1883.
Mittwoch, den 4. April
Fuldaer
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Pol tische Peberstcht.
Deutsches Reich.
Fulda, 4. April.
* (Verhaftung des Abg. Vollmar.) In unserem heutigen Parlamentsberichte ist die in Kiel erfolgte Verhaftung des socialdemokratischen Abg. Vollmar erwähnt, lieber die Veranlassung derselben verbreitet eine Mittheilung des .Jntransignant' einiges Licht. Das Organ Rochefort's meldet von einer Versammlung von 70 deutschen socialdemokratischen Delegirten, welche von Mittwoch bis Sonntag in Kopenhagen stattfand, während die politische Polizei, welche die Abwesenheit der Socialisten- sührer bemerkte, dieselben in der Schweiz suchte. Das französische Blatt, welches über die Arbeiten des „wichtigen" Congresies noch besonders berichten wird, erzählt in seiner gestrigen Nummer nur, daß derselbe sich gegen die „ökonomischen Palliativmittel" des Fürsten Bismarck erklärt habe.
* (Fall Ledochowski.) Das Wiener ,Vaterl.' schreibt über die Stellung der Regierung Victo r Emmanuel's zum Cardinal Ledochowski. Der römische Gewährsmann des österreichischen Blattes schreibt: Pius IX. hatte dem Cardinal Ledochowski bei seiner Hierherkunft nach der Gefangenschaft in Ostrowo den damals unbenutzt flehenden Palast des Erzpriesters von St. Peter zur Wohnung angewiesen, und hier war es, wo die italienischen Gerichtsbehörden Sr. Eminenz die Urtheile der preußischen Gerichte vom 9. Februar und 26. Mai >877, wodurch wegen „Anmaßung bischöflicher Rechte" eine Gesammtstrafe von 37 Monaten Gefängniß gegen ihn in contumaciam verhängt worden war, in officieller Form notisi- cirten. Schon allein die Absicht, einem Fürsten der Kirche die Wiederholung eines solchen Schimpfes zu ersparen, wäre ein hinreichender Grund für Pius IX. gewesen, um den Cardinal zur lieber» siedelung in den Vatican zu veranlassen, dessen Schwelle die italienischen Behörden nicht überschreiten dürfen. Aber es kam noch dazu, daß
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Ein verhängnitzvoller Hatz.
Novell« von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Du wirst mich flatterhaft schelten, mein Väterchen! begann Nanni auf's Neue mit zaghafter Stimme, wobei Sie es vermied, dem Vater in's Auge zu blicken, doch muß es heraus das große Geheiinniß, welches mich seit einigen Tagen wie ein Alp drückt. — Ich habe dem Apotheker Wagner mein Jawort gegeben. —
Eberhard preßte so heftig ihren Arm, daß sie erschreckt verstummte.
Wagt das Kind in solcher Weise mit seinem mer scherzen? fragte er, sie starr anblickend. Es ist so, wie ich gesagt, Vater!
Und Du hast diesen Mann nicht an mich verlesen ? fuhr jener mit heiserer Stimme fort, bin $eih Vater nicht mehr?
D verzeih', bat Nanni, gewaltsam ihre Thränen ^zwingend, er fragte mich, ich sagte nicht nein, wn Du Deine Einwilligung geben würdest.
f ja, ich verstehe, lachte Eberhard wild und Ipoitlsch, man wird hinter meinem Rücken gut manoverirt haben, um dieses arme Herz zu um« aen. Aber noch bin ich da, und werde nein 9«n’’10- lanSe .ein Athemzug in mir ist.
^unerhört, rief die Mutter, woher nimmst Du Du allrn' b}2 Zukunft Deines Kindes, welche urcht zu sichern vermagst, eigensinnig zu vor
der deutsche Botschafter v. Keudel dem italienischen Minister des Aeußern, Melegari, in einem vertraulichen Gespräche zu verstehen gegeben hatte, die preußische Regierung rechne auf die Freundschaft der italienischen, um es dem Cardinal Ledochowski unmöglich zu machen, fernerhin von hier aus Jurisdictionsacte über seine Diöcesen vorzunnehmen. Melegari erstattete seinem Könige Bericht über diese Conversation, !und Victor Emmanuel, der auch schon bei manchen anderen Gelegenheiten durch persönliches Eingreifen Vorgänge verhindert hatte, die dem Papste in hohem Grade mißfällig gewesen sein würden, sandte jeneMarn- ung an Pius IX.
Berlin, 3. April.
* (Der Reichstag) hat in der laufenden Session roch folgendes ansehnliche Pensum zu erledigen: 11 die Gesetzentwürfe, betreffend die Holz- zölle, die Zuckersteuer, den Vogelschutz; die Reichskriegshäsen in allen drei/Lesungen; 2) die Gesetzentwürfe, betreffend die Gewerbeordnung, die Krankenversicherung, die Pensionirung der Reichsbeamten, die Versorgung der Wittwen und Waisen derselben, die Militärpensionen in zweiter und dritter Lesung; 3) folgende Gesetzanträge aus dem Hause: Antrag Thilenius über die Untersuchung der Rhein st rom-Verhältnisse, Antrag Windthorst, betreffend das Expatrii- rungsgesetz, Antrag Munkel über die Wie» dcrcinführung der Berufung in Strafsachen, Antrag v. Maltzahn über Aende- rung der Eidesabnahme, Antrag Kablö über Aufhebung des elsässischen Dicta- tur-Paragraphen, Antrag Phillips über die Entschädigung unschuldig Verur- theilter rc. Antrag v. Wedell (Börsensteuer) und dazu gehörig der Antrag Ausfeld über die Beschwerden gegen die Ausführung des jetzigen Börsensteuer-Gesetzes; 4) mannigfache Petitions-Berichte, darunter der über die wichtige Impfzwang-Frage, über Zoll- Angelegenheiten u. A. Diese Liste, welche die .Magdeb. Zeitung' zusammengestellt bat,
Nichten? — Nanni hat dem Apotheker fmroillig das Jawort gegeben.
Ich zweifle nicht daran, versetzte Eberhard kalt, doch darf Euer Apotheker nicht vergessen, daß Nanni noch unmündig ist und meine Einwilligung zu diesem nichtswürdigen Menschenhandel niemals erlangen wird. Geh' auf Dein Stübchen, mein Kind! setzte er weich hinzu, wie elend ich auch bin, so tief soll der Himmel mich nicht sinken lassen.
Er küßte sie auf die Stirn.
Nanni ging und mochte sie in der Einsamkeit ihres Stübchens auch meinen, als ob ihr das Herz zerbrechen wollte, so fühlte sie doch von ihrer Brust einen Alp weichen in dem sichern Gedanken, den Widerstand ihres Vaters als Schutzwehr zu besitzen gegen den grausamen Egoismus ihrer Mutter.
Als die Ehegatten allein sich gegenüberstanden, schien es, als ob das letzte Band, welches die Herzen einst so fest aneinander gefesselt, nun ganz zerrissen werden sollte. Doch Eberhard bezwang sich, in seiner Brust war in dieser letzten Stunde die Reue mit furchtbar quälenver Gewalt erwacht, da er sich den Grund, warum Nanni das schreckliche Opfer hatte bringen wollen, nicht verhehlen konnte.
Du willst also wirklich Dein einziges Kind verschachern an einen Mann, dessen Vorzug nur im Gelbe besteht? sprach er halblaut zu der Gattin;
genügt schon, um den Reichsboten die Hoffnung auf einen freien Sommer zu vergällen. Wenn nun der Etat für 1884/85 noch hinzukommt, so wird derselbe immerhin auch noch einige Tage abforbiren, um die Unmöglichkeit seiner Erledigung klarstellen zu lassen; denn fertig gestellt werden kann er schon aus physischen Gründen nicht, man braucht die politischen und constitutionellen Gesichtspunkte gar nicht erst zu betonen.
* Kiel, 2. April. (Die Weihe der dem Seebataillon verliehenen Fahne) hat gestern Vormittag bei dem prächtigsten Weiter in Gegenwart des Osficiercorps des Scebataillons, von Deputationen der Matrosen- und Werst-Division, der Spitzen der Civilbehörden und eines zahlreichen Publikums stattgefunden. Den Weiheact vollzog der Marinepfarrer Langheld, während 21 Salutschüsse abgegeben wurden. Viceadmiral Bätsch brachte das Hoch auf den Kaiser aus.
* Mainz, 2. April. (Erster Erfolg der Interpellation des Abgeordneten Wasserburg.) Ich habe Ihnen bereits von einer Interpellation gemeldet, welche auf dem hessischen Landtage wegen gewaltsamer Einstellung zumMilitär eingebracht worden ist. Derjenige, welchen die Gendarmen ertappt und nach Offenbach gebracht hatten, woselbst er in's Heer eingereiht wurde, ist vorgestern auf telegraphischen Befehl des General-Commandos des I I. Armeecorps zur Disposition entlassen worden. Wenn man etwa damit die Sache gegenstandslos gemacht zu yaveN nttiut, fu roätt dar ein großer Jrrthum. Das ist nur ein Stadium neuer Verwickelungen, denn jetzt handelt es sich erst recht darum, wer Recht hat. Wenn dem anfänglich Em- bezogenen Recht widerfahren ist, so liegt nicht nur kein Grund vor, ihm die Leistung seiner Militär» pflicht zu erlassen, sondern er muß außerdem vor Gericht gestellt und bestraft werden. Ist ihm aber Unrecht widerfahren, so mag das für ihn ein ganz gutes Pflaster auf die Wunde sein, und er wird sich wenig daraus machen, ob er um deswillen nicht zu dienen braucht, weil er militärfrei ist, ober weil er zur Disposition gestellt ist. Das ist
gib den Versuch auf, er wird sich nie realifiren, hörst Du! — niemals!
Er wandte sich der Thüre zu, die Frau hielt ihn zurück. s
Du scheinst es zu vergessen, daß wir ohne die Hilfe eines solchen Schwiegersohnes in kurzer Zeit Bettler sind! versetzte sie mit gepreßter Stimme.
Großer Gott, murmelte der unglückliche Mann, ist es soweit mit mir gekommen, daß mein eigenes Weib mir eine solche Ehrlosigkeit zumuthen darf? Ich von der Gnade dieses Menschen leben ? — Von den Thränen meines Kindes ein elendes Dasein fristen? — Wage es nicht wieder ein solches Wort zu wiederholen, Adelheid!
Und wenn die Gläubiger dieses Haus verkaufen, uns obdachlos hinaustreiben? — Was dann, Eberhard? fragte die Frau außer sich.
Dann haben wir unsere Ehre gerettet und den Frieden unseres Gewissens, versitzte er mit stolzer Ruhe. O, Adelheid! fuhr er nach einer Pause mit bewegter Stimme fort, — laß auch uns Frieden schließen, laß einen Strahl der einstigen Liebe, die so sonnig unser Haus durchleuchtete, Dein Herz aufs Neue erwärmen für die Deinen. Vereint in Liebe wollen wir die Vergangenheit für immer begraben und die Stürme der Gegenwart mit freudigem Muth beschwören. Wir sind Beide schuldig, auch ich war trotzig und ungerecht, und meinem strafbaren Leichtsinne, ja, meiner Pflichtvergessenheit ist es hauptsächlich zuzuschreiben,