Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Jülitor

cilung

®*e -Ful°aer^Zert2Ntz erscheint t^l'ch- Sonn- und F-'-rtage ausaenommen. V-err-ljährlicher Abv-m-mentspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Psg., - mit der «nfetQteoch^be.lage .Sterne und Blumen- in Fulda 1 Mk. 70 Pfg, auswärts I M. 75 Pfg. B W'

_____^n’erate- Die vrerspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zur Bauernfrage.

Bon Pfarrer Grebe in Flieden.

Den Freunden der Bauern-Vereine wird es er­wünscht sein Kenntniß zu erlangen von dem Pro­gramm für Bauern-Vereine (Deutsches Bauern- Programm), welches in der Versammlung von Vertrauensmännern am 12. März d. I. zu Caffel zur Berathung kam. Es lautet also:

Zur Hebung der schwer darniederliegenden Landwirth- schaft, sowie zur Erhaltung eines selbstständigen, leistungs­fähigen Bauernstandes, von dessen Wohlergehen der Bestand und die Wohlfahrt des deutschen Reiches und der Einzelstaaten abhängt, sind folgende wirthschastliche und gesetzliche Maßregeln unerläßlich:

1) müssen die Ausgaben des Bauern verringert werden durch: Möglichste Sparsamkeit im gesammten öffentlichen Haushalt;

Gründliche Steuerreform zu Gunsten des über­bürdeten Grundbesitzes und der erwerbenden Volksclassen, insonderheit Aufhebung jeglicher Doppelbesteuerung und schärfere Heranziehung des zur Zeit höchst begünstigten großen Geldkapitals;

Revision des gesammten Tax- und Stempel­wesens behufs Gleichstellung des Grundbesitzes mit dem beweglichen Vermögen, insonderheit:

Abminderung der Taxen bei Verträgen über Immobilien und Eigenthumsübertragungcn auf 3 vom Tausend;

Aufhebung der Taxen bei Hypothekenbestellungen und öffentlichen Versteigerungen;

Einführung einer Börsensteuer nach Procenten des Umsatzes mit mindestens 1 vom Tausend;

Staatliche oder genossenschaftliche Regelungen des Ver­sicherungswesens.

Ausdehnung und Erweiterung des indirekten Steuersystems behufs Gewinnung von Mitteln zum Erlaß direkter Steuern, und Verminderring der Gemeinde- Umlagen;

2) müssen seine Einnahmen verinehrt werden durch: genügend hohe Schutzzölle auf alle landwirth- schaftlichen Erzeugnisse, damit die heimischen Pro­dukte nicht durch die übermäßige auf Raubbau fußende Concurrenz des Auslandes auf Preise herabgedrückt werden, um die sie bei uns ohne Verlust nicht herzuslellen sind. Möglichste Beseitigung des Zwischenhandels. Regelung der Eisenbahntarife im Interesse der Landwirthschaft. Einführung geeigneter Hausin- dustrieen.

3) muß der Bauer aus der Schuldknechtschaft des Geldcapitals befreit und wieder zum freien unabhäng- >8M Mann auf seiner Scholle gemacht werden durch Ab­

lösung der Hypothekenschulden mit Hilfe des Staates und Verwandlung derselben nach Art der Grund­ablösung in unkündbare Schuldverpflichtungen mit jährlicher Tilgung.

4) muß er in seinem Eigenthume geschützt und eine weit er e kl eberschuldun g verhütet werden durch eine dem Wesen des Grundbesitzes besser entsprechende Erb­folgeordnung und ein Heimstättengesetz, welches den zur Fortführung der Wirthschaft nöthigen Theil an Gebäuden, Grundstücken, Vorrächen, Geräthschaften, und Vieh von der Pfändung und Zwangsversteigerung frei läßt.

5) muß für einen biligen zweckentsprechenden Credit gesorgt werden durch:

Schaffung staatlicher oder genossenschaft­licher Pfandbriefinstitute nach Art der preußischen Landschaften für den Grundcredil, deßgleichen Raiff- eisen'scher Darlehenskassen womöglich in allenLand- gemeinden für den Personalcredit;

Umwandlung der sogenanntenReichsbank in eine wirkliche Reichsanstalt, und Ausgabe von Reichs- papiergeld an die genossenschaftlichen Geld­institute gegen niedersten Zinsfuß, dainit auch der kleine Mann zu billigein (Selbe gelangt, und der jetzt zu hohe Zinsfuß herabgedrückt werde.

Beseitigung des Vorrechts der Notenbanken zur Geldfabrikation.

6) muß durch Einführung der vertragsmäßigen Doppelwährung an Stelle der Goldwährung, sowie durch allmählige Vermehrung der Umlaufs­mittel dafür gesorgt werden, daß die durch die Sil- berentwerthung und die beschränkte Geldcirku- lation bewirkte, nur der Börse und dem Großkapital zu Gute kommende Vertheuerung des Geldes beseitigt, der unseligen Geldnoth, welche die Hauptursache der endlosen Krise und der Roth aller Erwerbsklassen ist, ein Ende gemacht und die gesunkenen Preise der Grundstücke und aller Produkte wieder gehoben werden.

Nur solchen Männern ist bei- den Wahlen die Stimme zu geben, welche das obige Programm in seinen Haupt­punkten anerkennen, und in der Gesetzgebung zur Durch- ührung bringen zu wollen versprechen.

Nachdem nun mit dem nächsten Sonntage die Zeit für unsere Diöcese abschließt, in welcher wir, meine lieben Mitbrüder auf dem Lande (und in der Stadt), für das Seelenheil unserer Pfarrkin­der ganz besonders thätig sein mußten (österliche Zeit) so laßt uns nun nach „Gut Hirtchen" auch für das materielle Wohl der uns Anvertrauten nach Kräften zu sorgen bestrebt sein durch Grün­dung von Local-Bauern-Vereinen auf dem Lande, und so zur Verwirklichung des obigen Programms

nütwirken. Den geistigen Hunger unserer guten Bauern haben wir wieder gestillt und können das auch fernerhin ohne Umstände, wenn nur die geistig Hungernden wollen. Jndeß vergessen wir nie die Wahrheit: daß ein leiblich hungernd Volk auch das Bedürfniß nach geistiger Nahrung bald ver­liert. „Mich erbarmt das Volk ... sie haben nichts zu essen" sprach der Heiland beim Anblick der hungernden Menge. Er that ein Wunder und speiste sie. Wir können das nicht. Aber was wir können, das sollen wir auch thun in dieser Be­ziehung. Wir sollen unfern Bauern mit Rath und That zeigen wie und wo sie sich selbst hel­fen können um der leiblichen Noth zu steuern. Da an erster Stelle in jetziger Zeit den Bauern das Geld fehlt um einerseits feine Landwirthschaft zu verbessern, andererseits sich aus den Händen der Wucherer zu befreien oder davor zu bewahren, so ist für den Personalcredit desselben die Einrich­tung von Raiffeisen'schen Darlehnscasien geboten. Ich habe schon früher an dieser Stelle gesagt, daß ich gerne bereit bin meinen Mitbrüdern zur Errichtung von Local-Bauern-Vereinen und Dar- lehnscaffen behilflich zu sein. Ich werde jedem Rufe in dieser Beziehung, soweit es meine seel- forglichen Pflichten der großen Pfarrei Flieden gestatten, .gerne Folge leisten, uni an Ort und Stelle die Sache zu betreiben. Zögern wir also

nicht länger! Wir nützen dadurch der Kirche und dem Staate, indem wir ftir eine Hauptstütze Beider sorgen — für die Erhaltung eines guten Bauern­landes.

Politische Ueberficht.

Deutsches Reich.

Fulda, 7. April.

(Memoiren Stiebers.) In unserer gest­rigen Nummer berichteten wir über eine in der !) e s s i s ch e n K a m m e r eingebrachte Interpellation, welche bezüglich der in her Stieber'schen Memoiren enthaltenen Verunglimpfungen der hessischen Trup­pen geeignete Schritte Seitens der hessischen Re-

17

Ein verhättgnitzvoller Hatz.

Novelle von Emilie Heinrichs.

j (Fortsetzung.)

Ich freue mich ■ aufrichtig darüber, rief der Apotheker mit frommer Miene, und bin beschämt, von einem solchen Manne dergleichen ausgesprochen M haben. Die ganze Stadt ist verwundert darüber und hat es auch anfangs nicht glauben wollen, nun aber muß der Ungläubigste wohl überzeugt A- Ich ging noch gestern mit einem seiner stuheren Zechgenoflen in’ö Gericht, der mit frecher ^-lirn behauptete, Herr Eberhard würde das Atelier gar nicht aufgeben, weil er dort ungenirt sorttrinken, auch zuweilen ein kleines Spielchen enlriren könne und daß von Arbeiten überhaupt vicht viel die Rede sei. Na, liebe Frau Eberhard, schändliche Verleumder wird an mich denken, ich hab' ihm meine Meinung gesagt.

^ch danke Ihnen, Herr Wagner! versetzte die ^vau, welche ganz bleich und bestürzt geworden war das ist ganz sicherlich eine Lüge, ich müßte vergleichen Abends doch bemerken.

Gewiß, ich sagte das auch und der Schändliche »ad mir die freche Antwort, das Herr Eberhard -ugg-nug wäre, erst draußen gehörig auszu- bevor er zu seiner Familie heimkehre.

von Morgen an wird auch dieses Geschwätz ^!-)oren und die Verleumdung schweigen müssen. 018 aber zürnen mir wirklich nicht, Frau Nach­

barin? setzte der redselige Aporheker treuherzig hinzu, indem er ihr die Hand hinhielt.

Nicht im geringsten, Herr Wagner! erwiederte sie zer­streut, ich weiß ja, daß Sie es gut mit uns meinen.

Gewiß, gewiß, wie der aufrichtigste Freund; was jedoch mich einigermaßen in Erstaunen setzt, Frau Eberhard! — ist das gute und gesunde Aussehen Ihres Herrn Gemahls. Als Apotheker und Chemiker weiß ich, wie verheerend oder viel­mehr erschlaffend der plötzliche Wechsel in dieser Hinsicht auf den ganzen nienschlichen Organismus wirkt, wie ein Getränk von der Beschaffenheit des Thee's einen Mann, der an Wein, Bier oder Spirituosen gewöhnt ist, herunterbringen kann.

Frau Eberhard lächelte fast schalkhaft zu diesen Worten.

Nun, das große Räthsel kann ich Ihnen lösen, Herr Wagner! — Mein Mann wurde allerdings sehr bleich von dem Theetrinken, seitdem ich ihm indeffen etwas guten Rum dazu that, hat er sich sichtlich erholt.

Sehen Sie, rief der Apotheker triumphirend, ich irrte mich nicht, meine Schlüffe waren richtig. Auch ich trinke meinen Thee stets mit Rum, doch muß dieser gut sein, Frau Eberhard, — der schlechte Rum ist Gift, — vollständiges Gift.

O, die Gesundheit meines Mannes verbürgt Ihnen die gute Qualität desselben, Herr Wagner! Ueberzeugen Sie sich selber davon.

Sie begab sich nach der Küche, wohin der

Apotheker, welcher sie, wie er sagte, nicht länger stören wollte, ihr folgte. Aus einem unverschlos­senen Wandschrank nahm sie die weiße Flasche, welche das Arcanum enthielt.

Herr Wagner roch daran mit sachverständiger Miene, schmeckte dann ein wenig davon und schüt­telte den Kopf.

Gefärbter Spiritus, meine Verehrte! — unter­gräbt langsam, aber sicher die Gesundheit. Ich werde Ihnen eine Probe meines vortrefflichen, unverfälschten Jamaica-Rum holen; — bitte, bitte, keine Einwendung, lächelte er, als Frau Eberhard dagegen protestiren wollte, es ist eine Kleinigkeit und bleibt in der Familie, da ich die Hoffnung, Ihr Schwiegersohn zu werden, noch immer nicht aufgeben mag.

Nun bei Gott ist kein Ding unmöglich, meinte die Frau mit einem unterdrückten Seufzer, viel­leicht wird Nanni den Vater umstimmen, da er allein sich gegen diese Heirath stemmt.

Wollen's hoffen, nickte der Apotheker und ging. Sein Gesicht war ruhig und freundlich, bis er die verschwiegenen Wände seines Zimmers erreicht, hier warf er die Maske ab und lachte laut mit unbe­schreiblichem Hohn. Ohne Zögern ergriff er ein Fläschchen mit einer zierlichen Etikette, verbarg es in seiner Nocktazche und begab sich eben so rasch wieder hinüber zu der Nachbarin.

Hier, meine liebe Frau Eberhard, ein superbes Getränk, das Ihrem Gemahl schon munden soll.