — das Bild soll einen ganz wunderbaren Eindruck machen und den seltsamen Namen oder Titel: „Ein verhängnißvoller Haß" führen.
Otto war bei der Beschreibung leichenblaß geworden und strich sich mehrere Riale hastig über die Stirn, als ob er die finsteren Gedanken zu bannen suchte; fast unbewußt murmelte er den Namen Rest!
Mochte die Fürstin diesen Namen verstanden haben? Möglich war's, da sie leicht zusammenzuckte und ein feindseliger Ausdruck ihr Antlitz überflog.
Erzählen Sie uns die Geschichte dieses wunderbaren Bildes, lieber X! rief sie mit sichtlicher Ungeduld, ich bin in der rechten Stimmung, etwas Schauerliches anzuhören.
Fürstin, das kann Ihr Ernst nicht sein, bemerkte Otto, sie düster anblickend, paßt eine tragische Familiengeschichte in diesen Kreis? — Ich fürchte fast, fetzte er mit einem gewaltsamen Humor hinzu, der große Maler beabsichtigt, sich mit seiner Erzählung hier die ersten Sporen als Romanschriftsteller zu verdienen.
Fürchten Sie das nicht, Herr Eberhard! lächelte der Maler, ich bleibe meiner Kunst getreu, werde niemals ein Ueberläufer werden.
Otto fuhr zornig empor, doch legte die Fürstin ihre Hand beschwichtigend auf feinen Arm und sagte nachlässig: Hören wir doch den Roman, liebster Freund, was kümmern uns die Personen?