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Dienstag, den 10. April
1883.
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Heber das italienisch-deutsch-österreichische Bündniß
läßt sich ein officiöser Artikel in der.Norddeutsch. Allg/ wie folgt aus:
„Englische und continentale Blätter haben von den Reden des Herrn Mancini und von unbcrroeiten parlamentarischen und publicistischen Kundgebungen Anlaß genommen zu Conjecturen über eine angeblich gegen Frankreich gerichtete Tripelallianz von Italien mit Oesterreich und Deutschland. Mr glauben, daß keine dieser drei Mächte, deren Politik nach allen berechtigten Biuthmaßungen übereinstimmend auf die Erhaltung des Friedens gerichtet ist, geneigt sein würde, sich an Allianzen zu betheiligen, welche eine aggressive Tendenz gegen irgend eine fremde Macht hätten; am allerwenigsten können wir annehmen, daß eine dieser Mächte ein Bedürfnis; hätte, einzeln oder in Verbindung mit anderen eine solche aggressive Politik Frankreich gegenüber zu betreiben. Wir glauben also keinem berechtigten Widerspruch zu begegnen, wenn wir alle Nachrichten über Verabredungen jener drei Mächte, welche ihre Spitze gegen Frankreich richteten, in das Gebiet der Fabel verweisen. Alle Gerüchte, welche in dieser Richtung aufgetaucht sind, werden keine andere Bedeutung haben, als die derVermuthuugen, welche man aus den zu Tage liegenden Interessen jeder einzelnen dieser Mächte zieht. Oesterreich sowohl wie Deutschland und Italien haben das Bedürfniß, den europäischen Frieden erhalten zu sehen, undin Folge dessen liegt auch die Möglichkeit, vielleicht die Wahrscheinlichkeit vor, daß sie gegen einen willkürlichen Fliedensbruch gegen eine von ihnen sich gemeinschaftlich zur Wehr setzen würden. Abgesehen von diesem Mndcmirtei für die auswärtige Politik dieser drei Mächte liegt für keine von ihnen ein Grund vor, gegen Frankreich übelwollende Tendenzen zu hegen, und ebensowenig hat eine von ihnen bis jetzt Grund zu der Vermuthung, ihren Frieden gerade durch Frankreich bedroht zu sehen. Wenn daher Gerüchte auftreten, als ob die den drei Mächten gemeinschaftliche Steigung, den Frieden aufrecht zu erhalten, mit irgend welchen Hintergedanken an Frankreich verbunden wäre, so kann dem nur die Befürchtung zu Grunde liegen, daß in Folge eines etwaigen Wechsels der Regierung in Frankreich eine Friedensstörung von dort ausgehen könnte. Wir halten eine solche Befürchtung nur dann für gerechtfertigt, wenn durch Umwälzungen, die außerhalb des gegenwärtigen französischen Etaatsrechts sich vollzögen, ein Mann oder ein Princip zur Regierung in Frankreich gelangte, welche durch einen Appell an die kriegerischen Neigungen her Nation eine im Innern augenblicklich gewonnene un-
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Ei» verhängnitzvoller Hatz.
Novelle von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Ich kann nicht, stöhnte er, ich kann es nicht, es hieße mich selber tödten, wollte ich um einer thörichten Grille willen diese Schöpfung zerstören.
Er verhüllte das Bild und schickte sich an, ebenfalls heimzukehren. Tas Haus war ihm auf einmal wieder so öde geworden, das er sich Gewalt anthun mußte, um dorthin und nicht zu den alten, lustigen Freunden zu gehen.
Eberhard traf die Tochter allein am Theetisch, die Mutter hatte sich eingeschlofsen, nachdem sie derselben das Fläschchen des Apothekers für des Vaters Thee gegeben.
Vater und Tochter fühlten kein Bedürfniß der Unterhaltung; denn wieoer lastete der alte Druck auf Ihnen. Düster wurde das Abendbrod eingenommen, obwohl Eberhard es nicht unterlassen konnte, den Rum zu loben.
Woher stammt derselbe? fragte er, das Fläschchen in die Hand nehmend und die Etikette betrachtend.
Ich weiß es nicht, Vater! erwiderte Nanni Zerstreut, Du weißt, die Mutter besorgt dergleichen stets selber.
Er nickte und stellte das Fläschchen auf den Tisch, eine unwiderstehliche Neigung, dasselbe zu leeren, niederkämpfend.
sichere Herrschaft zu befestigen suchten. Wenn ein solcher Fall einträte, so fragt es sich, ob jede der drei Mächte, von deren Bündniß man spricht, nach einem Siege Frankreichs über eine von ihnen noch desselben Maßes von Unabhängigkeit gewiß wäre, welches die gegenwärtigen Zustände gewähren. Nehmen wir an, daß Frankreich, wenn es in Folge innerer Umwälzungen zum Kriege getrieben würde, zunächst das deutsche Reich an griffe, so drängt sich dem österreichischen und dem italienischen Politiker die Frage auf, welches die Situation seines Vaterlandes werden würde, wenn Frankreich mit oder ohne Bundesgenossen Deutschland überwunden, und das neu begründete Reich entweder zum Zerfall oder zur Ohn- mecht gebracht hätte. Es ist für solche Eventualität kaum zweifelhaft, daß, wenn der Widerstand Deutschlands dauernd gebrochen wäre, die europäische Situation auch für Oesterreich und Italien zunächst diplomatisch eine beengte, vielleicht auch bald militärisch eine bedrohliche werden würde. Nehmen wir den zweiten Fall an, daß von einer kriegsbedürftigen französischen Regierung zunächst Italien angegriffen werden würde, so hatte sich der deutsche oder österreichische Politiker zu fragen, ob es für sein Vaterland annehmbar fei, daß Frankreich seine Grenzen etwa direct oder in der Form einer cisalpinischen Republik in Italien weiter nach Osten rückt, oder daß Italien durch einen unglücklichen Krieg in Abhängigkeit von Frankreich geräth. Beides würde für Oesterreich sowohl wie für Deutschland eine sehr ungünstige Veränderung im Vergleich mit der jetzigen Sage sein. Ein directer Angriff Frankreichs auf Oesterreich ist nach den heutigen Grenzverhältnissen nur unter italienischem Beistände möglich, und Oesterreich hat kein Interesse, dieser Eventualität wiederum den gleichen Spielraum zu verschaffen, der. sie in der Vergangenheit besaß. Auch für Deutschland könnte es nicht gleichgiltig sein, die Sicherheit der österreicsisch-ungarischen Westgrenze durch.Annäherung der srcmzöisifchen Nachbarschaft in Italien vermindert zn sehen. Die Stärke und Sicherheit des österreichisch-ungar schon Staatswesens ist für Deutschland ein Bedürfniß, und kein einsichtiger deutscher Politiker kann freiwillig die Situation aeceptiren, welche entstehen würde, wenn man sich Oesterreich als gelähmt dächte oder als feindlich, weil von Deutschland im Stich gelassen.
. Für Jeden, der sich diese politischen Consequeuzen von Kriegen und Siegen klar bis zu Ende durchdenkt, ist daher die Schlußfolge natürlich, daß diese drei friedliebenden Mächte: Deutschland, Oesterreich und Italien durch die Logik der Politik genöthigt sein werden, für den Frieden einzutreten, wenn eine von ihnen durch andere Mächte mit einem Angriff b edroht würde. So lange die Politik der drei Mächte mit besonnener Voraussicht geführt wird, darf man annehmen, daß jede von ihnen das Gefühl haben würde, tua res agitur dum paries proximus
Die Mutter ließ sich an dleseni Abend nicht wieder sehen und traurig, von finsteren Ahnungen gequält, sagten sich Vater und Tochter „Gute Nacht!"
6.
Am nächsten Morgen ging Eberhard früh hinaus nach dem Atelier, um das fertige Bild sorgfältig zu verpacken, da dasselbe für die Kunstausstellung der Residenz bestimmt war. Er selber wollte alsdann noch in der folgenden Nacht abreisen, um die Auspackung und Aufstellung persönlich zu überwachen.
Die Atmosphäre des Hauses war wieder so drückend, so schwül geworden, daß Nanni erlöst aufathmete, als sie durch einen Boten zu dem Vater hinausgerufen wurde.
Ich kann meine Arbeit nicht um eines unglücklichen Wahnes willen zerstören, sagte Eberhard bekümmert zu der Tochter, die ihm helfend und tröstend zur Seite stand.
Das Opfer wäre auch vergeblich, versetzte sie trübe, die Thatsache, daß Du das Bild gemalt hast, ist hinreichend, um der Mutter Herz auf's Neue, und ich fürchte jetzt, unheilbar zu verdüstern.
Ja, ja, nickte der unglückliche Mann, darum ist's wohl besser, ich lasse es mit der Uebersiede- lung und bleibe hier, das Haus ist noch nicht wieder vermiethet.
O, nicht doch, lieber Vater! — das hieße die Kluft erweitern; führe Deinen Entschluß, den die Mutter mit so großer Freude begrüßte, unbeirrt
ardet. (Wenn Deines Nachbars Wand brennt, ist auch Dein Haus in Gefahr.) Um diese Ueberzeugung bei den leitenden Staatsmännern der Mächte zu zeitigen, glauben wir nicht, daß es vertragsmäßiger Abreden bedarf; wir wiffen nicht, (???) ob dergleichen bestehen; aber wir find überzeugt, daß die Logik der Geschichte an sich stark genug ist, um jede dieser friedliebenden Mächte zu überzeugen, daß sie wohl thut, nicht abzuwarten, bis die Reihe an sie kommt, und darauf Bedacht zu nehmen, sich nicht durch Preisgebung ihrer Mitinteressenten am Frieden isoliren zu lassen.
Man ist allgemein der Ansicht, daß dieser Artikel des osficiösen Blattes bis ins Einzelne hinein vom Reichskanzler inftruirt, wenn nicht sogar von ihm selbst abgefaßt ist. Daher schenkt auch die auswärtige Presse, namentlich die französische, dem osficiösen Artikel ein wohlerklärliches Interesse. Nach den neuesten telegrapluschen Meldungen äußern sich die französischen Blätter in ihien Montagsnummern zum Theil in sehr gereiztem Tone über die osficiöse Kundgebung. So ersucht die ,9t 6 p ublique frantzaise' den Reichskanzler, Frankreich mit Rathschlägen über seine Verfassung zu verschonen; Frankreich küm- mere sich auch nicht um das innere Regime Deutschlands und es hege keine Angriffspläne, aber in der Zurückweisung fremder Einmischung oder in der Vertheidigung der französischen Ehre seien Republikaner unv Monarchisten einig. Der. Te m p s' bemerkt: Die ,Nordd. Allgem. Ztg/ stelle wesentlich nur das Vorhandensein einer agres- fwor. Klausel in dem Bündnisse zwischen Italien, Oesterreich und Deutschland in Abrede. Sie verrücke die Frage, leugne aber die Existenz des Bündnisses setbst nicht. Wenn die .Norddeutsche Allgemeine Ztg.' die Regierungsform Frankreichs in die Frage hineinziehe, so täusche sie sich, wenn sie glaube, damit den Republikanern einen Gefallen zu thun. Sie hätte wissen müssen, daß alle Parteien in Frankreich hinsichtlich der Frage der inneren Freiheit und der nationalen Unabhängigkeit einig sind. — Von einer Seite wuide bereits gemeldet, verschiedene französische Bot- schafter hätten ihre Entlassung eingereicht. Di.se Meldung wird jedoch von der .Agence Havas' dementirt.
aus, vulleichl wird davuich der neue Groll im Keime erstickt.
Eberhard nickte, und mit erneutem Eifer gingen Beide jetzt an's Einpacken und Ordnen der verschiedenen Sachen und Utensilien, das Essen schickte die Mutter hinaus, ein Beweis, wie sehr sie es wünschte, allein zu bleiben, was Vater und Tochter mit wachsender Trauer und Besorgniß erfüllte.
So kam der Abend heran, ein Fuhrmann holte Alles ab, um es nach Hause zu fahren und schweigend begaben auch Eberhard und Nanni sich auf den Heimweg. Die Einrichtung des Ateliers nahm natürlich vorab die ersten Stunden in Anspruch, doch ließ Frau Eberhard sich erst beim Abendbrod sehen, wo sie schweigend und in sich gekehrt den Thee berat, te, wie sie es stets gewöhnt gewesen.
Eberhard sprach von seiner bevor stehenden Reise, wobei er den Wunsch äußerte, daß Nanni ihn begleiten möge.
Du hast doch nichts dagegen, liebe Adelheid? setzte er mit sanfter, freundlicher Bitte hinzu.
Mir kann es völlig gleichgültig sein, wohin Du gehst und wen Du mitnimmst, erwiderte sie kalt.
Das höre ich nicht gern, fuhr Eberhard betrübt fort, im Gegentheil würde es mir die größte Freude bereiten, wenn auch Du mich begleiten wolltest.
So scheint Dein Meisterwerk Dir viel Geld eingebracht zu haben, rief die Ft au, ihn finster anblickend, ich wüßte sonst nicht, woher Du das