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Montag, den 9. Apr

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Fuldser Hl Itilung.

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Fünf socialpolitische Parteien im Deutschen Reiche

lassen sich unterscheiden, wenn man die Haupt­unterschiede hervorhebt, dagegen von Nuancierungen im einzelnen und erst recht von hier und da auf­tauchenden literarischen Erscheinungen absieht, die im öffentlichen Leben noch nicht zur Geltung kom­men. Die .Germania' charakterisirt dieselben fol­gendermaßen: Es handelt sich gegenwärtig:

1) um den Individualismus, der bis vor zehn Jahren so ziemlich vom gesummten deutschen Liberalismus bekannt wurde, während ihn jetzt die .Kölnische Zeitung' der geistigen Verknöcherung und der egoistischen Lieblosigkeit anklagt und da­mit auch ihrer eigenensocialpolitischen Vergangen­heit scharf, aber wahr das Unheil spricht. Der Individualismus glaubt an das alleinseligmachende Naturgesetz der freien Concurrenz in der atomisirten Menschheit, wobei die eine Richtung der Individualisten den Untergang der schwächeren Glieder in diesem Concurrenzkampfe, für die „von der Natur kein Tisch gedeckt ist", als ebenso natur- nothwendig ansieht, wie den Untergang des Schwä­cheren in der Natur nach der Darwin'schen Theorie, während die übrigen Individualisten gerade in dem Concurrenzkampfe die „Harmonie" aller Interessen erstehen sehen, und soweit diese noch mangelt, durch private Thätigkeit, freie Vereine und die — Ärmencaffe nachhelfen wollen. Wir heben aus­drücklich hervor, daß in Deutschland fast nur diese zweite Classe der Jndiviöualiste.: bestanden hat und jetzt ausschließlich besteht; jene furchtbar lieb­lose Härte der ersten Classe gegen ihre Mitmenschen hat in Englanh ihren Ursprung und ihre Haupt­vertretung gehabt, hat aber in Deutschland theoretisch wenig, praktisch leider früher schon mehr Nach­folge gefunden. Der Grundzug aber eignet auch den deutschen Individualisten, der freien Concurrenz, dem freien Spiel der Kräfte, der Freiheit von Angebot und Nachfrage das ganze Wirthschafts- leben und auch den Arbeitsmarkt überlassen zu wollen und dem Staate jede Einwirkung auf die Productionsbedingungen und die Ver«

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Der verhängnitzvolle Hatz.

Novelle von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Schon begann der Abend sich herabzusenken und noch immer kehrte Nanni nicht zurück.

Sie konnte es im Hause nicht mehr aushalten, — wer durfte es ihr auch verwehren, nach Mann und Kind zu sehen? Mußten beide es nicht als einen Beweis des vollständigen Bruchs mit der Vergangenheit ansehen, wenn sie in der letzten Zeit noch jenes ihr einst so verhaßte Atelier betrat?

Entschlossen nahm sie Hut und Mantel und begab sich auf den Weg.

Der Apotheker sah die Frau das Haus ver­lassen und rieb sich vor Vergnügen die Hände, da er sich sagen durfte, daß sein Einfluß bei ihr noch immer stark genug sei, um Zwietracht zu säen und das Unkraut des Mißtrauens wieder lustig wuchern zu lassen.

Hätte er ahnen können, wie schnell sein Plan an diesem Abend reifen sollte.

Als befände sie sich auf einem verbotenen Pfade, so eilig und scheu waren die Schritte der bethör- ten Frau. Nun stand sie vor dem kleinen Garten­hause, welches als Atelier eingerichtet war, und unwillkürlich zögerte ihr Fuß, da nicht Liebe sie hierher gezogen, sondern das Mißtrauen.

Die Fensterläden waren dicht geschlossen, doch schimmerte das Licht durch die Ritzen derselben,

theilung der Güter zu bestreiten, außer im Falle äußersten Niederganges eines Individuums und seiner Familie, und dann durch die Armen« casse.

Dieser Individualismus, welcher noch bis vor zehn Jahren im Besitze der „Wissenschaft" zu sein sich rühmte und stolz auf den Segen seiner Prin« cipien hinwies, kämpft jetzt nur noch Rückzugs­gefechte und verliert eine Position nach der andern. Er ist im wesentlichen noch vertreten in den Par­teien der Fortschrittler und der Secessionisten; aber auch hier schon gibts Ueberläufer, zum Bei­spiel den Abgeordneten Lenzmann, der gegen die Versicherung der Arbeiter unter Zwang durch den Staat nichts einzuwenden hat, den Berliner Stadt- Syndikus Eberty, der offen erklärt, daß die Kranken­versicherung ohne Staatszwang niemals irgend­welche allgemeine Verbreitung erlangt habe rc. Ja, der vielgerühmte Antrag der „vereinigten großen liberalen Partei" vom vorigen Winter könnte die Berechtigung zu ergeben scheinen, über­haupt die Partei der Individualisten bei uns in Deutschland zu streichen; denn dieser Antrag wollte zwar noch keine allgemeine öffentlich- rechtliche Unfallversicherung und trat also hier dem Einwirken der Gefells chaft und dem Zwange des Staates entgegen, er wollte viel­mehr die privatrechtliche Regelung durch das revidirte Haftpflichtgesetz und die Versicherung bei Privatgesellschaften aufrecht erhallen; aber der Antrag sah sich doch gezwungen, zur Sicherung der Arbeiterentschäbigungsgelder den staatlichen Zwang für die Untermlaner aussprechen zu müssen, jeden ihrer Arbeiter in entsprechender Höhe zu versichern. Damit war das Princip des Individualismus durchbrochen,, und wenn wir trotz­dem eine Partei des ökonomischen Individualismus für Deutschland noch aufrecht erhalten, so geschieht es, weil die oben geschilderten Hauptlehren des Individualismus von der Fortschrittspartei und den Secessionisten im wesentlichen noch immer ver­treten werden. Das Eingreifen des Staates im Falle der äußersten Roth, in Form der Armen­verpflegung, hatte man sich ja auch früher schon

und mit dem alten Trotze die letzte Scham von sich schüttelnd, öffnete sie die nur angelehnte Haus- thür. Auf dem Flur brannte ein Lämpchen und geräuschlos schritt sie auf eine Thüre zu, hinter welcher sie Stimmen vernahm. Ohne Zögern, da sie sich des Horchens schämte, öffnete sie und stand dem Gatten und der Tochter gegenüber, welche sie mit einem Ausdruck des Staunens und der lieber« raschung begrüßten.

Ihr scheint über meinen Anblick nicht sehr erfreut zu fein, begann sie, mißtrauisch umherblickend, ich fühlte mich zu Hause iuveffen so einsam —

Und da kamst Du zu den Deinen, meine theure Adelheid! unterbrach Eberhard sie lächelnd, sieh, das freut mich von Herzev.

Er verstummte und folgte verwundert ihrem Blick, welcher mit einem starren, unheimlichen Ausdruck an einem Gegenstand hing, den Nanni erschreckt durch ein Tuch zu verdecken strebte.

Laß es, sprach Frau Eberhard mit dumpfer, aber gebieterischer Stimme, ich will es sehen, wo­mit Ihr Euch hier so gleichsam hinter meinem Rücken beschäftigt habt.

Liebe Adelheid! bat der Maler betrübt.

Beste Mutter, es ist dem Vater so sehr ge­lungen! setzte Nanni bittend hinzu.

Nun, bann laßt mich das Meisterstück nur immerhin genau betrachten, rief die Mutter mit gepreßter Stimme.

Sie entriß der Tochter das Tuch und packte

gefallen lassen, und Concessionen auf dem Gebiete der Kranken- und Unfallversicherung gelten ja auch nur der Beseitigung schwerer, weit verbreiteter Nothstände, deren Jguorirung sogar der poli­tischen Verbreitung der Parteien hätte gefährlich werden müssen. Außerdem sind, wie erwähnt, weitergehende Concessionen auch auf diesen Ge­bieten nur bei vereinzelten Mitgliedern der ge­nannten Parteien zu treffen, bei beiden Parteien insgesammt sind die Concessionen noch ungenügend. Dazu kommt, daß der Antrag der „vereinigten großen liberalen Partei" ein Compromißantrag der Fortschrittler und Secessionisten war mit den Nationalliberalen, so daß man nicht weiß, was jene gegen ihre Ueberzeugung diesen opfern mußten. Und damit kommen wir

2) zum opportunistischen Socialismus, der in unserem öffentlichen Leben erst feit einigen Jahren sich geltend machenden socialpolitischen Richtung, zu der mehr oder weniger die National- liberalen und ein Theil der Freiconservativeu sich bekennen. Es ist der Eklektizismus zwischen Individualismus und Socialismus — bei den Nationalliberalen durchschnittlich mit größerer, bei den Freiconservativen mit mäßigerer Vorliebe für den Individualismus, und zum Socialismus nur durch die Roth, nicht den eigenen Trieb hinge­wendet. Man hat Angst vor den socialrevoluti­onären Bewegungen, die immer gefährlicher und in breiteren Volksmaffen sich Raum schaffen, und sucht ihnen durch die absolut nothwendigen Maß­regeln die Spitze abzubrechen, fühlt sich außerdem unter dem politischen Zwange, daß der Reichs­kanzler, mit dem man möglichst Schritt halten möchte, positivß^Socialpolitik treibt und für die nicht staatsbureaukratisch und staatscommunistisch angehauchten Projecte auch im verhaßten Centrum Unterstützung findet. So schreibt und spricht man in diesen Kreisen des opportunistischen Socialismus große und schöne Worte von der menschlichen So­lidarität, von der Pflicht des Staates, von der nothwendigen Hilfe für die arbeitenden Classin; aber vor allem die Nationalliberalen suchen mög lickst billig sich abzufinden, schieben z. B.lie Alters-

mit krampfhaften Griff ein Licht, um em großes bereits vollendetes Bild zu betrachten.

Dasselbe mochte wohl geeignet sein, ihr ganzes Innere in Aufruhr zu bringen. Sie sah ihre Rest im Sarge, schlafend unter Blumen, ein verklärter Engel, und daneben den kleinen Otto, den sie seit jener Stunde als den Mörder ihres Lieblings mit jeder Faser ihres Herzens gehaßt, von Nanni, dem Ebenbild des schlafenden Engels, umschlungen.

Die Wirkung dieses Bildes war bei der augen­blicklichen Gemüthsstimmung der Mutter eine un­heilvolle; das Licht schwankte in der convulsivisch zitternden Hand und mit einem Aufschrei sank sie nach wenigen Augenblicken wie gebrochen an Leib und Seele zusammen.

Mit rührenden Sitten und zärtlichem Wort suchten Eberhard und Nanni sie aufzurichten und zur Heimkehr zu bewegen.

Ja, ja, ich gehe schon, nickte sie endlich, sich mühsam erhebend, wie lieb ich Euch bin, habe ich nun erfahren, — es verlohnt nicht mehr, darüber zu reden. Daß Du aber fein Vaterherz besitzest, wandte sie sich an den Gatten, ist mir ebenso klar, hättest Du denn sonst ein solches Bild malen können, ohne vor Jammer und Leid zu vergehen? — Der Mörder Deines Kindes hat's Dir ange« than noch immer, das ist der Abgrund zwischen uns, über welchen es keine Brücke gibt.

O, warum mußte Dein Fuß Dich noch in der letzten Stunde hierher tragen, sagte Eberhard