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1883,

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Die Erhöhung der L^olzzölle.

Red« des Oberforstmeisters Dr. Danckelmann in der Reichstagssitzung vom 3. April.

Der Gedankengang, welcher die Regierung zu dieser Vorlage geführt hat, läßt sich kurz in Folgendem zusam- menfaffen. Die deutsche Waldwirthschaft befindet sich in einer Nothlag e, hauptsächlich in Folge von Ein­fuhr ausländischen Holzes. Die bisherigen Holzzölle haben keinen wesentlichen Stutzen gebracht; dagegen wird ein sol­cher Nutzen von der hier vorgeschlagenen Erhöhung der Zölle erwartet. Die durch den Zoll belasteten Erwerbs­klassen sind im Stande, ihn zu tragen. Es handelt sich in der That hier um die Frage, ob die deutsche Wald­wirthschaft mit ihren 14 Millionen Hektaren rentabel bleiben soll oder nicht. Die Wald-Reinerträge aus Nutzholz sind bei uns vielfach bis unter den Nullpunkt gesunken, so daß der Betrieb der Waldwirthschaft stellenweise mehr kostet als einbringt. Wir dür­fen hier nur nicht den überspannten Maßstab der sogen. Gründerjahre anlegen. Wenn wir aber die heutigen Ver­hältnisse mit denen der Jahre 1862—65 vergleichen, wo auch Holzzölle bestanden, so ist das Ergebniß geradezu ent- muthigend für Jeden, der den engen Zusammenhang zwischen der Wohlfahrt des Waldes und des Landes kennt. Die Wald-Reinerträge sind nämlich seit jener Zeit gesun­ken in den Staatsforsten Preußens von 100 auf 89, in Bayern auf 83, in Baden auf 77, in Württemberg auf 66, in Gotha auf 60, in Hessen auf 54. Unter der Zu­sammenwirkung der tief gesunkenen Nutzholzpreise einer­seits, der stets gestiegenen Wirthschaftskosten andererseits, ist in vielen Gegenden Deutschlands die Waldwirthschaft «ine Verlustwirthschaft geworden. Der Waldboden trägt dort nicht nur keine Rente, sondern deckt sogar nicht ein­mal mehr die Wirthschaftskosten. Der einer Gemeinde im gey4rig« Sradtwald. der an zwei (Chausseen U"d zwei Eisenbahnen und an der großen Wasserstraße liegt, auf der jährlich 200,000 Festmeter galizische:: Nutzholzes in die waldreiche Mark Brandenburg eingeführt werden, dieser Wald kostet der Gemeinde pro Hektar bereits 30 Mark Zubuße. Er ist allerdings auf nur mittelmäßigen Boden gelegen. Trotzdem pflegt die Gemeinde den Wald auch jetzt noch, obgleich sie 200 pCt. der Staatssteuer an Com- munalsteuern zahlt, unter dem Zwange des Gemeindewald- gesetzes und in der Hoffnung auf beffere Zeiten. Die jetzige Forstwirthschaft lebt ja überhaupt nur von den Er­rungenschaften der Vergangenheit und der Hoffnung auf die Zukunst.

Der Nothstand, an dem unsere Waldwirthschaft krankt, hängt mit verschiedenen theils vorübergehenden, theils dauernden Ursachen zusammen. Zu den vorüber­gehenden gehört die allgemeine wirthschaftliche Krise. Sie ist deshalb hier weniger von Bedeutung, weil die Waldwirthschaft der Spekulation nicht sehr zugänglich

ist. Dauernde und tief eingreifende Ursachen des Nothstandes sind aber die steig end c Verwendung der Mineralkohle als Brennmaterial und des Eisens für bauliche Zwecke, wodurch Brennholz und Nutzholz immer mehr zurückgedrängt werden. Hiergegen kann sei­tens der Verwaltung nichts gethan werden. Dagegen müssen wir um so entschiedener den Hebel an dem Punkt ansetzen, wo wir wirklich zur Beseitigung der Roth bei­tragen können; wir müssenMaßregeln treffen gegen die Ueberfüllung des einheimischen Marktes mrtausländischem Nutzholz. Die starke Nutzholz- emfuhr entspringt nicht einem volkswirthschaftlichen Be- dürfniß, sondern ist großenteils künstlich durch Speku­lation und durch ausländische Raubwirthschaft herbeige­führt worden. Noch vor 20 Jahren war die Ausfuhr an Nutzholz aus dem deutschen Zollgebiet größer als die Ein­fuhr. Seit der fast gänzlichen Beseitigung der Holzzölle im Jahre 1865 ist unsere Waldwirthschaft im Rückgänge. Der Holzzoll, den wir im Jahre 1879 zu ihrer Erhaltung eingesührt haben, hat wenig oder nichts genützt. Der Widerspruch, der sich von freihändlerischer Seite gegen jenen Zoll erhob, war denn auch mehr gegen das Princip an sich, als gegen die Höhe des Zolls gerichtet, und wenn ine Regierung nicht schon damals einen höheren Zollsatz in Vorschlag gebracht hat, so that sie dies in der Hoffnung, die in Verbindung mit der Zollreform durchgeführte Be­seitigung der Differential-Tarife und der Refaktien auf den Eisenbahnen würde auch jenen niedrigen Zoll wirksam machen. In dieser Hoffnung haben wir uns getäuscht. Alle sachverständigen Fachleute sind darin einig, daß der Holzzoll zt> niedrig war, um die übermäßige Holzeinsuhi etwas zurückzudrängen. Das beweist das fast einstimmigr Votum der Versammlung deutscher Forstwirthe am 31. August v. I. Die Regierung ist daher zu der Ueberzeu- gung gelangt, daß das einzig wirksame Mittel gegen den Nothstand der Waldwirthschaft die Zollerhöhung ist Selbst wenn wir den Zollgegnern zug«stehen. das: Zölle an si-tz »in Nebel sind, mürbe es sich hier I doch nur darum handeln, ein geringeres Uebel zuzu kaffen, um ein weit größeres, nämlich den Verfall des Waldes und das Verstechen der im Walde liegenden Quel­len des Volkswohlstandes zu verhüten. In Rußland, Oesterreich, Schweden und Norwegen, überall haben die Einnahmen aus den Forsten gewaltig zu­genommen.

Ob nun die vorgeschlagenen Zölle genügen, um dem Absatz des inländischen Nutzholzes Raum zu schaffen, ohne mehr wie nöthig das ausländische zurückzudrängen, das zu prüfen, wird Sache der Specialdiscussion sein. Ich bemerke nur, daß die vorgeschlagenen Zollsätze 10pEt. niedriger sind als diejenigen, welche von den betreffen­den Jnteressenden im Jahre 1879 als angemessen bezeich­net wurden. Auch in Dänemark, Belgien, den Vereinigten Staaten sind die Holzzölle viel höher, als wir sie jetzt be­antragen. Wir können daher den vorgeschlagenen Zollsatz I

als einen sehr mäßigen ansehen. Die Regierung ist sich wohl bewußt, daß nicht blos die Nothlage der Waldwirthschaft, sondern auch die Rückwirkung der Zölle auf die übrigen Zweige des Lebens und Erwerbs sorgfältig zu berücksichtigen ist. Welche Jntereffentengruppen treten aber gegen und welche für die Holzzölle ein? Gegen die Holzzölle wendet sich nur eine kleine, aber mächtige Partei: Vertreter des Groß­kapitals, des ausländischen Holzhandels und der Seeindustrie, sowie die Besitzer der großen Dampfsägewerke an den Wasserstraßen, welche das ausländische Holz passirt. Ihnen gegenüber stehen die wert zahlreicheren Vertreter des Handels und der Industrie mit inländischem Holze. Eine Pe- trtion dieser Interessenten aus dem bayerischen Walde verlangt sogar einen noch weit über unsere Vor­schläge hinausgehenden Holzzoll. Gänzlich unbegründet ist dre Behauptung von der Unzulänglichkeit der deutschen Waldwirthschaft und der Nothwendigkeit des großen Im­ports. Nur völlige Kenntniß des Waldes und der Er- werbsverhältnisse des Landes mache jene Behauptung möglich. Auf diesem Gebiete könnte leicht der vorgeschla­gene Schutzzoll ein Belehrungszoll für nationale Vorur- theile werden. Denjenigen, welche uns zumuthen, den Nothstand ruhig weiter zu ertragen, sage ich noch, daß die deutsche Holzindustrie kein schwererer Schlag treffen könnte, als wenn die Waldeigenthümer genöthigt würden, ihren Forstbetrieb einzustellen. Es wird ferner behauptet, der Holzzoll sei ein bloßes Beneficium für die Großgrundbe­sitzer und eine Last für die Gesammtheit. Diese Behaup­tung hat mit manchen andern das gemein, daß ihre Wir­kung zunlmmt mit der Allgemeinheit der Fassung. Solche Behauptungen kann man nur mit Zahlen und Thatsachen widerlegen. Nach der Statistik unseres Fabrikbesitzstandes gehören von unseren gesummten Forsten dem Staat 32 pCt., den Gemeinden 19 pCt., dem Kleingrundbesitz 28

verbleiben somit für den Großgrundbesitz nur 21 pEt. aller Forsten. Gerade für den Wald der Baue». uiiv m'-nti. u«i. s«. ^or.5 zoll IM höchsten Grade wichtig. DerWalo gibt dem Kleingrundbesitzer sehr ost die Mittel, um Verluste auf anderen Gebieten auszugleichen. Daher denn auch die vielen Petitionen von Kleingrundbesitzern zu Gunsten der Holzzö lle. Die Noth hat uns beredt gemacht, heißt es in einer diesen Petitionen, und in der That wird darin klar und deutlich bewiesen, wie einerseits durch das Aufhören der Holzkohlenindustrie in vielen Be­zirken, andererseits durch die Einfuhr fremden Brenn- und Nutzholzes viele kleine Waldbesitzer dem Ruin entgegen­geführt werden, wenn ihnen nicht Hilfe kommt. Man ver­weist auf die Vertheuerung des Holzes für den Consu- menten durch den Zoll, Brennholz scheidet hier ja aus; für Brennholz wollen wir keinen höheren Zoll. Der Zoll auf Nutzholz aber könnte den Mieths- werth einer Arbeiterwohnung äußersten Falls um zwei Mk.

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Ein verhängnisvoller Hatz.

Novell« von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

So wollen wir dem Apotheker einen bündigen Korb geben? fragte er schließlich mit einem glück- ücheil Lächeln.

Sie nickte nur, da diese Frage noch kein rechtes Echo in ihrer Brust fand.

Ich gehe jetzt nach meinem Atelier hinaus, fuhr Eberhard lebhaft fort, und denke zum Herbst das­selbe wieder hier einzurichten, wo Nanni sich eben» l-!..ro?e früher mit Zeichnen und Malerei mehr beschäftigen kann. Ist es Dir recht so, mein theu- res Weib?

Du würdest damit meinen sehnlichsten Wunsch erfüllen, lieber Eberhard! versetzte sie freudig über- tir V am Obsten sähe ich es, wenn Du diese Umsiedelung noch heute bewerkstelligen könntest.

Er blickte sie nachdenkend an.

Es wird sich nicht gut machen laffen, meine ein cLr~ Doch werde ich mir mindestens vorerst . »uiale hier wieder einrichten. Heute Abend

Du mir ein Plätzchen an Deinem Theetisch l, ta, ich habe das behagliche Daheim so -ange entbehrt.

lächelte wehmüthig und reichte ihm stumm roorauf er sich in einer wahrhaft glück- Sttmmung entfernte.

rohfeuer, seufzte die Frau, ich hoffe auf keine

wirkliche Umkehr, wer dem Bösen einmal verfallen ist, kann sich nicht wieder von ihm befreien.

Nanni, welche keine Ahnung von diesem Vor­gänge zwischen den Eltern hatte, war nicht wenig erstaunt und erfreut, den Vater allein und am Theetisch zu finden. Freilich war die Mutter noch ^hr einsilbig, obwohl in ihrem ganzen Wesen eine ^wunderbare Milde mit Wehmuth gepaart sich offenbarte. — Mann und Tochter empfanden diese Stimmung wie eine Wohlthat und öffneten der­selben ihr Herz, wie die verschmachtende Blüthe den erquickenden Thau in sich aufnimmt.

Die Prophezeiung der Mutter schien an dem festen Willen ihres Gatten zu Schanden zu werden. Mochte es ihm anfangs auch schwer genug werden, sich gegen die verlockende Stimme der Versuchung zu wappnen, seine Kunst, welcher er sich aufs Neue mit ganzer Seele in die Arme geworfen, er­leichterte ihm den Sieg über das eigene schwache Selbst, während Nanni ihn sowohl wie die Mut­ter in dem Bestreben, dem früheren Glück wieder Thür und Thor zu öffnen, mit ganzer Seele unterstützte.

Der Apotheker Wagner sah zuerst mit geheimer Verwunderung und dann mit sichtlichem Grimme die Veränderung, welche bei dem Maler vorge­gangen und ruhte nicht, bis er Frau Eberhard, die ihm mit einer gewissen Scheu aus dem Wege ging, unter vier Augen darum befragen konnte.

Mein Mann will durchaus nicht in diese Ver­

bindung willigen, sprach sie verlegen, und Nanni ist noch nicht mündig. Ich habe, wie mau -zu sagen pflegt, Himmel und Hölle in Bewegung ge­setzt, um ihn nachgiebig zu machen, indessen nur so viel erreicht, daß er sein Leben geändert und sich wieder mit wunderbarer Ausdauer seiner Kunst zugewendet hat; dadurch ist mir allerdings die Hauptwaffe gegen ihn entwunden worden.

Pah, an eine solche Besserung glaube ich nicht, lachte der Apotheker höhnisch; trinkt er denn nur Thee?

Er bleibt regelmäßig Abends zu Hause, um seinen Thee mit uns einzunehmen, versetzte die Frau nicht ohne Anstrengung, da die rohe Frage des Apothekers sie peinlich berührte und zum ersten Male wieder nach la-.^er Zeit die Pflicht gegen den Mann, dessen Nai'.^ • sie trug, an ihr Ge­wissen pochte.

Er hat aber doch noch immer sein Atelier draußen vor dem Thore? fuhr Wagner unbekümmert fort.

Allerdings — doch arbeitet mein Mann jetzt auch viel zu Hause — in vier Wochen bleibt er ganz daheim. Gott! welches Glück! —

Der Apotheker lachte laut bei diesem spöttischen Ausruf, welcher der Frau das Blut in die Wan­gen trieb.

Wenn er's nur aushält, fuhr er lachend fort, ich wette darauf, daß er sich draußen schadlos hält für den Familienthee; — der gute Herr Eberhard sand bereits den Wein zu fade, wie mir ein Freund