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Mittwoch, den 11. April

1883

Fuldiicr

Inlimg

Dt< »Kutdaer^eilung ericheml taqitch» ®®nn» un» Feiertage ausgenommen. BierteljShrlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der e» t 1 belletristischen Wochenbeilage ,«lerne und Blume«' in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswürts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die merspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., fog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Fulda, 11. April.

• Im heutigen zweiten Blatte schreibt die .Ger­mania' : Heute circulirt hier das Gerücht, daß man im Landtage noch eine kirchenpolitische Gesetzes­vorlage zu erwarten habe. Wir sind nicht in der Lage, die Richtigkeit des Gerüchtes zu con- troliren; nach der allgemeinen Situation aber würden wir nicht überrascht sein, wenn eine solche Vorlage erfolgt und höchlich erfreut sein, wenn sie den Friedensweg wirklich anbahnte.

* (Abgeordneter Pfarrer Steinbusch.f) In der Hundertgarde des Landtags-Centrums ist schon wieder eine Lücke gerissen, und zwar eine recht empfindliche Lücke, durch das am Samstag erfolgte Ableben des einen der Abgeordneten für Neuwied-Altenkircken, Pfarrer Anton Stein­busch. — Man kann in Wahrheit sagen, daß Steinbusch ein Opfer seines parlamentarischen Be­rufes geworden ist. Wochenlang litt er vor der Vertagung der Session an einer heftigen Erkältung; doch konnte er sich nicht entschließen, Berlin zu verlaffen, nahm vielmehr an den Arbeiten des Hauses und insbesondere an den Berathun^en des Cultus-Etats eifrigen Antheil. Für seine nähern Freunde kam die Nachricht kaum überraschend, daß der hartnäckige Erkältungszustand zu einer Krisis sich zugespitzt, wenn sie auch das Schlimmste nicht befürchtet hatten.

* Mit einer gewissen Ironie wußte ein Abge­ordneter bei der vorgestrigen Abstimmung des Reichs­tages über den Baumbach'schen Antrag die schiecht uiOttvirk Abwefentz-ü mancher Volki»Ver­treter zu kennzeichnen. Als nämlich die Namen der Abgeordneten v. Benda und Hobrecht auf­gerufen wurden, ertönte aus dem Hause der Ruf: „Auf der Schnepfenjagd!" (Heiterkeit.)

* Zur Ergänzung unseres gestrigen Parlaments­berichtes insbesondere der Geschichte des liberalen Sieges in Bezug auf den Antrag Baumbach tragen wir Folgendes nach: Hinsichtlich der Druck­schriften war von dem Abg. Dr. Frhrn. v. Hert- ling ein Amendement gestellt, die Druckschriften

bedingungslos von dem Hausirhandel auszuschließen und eventuell nur die Colportage mit Bibeln, Schulbüchern, Landkarten und Kalendern zuzu- laffen, während ein Antrag des Abg.Dr.Baum­bach nur in dem Falle eine Colportage verboten wissen wollte, wenn damit eine Zusicherung von Prämien oder Gewinnen verbunden ist. Der erste Antrag des v. Hertling wurde gegen die Stim­men des Centrums und einiger Conservatioen a k>- gelehnt, für den Eventuelantrag desselben stimm­ten mit dem Centrum geschlossen die beiden cou- servativen Fractionen; gleichwohl wurde auch dieser Antrag abgelehnt und schließlich der fortschritt- lich-secessionistische Antrag Baumbach mit 141 gegen 127 Stimmen angenommen.

* (Ein interessantes Geschenk) hat der Reichsabgeordnete Dr. Schläger dem deutschen Parlament gemacht, nämlich einen Band vortreff­licher Portraits (in Tusche bezw. Bleistift ausge­führt) von hervorragenden Mitgliedern der Frank­furter Nationalversammlung. Diese in Folioformat gebundenen Bildnisse stammen aus dem Nachlaß des s. Z. hochberühmten Portraitisten Paul Bürde und wurden vor Jahren von einem Berliner Kunst­freunde H. R. theuer erstanden, der sie später dem Dr. Schläger verehrt hat. Um diese werthvollen, im Jahre 1848 von Bürde gefertigten, sauber ausgefuhrten Portraitblätter von historischer Be­deutung zur dauernden Erinnerung für die Zukunft zu sichern, hält es Herr Schläger für angezeigt, sie dem deutschen Reichstag in Besitz und zur Auf­bewahrung im Archiv ober in der Bibliothek zu Übergeben. In dem von Schläger dem Parlament

H. v. (Sagern, Max v. (Sagern, Ritter v. Schmer­ling, Jucho, Schaffroth, Welker, Arndt, Venedey, C. Vogt, Rüge, Blum, Befiler, Römer, von Soiron, Dropsen, Hergenhahn u. A.

• (Viehzählung.) Wir theilen in Folgen­dem nach dec .Statistischen Corresp.' die amtlich ermittelten vorläufigen Ergebnisse der Viehzählung vom 10. Jan. 1883 für das preußische Staats­gebiet mit, indem wir dieselben mit den Ergeb­nissen des Jahres 1873 in Vergleich bringen. I

Hiernach betrug die Zahl der Pferde am 10. Januar 1883 2,403,289 (gegen 2,271,330 im Jahre 1873, also ist eine Zunahme von 131,959 Pferden vorhanden); die Zahl der Maulthiere betrug 572 (gegen 934 in 1873, also Abnahme 362); die Zahl der Esel 6313 (gegen 8784 in 1873, also Abnahme 2471); die Zahl der Rin­der 8,735.596 (gegen 8,639,514 in 1873, also Zunahme96,082); die Zahl der Schafe 14,716,732 (gegen 19,666.794 im Jahre 1873, also Abnahme 4,950,062); die Zahl der Schweine 5,801,784 (gegen 4,295,926 in 1873, also Zunahme 1,505,858); die Zahl der Ziegen 1,672,370 (gegen 1,481,461 in 1873, also Zunahme 190,909; die Zahl der Bienenstöcke 1,232,231 (gegen 1,459,055 in 1873, also Abnahme 226,824.) Während hiernach die Zahl der Pferde und Rinder ziemlich gleich blieb, ist die Zahl der Schafe sehr erheblich zurückgegangen, die Zahl der Schweine und Ziegen dagegen nicht unwesent­lich gestiegen.

_ * (Die Frage der Neuausrüstung der Heere mit Repetirgewehren), die bei dem Versuchsstadium anscheinend bisher ein noch nicht absehbares Ausstehen ihrer Lösung und Verwirk­lichung erwarten ließ, hat neuerdings einen ganz unerwarteten Aufschwung erfahren. So schreibt man der ,Magdeb. Ztg.' „Den Anlaß dazu bil­den die umfangreichen Versuche, welche gleichzeitig gegenwärtig in Frankreich, Deutschland und Nord­amerika mit derartigen Waffen stattfinden. Für die deutsche Armee ist es bekanntlich das neue Mauser-Repetir-Gewehr, das in Versuch genommen richten bereits sechs deutsche Bataillone bewaffnet sein sollen, während deutscherseits bis jetzt aller­dings nur von zwei resp. drei Bataillone berichtet worden ist. Da es sich entschieden vorerst noch um Versuchszwecke handelt, wird die Ausrüstung von zwei ober brei Truppenkörpern mit bem neuen Gewehr jedenfalls auch als vollkommen genügend erachtet werden müssen.. Von großer Bedeutung für die vorbezeichnete Frage erscheint jedoch, daß von den französischen Militärorganen berichtet

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De* verhangnitzvolle Hatz.

Novelle von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Vater, liebster Vater, scherze nicht so grausam! rief Nanni, in Thränen ausbrechend, während die Mutter leichenblaß, doch mit einer heftigen Be­wegung die Flasche ergriff, mit gepreßter Stimme ein halblautes: Schändliches Gift! hervorstieß und sich rasch damit entfernte.

Scherzen! wiederholte Eberhard bitter auflachend. Mir wäre wahrlich darnach zu Muthe, o, mein Kind, es ist mein heiliger Ernst, Du gehst für’8 Erste mit mir nach der Residenz, das ist abge» wacht, und bann —

Er brach ab unb zuckte heftig zusammen.

Was ist Dir, Vater? fragte Nanni, ihn erschreckt betrachtend. Du bist plötzlich bleich geworben.

O, es wird vorübergehen, versetzte er, auf's Neue wie im heftigsten Schmerz zusammenzuckend, weiß nicht, wie mir urplötzlich so schlecht ge­worden; macht es der Zorn oder jenes — Gift, wie es die Mutter es nannte?

Er wollte sich erheben, sank jedoch ächzend wieder auf den Stuhl zurück.

Großer Gott! rief Nanni zitternd, was mag bas sein? Ich werde die Mutter rufen unb bann rasch einen Arzt holen.

Rufe bie Mutter, aber laß ben Zkzi fort,

flüsterte Eberharb, ber furchibar zu leiben schien, geh, geh, armes Kinb, ich will allein mit ihr reden.

Nanni rang verzweifelnd die Hände, ein furcht­barer Gedanke bemächtigte sich ihrer, ein Gedanke, so grauenhaft und vernichtend, daß derselbe fie wahnsinnig zu machen drohte. Sie eilte hinaus, um die Mutter zu rufen, welche ihre bereits bleich und finster entgegentrat.

Der Vater ist urplötzlich erkrankt, ich eile zum Arzte, Mutter! keuchte sie, o, er leibet so furchtbar.

Bevor bie erschreckte Frau zu antworten ver­mochte, war Nanni bereits an ihr vorüber geeilt, um Hut unb Tuch unb bann einen Arzt zu holen.

Frau Eberharb trat rasch in's Wohnzimmer unb blickte entsetzt auf ben Gatten hin, ber leichen­blaß unb stöhnend auf bem Sopha lag. Der un­glückliche Mann bot ben Anblick eines Sterbenden, das Gesicht war krampfhaft verzerrt und man sah's ihm nur zu deutlich an, wie die körperlichen Schmerzen, zu denen sich nun auch offenbar, als er der Gattin ansichtig wurde, ein tiefes Seelen­leiden gesellte, ihn zu überwältigen drohte.

Was fehlt Dir, Eberhard?

Mit diesen Worten, die angstvoll aus gepreßter Brust ertönten, trat die Frau zu ihm. —

Ec blickte sie starr an, als wolle er in ihrer Seele lesen, und verfitzte dann leise: Du fragst noch, Giftmischerin?

Entsetzt wich sie zurück und hob beide Hände

abwehrend empor, während ein unterdrückte- Schrei ihrer Brust sich entrang.

Du kannst so furchtbar von mir glauben, Eber­hard? — heiliger Gott, ich schwöre —

Schwöre nicht, Unglückselige! unterbrach der Sterbende sie mühsam, willst Du den Meineid zum Morde häufen? — So mußte es kommen, Dein Trotz, Dein unseliger Wahn haben uns bis hierher geführt, — ich sterbe von Deiner Hand.

Nein, nein, ich habe es nicht gethan! schrie bie unglückliche Frau, sich verzweiflungsvoll neben ihm niederwerfend, Gott ist mein Zeuge, daß ich keine Mörderin bin, wenn ich auch schwer gefehlt haben mag gegen Dich und unser Kind.

Und woher nahmst Du dieses Getränk? forschte Eberhard mit fast unverständlicher Stimme.

Der Apotheker Wagner gab es mir, Du trankst schon gestern Abend davon —

Gott sei Dank, er ist der Mörder — nicht Du — gib mir Deine Hand, Adelheid — ich scheide ver­söhnt von hinnen — sei gut mit Nanni.

Er konnte nicht weiter sprechen, furchtbare Krampf­anfälle überwältigten ihn. Die unglückliche Frau warf sich schluchzend über den einst so heißgelieb­ten Mann und rief mit herzzerreißender Stimme feinen Namen. So fand sie der Arzt, der auf der Stelle die Spmptome der Vergiftung erkannte und bie geeigneten Gegenmittel anordnete, ohne sich indessen einen Erfolg davon zu versprechen.

Eberhard kam nicht wieder zur Besinnung, da