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Jfä }J2. Donnerstag, bett 12. April 1883.

Fuldaer Jeilung.

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Deutsches Reich.

Fulda, 12. April.

Die von uns gestern mitgetheilte Auslassung der .Germania' über eine im Landtage deinnächst zu erwartende kirchenpolitische Vorlage findet in einem Artikel der .Kreuzztg.' ihre B e st ä t i g u n g. Die Regierung soll danach beabsichtigen, dem Landtage alsbald einen Gesetzentwurf betreffend die Auf­hebung der maigesetzlichen Bestimmun­gen über dieBestrafung des Messelesens und Sacramentespendens vorzulegen. Be­kanntlich liegt schon ein denselben Zweck verfolgen­der Antrag Windthorst vor. Wenn die Mel­dung richtig ist, so scheint die Regierung mit der Vorlage zunächst den thatsächlichen Verhältnissen insofern Rechnung tragen zu wollen, als die Annahme des Antrags Windthorst durch das Abgeordnetenhaus als ziemlich gewiß erachtet werden kann.

Die .Kreuzztg.' sagt u. A.: „Die ,Germ.' erwähnt eines Gerüchtes, wonach dem Landtage demnächst doch eine kirchenpolitische Vorlage zugehen solle. Wir glauben, daß dieses Gerücht nicht unbegründet ist. Die früher von uns wie­derholt ausgesprochene Ansicht, daß man an maß- gebenber St Ue die Verhandlungen mit der Curie keineswegs für hoffnungslos oder gar abgebrochen ansehe, bestätigt sich augenscheinlich."

Die ,Nat.-Ztg.' schreibt zur selben Angele­genheit : „Aus dem vertrauten Kreise des Kanzlers hat sich im Reichstag die Mittheilung verbreitet, daß dem am Montage zusammentretenden preußischen Landtage eine kirchenpolitische Vorlage gemacht werden solle. Im Staatsministerium hat, wie wir hören, eine Berathung darüber noch nicht stattgi fanden; wir halten die Nachricht gleichwohl für wahrscheinlich, jedenfalls für erheblich wahr­scheinlicher, als sie es vor etwa zwei Monaten war, als wir ähnliche Meldungen für grundlos erklärten

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Ein verhängrritzvoller Hatz.

Novelle von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

7.

Bevor wir den Abschluß dieser Familien-Tra- gödie weiter verfolgen, ist es nothwendig, uns erst einmal wieder nach der fast gänzlich vergeffenen Ursache deffelben, nach Otto, umzuschauen.

Das erste Reiseziel des jungen Künstlers war damals München, welches er in einer schwer zu beschreibenden Seelenstimmung erreichte. Der Ab­schied von dem Hause Derjenigen, die gelobt hat­ten, Elternstelle an dem Verwaisten zu vertreten, war zu furchtbar, der ungerechte Haß der Mutter zu grausam verletzend für ihn gewesen, um nicht dem jungen warmfühlenden Herzen, das Jahre lang unter bieier Qual geseufzt, eine unheilbare Wunde zu schlagen.

Nichtsdestoweniger schrieb er sogleich, wie er es dem Vater gelobt, konnte doch dieser so wenig wie Nanni die Schuld der Mutter büßen, obwohl er irch mit verzweiflungsvollem Schmerze sagen mußte, daß auf einen Besitz der Geliebten, so lange die Mutter lebte, schwerlich für ihn zu hoffen sein werde.

Doch hielt diese Stimmung nicht allzu lange an, die Hoffnung lieh ihm bald ihre goldenen Schwin­gen und der Gedanke, sich durch eigene Kraft, durch eigenes Streben eine geachtete Stellung in

und von dem Projekt denn auch bald nicht weiter die Rede war."

Das .Wolff'sche Telegr. Bureau' berichtet höchst vorsichtig nur, es sei keine kirchenpolitische Vorlage „vorhanden", bestätigt aber, daß der Reichskanzler sich einem Abgeordneten gegen­über privatim für die Freiheit des Messe­lesens und des Sacramentespendens aus­gesprochen habe.

* (Conservativer Wahlsieg.) Aus Oste­rode werden die amtlichen Ziffern des Resultates der dort stattgehabten Nachwahl zum Reichstage gemeldet: Rittergutsbesitzer Rose (cons.) wurde mit 8679 von 13,472 abgegebenen Stimmen ge­wählt. Der Gegenkandidat, Rittergutsbesitzer Weißermel (Secessionist), erhielt 4776 Stim­men. — Damit wäre also die Danziger Nie­derlage wieder wett gemacht.

* sZur Lage.) Dr. Joerg bespricht im neuesten Hefte der ,Histor.-polit. Blätter' die Bud­get-Verhandlungen im preußischen Landtage, spe- ciell die Beratungen über das Cultus-Budget. Einleitend sagt derselbe: Es ist einmal so: im neuen deutschen Reiche können nicht 6 Wochen ohne eine diploinatische oder innerpolitische Ruhestörung vorübergehen. Ringsum in der Welt bewegt sich der Acheron täglich bedenklicher, alle Zeichen deuten auf eine neue Sündfluth, nicht von Waffer, son­dern von Blut. Man sollte nun meinen, ein Reich, das inmitt-n der Brandung vostirt ist. müßte alle Kraft aufbieten, um den inner« Frieden anzustre­ben und die Gemüther zu beruhigen. Bei uns geschieht das gerade Gegentheil. Eine hochpoli­tische Verdächtigung löst die andere ab. Ein hän« delstiftendes Projekt schlägt das andere. Hat dann der Lärm eine Weile gedauert, so verschwindet der Apparat, als wäre er nie dagewesen, und ein an­deres Nebelbild huscht über die Scene. Etwas, wie die Unruhe Ahasver's, spukt in der obern Lei­tung, und man fühlt sich wie in einem von Klopf­geistern beherrschten Hause, in deffen Frieden man sich so gern aus den Stürmen von draußen zurück- ziehen möchte.

der Wett zu erringen, stählte seinen Murg uno bannte die Verzweiflung.

Als er nun aber weder auf den ersten noch auf alle folgenden Briefe eine Antwort jemals erhielt, da gehörte wohl etwas mehr dazu, den jungen Genius nicht ermatten zu lassen und feinen Flug nicht für immer zu lähmen.

Und in der Thctt hatten sich ihm in München nur allzu bald die Thore eines andern Kunsttem­pels aufgethan, wogegen die Farben des Pinsels erbleichen mußten. Das Erbtheil seines unglück­lichen Vaters, welches, wie Eberhard sagte, ihm im Blute lag, hatte ihn mit unwiverstehlicher Ge­walt gepackt, um ihn nicht wieder loszulassen.

Mit einem raschen Entschlüsse, an dem das Ge­fühl, daheim gänzlich vergessen und verstoßen zu sein, wohl einen nicht geringen Antheil hatte, hing Otto Pinsel und Palette an den Nagel, um sich mit Leib und Seele der Bühne zu weihen und bald, wenn anfangs auch unter fremdem Namen, den Platz in der darstellenden Kunst sich zu er­obern, welcher ihm gebührte.

Sein Ruf verbreitete sich schon nach dem ersten Auftreten durch ganz Deutschland, und die Hof- bühnen ersten Ranges wetteiferten um die Ehre, den berühmten und gefeierten Künstler den ihrigen zu nennen. Otto gewann Lorbeeren und Gold, das Glück heftete sich an feine Fersen und der schöne Liebling des Publikums durfte kühn seinen Blick zu den vornehmsten Frauen des Landes er»

Berlin, 11. April.

* (Der neue türkische Botschafter Said Pascha) hielt heute seine feierliche Auffahrt bei Hofe und überreichte dem Kaiser mit einer An­sprache, welche der Kaiser huldvoll erwiderte, sein Beglaubigungsschreiben. Said Pascha wurde hier­auf auch von der Kaiserin in Audienz empfangen.

— (Prinz Friedrich Karl), der Mittags zurückgekehrt ist, begab sich von Großbeeren zu­nächst nach Nikolskoe zur Grnft feiner Eltern, und kam Nachmittags von dort nach Berlin.

— (Die Wahlprüfungs-Comifsion) be­anstandete die Wahl des Abg. Frhr. v. Schor­le m e r - A l st' s für Bochum (Gegencandidat Löwe) mit allen gegen 1 Stimme.

* Köln, 11. April, (Verwaisung der Pfarreien der Kölner Diöcese.) Vor Kur­zem brachte die .Köln. Volksztg.' die Notiz, daß von den 813 Pfarreien der Erzdiöcese Köln bereits ein volles Drittel (271) verwaist fei. Durch den Tod der Pfarrer von Hürth und Mausbach und das in diesen Tagen ei folgte Ableben des Dechan­ten und Pfarrers Steinbufch zu Wiffen, der Pfarrer Lambertz zu Haaren bei Aachen und Meller zu Troisdorf sind nunmehr bereits 276 Pfarreien vacant. Tas sindZahlen, die auch ohne Commenlar reden. Die Socialdemokra­ten haben gewiß Recht, wenn sie erklären, daß in Preußen ihre Geschäfte Niemand bester besorge, als der Cutturkamps. Wenn jüngst im Herren- Hause von hoher Stelle die Aeußerung fiel, man laste durch Schilderung der socialen Gefahren des Cutturkampfes sich nicht bange machen, so hat man überall im Lande diese Sprache zum wenig­sten sonderbar gefunden angesichts der Thatsache, daß seit dem Ausbruch des Cullurkampfes in Preußen die Verbrechen jeder Art, Diebstahl, Mord, Meineid, Unzucht sich verdoppelt, wenn nicht ver­dreifacht haben. Die ,Provincial-Correspondeuz' klagt über den Niedergang der Autorität in allen Volksschichten. Die Akten der Gerichtshöfe werden gern die Berechtigung.dieser Klage bescheinigen.

* Kempen, 10. April. l^Nachahmens- werth.) Wie das ,N Wbl.' vernimmt, hat der

yeveii, oeun Summe oft verlockend genug an sein Ohr schlug.

Er aber blieb kalt und unberührt all' den Ver­suchungen gegenüber, und mit Verwunderung mußte die Wett auch den sittlichen Werth des Künstlers anerkennen, obwohl ihm weder Hohn und Spott noch Verlemdung erspart blieben.

Otto kümmerte sich nicht darum, die heilige, echte Kunst erfüllte feine Seele ausschließlich, sie allein, so hatte er stch's in einsamer Stunde ge­schworen, als er mit der Vergangenheit gebrochen, sollte fortan seine Geliebte, serne Braut sem, und nicht schwer war's ihm bislang geworden, diesem Schwur treu zu bleiben.

In der Einsamkeit seines Studirzimmers, ober Nachts, wenn er schlaflos hinaufstarrte zum dunkeln Firmament, dann trat das Bi-d der fernen Ge­liebten vor ihm hin und krampfte mit wildem Weh fein Herz zufammen. Dann mußte er es sich immer und immer wiederholen, daß das Glück nicht in Außendingen bestehe, und kein Ruhm und Gold, kein Beifall der Menge das Herz für immer zu befriedigen vermöge.

Wohl schlich sich alsdann auch, anfänglich mit Unwillen unterdrückt, dann aber häufiger und ein­dringlicher, der Vorwurf in fein Herz, zu rasch und zu leichtsinnig die Geliebte verurteilt und aufgegeben zu haben. Wer bürgt ihm denn da­für, daß Nanni überhaupt Keuntniß von feinen Bri sen, die er niemals an sie gerichtet, erhalten