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M 83

Freitag, den 13. April

1883

Di« ,Fuldaer ZZertung erscheint täglich Sonn- uno Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfa.. — mit der bellemstischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen" in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zur Frage der kirchenpolitischen Vorlage-

schreibt die .Norddeutsche Allgemeine Ztg.' in ihrem gestrigen M o r g e n b l a t l in der bekannten officiös zurückhaltenden Weise:

In Abgeordnetenkreisen und in der Presse wird wiederum viel über eine kirchenp olitische Vor­lage gesprochen, welche dem Landtage demnächst zugehen soll. Den ,P. N.' zufolge glaubte man allgemein, es würde sich um eine Beseitigung der Strafbestimmungen handeln, welche das Messelesen und Sakramentespenden betreffen.

Die ,Neue Preuß. Zeitung" hält das auch von der .Germania' erwähnte Gerücht, daß eine kirchenpolitische Vorlage beabsichtigt sei, für nicht unbegründet. Sie erblickt darin eine Bestätigung ihrer Ansicht, daß man an maßgebender Stelle die Verhandlungen mit der Curie keineswegs für hoffnungslos oder gar abgebrochen anfihe, und fügt wörtlich Folgendes hinzu: „Nachden uns zugehenden Mittheilungen ist vor einiger Zeit aus Rom bereits eine Antwort auf dieletzte preußische Note hier eingetroffen und hat der Staarsregierung Veranlassung gegeben zur Aus­arbeitung einer kirchenpolitischen Vorlage, von welcher wir hören, daß ihr Inhalt hauptsäch­lich auf die Entfernung derjenigen Slafbestimmungen aus den Maigesetzen gerichtet sei, welche das Lesen de: Messe und da» Spenden der Sacramente be­treffen."

" \)ii v U iw»l«... 12 »vstratst. ersten Theit dieser Meldung schreibt der ,Pol. Corr.' ein mit den vatikanischen Kreisen in Füh­lung stehender Correspondent aus Rom, 7. April.:

„Die Antwort des hl. Stuhles auf die bekannte Note der preußischen Regierung, in der die letz­tere die Kurie in Betreff ihrer Forderungen wegen freier Ausübung des Cultus und des Unterrichtes seilens des Klerus um eingehende Aufklärungen anging, wird, wie Ihr Correspondent positiv zu versichern in der Lage ist, bereits vorbereitet und soll ehestens erfolgen."

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Der verhängnitzvolle Hatz.

Novell« von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Auch hier war der schöne und gefeierte Künst­ler bald der Vielumworbene, und fast willenlos ließ er sich in den Strudel der Vergnügungen mit hineinziehen, die das tägliche Brod des leicht­fertigen Wieners bilden.

Da begegnete ihm eines Tages im Prater ein bekanntes Gesicht aus der Heimath, ein junger Mann, mit dem er einst auf der Schulbank ge­sessen und Knabenfreundschaft geschloffen hatte; derselbe war Bildhauer geworden und auf der Neise nach Rom begriffen, — hatte jedoch von München aus diesen Abstecher nach Wien gemacht, um diese Kaiserstadt kennen zu lernen.

Otto erneuerte mit einer fast fieberhaften Hast die Bekanntschaft mit ihm, um endlich etwas Näheres aus der Heimath zu erfahren. Er nahm den jungen Mann, der ganz entzückt von der Liebenswürdigkeit des berühmten Künstlers war, mit nach seiner eleganten Wohnung und empfing hier Mittheilungen, die sein Herz mit Schmerz, öitterfeit und Entsetzen erfüllten!

' Der Bildhauer erzählte ihm, wie die stadtbe­kannte Zivielracht in der Eberhard'schen Familie uno nach den Wohlstand derselben zerrüttete, eii tief der einst so hochgeachtete Künstler gesunken

Die .Nationalzeitung' will auch in Erfahrung gebracht haben, daß dem am Montag zusammen­tretenden preußischen Landtage eine kirchenpolitische Vorlage gemacht werden solle. Im Staats­ministerium habe eine Berathung darüber noch nicht stattgefunden. Die ,Nat.-Ztg.' hält die Nachricht gleichwohl für wahrscheinlich. Nach ihren Nachrichten würde es sich, sofern die augen­blicklich bestehende Absicht ausgeführt würde, aber nicht um ein Ergebniß der Verhandlungen mit der Curie handeln. Es handle sich vielmehr offen­bar um ein Zurückgreifen auf den Gedanken, die Verhandlungen mit dem Vatiean als aussichtslos bei Seite zu lassen und einseitig von Staats- wegen der „katholischen Bevölkerung" zu gewähren, was in dieser Beziehung irgend zulässig erscheint.

In seinem gestrigen Abendblatt widmet das osficiöse Organ der kirchenpolitischen Vor­lage folgendes kurze Entrefilet:

„Den änderweiten Preßmittheilungen zur an­geblich beabsichtigten kirchenpolitischen Vor­lage gegenüber hält die ,Nationalzeitung' in ihrem heutigen Morgenblatte ihre frühere Mit- theilung aufrecht, daß die angebliche Vorlage das Staatsministerium noch nicht beschäftigt hat; sie glaubt sogar die Behauptung vertreten zu können, daß einzelne preußische Minister gestern Vormittag von der Absicht, eine solche Vorlage einzubringen, noch nichts wußten."

Der .Franks.Ztg.' wird zu dieser Frage aus Berlin Folgendes geschrieben: „Vor der letzten Sitzung des Abgeordnetenhauses hatte Herr Dr.

.».ft-. airug. "----kür: den lassen

da jede Aussicht auf einen Friedensabjchluß nid Rom geschwunden sei, werbe er für den ersten Schwerinstag beantragen, feine Anträge auf Frer- gebung des Sacramentespenvens und des Messe lesens aus die Tagesordnung zu setzen. Heute wird bekannt, daß sich die Regierung den Antrag des Centrumsführers zu eigen gemacht und ihn in Form einer Gesetzesvorlage dem preu­ßischen Landtage unterbreiten wird. Die neue kirchenpolitische Vorlage wäre, so heißt es, das Resultat der birecten Verbanblnngen mit bet

sei und wie Nanm wohl nächstens ben Apotheker Wagner heirathen werbe.

Diese Heirath wirb natürlich allgemein für ein großes Glück gehalten, setzte der junge Mann hinzu, da ohne sie über kurz oder lang der Concurs ausbrechen werde. Trotz alledem soll der starr­köpfige Eberhard, vielleicht in einem Anfall von Delirium, den reichen Freier auS dem Hause ge­wiesen und sich seine Werbung ein und für alle­mal verbeten haben.

Und die Tochter? fragte Otto mit Anstrengung, wie stellt sie sich zu dem Apotheker?

Nun, sie soll fest entschlossen sein, denselben zu heirathen, und ihm das Jawort bereits gegeben haben. Schade wäre es um das wirklich schöne Mädchen, und doch kann rnan's ihr im Grunde nicht verdenken, da sie nur Noch und Elend ken­nen gelernt und Jugend und Schönheit gar zu bald vorüber sind; was bliebe der Armen alsdann übrig?

Ja, ja, nickte Otto, starr vor sich hinblickend, sie thäte ganz recht, — arm und elend sein ist ein bitteres Loos. Wie lange sind Sie schon aus der Heimath fort? setzte er plötzlich hastig hinzu.

O, feit vierzehn Tagen, ich habe mich unter­wegs ein wenig lange aufgehalten, die Freunde und Kunstgenüssen hielten mich überall fist. Doch apropos, Sie hörten jedenfalls schon von dem neuesten Werk aus unserer Heimath? — Man erzählte mir unterwegs davon, dasselbe ist zuerst in Berlin ausgestellt worden.

Curie; der Inhalt s der Antwort der Curie auf die letzte preußische Note habe die Ver­anlassung zu dem Gesetze geben.....Heute

sah man Dr. Wind thorst in lebhafter Unterred­ung mit dem Reichstagsabgeordneten Herrn Dietz e, dem intimen Hausfreunde des Reichskanzlers. Nach dem Bekanntwerden der Nachricht von der neuen Vorlage wurde über die Chancen derselben debal« tirt. Ein hervorragendes nationalliberales Mit­glied war der Ueberzeugung, der Gesetzentwurf werde mit drei Viertel Majorität im Abgeord­netenhause durchgehen, da das Centrum, die Con- servativen und die Polen für das Gesetz stimmen würden, dem übrigens auch die Stimmen mehrerer Fortschrittler und Secessionisten sicher sind. Die Nationalliberalen werden natürlich das Gesetz ver­werfen; die Meinungen der Freiconservativen gingen bei kirchenpolitischen Fragen stets auseinander. Es wurde in Reichstagskreifen erzählt, die Vorlage werde auch noch andere Bestimmungen bezüglich der Abänderung der Maigesetze enthalten."

Zu dem von uns gestern erwähnten D e m e'nTt des Wolf fischen Bureaus schreibt die ,@eT» mania' in ihrem heutigen zweiten Blait: M

„DaS Dementi wird wohl keinen Eindruck^mehr machen. Ob die Vorlage schon fix und fertig ist, was anscheinend „Wolff ' bestreiten will, ist n e b e n« sächlich; allseitig wird anerkannt, daß nicht bloß eine Privatäußerung des Reichskanzlers, sondern der in Ausführung begriffene Plan einer Gesetzgebung vorliegt."

Ferner. berichtet die .Germania', ebenso wie

■ : -• ■ ■‘ulwirnmtv S>r Strf» 9ta‘ ■ rzzrz

„Das Stäatsministerirrm trat heute im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zusammen, in welcher, wie die ,Nat.-Zlg.' annimmt, kirchen- polrtische Angelegenheiten berathen wor­den sind."

Endlich meldet noch die .Post' in ihrem gestrigen Abendblatt: „Im Reichstag wurde heute mit großer Bestimmtheit erzählt, daß der Entwurf einer kirchenpoli.tischen Novelle im preuß­ischen Staatsministerium sertigg. stellt sei."

Von wem ist das Biro? fragte Otto zeeitreut.

Man konnte es mir leider nicht sagen, doch es soll ein Meisterwerk fein, und kann meiner Meinung nach nur von Ihrem Pflegevater herrühren.

Das sollte mich aufrichtig freuen, rief Otto lebhaft, da es mir den Beweis liefern würde, daß Eberhard doch so tief nicht gesunken fein könnte.

In diesem Augenblick trai sein Diener in's Zimmer, um einen Bries zu überreichen.

Der Ueberbringer wartet auf Antwort, gnädiger Herr!

Otto betrachtete das duftende Billet, wobei eine leichte Röche fein feines, blasses Antlitz überflog. Rasch trat er in ein Seitencabinet, um die leichte Aufregung, welche ihn ergriffen, dem fremden Auge zu verbergen.

Von ihr! murmelte er, die zierlich geschriebenen Zeilen überfliegend, und gerade jetzt in diesem Augenblick!

Er setzte sich an den Schreibtisch, warf hastig einige Worte aus's Papier, siegelte und adressirle dieselben an die durchlauchtigste Fürstin Romilli.

Der Diener brachte das Briefchen dem draußen harrenden filberbetreßteii Jockei.

Wie lange besinnt sich denn Dein Herr noch auf Oie gnädige Annahme der Fürstenkrone? fragte der kleine, schlaue Italiener mit malitiösem Lächeln.

Pah, meinte Jean lachend, wenn meines gnä­digen Herrn Lorbeeren vertrocknet sind, — dann ist's möglich, eher sicher nicht.